OVS (Unternehmen)

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OVS SpA
Rechtsform S.p.A.
Gründung 1972
Sitz Venedig, Italien
Leitung Nicholas Stathopoulos
Umsatz 1,04 Milliarden Euro[1]
Website www.ovs.it
Stand: 26. Juli 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

OVS (bis 2009: Oviesse) ist eine italienische Modekette und zugleich Modemarke, welche zur italienischen Coin S.p.A. gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Italien[Bearbeiten]

OVS wurde 1972 als Magazzini Oviesse gegründet.

Im September 2014 teilte Oviesse mit, dass das Unternehmen an die Mailänder Börse gehen werde. Der IPO soll Oviesse ca. 250 Millionen Euro zuführen, mit deren Hilfe Schulden abgebaut und neue Filialen finanziert werden sollen.[2]

Deutschland[Bearbeiten]

Kaufhalle, später Oviesse in Darmstadt. 2009 im Umbau

Mit der Übernahme der defizitären Warenhäuser der Kaufhalle AG (Vertriebsschienen: Kaufhalle, M. multistore) im September 2000 stieg Oviesse in den deutschen Markt ein. Gegen eine Zahlung von 64 Millionen DM von Divaco verfügte Oviesse somit über 98 Warenhäuser, zwei Logistikzentren und eine Hauptverwaltung. Nicht in den Kauf eingeschlossen waren die Immobilien. Die 5000 Mitarbeiter erwirtschafteten zu diesem Zeitpunkt rund 1,4 Milliarden DM Umsatz. Oviesse wollte in den folgenden Jahren etwa 300 Millionen DM in die Modernisierung der Häuser investieren.[3] Zudem erwartete Oviesse einen Restrukturierungsaufwand von ca. 100 bis 150 Millionen DM.[4] Während Oviesse die Textilien liefert, sollten alle anderen Produkte über die Deutsche Woolworth bezogen werden. Die nicht genutzten Flächen sollten an Lebensmitteleinzelhändler oder Verbrauchermärkte vermietet werden.[5] Der Umsatz der Warenhäuser sank nach dieser Umstrukturierung bis 2002 auf 267 Millionen Euro und die Anzahl der Warenhäuser auf 92.[6] Zu diesem Zeitpunkt waren 30 Warenhäuser auf das neue Konzept umgestellt worden.[6] Nach einer Übergangszeit wurden für den deutschen Markt angepasste Textilprodukte geliefert.[7]

Aufgrund der Verluste und der schwierigen Marktlage entschied sich Oviesse, mittelfristig 75 Prozent der Häuser abzugeben, da in Deutschland nur ein Bedarf von circa 40 Häusern vorhanden sei.[6] Schon drei Monate später teilte Oviesse mit, das für 71 Warenhäuser die Mietverträge gekündet seien und nur noch 17 Geschäfte weiterbetrieben würden. Für die betroffenen rund 1600 Mitarbeiter werde über einen Sozialplan verhandelt.[8] Für die vorzeitige Kündigung der Filialen musste Oviesse rund 50 Millionen Euro Abstand an die Kaufhalle AG zahlen.[9] Aber auch die restlichen 17 Geschäfte waren nicht rentabel und so stieg Oviesse 2004 aus dem Deutschen Markt aus. Insgesamt hat die Expansionsbemühung dem Stammhaus Coin S.p.A. erhebliche finanzielle Verluste eingebracht.[10]

Schweiz[Bearbeiten]

Die Schweizer Einzelhandelskette Magazine zum Globus suchte eine neue Strategie für ihre 30 Au Bon Marché-Filialen. Sie entschied sich dafür, Franchise-Nehmer von Oviesse zu werden und die Filialen entsprechend umzugestalten. Für die nicht benötigte Ladenflächen wurden Estorel-Drogerien und Nannini-Coffee-Shops als Mieter gefunden.[11]

Die Geschäftszahlen für 2002 lagen unter den Erwartungen. Es hieß, dies sei zurückzuführen auf die geringe Bekanntheit von Oviesse und die zu der Zeit herrschenden Kaufzurückhaltung der Schweizer Bevölkerung. Globus gab Oviesse bis 2004 Zeit, profitabel zu werden.[12] Aber auch das Jahr 2003 und das erste Halbjahr 2004 liefen für Oviesse nicht hervorragend, so dass Globus seit dem zweiten Quartal 2004 über einen Ausstieg aus dem Oviesse-Franchise verhandelte.[13] Gleichzeitig wurden die 30 Schweizer Standorte zur Disposition gestellt.[14] Nach dem Aus durch Globus übernahm C&A die Oviesse-Filialen und wandelte sie in C&A-Filialen um.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Annual Report. OVS, 2014, S. 10, abgerufen am 26. Juli 2015 (PDF).
  2. Kaufhausgruppe Oviesse geht an die Börse. In: Handelszeitung. 4. September 2014, abgerufen am 26. Juli 2015.
  3. Italienische Handelskette Coin übernimmt deutsche Kaufhalle. In: Handelsblatt. 14. September 2000, abgerufen am 26. Juli 2015.
  4.  Aus den alten Kaufhalle-Filialen werden jetzt zügig Oviesse-Geschäfte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 44, 21. Februar 2001, S. 22.
  5. Comeback für die Kaufhalle. In: Handelsblatt. 30. Januar 2003, abgerufen am 26. Juli 2015.
  6. a b c Italiener stellen drei Viertel der Standorte zum Verkauf. In: Handelsblatt. 14. August 2003, abgerufen am 26. Juli 2015.
  7.  Teure Erkenntnis. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 10, 10. März 2002, S. 37.
  8.  Mietverträge für 71 ehemalige Kaufhalle-Filialen gekündigt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 253, 31. Oktober 2003, S. 14.
  9. 1600 Kündigungen: Textilhändler Coin beendet Deutschland-Abenteuer. In: Spiegel Online. 30. Oktober 2003, abgerufen am 26. Juli 2015.
  10.  Nach dem Debakel in Deutschland muß die Familie Coin verkaufen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 73, 30. März 2005, S. 18.
  11. Gewerkschaften handelten Sozialplan für ABM-Angestellte aus. In: wirtschaft.ch. 24. Januar 2002, abgerufen am 26. Juli 2015.
  12. Gret Heer: Globus-Gruppe: Globus hat den Höhenkoller. In: Handelszeitung. 4. Februar 2003, abgerufen am 26. Juli 2015.
  13. Globus beendet das Experiment Oviesse. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Juni 2004, abgerufen am 27. Juli 2015.
  14. Gret Heer: Globus-Gruppe: «Braucht es wieder eine ABM?» In: Handelszeitung. 30. Juni 2004, abgerufen am 26. Juli 2015.
  15. C&A übernimmt Oviesse-Standorte von Globus. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. Juli 2004, abgerufen am 27. Juli 2015.