Otto Warmbier

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Otto Frederick Warmbier [ˈɒtɔ ˈwə̆ɹmbiə̯ɹ] (* 12. Dezember 1994 in Cincinnati, Ohio; † 19. Juni 2017 ebenda)[1][2] war ein amerikanischer Student, der im März 2016 in Nordkorea zu 15 Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt wurde, weil er versucht haben soll, ein Propagandabanner zu stehlen. Er wurde im Juni 2017, im Wachkoma liegend, in die USA entlassen, wo er wenige Tage später verstarb.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warmbier wuchs als ältestes von drei Kindern einer jüdischen Familie auf. Sein Vater Fred Warmbier ist Inhaber eines metallverarbeitenden Betriebs.[3]

2013 schloss Warmbier in Wyoming, einem Vorort von Cincinnati in Ohio, die Highschool als zweitbester Schüler seiner Klasse ab.[4] Anschließend studierte er Wirtschaftswissenschaften an der University of Virginia, wo er aktives Mitglied in der jüdischen Studentenorganisation Hillel war.

Festnahme und Verurteilung in Nordkorea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Yanggakdo International Hotel in Pjöngjang, wo der Diebstahl stattgefunden haben soll

Im Dezember 2015 reiste Warmbier mit einem chinesischen Reiseveranstalter als Teil einer zehnköpfigen Touristengruppe zu einem fünftägigen, über den Jahreswechsel andauernden Aufenthalt nach Nordkorea. Zuvor hielt er sich in China auf und wollte anschließend in Hongkong ein Auslandssemester absolvieren.[5]

Am 2. Januar 2016 wurde er kurz vor dem geplanten Rückflug am Flughafen Pjöngjang wegen „feindlicher Aktivitäten“ festgenommen, weil er versucht haben soll, aus dem Mitarbeiterbereich des Yanggakdo International Hotels in Pjöngjang ein Propagandabanner zu stehlen.[6]

Am 29. Februar 2016 gestand Warmbier bei einer Pressekonferenz seine Tat und bezeichnete diese als „sehr schwer und geplant“. Er habe das Banner von der Wand genommen. Da es „viel größer und schwerer“ als erwartet gewesen sei, habe er anschließend erkannt, dass er es nicht stehlen könne und das Banner auf den Boden gelegt.[7] Er gab weiter an, er habe den Diebstahl für die Mutter eines Freundes begehen wollen, die das Banner als Souvenir an einer Kirchenwand in seinem Heimatort Wyoming anbringen wollte und ihm dafür einen Gebrauchtwagen im Wert von 10.000 US-Dollar angeboten habe; falls er in Nordkorea verhaftet würde und dort bleiben müsste, würden seiner Mutter 200.000 US-Dollar ausbezahlt. Nach Einschätzung von Spiegel Online handelte es sich um einen „offenbar erzwungenen Auftritt“.[8]

Am 16. März 2016 wurde er vom Obersten Gerichtshof Nordkoreas zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt.[9]

Zwei Stunden vor Verkündung des Urteils hatte der frühere Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, bei einem Treffen mit zwei nordkoreanischen Diplomaten vergeblich versucht, Warmbiers Freilassung zu erwirken.[10][11][12]

Warmbier soll seine Tat vor Gericht mit folgenden Worten gestanden haben:

“I never, never should have allowed myself to be lured by the United States administration to commit a crime in this country, I wish that the United States administration never manipulate people like myself in the future to commit crimes against foreign countries. I entirely beg you, the people and government of the DPRK, for your forgiveness. Please! I made the worst mistake of my life!”

„Ich hätte mir nie, nie erlauben sollen, mich von der US-Regierung dazu verlocken zu lassen, ein Verbrechen in diesem Land zu begehen. Ich wünsche mir, dass die US-Regierung in Zukunft keine Personen wie mich dazu manipulieren wird, Verbrechen gegen fremde Länder zu begehen. Inständig bitte ich Sie, das Volk und die Regierung Nordkoreas um Ihre Vergebung. Bitte! Ich habe den schlimmsten Fehler meines Lebens begangen!“

Otto Warmbier[13]

Inhaltliche Richtigkeit und Freiwilligkeit des Geständnisses wurden in westlichen Medien durchgängig bezweifelt, das Verfahren wurde als Schauprozess gewertet.[14][15][16]

Ria Westergaard Pedersen, eine dänische Journalistin, die zusammen mit der Reisegruppe von Otto Warmbier in Nordkorea unterwegs gewesen war, bezweifelte in einem späteren Interview, dass Warmbier eine kriminelle Tat begangen habe. Bei anderen Gelegenheiten sei er vorsichtig und nervös darum bedacht gewesen, nicht gegen die Vorschriften zu verstoßen. Er sei einfach von den Nordkoreanern als junger, für Propagandafotos tauglicher Amerikaner herausgepickt worden, um als Sündenbock der Weltöffentlichkeit vorgeführt zu werden.[17]

Rückführung und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warmbier wurde am 13. Juni 2017 aus medizinischen Gründen (aus nordkoreanischer Sicht aus „humanitären Gründen“) im Wachkoma liegend[18] in die Vereinigten Staaten entlassen. Zuvor gab es diplomatische Bemühungen des US-Außenministers Rex Tillerson und des schwedischen Außenministeriums, das die Interessen der Vereinigten Staaten in Nordkorea vertritt. Nach nordkoreanischen Angaben war Warmbier bereits kurz nach seinem Verfahren 2016 an Botulismus, einer Lebensmittelvergiftung, erkrankt und soll nach Verabreichung eines Schlafmittels in ein Koma gefallen sein, aus dem er bis zu seiner Überstellung in die Vereinigten Staaten nicht mehr erwachte.[19] Nach seiner Rückführung in die Vereinigten Staaten wurden bei Warmbier großflächige Schäden am Hirngewebe diagnostiziert.[20] Von seinen amerikanischen Ärzten wird als Ursache der Hirnschäden ein Herzstillstand und eine dadurch entstandene Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff angenommen, weil sich keine für eine Botulismusvergiftung typischen Nervenschädigungen nachweisen ließen. Warmbier konnte bei den Untersuchungen atmen, die Augen öffnen und unkontrolliert blinzeln, zeigte jedoch keine Reaktionen auf seine Umgebung.[21][22]

Der Vater von Otto Warmbier kritisierte, dass er von nordkoreanischer Seite 15 Monate lang keine Informationen über seinen Sohn erhalten habe.[23]

Warmbier starb am 19. Juni 2017.[1] Auf Wunsch seiner Eltern fand keine Obduktion statt.[24]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Warmbiers Familie ebenso wie US-Präsident Donald Trump und Außenminister Rex Tillerson machten Nordkorea für den Tod des Studenten verantwortlich. Tillerson kündigte Konsequenzen an und forderte die Freilassung von drei weiteren US-Bürgern.[25]

Die chinesische Reiseagentur Young Pioneer Tours mit Sitz in Xi’an nahm Reisen von US-Bürgern nach Nordkorea aus ihrem Programm.[26] Ungewöhnlich scharf kritisierte auch China den Vorfall und lockerte Zensurrichtlinien in ihren sozialen Netzwerken.[27]

Nordkorea äußerte sich am 23. Juni 2017 erstmals offiziell in einem Text der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zu dem Fall und bestritt, Warmbier gefoltert oder grausam behandelt zu haben. Warum Warmbier unmittelbar nach Rückkehr in die USA starb, sei ihnen „auch ein Rätsel“, wurde ein Sprecher des Außenministeriums zitiert. Er sei „ein Opfer der Politik der strategischen Geduld“ des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, denn dessen Regierung habe nie die Freilassung des Studenten beantragt.[28] Kritiker, die „absolut keine Ahnung haben, wie gut wir Warmbier unter humanitären Bedingungen behandelt haben“, unterstellten Nordkorea stattdessen Misshandlung und Folter. Man sei gemäß nationalem Recht und internationalen Standards mit ihm umgegangen.[29]

Ab August 2017 dürfen Bürger der Vereinigten Staaten nach einem Beschluss von US-Präsident Donald Trump nicht mehr nach Nordkorea einreisen. Ausgenommen sind US-Bürger, die zusätzlich einen ausländischen, für Nordkorea gültigen Reisepass besitzen.[30][31]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Susan Svrluga, Anna Fifield: Otto Warmbier dies days after release from North Korean detainment. In: The Washington Post online. 19. Juni 2017 (englisch).
  2. What happened to Otto Frederick Warmbier. In: Gazette Review. Abgerufen am 14. Juni 2017 (englisch).
  3. Introducing A Small Business Owner Who Discovered Growth Is A Blessing And A Curse. In: Forbes online. 26. September 2015.
  4. Solveig Bach: Wer war Otto Warmbier? In: n-tv.de. 20. Juni 2017.
  5. Britta Kollenbroich: Chronologie einer tödlichen Nordkorea-Reise. In: Spiegel Online. 20. Juni 2017.
  6. North Korea arrests US student for 'hostile act'. In: bbc.com. BBC, 22. Januar 2016, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  7. Stimme Koreas: Full Press Conference with U.S. Student Otto Frederick Warmbier in North Korea (only English) (ab 0:23:30) auf YouTube
  8. Öffentliches Geständnis: Nordkorea führt verhafteten US-Bürger vor. In: Spiegel Online. 29. Februar 2016, abgerufen am 17. März 2016.
  9. Amerikanischer Student zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. In: FAZ.NET. 16. März 2016, abgerufen am 17. März 2016.
  10. N. Korea Sentences American Student To 15 Years Of Prison, Hard Labor. In: National Public Radio online. 16. März 2016, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  11. Rowan Beard: Otto Warmbier – Jail Sentence Statement. In: youngpioneertours.com. 16. März 2016, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  12. Tiffany Ap, Brian Todd: North Korea sentences U.S. student to 15 years hard labor. In: CNN online. 17. März 2016, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  13. Anna Fifield, Susan Svrluga, Carol Morello: North Korea sentences U-Va. student to 15 years of hard labor in prison. In: The Washington Post online. 16. März 2016, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  14. Martin Benninghoff: Der Fall Otto Warmbier. In: FAZ.NET. 15. Juni 2017.
  15. Thomas Seibert, Benedikt Voigt: Ein Abenteuer, das als Tragödie endete. In: Der Tagesspiegel online. 20. Juni 2017.
  16. Frank Herrmann: „Wir werden Nordkorea zur Verantwortung ziehen“. In: Rp-online.de. 20. Juni 2017.
  17. 'Otto Warmbier wouldn't have broken law' in North Korea. In: BBC News online. 21. Juni 2017, abgerufen am 22. Juni 2017 (englisch).
  18. US-Student Otto Warmbier ist gestorben. In: Der Tagesspiegel online. 19. Juni 2017.
  19. Susan Svrluga, Anna Fifield: University of Virginia student Otto Warmbier, said to be in a coma, released from North Korea. In: The Washington Post online. 13. Juni 2017 (englisch).
  20. Nach Freilassung: Otto Warmbier erlitt offenbar schwere Gehirnverletzungen. In: sueddeutsche.de. 15. Juni 2017.
  21. Freigelassener Häftling: US-Student Warmbier erlitt in Nordkorea schwere Hirnverletzungen. In: stern.de. 15. Juni 2017.
  22. Schwerste Hirnschäden – und keiner weiß warum. In: Zeit Online. 16. Juni 2017.
  23. Otto Warmbier's father doubts N Korea story on son's coma. In: BBC News online. 16. Juni 2017, abgerufen am 16. Juni 2017 (englisch).
  24. Otto Warmbiers Leiche wird nicht obduziert. In: sueddeutsche.de. 21. Juni 2017.
  25. Nach Haft in Nordkorea: US-Student Otto Warmbier gestorben. In: Zeit Online. 20. Juni 2017.
  26. Martin Beninnghoff: Das heikle Geschäft mit Nordkorea-Reisen. In: FAZ.NET. 20. Juni 2017.
  27. Bernhard Zand: „Was Nordkorea getan hat, ist unmenschlich“. In: Spiegel Online. 20. Juni 2017, abgerufen am 25. Juni 2017.
  28. Toter US-Student – Nordkorea bestreitet Misshandlung von Warmbier. In: Spiegel Online. 23. Juni 2016, abgerufen am 24. Juni 2016.
  29. „Sein Tod ist uns auch ein Rätsel“ In: Welt.de. 23. Juni 2017, abgerufen am 24. Juni 2017.
  30. USA verbieten Reisen nach Nordkorea. In: tagesschau.de. 21. Juli 2017.
  31. Nicola Smith: Trump administration bans US travel to North Korea following the death of Otto Warmbier. In: The Daily Telegraph online. 21. Juli 2017.