Otto Wacker (Kunsthändler)

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Otto Wacker (* 11. August 1898 in Düsseldorf; † 13. Oktober 1970 in Berlin) war ein deutscher Kunsthändler und Tänzer.[1] Er war in den 1920er-Jahren in einen aufsehenerregenden Prozess um gefälschte Bilder Vincent van Goghs verwickelt.

Otto Wacker war ein Sohn des Kunstmalers Hans Wacker (1868–1958). Nachdem er sich in verschiedenen anderen Berufen betätigt hatte und u. a. als Tänzer unter dem Pseudonym Olinto Lovaël (auch: Olindo Lovaël) eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte[2], wurde Otto Wacker 1925 Kunsthändler. Er verkaufte schwerpunktmäßig Gemälde van Goghs und galt als zuverlässig in Kunstkreisen.

Im Januar 1928 fand im Kunstsalon Cassirer eine van-Gogh-Ausstellung statt, die von Otto Wacker beliefert wurde. Wacker behauptete, die Bilder stammten aus einer russischen Privatsammlung und wies Expertisen von Jacob-Baart de la Faille und Julius Meier-Graefe vor. Grete Ring und Walter Feilchenfeldt, die Organisatoren der Ausstellung, erkannten jedoch, dass ein Teil der Bilder Fälschungen waren. Weitere Nachforschungen ergaben 33 verdächtige Bilder, die alle von Wacker geliefert worden waren. Viele Berliner Kunsthändler nahmen Bilder, die von Wacker stammten, wieder von ihren Kunden zurück.

Der Prozess gegen Wacker begann am 6. April 1932. Vincent Wilhelm van Gogh, ein Neffe des Malers, wurde zuerst befragt und erklärte, dass die Familienüberlieferung keinen Russen kenne, der Gemälde gekauft hätte. De La Faille dagegen äußerte die Meinung, dass fünf von den Bildern echt wären. Schließlich wurde Wacker zu 19 Monaten Gefängnis und 30.000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Da er die Geldstrafe nicht zahlen konnte, wurde die Gefängnisstrafe um 300 Tage erhöht. Wacker kam erst 1935 wieder frei.

Der vor und während des Wacker-Prozesses geführte Expertenstreit um die Echtheit der Bilder wurde von Kurt Tucholsky im April 1932 in der Weltbühne parodiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Wacker – nach Tätigkeiten als Tänzer und Tanzdramaturg in Erfurt und Weimar von 1945 bis 1950 – ab 1951 in Ost-Berlin, wo er u. a. als Tanzreferent und Tanzautor tätig war[3] und eine Tanzschule betrieb. Auf dem Kunstmarkt betätigte er sich nicht mehr. Einige der von ihm angebotenen Gemälde sind inzwischen verschwunden, aber die Experten sind sich einig, dass keines von ihnen echt ist.

Die gefälschten van Goghs waren wahrscheinlich das Werk seines Vaters oder seines Bruders Leonhard Wacker (* 1895), der ebenfalls Maler (und Restaurator) war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grete Ring: Der Fall Wacker. In: Kunst und Künstler, Mai 1932, S. 153–165.
  • Stefan Koldehoff: The Wacker forgeries: a catalogue. In: Van Gogh Museum Journal, 2002, S. 139 ff. (online)
  • Nora Koldehoff: Die Wacker-Prozesse. Eine Rekonstruktion. In: Stefan Koldehoff: Van Gogh. Mythos und Wirklichkeit. Köln 2003, ISBN 3-8321-7267-X.
  • Susanna Partsch: Tatort Kunst. München 2010, ISBN 978-3-406-60621-2.
  • Modris Eksteins: Solar Dance. Genius, Forgery, and the Crisis of Truth in the Modern Age. Harvard University Press, Cambridge MA, 2012.
  • Nora und Stefan Koldehoff: Der van Gogh-Coup. Otto Wackers Aufstieg und Fall. Nimbus, Wädenswil am Zürichsee 2019, ISBN 978-3-03850-064-3.
  • Eberhard Schröter: Der tote Vincent malt und malt: Roman des großen Berliner Fälschungsskandals. Books on Demand, 2019, ISBN 978-3750418592.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl.: Nora und Stefan Koldehoff: Der van Gogh-Coup. Otto Wackers Aufstieg und Fall. Nimbus, Wädenswil am Zürichsee 2019, S. 31–40, 169ff.
  2. Vgl. u. a. Elegante Welt, 13. Jg., Nr. 3 vom Februar 1924, S. 23f.
  3. Nora und Stefan Koldehoff: Der van Gogh-Coup. (...) S. 169ff.