Otto von Dorrien

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Otto August Carl von Dorrien (* 14. Juni 1889 in Plön; † 7. April 1945 bei Königsberg) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und Mitglied der Bekennenden Kirche. Er gehörte zum christlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorrien war der Sohn von Christian Otto Michael von Dorrien (1839–1902) und dessen Ehefrau Mechtilde Elisabeth Wilhelmine, geborene Stemann.

Er war Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg und wurde mehrmals verwundet. Zuletzt war Dorrien als Jagdflieger des Jagdgeschwaders Nr. I Freiherr von Richthofen im Einsatz gewesen. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges studierte er Theologie und heiratete, aus dieser Ehe entstammten fünf Kindern.

Bericht über seinen Brief an Adolf Hitler

Otto von Dorrien galt als ein couragierter Mann und in der Öffentlichkeit scheute er sich nicht, gegen den aufkommenden Nationalsozialismus Stellung zu beziehen. Für dieses Verhalten wurde er auch in Uetersen kräftig angegriffen. Als die Nazis immer stärker wurden und auch in der Kirche als Deutsche Christen die Leitung bestimmten, begann Otto von Dorrien mit vielen anderen Pastoren sich dagegen zu wehren. So schloss er sich mit ihnen zur Bekennenden Kirche zusammen, die versuchte, eine staatsunabhängige Kirche zu bilden. Vor allem hielt er mit vielen anderen am überkommenen christlichen Bekenntnis fest und wehrte sich gegen ein völkisches, heldisches und arisches Jesusbild.

Dorrien war von 1930 bis 1945 Pfarrer an der Klosterkirche in Uetersen. Verschiedene Augenzeugen berichten, dass er auch persönliche Gefährdung ertragen musste. Die Gestapo tauchte bei seinen Gottesdiensten auf und observierte ihn während seiner Predigten. Vermutlich war es nur dem Umstand zu verdanken, das von Dorrien als Angehöriger und Flieger der Richthofen-Staffel im Ersten Weltkrieg, deren Kommandant zeitweise Hermann Göring gewesen war, zu viel Ansehen besaß, um festgenommen zu werden.

1932 schrieb er einen offenen Brief an Adolf Hitler, in dem er ihn fragte: „Halten Sie es für positives Christentum, wenn einer Ihrer Führer am Grabe eines ermordeten SA-Mannes sagt: Kamerad, wir rächen Dich, auch wenn es gegen Gottes Willen ist“. Eine Antwort auf dem Brief blieb aus.

Von Dorrien wurde mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Er fiel bei der Schlacht um Königsberg als Festungskommandant am 7. April 1945.

Er war tief im nationalen Gedanken verwurzelt, bisweilen streng in seiner Verkündigung, aber ein tief gläubiger Mann und ein beliebter Seelsorger. Vor allem lag ihm die christliche Bildung der Jugend am Herzen.

Theodor Vierck, ein ehemaliger Wegbegleiter Otto von Dorriens, schrieb über ihn: „Wenn er sich in späteren Zeiten einmal im Jahr mit den alten Kampfgefährten in Berlin traf, dann versäumte er auch dort keine Gelegenheit, seinen Stand als Pastor und seinen persönlichen Glauben klar zu bezeugen, auch im Dritten Reich als Glied und Vertreter der Bekennenden Kirche. Die Ansprachen, die er als nebenamtlicher Militärseelsorger bei Vereidigungen zu halten hatte, waren keine vaterländischen Reden, sondern christliche Predigten, unverkürzt und unverfälscht.“

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stammbaum der Familie Dorrien (1906)
  • Die Reise der Ritter: Eine Sage aus unserer Zeit (1920)
  • Deine Ehe. Heft 15, Selbstverlag des Amtes für Volksmission, Breklum (1937)[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Vierck: Otto von Dorrien, in: Wolfgang Prehn u. a. (Hrsg.): Zeit, den schmalen Weg zu gehen. Zeugen berichten vom Kirchenkampf in Schleswig-Holstein, Kiel: Lutherische Verlagsgesellschaft 1985, S. 179–181.
  • Lothar Mosler: Blickpunkt Uetersen: Geschichte und Geschichten (Heydorn Verlag, Uetersen 1985)
  • Lothar Mosler: Fliegerhorst Uetersen, Marseille-Kaserne: Eine heimatgeschichtliche Dokumentation (Heydorn Verlag, Uetersen 1987)
  • Mogens Kragsig Jensen: Stamtavle over slægten Dorrien, in: Danmarks Adels Aarbog 2006–08 (Syddansk Universitetsforlag 2009).
  • Karl Ludwig Kohlwage, Manfred Kamper, Jens-Hinrich Pörksen (Hrsg.): „Ihr werdet meine Zeugen sein!“ Stimmen zur Bewahrung einer bekenntnisgebundenen Kirche in bedrängender Zeit. Die Breklumer Hefte der ev.-luth. Bekenntnisgemeinschaft in Schleswig-Holstein in den Jahren 1935 bis 1941. Quellen zur Geschichte des Kirchenkampfes in Schleswig-Holstein. Zusammengestellt und bearbeitet von Peter Godzik, Husum: Matthiesen Verlag 2018, ISBN 978-3-7868-5308-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wieder abgedruckt in: Kohlwage, Kamper, Pörksen (Hrsg.): „Ihr werdet meine Zeugen sein!“ ..., Husum 2018, S. 346 ff.