Přítluky

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Přítluky
Wappen von Přítluky
Přítluky (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 1427 ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 16° 46′ OKoordinaten: 48° 50′ 55″ N, 16° 46′ 21″ O
Höhe: 165 m n.m.
Einwohner: 807 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 691 04 - 692 01
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Zaječí - Rakvice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Stanislav Ludvik (Stand: 2008)
Adresse: Obecní 11
691 04 Přítluky
Gemeindenummer: 584851
Website: www.pritluky.cz
Ansicht von Přítluky
Kirche St. Margarethe

Přítluky (deutsch Prittlach) ist eine Gemeinde im Jihomoravský kraj (Südmähren), Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg) in Tschechien. Sie befindet sich 14 Kilometer nordwestlich von Břeclav (Lundenburg). Der Ort ist als ein Platzdorf angelegt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Přítluky ist ein linksseitig der Thaya am Fuße des Berges Přítlucká hora (Prittling, 292 m) gelegenes Viereckdorf. Im Nordosten liegt die Thayatalsperre Nové Mlýny. Die Nachbarorte sind im Osten Rakvice (Rakwitz), im Südosten Podivín (Kostel), im Westen Nové Mlýny (Neumühl) und im Norden Zaječí (Saitz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 11. bis 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Siedlungsbewegung von West nach Ost. Mähren wurde von 1031 bis 1305 von der Dynastie der Přemysliden regiert. Um größere Gebiete landwirtschaftlich zu nutzen und damit höhere Erträge zu erzielen, bewarben sie die Kolonisten zum Beispiel mit zehn Jahre Steuerfreiheit (deutsches Siedlerrecht). Bis zum Jahre 1150 wurde das Gebiet um Mikulov (Nikolsburg) und Znojmo (Znaim) von deutschen Einwanderern aus Niederösterreich besiedelt. Die Anlage des Dorfes sowie die ui-Mundart bekunden, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein. [2][3][4][5]

Das Dorf war in Besitz des Zisterzienserklosters Velehrad und wurde erstmals 1222 urkundlich erwähnt. 1220 hat der Ort den Namen "Pritluh", 1229 "Britteluche" und 1362 "Pritlach", im 17. Jahrhundert wird es zu "Brichlach" und kommt im 19. Jahrhundert wieder auf die Namen "Prittlach" zurück. In den Hussitenkriegen wird der Ort im Jahre 1421 niedergebrannt. 1599 wurde Prittlach von der Familie Liechtenstein gekauft und 1617 in die Herrschaft Lednice eingegliedert.

Am Anfang des Dreißigjährigen Krieges, 1619, wurde das Dorf niedergebrannt und blieb drei Jahre lang verwüstet. 1645 wurde Prittlach von schwedischen Truppen unter Lennart Torstensson erneut niedergebrannt. Bei Überfällen türkischer Streifscharen in den Jahren 1649 und 1663 wurde der Ort beschädigt. Matriken werden seit 1653 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[6] Grundbücher werden seit 1702 geführt. Aufgrund der Türkenkriege und des Spanischen Erbfolgekrieges kam es durch hohe Steuern und eine rasche Geldentwertung zu einer Verarmung der Einwohner von Prittlach. Ab dem 16. Jahrhundert gab es eine Dorfschule, die 1844 einen zweigeschossigen Neubau für drei Klassen erhielt. Im Jahre 1896 wurde eine Freiwillige Feuerwehr im Ort gegründet. Die Sprache der Einwohner wurzelt in der Mittelbairisch-österreichischen Ui-Mundart mit speziellen Bairischen Kennwörtern, welche auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hinweisen, wie sie vor allem im 12./13. Jahrhundert erfolgte.[7] Der Haupterwerb der Einwohner waren der Acker- und Weinbau sowie die Vieh- und Fischwirtschaft. Aufgrund des guten Klimas wurde neben verschiedenen Getreidearten auch Mohn, Zuckerrüben, Hülsenfrüchten und Kartoffeln angebaut. Die blühende Weinkultur im Ort erhielt durch die Reblausplage um 1900 einen starken Rückschlag. So wurden im Jahre 1945 nur noch die Hälfte der Weinbaufläche von 1900 genutzt.[8]

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Prittlach wie ganz Mähren zur neu entstandenen Tschechoslowakei. Maßnahmen wie die Bodenreform und eine Sprachenverordnung führten durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[9] Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1928. Das Kriegerdenkmal für die 44 Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde 1930 errichtet. 1938 wurde ein Kindergarten sowie eine Gemeindebücherei gebaut. Während der Sudetenkrise wurden die Einwohner von Prittlach vom tschechischen Militär zum Schanzen abkommandiert. Nach dem Münchner Abkommen wurde Prittlach mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 58 Männer und vier Personen starben bei einem Bombenangriff. Nach Kriegsende wurden die im Münchener Abkommen übertragenen Territorien wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Zwischen 22. Mai und 26. Juni 1945 wurden, bis auf vier Familien, alle Ortsbewohner über die Grenze nach Österreich vertrieben. Dabei kam es zu sieben Ziviltoten. [10]

Von den Vertriebenen verblieben 47 Familien in Österreich, die restlichen 130 Familien wurden nach Deutschland weiter transferiert.[11][12][13] Das Hauptkreuz am Friedhof wurde im Jahre 1993 durch vertriebene Prittlacher renoviert.

1960 erfolgte die Eingemeindung von Nové Mlýny (Neumühl).

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste Siegel zeigt innerhalb eines Blätterkranzes die Umschrift "GEMEIN.SIGIL.BRICHLAH 1711". Es zeigt einen Weinstock mit zwei Trauben und einem Winzermesser mit Securis.[14]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen andere
1793 160 716      
1836 172 900      
1869 182 799      
1880 182 909 892 16 5
1890 187 821 802 19 8
1900 191 870 867 2 1
1910 203 867 856 9 2
1921 207 837 782 30 25
1930 219 821 777 30 14
1939 224 844 844    
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A–Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Přítluky besteht aus den Ortsteilen Nové Mlýny (Neumühl) und Přítluky (Prittlach).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Ludwig. Heimatforscher und Josef-Löhner Preisträger

Baudenkmäler, Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Margareta, 1218, mehrmals niedergebrannt und wieder aufgebaut; danebenstehender Zwiebelturm,
  • Dreifaltigkeitssäule mit Statuen des Hl. Johannes von Nepomuk, Hl. Florian, Hl. Wendelin
  • Denkmal für die Rakwitzer Tragödie in der Thaya in Nové Mlýny. Am 26. Mai 1936 kenterte während eines Schulausfluges in die Pollauer Berge die mit Rakwitzer Kindern überladene Thayafähre in Neumühl, wobei 31 Schüler ertranken.
  • Kriegerdenkmal (1930)

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Prittlach Seite 310
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren. 1941, Prittlach Seite 37
  • Gregor, Gustav: Geschichte der Ortsgemeinde Prittlach. 1968
  • Ludwig, Ernst: Geschichte der Ortsgemeinde Prittlach 1220-1945. 1981
  • Johann Urbin: Südmähren heute : Dokumentation über Prittlach. 1984
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Ludwig, Ernst: Prittlach in Südmähren. 1992
  • Karl Odehnal: Chronik der Ortsgemeinde Prittlach. 2 Bände. 1993
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 204, 211, 406, 409, 411, 412, 414, 417, 421–435, 427–428, 431, 553, 573, 577 (Prittlach).
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, S. 31.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, S. 194.
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006, S. 177f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Přítluky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.html
  3. Joachim Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3-406-45954-4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  6. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 10. April 2011.
  7. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  8. Hans Zuckriegl:Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 262
  9. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  10. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, S. 244, ISBN 3-927498-27-0.
  11. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 211 (Prittlach).
  12. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  13. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  14. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Prittlach Seite 189