Otto Sigg

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Otto Sigg (* 1943 in Seuzach) ist ein Schweizer Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Seuzach bei Winterthur, promovierte Sigg 1971 an der Universität Zürich zum Thema Zürcher Finanzwesen der Frühen Neuzeit. Ab 1969 arbeitete er im Staatsarchiv des Kantons Zürich und war von 1983 bis 2006 als dessen Direktor tätig.

Schwerpunkte seiner Forschungen und Veröffentlichungen sind die Landes- und Ortsgeschichte des Kantons Zürich, mit dem thematischen Schwerpunkt Sozial- und Agrargeschichte. Sigg ist auch als Autor des Historischen Lexikons der Schweiz (HLS) tätig und veröffentlicht Sachbücher.

Hexenprozesse in Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Siggs Aufbereitung von Originalquellen zu den Zürcher Hexenprozessen mit Todesurteilen hat grösseren medialen Anklang gefunden, insbesondere Siggs Vorschlag bei der Wasserkirche eine Gedenktafel − als Versuch einer bislang nicht erfolgten Rehabilitation der in der Stadt Zürich wegen angeblicher Hexerei zum Tod verurteilten 75 Frauen und vier Männer – anzubringen. Stellungnahmen zu Siggs Forderung einer Rehabilitation der Opfer dieser Justizmorde reichen auch heute noch von «Das ist doch schon so lange her» bis zu öffentlicher Ignoranz: «Man muss diese Ereignisse aus ihrer Zeit heraus sehen.» Eine schlichte Gedenktafel mit den Namen der Opfer erachtet Sigg als Symbol der historischen Wiedergutmachung, wobei er den jüdischen Mystiker Rabbi ben Elieser zitiert: «Vergessen führt ins Exil, Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung.» Bereits Siggs Suche nach einem Verlag gestaltete sich schwierig, sodass er das Buch nach ergebnislosen Anfragen selbst finanziert, im Selbstverlag herausgebracht und auf eine Vernissage verzichtet hat. Einen ersten Schritt hatten die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich und die Kantonsregierung 2001 gemacht, als eine Gedenkfeier für die acht Opfer des Wasterkinger Hexenprozesses abgehalten wurde, mit Verweis auf die «historische Schuld», der sich Kirche und Staat stellen müssten. «Das wars dann aber,» so Sigg, «seither ist fast nichts mehr zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels geschehen[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hexenprozesse mit Todesurteil: Justizmorde der Zunftstadt Zürich; vom bösen Geist in Stadt und Land Zürich und im aargauischen Kelleramt; Dokumentation zu den 79 mit Todesurteil endenden sogenannten Hexenprozessen im Hoheitsgebiet der Stadt Zürich 1487 - 1701; auf Grund von Quellen des Staatsarchivs Zürich. 2. Auflage, Offizin, Zürich 2013, ISBN 978-3-907496-79-4.
  • Archivführer der Zürcher Gemeinden und Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798: Zeugnisse zürcherischer Gemeinde-, Verwaltungs- und Rechtskultur im agrarischen und kirchlichen Zeitalter. Staatsarchiv des Kantons Zürich (Hg.), Zürich 2006.
  • Eidgenössische Überlieferung beim Vorort Zürich. Bank Sarasin, Basel. Basel 1990.
  • «Lob der Tüchtigkeit». Kleinjogg und die Zürcher Landwirtschaft am Vorabend des Industriezeitalters. Zum zweihundertsten Todesjahr Kleinjogg Gujers (1716–1785). Mit Texten von Otto Sigg, Hans-Ulrich Pfister, Thomas Schärli, Bildern von Werner Reich. Staatsarchiv des Kantons Zürich, Zürich 1985.
  • Zwinglis Zürich (1484–1531). Eine Publikation des Staatsarchives Zürich. Mit Texten von Otto Sigg, Thomas Schärli, Heinzpeter Stucki. Zürich 1984.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmal für die Zürcher Opfer von Hexenverfolgungen. Tages-Anzeiger. 5. November 2013. Abgerufen am 1. April 2014.