Ozenx-Montestrucq

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Ozenx-Montestrucq
Ozenx-Montestrucq (Frankreich)
Ozenx-Montestrucq
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Pau
Kanton Le Cœur de Béarn
Gemeindeverband Communes de Lacq-Orthez
Koordinaten 43° 27′ N, 0° 48′ WKoordinaten: 43° 27′ N, 0° 48′ W
Höhe 69–188 m
Fläche 16,34 km2
Einwohner 382 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 23 Einw./km2
Postleitzahl 64300
INSEE-Code
Website www.ozenx-montestrucq.fr

Ozenx-Montestrucq ist eine französische Gemeinde mit 382 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Pau und zum Kanton Le Cœur de Béarn (bis 2015: Kanton Lagor).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet Ausencs-Montestruc.[1] Die Bewohner werden Ozenxais und Ozenxaises oder Montestrucois und Montestrucoises genannt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ozenx-Montestrucq liegt ca. 55 km nordwestlich von Pau und ca. 7,5 km südlich von Orthez in der historischen Provinz Béarn.

Umgeben wird der Ort von den Nachbargemeinden:

Lanneplaà Orthez
L’Hôpital-d’Orion Nachbargemeinden Laà-Mondrans
Orion Orriule
Castetbon
Loubieng

Ozenx-Montestrucq liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour. Der Saleys, ein Nebenfluss des Gave d’Oloron, durchströmt mit seinem Zufluss, dem Arriougrand, das Gebiet der Gemeinde. Ebenso bewässert der Ruisseau l’Ozenx, ein Nebenfluss des Laâ, das Gemeindegebiet.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Volkszählung des Béarn im Jahre 1385 wurden in Ozenx wie in Montestrucq jeweils 45 Haushalte gezählt. Beide Dörfer gehörten zur Bailliage von Castetner. Im 16. Jahrhundert war Montestrucq Hauptort einer Bailliage, die neben Montestrucq auch L’Hôpital-d’Orion umfasste. In Ozenx gab es ein Laienkloster, Vasall des Vicomtes von Béarn. Seinem Abt gehörte im 17. Jahrhundert eine Wassermühle, in der alle Dorfbewohner ihr Mehl mahlen lassen mussten. Im 19. Jahrhundert war eine bekannte Quelle vielbesucht wegen der heilenden Kräfte gegen Ekzeme, die ihrem Wasser zugeschrieben wurden.[2][4]

Am 30. Juni 1972 haben sich die Gemeinden Ozenx und Montestrucq zur Gemeinde Ozenx-Montestrucq zusammengeschlossen.[2]

Toponyme und Erwähnungen von Ozenx waren:

  • Osenx (12. Jahrhundert, Kopialbuch der Abtei Saint-Jean de Sorde, S. 15),
  • Osencs (1282, Kopialbuch von Orthez, Blatt 5),
  • Ossenx (1385, Volkszählung im Béarn, Blatt 2),
  • Sent-Pee d’Osencx und Ozencxs (1457 bzw. 1476, Notare von Castetner, Blatt 84 und 108),
  • Ozenxs, Osencxs und Oussenxs (1536, 1556 bzw. 1568, Manuskriptsammlung des 16. bis 18. Jahrhunderts),
  • Ossenxs (1568, Urkunden des Larbaigtals),
  • Ozenx (1750, Karte von Cassini),
  • Ozeux (1793 und 1801, Notice Communale bzw. Bulletin des Lois) und
  • Ozenx (1863, Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées).[4][5][6]

Toponyme und Erwähnungen von Montestrucq waren:

  • Montastruc (1385, Volkszählung im Béarn, Blatt 4),
  • Montestrucq (1750, Karte von Cassini),
  • Montatrucq (1793, Notice Communale),
  • Montestruc (1801, Bulletin des Lois) und
  • Montestrucq (1863, Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées).[4][5][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl von rund 390 in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis zum Zusammenschluss der beiden ehemaligen Gemeinden Ozenx und Montestrucq auf rund 200. In der Folge ist ein leichtes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2015
Einwohner 224 204 363 374 376 370 354 354 382
Bis 1968 nur Einwohner von Ozenx, ab 1975 von Ozenx-Montestrucq
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[8][9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche von Ozenx-Montestrucq, gewidmet dem Apostel Petrus. Sie wurde zwischen 1888 und 1905 als Ersatz für eine damals als zu alt angesehene Kirche errichtet. Der in der Region bekannte Glasmalermeister Louis Gesta aus Toulouse stattete sie im Jahre 1900 mit Glasfenstern aus. Drei dieser Fenster verschönern den Chor. Zwei religiöse Persönlichkeiten werden auf langen, schmalen Fenstern dargestellt, während ein Okulus in der Mitte ein strahlenförmiges Licht auf das Kreuz über den Tabernakel wirft. Der Langbau mit einem Kirchenschiff und der Glockenturm über dem Eingangsvorbau mit einem mit Schiefer gedeckten Helm sind bauliche Elemente, die typisch für die Region sind.[10][11]
  • Kirche in Montestrucq, geweiht dem Apostel Johannes. Das markante Element der Kirche ist ihr wuchtiger Glockenturm über dem Eingangsvorbau mit zwei spitzbogenförmigen Eingängen. Er ist mit zwei soliden Strebewerken und einer mit Schiefer gedeckten Glockenhaube mit Laterne ausgestattet. Spuren ehemaliger Fensteröffnungen und Schießscharten lassen vermuten, dass der Glockenturm ein Überbleibsel der ehemaligen Burg von Ozenx-Montestrucq ist. Zu früheren Zeiten wird der erhöhte Standort sicherlich mit Mauern und Graben umgeben sein. Das Kircheninnern birgt u. a. ein Taufbecken aus Marmor mit einem kupfernen Deckel, ein Weihwasserbecken in Form einer Muschel und einen Kreuzweg mit mehrfarbigem Gipstafeln.[12]
  • Laienkloster. Es wurde im 19. Jahrhundert restauriert und erweitert. Das Laienkloster besteht u. a. aus einem Haupthaus, das von einem kleinen, abgeschlossenen Park umsäumt ist. Es wurde durch einige Meiereien, übergroße Scheunen, Pferdeställe und einem Weinkeller erweitert. In letzteren wurde der Teil der Weinernte von den Halbpächtern gelagert, der dem Besitzer des Laienklosters zustand. Vermutlich ist im 19. Jahrhundert auch ein hoher, mehrstöckiger Turm an das Hauptgebäude angebaut worden. Er ist mit kleinen Fenstern und einer Glockenhaube aus Zink mit einer langen, schmalen Turmspitze ausgestattet. Als einem der bekanntesten Bewohner des Laienklosters im Laufe der Jahrhunderte ist Léon Bérard zu erwähnen.[13][14]
  • Anwesen. Es datiert aus dem 17. Jahrhundert und wurde in der Folge erweitert, insbesondere von seinem Besitzer im 19. Jahrhundert, einem Bischof. Das Anwesen besteht aus zwei nebeneinanderliegender Gebäuden, einer Scheune und einem Weinkeller, in dem die Halbpächter die Weintrauben zum Keltern brachten.[15] Neben diesem Weinkeller ließ der Bischof von 1870 bis 1875 eine Kapelle errichten. Der Bau gehört zu einer Welle von günstig gebauten Kirchengebäuden in dieser Region in jener Zeit. Sein sachlicher Stil vertritt den damaligen Geschmack. Die Giebelfassade zeigt einen Eingang mit einer leicht geschwungenen Einfassung aus weißen Steinen. Den gleichen Rahmen erhielt ein dreiteiliges Fenster über dem Eingang.[16]
  • Taubenschlag. Das Haus Maisonnave in Ozenx-Montestrucq hat einen außergewöhnlichen Taubenschlag, der auf einem Torbogen gebaut ist, der die landwirtschaftlichen Gebäude vom restlichen Wohnsitz abtrennt. Der Bau eines solchen Taubenschlags war erst nach der Französischen Revolution erlaubt, denn zu Zeiten des Ancien Régimes war dies ein Privileg der Adeligen.[17]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Die Viehzucht ist traditionell der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gemeinde. Ozenx-Montestrucq liegt in der Zone AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch.[18]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[19]
Gesamt = 39

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 20 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[20]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein leichter Rundweg von 8,5 km Länge mit einem Höhenunterschied von 200 m führt von Montestrucq nach L’Hôpital-d’Orion. Hierbei folgt er auf einem kurzen Abschnitt der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege. Nach der Ankunft in L’Hôpital-d’Orion gelangt man über eine andere Streckenführung wieder zurück nach Montestrucq.[21]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ozenx-Montestrucq wird durchquert von der Route départementale 265.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Léon Bérard, geboren am 6. Januar 1876 in Sauveterre-de-Béarn, gestorben am 24. Februar 1960 in Paris, war Rechtsanwalt, Schriftsteller und ein konservativer französischer Politiker der Dritten Französischen Republik. Er wohnte zeitweise im ehemaligen Laienkloster von Ozenx-Montestrucq.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ozenx-Montestrucq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ozenx-Montestrucq (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  2. a b c Ozenx-Montestrucq (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  3. Ma commune : Ozenx-Montestrucq (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  4. a b c Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 117, 130. 1863. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  5. a b David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  6. a b Notice Communale Ozenx-Montestrucq (fr) EHESS. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  7. Notice Communale Montestrucq (fr) EHESS. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  8. Populations légales 2006 Commune d’Ozenx-Montestrucq (64440) (fr) INSEE. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  9. Populations légales 2014 Commune d’Ozenx-Montestrucq (64440) (fr) INSEE. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  10. Eglise Saint-Pierre d’Ozenx-Montestrucq (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  11. Vitraux de l’église Saint-Pierre d’Ozenx (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  12. Église Saint-Jean (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  13. Abbaye laïque d’Ozenx-Montestrucq (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  14. Tour de l’abbaye laïque d’Ozenx-Montestrucq (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  15. Demeure d’Ozenx-Montestrucq (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  16. Chapelle d’une demeure à Ozenx-Montestrucq (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  17. Pigeonnier-porche d’Ozenx-Montestruc (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  18. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  19. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune d’Ozenx-Montestrucq (64440) (fr) INSEE. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  20. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  21. Circuit N°33 - Montestrucq (fr, PDF) Comité Départemental du Tourisme Béarn Pyrénées Pays basque. Abgerufen am 25. Oktober 2017.