Otto Skorzeny

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Otto Skorzeny als Insasse des Gefängnisses von Nürnberg (November 1945)

Otto Skorzeny (* 12. Juni 1908 in Wien; † 5. Juli 1975 in Madrid) war ein österreichischer Offizier der Waffen-SS, zuletzt im Rang eines SS-Obersturmbannführers der Reserve. Bekannt wurde er durch seine Beteiligung am Unternehmen Eiche zur „Befreiung“ des abgesetzten und unter Arrest gestellten italienischen Diktators Benito Mussolini.

Leben bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skorzeny wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Seine Eltern waren der Bauingenieur Anton Skorzeny und Florentine Sieber. Skorzeny wurde römisch-katholisch getauft, seine Vornamen wurden in der Heiratsurkunde von 1939 (ausgestellt 1946) mit Otto Johann Anton angegeben.[1]

Bereits als Schüler engagierte er sich politisch und trat 1922 dem rechtsextremen „Deutschnationalen Mittelschülerbund Österreichs“ bei.[2] Nach seiner Matura studierte er ab 1926 an der Technischen Hochschule Wien Maschinenbau. 1927 trat er in die akademische Burschenschaft Markomannia zu Wien ein, von der er bis zu seinem Tode (1975) als Alter Herr geführt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch die deutlich sichtbaren Narben (Schmisse) aus vierzehn studentischen Mensuren, weshalb er später von den Alliierten „Scarface“ (deutsch „Narbengesicht“) genannt wurde. Im selben Jahr trat Skorzeny in die „Wiener Akademischen Legion“ ein, einem 1922 gegründeten antimarxistischen Studentenfreikorps, der sich 1928 dem Steirischer Heimatschutz anschloss und die er 1931 wieder verließ.[2] Seine Diplomarbeit handelte über die Konstruktion einer Dieselmaschine mit der er am 31. Dezember 1931 zum Diplom-Ingenieur graduierte.[3]

Karriere im Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut eigenen Angaben inspiriert von einer Rede Joseph Goebbels in Wien, trat er am 5. Mai 1932 der österreichischen NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1083671).[3] Im Februar 1934 trat er in die in Österreich illegalen Schutzstaffel ein (SS-Standarte 89 – Mitgliedsnummer 295979).[4] Am nationalsozialistischen Aufstand im Juli 1934 war er nicht beteiligt.[2]

Skorzeny arbeitete nach seinem Examen zunächst als Mechaniker in einer Autowerkstatt, danach für die Meidlinger Gerüstbau. Er heiratete im Mai 1934 Margareta Schreiber, die Tochter des Besitzers, wurde Geschäftsführer und ab 1937 Inhaber der Gerüstbaufirma. Im selben Jahr reichte er die Scheidung ein.[3]

Als Mitglied der SS war Skorzeny an den Ereignissen um den Anschluss Österreichs beteiligt. Er gehörte zu den ersten Nationalsozialisten, die am 11. März 1938 nach der Umstellung des Bundeskanzleramts durch SS-Einheiten von Ernst Kaltenbrunner, das Gebäude stürmten und den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas festsetzten.[5] Nachdem Miklas vor der nationalsozialistischen Gewalt kapitulierte, begleitete ihn Skorzeny am frühen Morgen des 12. März 1938 zurück in seine Villa, wo er ihn konfinierte.[6][7] Nach dem Krieg stilisierte sich Skorzeny selbst als „Retter“ von Miklas.[8]

Im Zuge der Novemberpogrome 1938 übernahm Skorzeny am 10. November 1938 die Aufgabe mit seiner SS-Truppe zwei Synagogen im 3. Bezirk zu zerstören, eine davon die Vereinssynagoge Müllnergasse, wobei es auch zu zahlreichen Übergriffen gegenüber jüdischen Mitbürgern kam.[9][10][11] Die Durchführung der Zerstörungen unter der Leitung des 30järigen Skorzeny erfolgte nach Vorgabe der Gestapo, Referat II.G.[12]

Eine Beförderung zum SS-Untersturmführer erfolgte am 30. Januar 1939.[13] Am 25. Mai 1939 heiratete er in Wien Emmi Linhart (* 6. Dezember 1916 in Wiener Neustadt). Beim Standesamt Wien-Alsergrund gaben die Angetrauten an, gottgläubig zu sein.[1] 1940 kam sein einziges Kind, Tochter Waltraut, auf die Welt.[14]

Mit Ausbruch des 2. Weltkriegs meldete sich Skorzeny im September 1939 freiwillig zur Waffen-SS und Frontdienstleistung.[13] Anfang Februar 1940 trat er als Reserve-Führer-Anwärter in die SS-Verfügungstruppe ein.[2] Im Rahmen der Waffen-SS-Divisionen „Das Reich“ und „Totenkopf“ nahm er als Kraftfahroffizier am Frankreich- und Jugoslawien-Feldzug teil und wurde 1941 in Russland verwundet.[4] Im April 1943 wurde er in das Reichssicherheitshauptamt (RSHA), Amt VI (Ausland – SD-Ausland) versetzt und übernahm dort am 20. April 1943 die Leitung der neuen Abteilung VI S (Schulung und Widerstandsbekämpfung), die auch für Sabotage- und Kommandoaktionen verantwortlich war.[2] Diese Karriere hatte er der persönlichen Bekanntschaft mit Ernst Kaltenbrunner zu verdanken, der im Januar 1943 Chef des RSHA wurde.[4] Am 28. April 1943 erfolgte Skorzeny Beförderung zum SS-Hauptsturmführer.[13]

Die von Skorzeny geführte Abteilung VI S war ein Konkurrenzunternehmen des RSHA zur Spezialeinheit Brandenburg der militärischen Abwehr. Aus Einheiten des SD und der Sicherheitspolizei sowie Fallschirmjägern der Waffen-SS formierte er eine spezielle Kommandotruppe, die von April bis Juni 1943 als „Sonderlehrgang z.b.V. Oranienburg“, von Juni 1943 bis April 1944 als „Sonderverband z.b.V. Friedenthal“ und ab April 1944 als „SS-Jägerbataillon 502“ zum Einsatz kam.[15][2]

„Befreiung“ Benito Mussolinis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skorzeny mit Harald Mors und Mussolini vor dem Hotel Campo Imperatore, 12. September 1943

Eine fälschlicherweise Skorzeny zugeschriebe Aktion war die sogenannte „Befreiung von Mussolini“. Nachdem Mussolini auf Befehl des Königs Viktor Emanuel III. am 25. Juli 1943 verhaftet wurde machte Hitler die Suche nach dem Duce zur Chefsache und beauftragte Ende Juli 1943 außerhalb der militärischen Befehlskette den General der Fallschirmtruppe Kurt Student Mussolini ausfindig zu machen und nach Deutschland zu bringen.[16] Hitler ließ sich regelmäßig über den Vorgang unterrichten. Kurt Student ordnete am 12. September 1943 das Unternehmen Eiche an, eine Befreiungsaktion, die jedoch in Wahrheit eine „regelrechte Entführung“ war. Student unterstand auch eine SS-Sondereinheit, die von Otto Skorzeny geführt wurde.[16] Während Kurt Student für die Planung und Ausführung der Aktion verantwortlich war, übernahm Skorzeny reine Sicherungsaufgaben und war für die Ermittlung des Aufenthaltsorts Mussolinis zuständig.[2]

Wochen vorher suchte Skorzeny in ganz Italien nach Mussolini. Der erste Hinweis kam jedoch nicht von Skorzeny, sondern von Herbert Kappler, der als Aufenthaltsort La Maddalena lokalisierte. Skorzeny, der die Anwesenheit von Mussolini bestätigen wollte, umkreiste am 18. August 1943 im Tiefflug die Inselgruppe. Er wurde jedoch von den Bewachern Mussolinis entdeckt, die den Ex-Diktator daraufhin zum Hotel Campo Imperatore im Gebirgszug Gran Sasso verlegten.[16]

Nachdem nach einigen Wochen der neue Aufenthaltsort ausfindig gemacht werden konnte, gelang es den Fallschirmjägern Students am 12. September 1943 in einer spektakulären Aktion mittels Lastensegler Mussolini außer Landes zu bringen. Otto Skorzeny konnte erreichen, dass er und einige seiner SS-Männer an der Aktion teilnehmen durften. Skorzeny gefährdete sogar den glücklichen Ausgang des Unternehmens, indem er darauf bestand zusammen mit dem Ex-Dikator zu fliegen, so dass die Maschine beim Abflug überladen war.[17][18]

Obwohl Skorzeny weder an der direkten Planung dieser Operation beteiligt war noch Befehlsgewalt dabei hatte, wurde er für die Befreiungsaktion hoch gelobt, zum SS-Sturmbannführer befördert und am 13. September 1943 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.[2] In der NS-Propaganda wurde bewusst verschwiegen, dass es sich bei dem Einsatz primär um eine von Angehörigen der Fallschirmjägertruppe geplante und ausgeführte Operation gehandelt hatte, während die Rolle Skorzenys und seiner SS-Leute stark aufgebauscht wurde.[18][19]

Die Jahre 1944 und 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skorzeny (links), Adrian von Fölkersam (Mitte) und Walter Girg (rechts) in Budapest, Oktober 1944

Durch eine Umstrukturierung des militärischen Geheimdienst und der Übernahme von Teilen durch das RSHA wurde Skorzeny im Juli 1944 Gruppenleiter der Abteilung D (Sabotage und Zersetzung) des neu formierten „Amt Mil“ des RSHA.[20]

Im Oktober 1944 erfolgte der Einsatz von Skorzeny im Rahmen des Unternehmens Panzerfaust in Ungarn. Dabei handelte es sich um einen „SS-Putsch“ gegen Miklós Horthy und die ungarische Regierung, den verfassungsgemäß bestellten Repräsentanten eines verbündeten Staates, da es Anzeichen gab, dass Ungarn das Bündnis mit Deutschland aufkündigen wollte.[21] Unter der Leitung von Skorzeny wurden am 15. Oktober 1944 die wichtigen Regierungsstellen in Budapest durch seine Sondereinheit gestürmt und Miklós Horthy jr., der einzige lebende Sohn Horthys, mittels Flugzeug nach Deutschland entführt. Mit der Aussicht, dass „sein Sohn an die Wand gestellt“, wenn er nicht Folge leisten würde, gab Horthy der Erpressung nach, erklärte seinen Rücktritt und begab sich in deutsche Gefangenschaft.[22] Horthy wurde durch Ferenc Szálasi, einen Vertreter der faschistischen Pfeilkreuzler, ersetzt. Skorzeny wurde noch im Oktober zum SS-Obersturmbannführer befördert.[13]

Im November 1944 wurde das von Skorzeny geführte „SS-Jägerbataillon 502“ in die „SS-Jagdverbände“ überführt, einer SS-Kommandotruppe für Sabotage und Zersetzung. Zusätzlich wurde das SS-Fallschirmjäger-Bataillon 600 in die „SS-Jagdverbände“ integriert, Skorzeny als Kommandant berufen.[23][24] Skorzeny erhielt den Auftrag, im sowjetischen Hinterland eine Widerstandsorganisation aufzubauen und mit antikommunistischen Partisanen Kontakt aufzunehmen. Dazu gehörten verschiedene antisowjetische Gruppen im sowjetischen Hinterland bis zum Kaukasus.[25] Bei einem Treffen mit den weißrussischen Kollaborateuren Radaslau Astrouski, Usewalad Rodska und Mikola Abramtschyk beschloss Skorzeny eine Zusammenarbeit, um Rekruten und Personal für Sabotage-Einsätze und zur Trainierung von Infiltratoren zu finden. Diese Zusammenarbeit wurde durch die Errichtung von zwei SD-Anlagen in Dahlwitz-Hoppegarten sowie in Walbuze in Ostpreußen verwirklicht, wo den Rekruten die Nutzung von Funkverbindungen, Codierung, Demolierung und Tötungstechniken beigebracht wurde.[26]

Skorzeny bei einer Lagebesprechung mit SS-Führern einer SS-Fallschirmjäger-Einheit an der Oder (Februar 1945)

Im Rahmen der Ardennenoffensive stellte Skorzeny im Dezember 1944 einen Kommandoverband auf, dessen Soldaten – in amerikanischen Uniformen getarnt – hinter den gegnerischen Linien Brücken über die Maas handstreichartig nehmen und für die nachfolgenden Panzerdivisionen offen halten sollten (Unternehmen Greif). Diese Aktion hatte keinen Erfolg.[2]

Um eine Ostfrontlücke zu schließen erhielt Skorzeny am 30. Januar 1945 von Heinrich Himmler den Befehl mit seinen SS-Jagdverbänden den Brückenkopf Schwedt/Oder zu verteidigen. Himmler enthob Skorzeny am 21. Februar 1945 von seiner Stellung als Kommandant des Brückenkopfs, nachdem rund 30 Prozent seiner Jagdverbände aufgerieben wurden.[27] In Schwedt fand ein militärisches Standgericht unter dem Vorsitz von Skorzeny statt. Weil er die Stadt ohne Rückzugsbefehl verlassen hatte wurde am 4. Februar 1945 Kurt Flöter, der Bürgermeister und Volkssturm-Kommandant von Königsberg/Neumark, durch Skorzenys Gericht zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet.[28]

Im März 1945 wurde er ins Alpengebiet geschickt und sollte mithelfen, den letzten deutschen Widerstand in der angeblichen „Alpenfestung“ zu organisieren. Er versammelte in Bad Aussee zwischen 250 bis 300 Angehörige verschiedener SS-Sonderverbände, denen er Ende April dem Namen „Schutzkorps Alpenland“ gab.[29] Am 16. Mai 1945 stellte sich Skorzeny US-amerikanischen Streitkräften in Annaberg der 3. US-Infanteriedivision und wurde nach Salzburg zum Verhör gebracht.[29] Später wurde er in das Internierungslager Dachau verlegt und vom Counter Intelligence Corps verhört.[30][31]

Leben nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internierung und Kriegsverbrecherprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner Internierung in Dachau wurde Skorzeny als Kriegsverbrecher angeklagt, da seine Kommandos während der Ardennenoffensive völkerrechtswidrig in amerikanischen Uniformen operiert hatten. Vom 18. August bis zum 9. September 1947 wurde der Prozess (United States of America v. Otto Skorzeny et al.) gegen ihn und neun weitere Angeklagte als Teil der Dachauer Prozesse geführt. Die Angeklagten wurden „der mißbräuchlichen Benutzung feindlicher Umformen, der Beraubung von Kriegsgefangenen, der Nicht- Aushändigung von Paketen an Kriegsgefangene sowie der Mißhandlung und Tötung amerikanischer Kriegsgefangener“ beschuldigt.[32] Obwohl Skorzeny vom Chefankläger Albert H. Rosenfeld zum „the most dangerous man in Europe“ deklariert wurde, erhielten er und alle Angeklagten einen Freispruch, da der britische Offizier Edward Yeo-Thomas als Zeuge der Verteidigung bestätigte, dass alliierte Spezialeinheiten ebenfalls in gegnerischen Uniformen gekämpft hätten.[33]

Anschließend an seinen Prozess in Dachau wurde Skorzeny den deutschen Behörden für weitere Untersuchungen übergeben und saß im Gefängnis von Darmstadt ein. Am 27. Juli 1948 wurde ihm mit Hilfe des Gefängniskommandanten die Flucht ermöglicht, so dass er sich einer möglichen weiteren Strafe entziehen konnte.[34] Zuletzt versteckte er sich unter dem Pseudonym Rolf O. S. Steinbauer[35] in Spanien.

Die Verhaftung seines Bruder Alfred 1948 durch die Sowjets, der am 13. Dezember 1948 zu 20 Jahren Besserungslager wegen angeblicher Spionagetätigkeiten verurteilt wurde, erfolgte laut Stefan Karner „offensichtlich aufgrund einer Verwechslung mit seinem Bruder Otto oder aber infolge der von den Sowjets praktizierten Sippenhaftung“. Im Jahr 1955 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen und zurück nach Deutschland geschickt.[36]

Flucht nach Frankreich, Spanien und Argentinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skorzeny floh zunächst nach Paris, dann nach Spanien und 1949 nach Argentinien. Laut einem US-Geheimbericht vom 20. Januar 1947[37] soll Skorzeny der Führer des angeblichen Untergrund-Netzwerks O.d.e.SS.A. gewesen sein (Existenz nie bewiesen), dessen Aufgabe gewesen sein soll, ehemaligen NS-Größen zur Flucht aus Europa zu verhelfen. Skorzeny soll zu Albert Schnez Kontakt gehabt haben.[38] Zudem wurden ihm Verbindungen zum Naumann-Kreis, der Organisation Gehlen und der CIA nachgesagt.[39]

Im Februar 1950 meldete Der Spiegel: „Otto Skorzeny verkaufte seine Memoiren der Münchener Illustrierten Quick. Die Memoiren werden von dem Publizisten Hans Werner Richter kommentiert und, wo nötig, richtiggestellt. Sie sollen aufschlußreiches und sehr ernüchterndes Material über die Herren des ‚Dritten Reiches‘ enthalten. Die Buchrechte hat sich ein Hamburger Verlag gesichert.“[40]

Rückkehr nach Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1950er-Jahre kehrte er wieder ins franquistische Spanien zurück, wo er unter dem Schutz des spanischen Diktators Francisco Franco stand. Daher musste er keinerlei Einschränkungen mehr befürchten und konnte weiterhin Kontakte zu ehemaligen Größen der NS-Zeit, vor allem Léon Degrelle, aufrechterhalten. In einer einschlägigen Darstellung heißt es, Skorzeny sei in Spanien „ein Kristallisationspunkt für eine beträchtliche Anzahl von Männern“ gewesen. In dieser Zeit schrieb er auch seine Erinnerungen unter dem Titel Lebe gefährlich nieder und brüstete sich in mehreren Interviews seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs.[41]

1952 heiratete er zum dritten Mal. Ab 1953 fungierte er unter anderem als Berater des argentinischen Präsidenten Juan Perón und des ägyptischen Staatschefs Nasser. Er hielt sich 1957 und 1958 mehrfach in Irland auf, wo er 1959 eine Farm im County Kildare kaufte. Er erhielt allerdings kein permanentes Aufenthaltsrecht der irischen Behörden und durfte sich so lediglich sechs Wochen pro Jahr im Land aufhalten. 1971 verkaufte er die Farm.[42]

Skorzeny war durch seine diversen Geschäftstätigkeiten (unter anderem hatte er die Generalvertretung der österreichischen VÖEST für Spanien und Lateinamerika) wohlhabend, er bewohnte in Madrid eine Etagenwohnung und besaß auf Mallorca ein Fischerhaus.[43] In Madrid besaß er zudem ein Import- und Export-Unternehmen sowie ein Ingenieurbüro.[44] Er pflegte auch weiterhin Beziehungen zu früheren SS-Männern und gründete 1966 die Neonazibewegung Círculo Español de Amigos de Europa (CEDADE).

Angebliche Tätigkeit für den Mossad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der israelische Historiker Benny Morris belegte bereits 1991 in seinem grundlegenden Werk über die Geheimdienstaktionen des Staates Israel die Zusammenarbeit des Mossad mit Skorzeny.[45] Neuere Publikationen behaupten zudem, dass Skorzeny vom Mossad mit Mordaktionen beauftragt worden sei und diese auch erfolgreich durchgeführt habe. Am 27. März 2016 meldete die Tageszeitung Haaretz, Otto Skorzeny sei 1962 vom israelischen Geheimdienst Mossad angeworben worden und habe für diesen gearbeitet. So soll er Anfang 1962 in Ägypten und Deutschland eine Liste deutscher Spezialisten und Unternehmen erstellt haben, die am ägyptischen Raketenprogramm arbeiteten. Skorzeny sei im Rahmen der Anwerbung nach Yad Vashem in Israel eingeladen worden und habe als Gegenleistung verlangt, von der Wiesenthal-Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher gestrichen zu werden. Während Simon Wiesenthal dies ablehnte, soll der Mossad Skorzeny darüber getäuscht und lediglich von der eigenen Liste genommen haben.

Im Laufe des Jahres 1962 beendeten mehrere deutsche Ingenieure und Unternehmen nach einer direkten Ansprache durch die Israelis ihre Zusammenarbeit mit Ägypten. Es verblieben aber genügend Spezialisten, um das Raketenprogramm fortzuführen. Den Rüstungsunternehmer Heinz Krug, der führend daran beteiligt war, soll Skorzeny am 11. September 1962 bei München in eine Falle gelockt und erschossen haben. Schon damals kamen Gerüchte über eine Beteiligung des Mossad am spurlosen Verschwinden des Unternehmers auf. Über eine Anwerbung Skorzenys durch den Mossad war bereits 1989 berichtet worden, nicht aber über die Tötung Krugs. Darüber hinaus soll Skorzeny eine Paketbombe an eine ägyptische Forschungseinrichtung verschickt haben, die deutsche Wissenschaftler beschäftigte. Bei der Detonation seien fünf Ägypter ums Leben gekommen.[46][47][48]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Skorzeny starb am 6. Juli 1975 im Alter von 67 Jahren in Madrid an Lungenkrebs. Er wurde eingeäschert, die Urne später auf dem Döblinger Friedhof beigesetzt.[49] Bei seiner Beerdigung in Wien salutierten „alte Kameraden“ mit dem Hitlergruß.[47]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geheimkommando Skorzeny. Autobiografie. Hansa Verlag Toth, Hamburg 1950, OBV, DNB.
  • Lebe gefährlich. Deutsche Kommandos im 2. Weltkrieg, Band 1, 2. Auflage. Cramer, Königswinter 1973, ISBN 3-920139-00-3.[50]
  • Wir kämpften – wir verloren. Für Deutschland, Band 4. Ring-Verlag, Siegburg-Niederpleis 1962, OBV, DNB.[50]
  • Skorzeny’s Special Missions. The Memoirs of ’The Most Dangerous Man in Europe’. Greenhill Books, London 1997, ISBN 1-85367-291-2.
  • Meine Kommandounternehmen. Klassiker der Zeitgeschichte. Winkelried-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-938392-11-9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otto Skorzeny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heiratsurkunde des Standesamtes Wien-Alsergrund Nr. 517/1939 vom 25. Mai 1939, ausgestellt am 10. Mai 1946.
  2. a b c d e f g h i Carlo Gentile, Skorzeny, Otto in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 491f.
  3. a b c Stuart Smith, Otto Skorzeny: The Devil's Disciple, Bloomsbury Publishing 2018, S. 23.
  4. a b c Thomas Riegler, «The most dangerous man in Europe»? Eine kritische Bestandsaufnahme zu Otto Skorzeny, In: Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies (JIPSS) Vol 11, Nr. 1/2017, S. 18
  5. Thomas Chorherr, 1938, Anatomie eines Jahres, Überreuter 1987, S. 165ff
  6. Hans-Werner Scheidl, Die Kapitulation im Zeitraffer: «Wir weichen der Gewalt», Dokumentation in Die Presse vom 8. März 2013, online einsehbar
  7. Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hrsg. und Verlag), Wien 1938, 1978, S. 127
  8. Stuart Smith, Otto Skorzeny: The Devil's Disciple, Bloomsbury Publishing 2018, S. 27f.
  9. Herbert Exenberger, Gleich dem kleinen Häuflein der Makkabäer: die jüdische Gemeinde in Simmering 1848-1945, Mandelbaum-Verlag 2009, S. 292
  10. Parlamentsanfrage der Abgeordneten Hofeneder, Mittendorfer und Piffl-Percevic vom 21. Juni 1961 Online einsehbar
  11. Fritz Rubin-Bittmann, Der Jud muss weg, sein Gerschtl bleibt da, Wiener Zeitung vom 9. November 2018, Online einsehbar
  12. Marta Marková, Auf Knopfdruck: Vienna Postwar Flair, LIT-Verlag 2018, S. 86
  13. a b c d Peter Broucek, Militärischer Widerstand: Studien zur österreichischen Staatsgesinnung und NS-Abwehr, Böhlau 2008, S. 415
  14. Stuart Smith, Otto Skorzeny: The Devil's Disciple, Bloomsbury Publishing 2018, S. 29
  15. Agilolf Keßelring, Die Organisation Gehlen und die Neuformierung des Militärs in der Bundesrepublik, Ch. Links Verlag 2017, S. 418
  16. a b c Wolfgang Schieder, Adolf Hitler – Politischer Zauberlehrling Mussolinis, Walter de Gruyter 2017, S. 167
  17. Jochen von Lang, Claus Sibyll, Die Gestapo: Instrument des Terrors, Rasch und Röhring 1990, S. 234
  18. a b Jan Molitor, Die Wahrheit über Skorzeny, Die Zeit vom 23. Februar 1950, Online einsehbar
  19. Johanna Lutteroth: Mussolini-Rettung "Unternehmen Eiche". "Duce, der Führer schickt mich. Sie sind frei!", Spiegel Online, 12. September 2013.
  20. Norbert Müller, Das Amt Ausland-Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht: eine Dokumentation, Bundesarchiv 2007, S. 590
  21. Hans Georg Lehmann, Unternehmen Panzerfaust. Der Putsch der SS in Budapest am 15. Oktober 1944, in: Ungarn-Jahrbuch 5 (1973) S. 219
  22. Hans Georg Lehmann, Unternehmen Panzerfaust. Der Putsch der SS in Budapest am 15. Oktober 1944, in: Ungarn-Jahrbuch 5 (1973) S. 220
  23. Rudolf Absolon, Die Wehrmacht im Dritten Reich: 19. Dezember 1941 bis 9. Mai 1945, H. Boldt 1995, S. 143
  24. Magnus Pahl, Fremde Heere Ost: Hitlers militärische Feindaufklärung, Ch. Links Verlag 2013, S. 109
  25. Hermann Zolling, Heinz Höhne: Pullach intern. General Gehlen und die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes. Hoffmann und Campe, Hamburg 1971, ISBN 3-455-08760-4, S. 89
  26. Perry Biddiscombe: The SS Hunter Battalions. The Hidden History of the Nazi Resistance Movement 1944–45. Tempus, Stroud 2006, ISBN 0-7524-3938-3, S. 65f.
  27. Magnus Pahl, Fremde Heere Ost: Hitlers militärische Feindaufklärung, Ch. Links Verlag 2013, S. 247f
  28. Sven Keller, Volksgemeinschaft am Ende: Gesellschaft und Gewalt 1944/45, Walter de Gruyter 2013, S. 90
  29. a b Thomas Riegler, «The most dangerous man in Europe»? Eine kritische Bestandsaufnahme zu Otto Skorzeny, In: Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies (JIPSS) Vol 11, Nr. 1/2017, S. 23ff
  30. Artikel auf wcstumpmilitaria.com
  31. How did Hitler’s scar-faced henchman become an Irish farmer? auf der Website der BBC
  32. Robert Sigel: Im Interesse der Gerechtigkeit. Die Dachauer Kriegsverbrecherprozesse 1945–48. Campus, Frankfurt am Main 1992, ISBN 978-3-593-34641-0, S. 124 ff.
  33. Martin A. Lee, The Beast Reawakens: Fascism's Resurgence from Hitler's Spymasters to Today's Neo-Nazi Groups and Right-Wing Extremists, Routledge 2011, S. 33
  34. Otto Skorzeny. In: Der Spiegel. Nr. 36, 1948, S. 18 (online).
  35. Menschen & Mächte: Idole der Nazis (1): Otto Skorzeny – SS-Agent für Hitler. Erstausstrahlung in ORF 2 am 2. Dezember 2010.
  36. Stefan Karner: Im Archipel GUPVI. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1995, S. 34ff.
  37. Guido Knopp: Die SS – Eine Warnung der Geschichte. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2003, S. 378.
  38. BND-Akten: Weltkriegsveteranen bauten geheime Armee auf. Spiegel Online, 11. Mai 2014.
  39. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 585.
  40. Otto Skorzeny. In: Der Spiegel. Nr. 8, 1950, S. 33 (online).
  41. Tim Ripley: Die deutschen Spezialeinheiten und ihre Waffensysteme. 1939–1945. Panzer – Kampfflugzeuge – U-Boote – V1 – V2. Neuer Kaiser Verlag, Klagenfurt 2003, ISBN 3-7043-5036-2, S. 147.
  42. Terence O’Reilly: Hitler’s Irishmen. Mercier Press, 2008, ISBN 978-1-85635-589-6.
  43. Holger Weber, MallorcaZeitung, 17. Januar 2008: Spanien: Ein Paradies für Hitlers Schergen
  44. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 585.
  45. Benny Morris / Ian Black, Israel’s Secret Wars. A History of Israel’s Intelligence Service, New York 1991, S. 198.
  46. Dan Raviv, Yossi Melman: The Strange Case of a Nazi Who Became an Israeli Hitman. Haaretz, 27. März 2016, abgerufen am 28. März 2016.
    Raketen-Krug: Freunde der Braut. In: Der Spiegel. Nr. 40, 1962 (online).
    Sven Felix Kellerhoff: Tötete Hitlers Held Otto Skorzeny für Israel? Welt Online, 29. März 2016.
  47. a b Lorenz Hemicker: Hitlers „gefährlichster Mann“ Vom SS-Kriegshelden zum Mossad-Killer? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. März 2016, abgerufen am 29. März 2016.
  48. Marianne Enigl: Zeitgeschichte: Der österreichische SS-Offizier Skorzeny und der Mossad. In: profil. 5. April 2016, abgerufen am 11. April 2016.
  49. Hedwig Abraham (Red.): Skorzeny Otto. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 13. Juni 2016.
  50. a b 1971 auf den Index der Deutschen Prüfstelle für jugendgefährdende Schriften gesetzt. – Siehe: Zwei Bücher des Mussolini-Befreiers (…). In: Arbeiter-Zeitung. Wien 12. Jänner 1971, S. 6, Mitte rechts (arbeiter-zeitung.at – das offene Online-Archiv – Digitalisat).
  51. Inhaltstext online.