Pödelwitz

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Pödelwitz
Stadt Groitzsch
Koordinaten: 51° 8′ 44″ N, 12° 21′ 6″ O
Einwohner: 134 (9. Mai 2011)[1]
Eingemeindung: 1. April 1966
Eingemeindet nach: Großstolpen
Postleitzahl: 04539
Vorwahl: 034269
Pödelwitz (Sachsen)
Pödelwitz

Lage von Pödelwitz in Sachsen

Pödelwitz ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Groitzsch im Landkreis Leipzig. Der Ort wurde 1966 nach Großstolpen eingemeindet und kam mit diesem im Jahr 1996 als Ortsteil zur Stadt Groitzsch.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pödelwitz liegt etwa 22 Kilometer südlich der sächsischen Großstadt Leipzig. Südlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 176 Bad LangensalzaHartha. Der Ort befindet sich im geplanten Abbaugebiet des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Im Norden befindet sich der gestundete Tagebau Peres, dem der Ortsteil Leipen im Jahr 1966 zum Opfer fiel. Im Südosten befindet sich der Tagebau Schleenhain, der seit 1994 als Tagebau Vereinigtes Schleenhain weiter betrieben wird.

Nachbarorte von Pödelwitz sind Lippendorf im Norden, Neukieritzsch im Osten sowie Großstolpen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuer Geyersberg mit zur Sonnenuhr umgebauter Baggerschaufel, Blick nach Norden (Pödelwitz und Kraftwerk Lippendorf)
Dorfkirche Pödelwitz
Ehem. Bahnhof Pödelwitz

Die erste belegte Ortsnamenform datiert von 1350 als Pedelwicz.[2] August Schumann nennt 1821 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen Pödelwitz betreffend u. a.:

„Es hat 22 Häuser, 130 Einwohner (welche 23 Hufen besitzen) und eine Pfarrkirche nebst Schule, […]. Eingepfarrt in die hiesige Kirche sind die Dörfer Droskau, Großstolpen, Kleinstoplen, Leipen, Oellschütz und Piegel. Der Boden ist hier sehr ergiebig, und der Ackerbau einträglich. Man erbauet auch Rübsen und Hierse; man hält mehrere Schaafe und hat herrlichen Kleebau. […] Das hiesige Kirchspiel gehörte bis zum Jahre 1578 noch zur Parochie Groitzsch, wo es einen eignen Pfarrer erhielt.“[3]

Pödelwitz lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Pegau.[4] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Pegau und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Borna.[5] Am 1. Oktober 1909 erhielt Pödelwitz mit der gleichnamigen Station einen Eisenbahnanschluss an der Bahnstrecke Neukieritzsch–Pegau. Am 1. Juni 1997 wurde der Reiseverkehr endgültig eingestellt.[6] Teile der früheren Strecke wurden inzwischen vom Tagebau Vereinigtes Schleenhain überbaggert.

Am 1. Oktober 1948 erfolgte die Eingemeindung des einen Kilometer nordwestlich gelegenen Leipen.[7] Pödelwitz kam 1952 zum Kreis Borna im Bezirk Leipzig. 1964 wurde mit dem Schacht 1 bei Pödelwitz der erste Entwässerungsschacht des künftigen Tagebaus Peres nördlich des Orts abgeteuft. Die Tagesanlagen des Tagebaus Peres wurden östlich von Pödelwitz angelegt. In Vorbereitung der Freiräumung des Aufschlussareals musste der damals 82 Einwohner zählende Ortsteil Leipen dem Tagebau weichen. Da das Dorf in der Nähe der Ausgangsstellung des Tagebaus Peres lag, wurde er 1965/66 komplett abgerissen.[8] Am 1. April 1966 erfolgte die Eingemeindung von Pödelwitz mit der devastierten Flur von Leipen nach Großstolpen.[2] Seit den 1970er Jahren lag Pödelwitz auf einer schmalen Landzunge zwischen den Tagebauen Peres im Norden und Schleenhain im Süden, wobei letzterem der Nachbarort Droßdorf zum Opfer fiel. Am 1. Januar 1996 wurde Großstolpen mit Pödelwitz nach Groitzsch eingemeindet. Die Tagesanlagen des Tagebaus Peres werden seit den 1990er Jahren durch den Tagebau Vereinigtes Schleenhain genutzt.

Am 16. November 2012 unterzeichneten die zuständigen Entscheidungsträger der Stadt Groitzsch sowie der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) in Großstolpen den Grundlagenvertrag zur Umsiedlung der Ortslage Pödelwitz (Pödelwitz-Vertrag) und den Nachbarschaftsvertrag mit der Stadt Groitzsch. Damit wurden die Voraussetzungen für eine von der Mehrheit der Bewohner des Ortes gewünschte, freiwillige Umsiedlung geschaffen. Im Ergebnis der vorangegangenen Gespräche sprachen sich 90 Prozent der Pödelwitzer für einen Umzug aus. Die Umsiedlung soll spätestens 2018 abgeschlossen sein.[9] Am 11. Juli 2013 beschloss der Stadtrat die Erschließung zwei neuer Baugebiete, das geplante Wohngebiet „Schiefer Weg“ ist ein Umsiedlungsvorhaben der MIBRAG für die Bewohner der Ortslage Pödelwitz. Derzeit beabsichtigen ca. 15 Familien am neuen Standort zu bauen.[10] Einige Umsiedlungsgegner haben die „Initiative Pro Pödelwitz“ gegründet, welche juristisch gegen den Pläne vorgehen will.[11][12]

Kirche Pödelwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am nördlichen Rand des Ortes befindet sich, weithin sichtbar, die evangelische Pfarrkirche. Dem heutigen Erscheinungsbild nach Barock und Historismus zuzuschreiben, handelt es sich jedoch um eine romanische Chorturmkirche mit romanischen Bogenfenstern. Als Bauzeit wird die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts angenommen. Die Kirche ist saniert und steht auf einem Friedhof.[13]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1548/51 1764 1834 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964
Einwohner[2] a) b) 148 145 166 170 160 169 268 354 337
b) 22 besessene Mann, 22 Hufen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit dem Ort in Verbindung stehen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pedelwitz, Pödelwitz. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 8. Band. Schumann, Zwickau 1821, S. 143.
  • Richard Steche: Poedelwitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 15. Heft: Amtshauptmannschaft Borna. C. C. Meinhold, Dresden 1891, S. 95.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pödelwitz (Groitzsch) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kleinräumiges Gemeindeblatt für Groitzsch, Stadt. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, September 2014, abgerufen am 17. Februar 2015 (PDF; 0,9 MB).
  2. a b c Vgl. Pödelwitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Vgl. Pedelwitz, Pödelwitz. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 8. Band. Schumann, Zwickau 1821, S. 143.
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 62 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Borna im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Eisenbahnstationen in Sachsen, abgerufen am 11. Januar 2014.
  7. Leipen auf gov.genealogy.net
  8. Beschreibung des Tagebaus Peres in einem Dokument der LMBV
  9. Pödelwitzer wollen umsiedeln., abgerufen am 12. Januar 2014.
  10. Zwei neue Baugebiete für Groitzsch, abgerufen am 12. Januar 2014.
  11. Torsten Hampel: Fördern und fordern. In: Der Tagesspiegel. 29. Januar 2014.
  12. Braunkohleabbau in Sachsen: Kämpfen, bis die Bagger kommen, abgerufen am 12. Januar 2014.
  13. Zwei neue Baugebiete für Groitzsch, abgerufen am 13. November 2017.