Ould Slahi

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Mohamedou Ould Slahi

Mohamedou Ould Slahi (arabisch ‏محمد ولد صلاحي‎, DMG Muḥammad Walad Ṣalāḥī; * 21. Dezember 1970 in Rosso, Mauretanien[1]) ein mauretanischer Terrorist. Er ist seit 2002 Gefangener der US-Ermittlungsbehörden in Guantánamo auf Kuba. Auszüge aus seinem dort begonnenen Tagebuch wurden unter dem Titel Guantanamo Diary veröffentlicht. Slahi wird von der American Civil Liberties Union vertreten.[2]

Die US-Ermittlungsbehörden betrachten Slahi als eine Schlüsselfigur der al-Qaida.[3] Ein US-Bundesrichter ordnete im März 2010 an, dass Slahi freizulassen sei. Das Berufungsgericht gab jedoch dem Einspruch der US-Regierung statt, sodass der Beschluss zur Freilassung nicht rechtskräftig ist und bislang nicht umgesetzt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Der Mauretanier kam 1988 mit einem Stipendium der Carl-Duisberg-Gesellschaft als 18-jähriger nach Deutschland, um ein Studium an der Duisburger Mercator-Universität aufzunehmen.

Im Dezember 1990 reiste er nach Afghanistan, um sich dem Kampf der Mujahedin gegen die sowjetische Besatzung anzuschließen. Er wurde in einem al-Qaida-Camp ausgebildet und leistete al-Qaida den Treueschwur.[4] Nach einer zweiten Afghanistanreise 1992 kehrte er endgültig nach Deutschland zurück, um hier sein Studium als Ingenieur der Elektrotechnik abzuschließen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er laut eigener Aussage alle Verbindungen zu al-Qaida abgebrochen.[5] Nach Abschluss des Studiums lebte und arbeitete er zunächst in Deutschland. Ende der 1990er verbrachte er einige Monate im kanadischen Montreal. Den im 9/11 Commission Report veröffentlichten Ermittlungsergebnissen zufolge lud Slahi 1999 die Dschihadisten Atta, Binalshibh, Shehhi und Jarrah zu sich nach Duisburg ein. Slahi erklärte ihnen, dass ihr Wunschziel Tschetschenien derzeit schwer zu erreichen sei und empfahl ihnen stattdessen, sich zunächst in Afghanistan ausbilden zu lassen. Auf Slahis Empfehlung hin verließen Atta und Jarrah im November 1999 Hamburg Richtung Karachi.[6]

Im Jahre 2000 kehrte Slahi zurück nach Mauretanien. Dort arbeitete er in einem Unternehmen, welches in Mauretanien die Internet-Anbindung ausbaute.

Gefangenschaft[Bearbeiten]

Durch belastende Aussagen von gefassten mutmaßlichen al-Qaida-Mitgliedern geriet er ins Blickfeld der Geheimdienste, wurde in Mauretanien am 20. November 2001 festgenommen und mit Einverständnis der mauretanischen Behörden zunächst nach Jordanien, dann nach Bagram in Afghanistan und schließlich nach Guantanamo Bay verschleppt. Die US-Ermittlungsbehörden nahmen an, dass Slahi al-Qaida noch bis 2001 aktiv unterstützt habe. Slahi bestritt jedoch diese Vorwürfe.

Die US-Ermittlungsbehörden nahmen an, dass Slahi an den Attentaten 1998 auf zwei US-Botschaften in Ostafrika logistisch beteiligt gewesen war. 1999 soll er an einem Plan für ein Attentat auf den Flughafen von Los Angeles beteiligt gewesen sein. Im Herbst 1999 soll er in seiner Wohnung in Duisburg mindestens zwei der 9/11-Flugzeugentführer angeworben haben.

Am 1. Juli 2003 genehmigte der Leiter der nachrichtendienstlichen Joint Task Force, General Geoffrey D. Miller, einen Vernehmungsplan, welcher Schlafentzug, Dauerlärm, sexuelle Übergriffe, Tötungssimulationen und die Androhung von Gewalt gegen seine Mutter vorsah. Im Zuge der Vernehmungen bestätigte Slahi die meisten der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, was er jedoch später widerrief.

Auf Betreiben seiner Anwältin, Nancy Hollander, ordnete US-Bundesrichter James Robertson am 22. März 2010 Slahis Freilassung aus dem Lager Guantanamo Bay an.[7][8][9][10] Dieser Beschluss ist nicht rechtskräftig; das Berufungsgericht hat dem Einspruch der US-Regierung gegen das Urteil stattgegeben.[11]

Am 28. April 2011 veröffentlichte Wikileaks die Guantanamo-Akte des Gefangenen Slahi; darin ist nachzulesen, dass Slahi nach wie vor als hohes Risiko eingeschätzt wird.[12]

Publizistische Tätigtkeit[Bearbeiten]

Slahi verfasste 2005 einen Bericht über seine Zeit seit Januar 2000, der zunächst beschlagnahmt, schließlich aber in zensierter ("deklassifizierter") Form von den Behörden freigegeben wurde. Auszüge wurden seit April 2013 in der Zeitschrift Slate veröffentlicht.[13] Im Januar 2015 erschien das Guantánamo Diary zeitgleich in englischer und deutscher Sprache.[14][15][16]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Guantanamo Files, in: wikileaks.ch
  2. Guantánamo Diary: An Epic for Our Times
  3. WDR2 - Spuren der Anschläge vom 11. September 2001 führen ins Ruhrgebiet (Memento vom 8. April 2008 im Internet Archive), in: WDR Bericht vom 10. September 2007
  4. Slahis al-Qaida-Mitgliedschaft zu diesem Zeitpunkt unstrittig lt. Freilassungs-Beschluss des Bundesrichters James Robertson
  5. Salah (sic) decided to travel back to Germany in March 1992 (...) At this point, he alleges, he “severed all ties with . . . al Qaida.; Salahi vs Obama, Berufungsverfahren vor dem United States Court of Appeals, D.C. vom 17. September 2010 (PDF, 59,6 KB)
  6. http://govinfo.library.unt.edu/911/report/911Report_Ch5.htm
  7. Habeas corpus-Beschluss
  8. Jack Park: Terrorist on Your Street? - heritage.org, 2010-April-20.
  9. Judge Orders Release of Gitmo Detainee With Ties to 9/11 Attacks - foxnews.com, März 2010
  10. US-Gefangenenlager: Richter fordert Freilassung von Guantanamo-Häftling, in: Spiegel online vom 10. April 2010
  11. Salahi v. Obama – DC Circuit Appeals Court Decision, 2010-November-5
  12. Memo des US-Verteidigungsministeriums: Recommendation for Continued Detention Under DoD Control (CD) for Guantanamo Detainee, ISN US9MR-000760DP
  13. Mohamedou Ould Slahis Guantanamo Memories. Teil 1 von 4. (abgerufen am 21. Januar 2015) (englisch)
  14. Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, Hannes Hintermeier, FAZ, 20. Januar 2015 (zugleich Abrufdatum)
  15. Den Autor des Buches erreichen sie in Guantánomo, Uwe Schmitt, Die Welt, 20. Januar 2015 (zugleich Abrufdatum)
  16. Guantanamo: Wärterinnen zwangen Häftlinge zum Sex, Spiegel online, 20. Januar 2015 (zugleich Abrufdatum)