Pädaudiologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Pädaudiologie (von griechisch pais, Kind) ist sowohl als Wissenschaft von Hörstörungen (des Hörens) und der Auditiven Wahrnehmung im Kindesalter ein Teilgebiet der Audiologie (der Wissenschaft des Hörens) als auch ein Fach der klinischen Medizin, das sich mit der Diagnostik und Therapie kindlicher Hörstörungen befasst.

Die Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Facharzt für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland bildet die Pädaudiologie zusammen mit der Phoniatrie die Grundlage des Facharztes für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen. Mit der Einführung des Neugeborenenhörscreenings dort am 1. Januar 2009 ist es Aufgabe der Fachärzte für Phoniatrie-Pädaudiologie die fachspezifische Weiterbetreuung der beim Screening auffälligen Kinder zu übernehmen.

Um nach einem absolvierten Medizinstudium als Facharzt für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen (vor 2004 „Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie“) tätig zu werden, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit, die sich in zwei Abschnitte gliedert [1]:

  • 2 Jahre Basisweiterbildung im gemeinsamen Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
  • 3 Jahre spezifische Facharztweiterbildung Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen

Zurzeit wird im Rahmen der EU-Harmonisierung der ärztlichen Weiterbildung auch eine europaweite Angleichung der Weiterbildung im Fach Phoniatrie-Pädaudiologie innerhalb der Fachgesellschaften entworfen.[2]

Standesorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) handelt es sich um den Zusammenschluss vorwiegend wissenschaftlich tätiger Fachärzte für Phoniatrie-Pädaudiologie incl. vielfach Ordinarien deutscher Hochschulen. Mitglied kann jeder Arzt für Phoniatrie-Pädaudiologie werden, der Bürgen aus dem Kreise der Mitglieder benennen kann. Für Ärzte in der Weiterbildung gibt es die Juniormitgliedschaft, die nach bestandener Facharztprüfung auf Antrag in eine Vollmitgliedschaft umgewandelt werden kann. Als vorwiegende Aufgabe der Gesellschaft darf die Erhaltung eines hohen wissenschaftlichen Standards des Fachs angesehen werden.

Dem Vorstand gehört auch ein Mitglied des Deutschen Berufsverbandes der Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. an. Dabei handelt es sich um den Zusammenschluss vorwiegend praktisch tätiger Ärzte. Mitglied kann jeder Facharzt werden, er sollte möglichst eine Praxis betreiben. Als vorwiegende Aufgabe des Berufsverbandes darf die Erhaltung der freiberuflichen Tätigkeit der Fachärzte angesehen werden sowie u. a. die Wahrnehmung von Rechten gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung und den Kassenärztlichen Vereinigungen.

Behandlungsleitlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Leitlinien im Bereich Pädaudiologie sind in Federführung der DGPP bisher erstellt worden:

Eine Mitarbeit erfolgte bei folgenden Leitlinien:

Statistiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31. Dezember 2014 listet insgesamt 282 Fachärzte auf, davon waren 122 in niedergelassener und 56 als ohne ärztliche Tätigkeit registriert. [3] Im September 2014 waren in der DGPP 307 Mitglieder gezählt.

Die Situation in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein eigenständiges Sonderfach Phoniatrie-Pädaudiologie gibt es in Österreich nicht, es zählt als Additivfach (zukünftige Bezeichnung "Spezialisierung") des Sonderfaches Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Die Facharztausbildung HNO umfasst nach der ÄAO 2015 72 Monate mit Abschlussprüfung.[4] Anschließend erfolgt die Ausbildung in der Spezialisierung Phoniatrie-Pädaudiologie über weitere 2 Jahre mit eigenständiger Prüfung zum Abschluss der Weiterbildung.

Standesorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sektion Phoniatrie ist eine Teilorganisation der Österreichischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Sie verfolgt standespolitische Ziele, vertritt die Interessen der Phoniatrie gegenüber anderen ärztlichen Organisationen und Behörden, setzt sich für die weitere Entwicklung der Phoniatrie und Pädaudiologie einschließlich der Fortbildung von Ärzten auf diesem Gebiet ein und stellt sich gegebenenfalls bei Fachfragen beratend zur Verfügung. Darüber hinaus vertritt sie das spezialisierte Fachgebiet der Phoniatrie wissenschaftlich innerhalb der Österreichischen HNO-Gesellschaft. Die Mitglieder der Sektion müssen Fachärzte(-innen) für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten mit dem Zusatzfach Stimm- und Sprachkrankheiten (Phoniatrie) und zugleich Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie sein.[5]

Im September 2016 umfasste die Sektion 45 Mitglieder.

Internationale Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Verband gibt es international die Intl. Association of Logopedics and Phoniatrics (IALP),[6] auf europäischer Ebene die Union of European Phoniatrics (UEP).[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Wendler,Wolfgang Seidner, Ulrich Eysholdt: Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie. 4. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-13-102294-9.
  • Markus Vieten: Berufsplaner Arzt oder was man mit einem Medizinstudium alles anfangen kann. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart-New York 2005, ISBN 3-13-116105-1.
  • Christian von Deuster: Pädaudiologie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1087.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Muster-Weiterbildungsordnung der BÄK Stand: 06/2010
  2. Weiterbildungsplan der UEMS und UEP
  3. [2] Übersichtsseite der BÄK zur ärztlichen Versorgung
  4. [3]
  5. [4]
  6. [5] Homepage der IALP
  7. [6] Homepage der UEP