Ozan Ceyhun

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ozan Ceyhun, 2017

Ozan Ceyhun (* 10. Oktober 1960 in Adana, Türkei) ist ein Politiker und Diplomat türkischer Herkunft, der teils in Deutschland, teils in der Türkei tätig war. Er war SPD-Europaabgeordneter, Mitglied des Innenausschusses im Europäischen Parlament, Koordinator der SPD-Gruppe für den Innenausschuss, stellvertretendes Mitglied des Haushaltsausschusses und Mitglied der gemischten parlamentarischen Delegation EU-Türkei. Er arbeitete zuletzt in der Vertretung des Landes Hessen bei der Europäischen Union, um nach dieser Tätigkeit in die Privatwirtschaft zu wechseln.

Im Februar 2020 wurde Ceyhun zum türkischen Botschafter in Österreich bestellt.[1]

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ceyhuns Vater ist der türkische Schriftsteller Ceyhun Demirtaş.

Ceyhun wuchs in Istanbul auf und erhielt 1979 das Abitur am Bosporus-Gymnasium. Danach studierte er bis zum Militärputsch 1980 deutsche Philologie an der Hacettepe-Universität in Ankara. Im Januar 1981 emigrierte er nach Österreich, im Oktober 1982 nach Deutschland, wo er eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher absolvierte.[2]

Bekannt machte ihn unter anderem sein Wechsel zur SPD 2000, nachdem er von 1986 bis 2000 Mitglied bei den Grünen gewesen war, als deren Experte für Migrations- und Asylpolitik er als Mitarbeiter der Bundestagsgruppe von Bündnis 90 von 1990 bis 1992 wirkte. Von 1992 bis 1998 arbeitete er zunächst als Referent und später Referatsleiter im Hessischen Umwelt- und Familienministerium, von 1993 bis 2000 war er Mitglied des Kreistages des Landkreises Groß-Gerau.

Im Jahre 1996 veröffentlichte Ceyhun als Mitarbeiter des Hessischen Familienministeriums eine türkischsprachige Publikation Almanya`da bir Türk („Ein Türke in Deutschland“), in der er Unterkünfte für Asylbewerber mit Konzentrationslagern verglich. Hessens Umwelt- und Familienministerin Margarethe Nimsch (Bündnis 90/Die Grünen) distanzierte sich sogleich von ihrem Mitarbeiter Ozan Ceyhun, der sich daraufhin „in aller Form“ entschuldigte, so das Ministerium. Ceyhun versprach, „die weitere Veröffentlichung des Buchs bis zu einer sorgfältigen Überarbeitung“ zu stoppen. Die Ministerin entfernte den Parteifreund gleichwohl von seinem Posten und wies ihm eine neue Aufgabe in der Fachabteilung Jugendhilfe zu.[3]

Stellvertretender Vorsitzender des Interkulturellen Rates in Deutschland war Ceyhun seit 1997. Von 1998 bis 2000 war er Abgeordneter des Europäischen Parlaments für die Grünen, von 2000 bis 2004 für die SPD. Im Jahr 2000 wurde eine von Ozan Ceyhun herausgegebene und von Eberhard Seidel, Claudia Dantschke und Ali Yıldırım geschriebene Publikation zum Thema Islamismus in Europa unter dem Titel Politik im Namen Allahs. Der Islamismus – eine Herausforderung für Europa veröffentlicht.

Des Weiteren arbeitete Ceyhun als Berater für die türkische Partei AKP, u. a. für den ehemaligen Europaminister Egemen Bağış.[4] Für die AKP kandidierte er bei der Parlamentswahl in der Türkei 2015 in einem Wahlkreis von Izmir.[5] Er kritisierte im türkischen Fernsehen den Parteivorsitzenden der GRÜNEN, Cem Özdemir[6], und bezeichnete den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgrund von dessen in der Türkei umstrittenen Rede als „Laien“ (toy), der mit seiner erdogankritischen Rede „billiges Heldentum“ (ucuz kahramanlık) betreibe.[7]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ozan Ceyhun (mit Kathrin Nord): Man wird nie Deutscher. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2012, ISBN 978-3-499-62819-1.
  • Ozan Ceyhun (Hg.): Politik im Namen Allahs. Der Islamismus – eine Herausforderung für Europa. Von Seidel, Eberhard; Dantschke, Claudia; Yildirim, Ali; veröffentlicht durch Die Grünen im Europäischen Parlament, Brüssel, 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ozan Ceyhun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Türkei bestellt neuen Botschafter für Wien. In: sn.at. 23. Februar 2020, abgerufen am 2. Februar 2022.
  2. Andreas Holzapfel, Klaus Löffler (Hrsg.): Europäisches Parlament. Bürger-Handbuch 5. Wahlperiode 1999–2004. Neue Darmstädter Verlagsanstalt, Rheinbreitbach 2000, ISBN 978-3-87576-486-4, S. 38.
  3. Thomas Zorn: Hessen. Rot für Grün. In: Focus. Nr. 28, 1996 (focus.de [abgerufen am 2. Februar 2022]).
  4. Volker Siefert: Wie Erdoğan in Deutschland Wahlkampf macht. In: ZEIT Online. 15. Januar 2014, abgerufen am 15. Januar 2014.
  5. Hasnain Kazim: Türkei: Recep Tayyip Erdogan von Ozan Ceyhun unterstützt - DER SPIEGEL. In: spiegel.de. 5. Juni 2015, abgerufen am 2. Februar 2022.
  6. Claus Christian Malzahn: Ozan Ceyhun: Ex-Grüner zieht in Türkei gegen Özdemir zu Felde - WELT. In: welt.de. 1. Juni 2014, abgerufen am 2. Februar 2022.
  7. AVRUPA'DA GÜNDEM 146. BÖLÜM 04.05.2014 (ab 0:40:00) auf YouTube, 4. Mai 2014, abgerufen am 2. Februar 2022 (türkisch).