Ozan Ceyhun

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Ozan Ceyhun, 2017

Ozan Ceyhun (* 10. Oktober 1960 in Adana, Türkei) ist ein deutscher Politiker türkischer Herkunft. Er war SPD-Europaabgeordneter, Mitglied des Innenausschusses im Europäischen Parlament, Koordinator der SPD-Gruppe für den Innenausschuss, stellvertretendes Mitglied des Haushaltsausschusses und Mitglied der gemischten parlamentarischen Delegation EU-Türkei. Er arbeitete zuletzt in der hessischen Landesvertretung in Brüssel, um nach dieser Tätigkeit in die Privatwirtschaft zu wechseln.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ozan Ceyhuns Vater ist der türkische Schriftsteller Ceyhun Demirtaş. Aufgewachsen in Istanbul, machte er 1979 sein Abitur am Bosporus-Gymnasium. Danach studierte er bis zum Militärputsch 1980 deutsche Philologie an der Hacettepe-Universität in Ankara. Im Januar 1981 emigrierte er nach Österreich, im Oktober 1982 nach Deutschland, wo er eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher absolvierte.[1]

Bekannt machte ihn unter anderem sein Wechsel zur SPD 2000, nachdem er von 1986 bis 2000 Mitglied bei den Grünen gewesen war, als deren Experte für Migrations- und Asylpolitik er als Mitarbeiter der Bundestagsgruppe von Bündnis 90 von 1990 bis 1992 wirkte. Von 1992 bis 1998 arbeitete er zunächst als Referent und später Referatsleiter im Hessischen Sozialministerium, von 1993 bis 2000 war er Mitglied des Kreistages des Landkreises Groß-Gerau. Stellvertretender Vorsitzender des Interkulturellen Rates in Deutschland ist er seit 1997. Von 1998 bis 2000 war er Abgeordneter des Europäischen Parlaments für die Grünen, von 2000 bis 2004 für die SPD. 2000 wurde eine von Ozan Ceyhun herausgegebene Publikation zum Thema Islamismus in Europa unter dem Titel Politik im Namen Allahs veröffentlicht.

Des Weiteren arbeitet Ceyhun als Berater für die türkische Partei AKP, u. a. für den ehemaligen Europaminister Egemen Bağış.[2] Für die AKP kandidiert er bei der Parlamentswahl in der Türkei 2015 in einem Wahlkreis von Izmir.[3] Er kritisierte im türkischen Fernsehen den Parteivorsitzenden der GRÜNEN, Cem Özdemir[4], und bezeichnete den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgrund von dessen in der Türkei umstrittenen Rede als „Laien“ (toy), der mit seiner erdogankritischen Rede „billiges Heldentum“ (ucuz kahramanlık) betreibe.[5] Anlässlich der Wahl zur 25. Großen Nationalversammlung der Türkei am 7. Juni 2015 twitterte Ozan Ceyhun lt. einem Bericht des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Memet Kiliç (Bündnis90/Die Grünen) zwei nationalistische Tweets an seine Anhänger: „Mit diesen Oppositionsparteien (...) kann man nur Diener und Sklave von Israel, USA und Deutschland werden“, und: „Heute ist der Tag, an dem wir den Oppositionsparteien, die mit den Tempelrittern gemeinsame Sache machen, als Nation eine Antwort geben. Heute ist der Tag, an dem für eine ehrenhafte und unabhängige Türkei die AKP zu wählen ist“[6].

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ozan Ceyhun (mit Kathrin Nord): Man wird nie Deutscher. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2012, ISBN 978-3-499-62819-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Europäisches Parlament. Bürger-Handbuch 5. Wahlperiode 1999–2004. Rheinbreitbach: Neue Darmstädter Verlagsanstalt, 2000. S. 38.
  2. Volker Siefert: Wie Erdoğan in Deutschland Wahlkampf macht. In: ZEIT Online. 15. Januar 2014, abgerufen am 15. Januar 2014.
  3. Hasnain Kazim: Erdogans Mann aus Deutschland., 5. Juni 2015, abgerufen am 5. Juni 2015
  4. Claus Christian Malzahn: Ex-Grüner zieht in Türkei gegen Özdemir zu Felde, Welt, 1. Juni 2014 [1]
  5. Politprogram des Kanals ATV-Avrupa: AVRUPA'DA GÜNDEM, 146. Bölüm, 4. Mai 2014, Minute 40; einsehbar hier [2].
  6. Vgl. Memet Kiliç in: „Erdogans Marsch nach Jerusalem“, Jüdische Rundschau, 6. Juli 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]