Pátečníci

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Pátečníci Thomáš Garrigue Masaryk und Karel Čapek

Pátečníci, deutsch etwa Die Freitagsrunde, war eine informelle Stammtischrunde tschechischer Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, die sich seit 1925 in Prag traf und einen deutlichen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit ausübte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Pátečníci wird abgeleitet vom tschechischen Wort pátek, was Freitag heißt, einem Tag an dem sich die Gruppe regelmäßig traf. Die ersten Zusammenkünfte datieren im Herbst 1924 und vor allem im Frühjahr 1925, als die ersten Schriftsteller sich meist bei ihrem Kollegen Karel Čapek oder wahlweise im damals berühmten Café Slavia trafen. Ab etwa 1926 erweiterte sich die Gruppe um einige Persönlichkeiten aus der Politik, darunter beispielsweise der Staatspräsident Tomáš Garrigue Masaryk und der Außenminister (und spätere Präsident) Edvard Beneš, die an den Gesprächen teilnahmen. Um diese Zeit wurde die Gruppe auch in der Öffentlichkeit eingehend bekannt, nachdem ein Treffen am Silvester 1926 zum Gegenstand eines über zwei Jahre dauernden Prozesses wurde, der in der Presse als die Silvester-Affäre bezeichnet wurde.[Anm 1][1]

Zu der Gruppe gehörten verschiedene demokratisch gesinnte Intellektuelle, darunter die Schriftsteller Karel Čapek, Josef Čapek, Josef Kopta, Ferdinand Peroutka, František Langer, Eduard Bass, Karel Poláček, Vladislav Vančura, der Dichter František Kubka, der Maler und Kunstkritiker Adolf Hoffmeister, der Dramaturg Karel Kraus, der Historiker und Linguist Vilém Mathesius, der Soziologe Vasil Kaprálek Škrach, der Maler Václav Rabas, der Historiker Josef Šusta, der Ökonom und Abgeordnete Josef Macek sowie die Politiker Tomáš Garrigue Masaryk, Jan Masaryk und Edvard Beneš und andere.[2]

Nachahmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee eines Stammtisches am Freitag inspirierte nach 1989 etliche Gruppen, ebenfalls solche Stammtische zum Leben zu erwecken. Thematisch reichen sie von sozial-politischen Themen bis Fußball u. ä., haben jedoch mit der ursprünglichen Gruppe nichts gemeinsames.[3]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeint ist ein Vorfall am Silvesterabend 1926, als der Schriftsteller Karel Čapek einige Bekannte eingeladen hatte, darunter auch den Präsidenten Masaryk. Bei dieser Gelegenheit wurden einige Politiker, darunter Masaryks Opponenten, in seiner Anwesenheit karikiert, was die konservative Presse scharf kritisierte; vgl. zum Beispiel Silvestrovská zábava v Hulvátově, in: Národní politika vom 19. Januar 1927 online auf: kramerius/..., oder Opravdu manýry z Hulvátova, in: Národní listy vom 18. Januar 1927, online auf kramerius/... (beide nur mit Plugins für DJVU lesbar)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jan Bílek: Pátečníci u TGM v Lánech, in: Pražský hrad - programový čtvrtletník, online auf: old.hrad.cz/kultura (tschechisch, abgerufen am 10. Juli 2011)
  2. Václav Stehlík: Staří Pátečníci a Novodobí Zpátečníci!, online auf: vasevec.parlamentnilisty.cz/...
  3. Pátečníci byl spolek intelektuálů, kteří se scházeli ve vile Karla Čapka. Současná politická reprezentace Prahy 10 se trapně snaží jim přiblížit, kritische Anmerkung der Piratenpartei, online auf: pirati10.cz/...

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Tydlitát: Pátečníci a Karel Poláček: sborník příspěvků ze sympozia Pátečníci a Karel Poláček, herausgegeben von Pavel Janáček, Alber, Rychnov nad Kněžnou, Mai 2001, ISBN 80-7326-003-4
  • Andrea Orzoff: Battle for the Castle. The Myth of Czechoslovakia in Europe, 1914–1948. Oxford University Press, Oxford u. a. 2009, ISBN 978-0-19-536781-2; online (auszugsweise) auf: books.google.de/...