PEN-Zentrum Deutschland

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Wieder-Gründung des PEN-Zentrums Deutschland in Göttingen, 1948

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine deutsche Schriftstellervereinigung. Die Abkürzung PEN (international auch P.E.N.) bedeutet hierbei „Poets, Essayists, Novelists“.

Nach der Gründung des PEN 1921 in England etablierte sich der PEN auch in vielen anderen Staaten. 1925 gründeten deutsche Autoren das PEN-Zentrum Deutschland. Das PEN-Zentrum Deutschland ist Mitglied des Internationalen PEN und hat seinen Sitz in Darmstadt. Präsident des PEN-Zentrums Deutschland ist seit Mai 2013 Josef Haslinger.[1]

Tätigkeit[Bearbeiten]

Wie der internationale PEN, ist die Arbeit des Deutschen PEN entsprechend seiner Charta darauf gerichtet, sich für Schutz und Freiheit von Kultur einzusetzen. Ungehinderter Gedankenaustausch und freie Meinungsäußerung werden national und international vertreten. Dazu unterhält das Deutsche PEN-Zentrum zwei zentrale Programme: Writers in Prison (seit 2012 verantwortet von Vizepräsident Sascha Feuchert) und Writers in Exile (verantwortlich seit 2013 Vizepräsidentin Franziska Sperr), beide in enger Abstimmung mit dem internationalen PEN und gegebenenfalls den PENs der Herkunftsstaaten der jeweiligen Verfolgten.

Im Writers in Prison-Programm werden kulturelle und andere Kontakte genutzt, um politisch verfolgte Schriftsteller zu befreien. Als Mittel werden Briefkampagnen und direkte Ansprache von Machthabern genutzt. Das Writers in Exile-Programm nimmt verfolgte Schriftsteller in Deutschland auf und gibt ihnen die Chance für mehrere Jahre in Sicherheit zu leben und weiterhin als Schriftsteller zu arbeiten. Dazu unterhält das Deutsche PEN-Zentrum mit Förderung des Auswärtigen Amtes mehrere Wohnungen, die den Verfolgten zur Verfügung gestellt werden können, außerdem bieten die Städte Nürnberg und München je eine eigene Wohnung für das Programm an, die über das PEN-Zentrum an Verfolgte vergeben werden.

Seit 1985 verleiht das PEN-Zentrum Deutschland die Hermann-Kesten-Medaille für besondere Verdienste um verfolgte Autoren im Sinne der Charta des Internationalen PEN, wobei sich der PEN selbst als „Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller“ bezeichnet.[2]

Geschichte des PEN-Zentrums Deutschland[Bearbeiten]

1924 gründeten deutsche Schriftsteller innerhalb des Internationalen PEN eine deutsche Sektion unter Leitung von Ludwig Fulda. Ursprünglich war sie eine gesellschaftlich und sozial „salonfähige“ Vereinigung der etablierten und konservativen Autoren. Obwohl diese Gruppe im Ersten Weltkrieg den deutschen Chauvinismus und Patriotismus aktiv unterstützt hatten, war der internationale PEN-Club und sein Gründerpräsident John Galsworthy bereit, darüber hinweg zu sehen, um seine unpolitische, soziale Aktivität nach Deutschland auszuweiten.[3] 1926 richtete der Deutsche PEN den internationalen Kongress in Berlin aus, was die erste internationale Konferenz in Deutschland überhaupt nach dem Ersten Weltkrieg darstellte.[4] Daher nutze das Auswärtige Amt den deutschen PEN als verlängerten Arm der deutschen Außenpolitik, weil es selbst unter den Versailler Verträgen keinen direkten Einfluss mehr hatte.[5]

Ludwig Fulda wurde im Herbst 1927 durch Theodor Däubler abgelöst.[6] Dieser wurde aber in der Folge schwer krank und bekam daher 1931 Walter Bloem als gleichberechtigten Präsidenten zur Seite gestellt. 1932 wurde Bloem durch Alfred Kerr in derselben Rolle ersetzt. Däubler starb 1934[7]

Ab 1930 fiel das Deutsche PEN-Zentrum auf, weil er entgegen der Satzung des internationalen PEN-Clubs und der persönlichen Praxis von Gründerpräsident Galsworthy, entschieden für Rechte von Schriftstellern eintrat und damit den Grundsatz no politics des ursprünglich als reinem sozialen Club gegründeten Vereins verletzte. Anlass war das Verbot der Remarque-Verfilmung Im Westen nichts Neues.[8] Diese von Deutschland ausgehende Linie wurde international zunächst abgelehnt.[9] Auf dem internationalen Kongress 1932 wurde aber erstmals eine politische Resolution mehrheitlich angenommen und nach den Ereignissen 1933 in Deutschland musste der PEN seine unpolitische Rolle aufgeben.[9]

1933 floh Alfred Kerr unmittelbar nach der Machtergreifung ins Ausland. Nach der Flucht Kerrs wurde im Februar kurzfristig ein Vorstand aus Hanns Martin Elster, dem todkranken Theodor Däubler und Herwarth Walden gebildet.[10] Im April wurden Mitglieder des Kampfbunds für deutsche Kultur von Alfred Rosenberg in das Zentrum aufgenommen, obwohl viele davon gar keine Schriftsteller oder Publizisten im Sinne des PEN waren. Am 23. April 1933 folgte die Gleichschaltung unter einer gleichberechtigten Dreierspitze aus Hanns Johst, Horst Hinkel, Rainer Schlosser.[10] Die Versammlung, in der die Neuwahl stattfand, wurde durch SA-Männer gestürmt, bei der zweiten Abstimmungsrunde hatten fast alle etablierten Mitglieder des PEN das Gebäude bereits fluchtartig verlassen. Im Sinne einer „Scheinlegitimität“ wurde die Wahl jedoch als innerer Vorgang maskiert.[11] Im Januar 1934 wurde der PEN in die Union nationaler Schriftsteller umgewandelt.[12] Für diesen Umbau hatten sich insbesondere Hanns Johst und Gottfried Benn engagiert.[13]

Der NS-freundliche deutsche Verband wurden wegen Untätigkeit gegen die Bücherverbrennung 1933 in Deutschland im internationalen Verband kritisiert und kam im November 1933 einem Ausschluss durch den eigenen Austritt zuvor.[14] In der Zeit des Nationalsozialismus gründeten aus Deutschland geflohene Schriftsteller 1934 das P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland als Organisation der Autoren im Exil. Schon im Dezember 1933 1933 hatten sich Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Max Herrmann-Neiße und Rudolf Olden für eine autonome PEN-Gruppe der Exilanten eingesetzt.[15] Die Anerkennung des Exil-PEN mit Heinrich Mann als Präsident wurde im Juni 1934 durch den internationalen PEN bestätigt. Offizieller Sitz war London, als Name dienten zuerst Deutsche Gruppe des Internationalen PEN, dann German (Anti-Nazi) Group, später Centre of German Writers Abroad und bis 2002 Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland.[16] Nach dem Anschluss Österreichs und des österreichischen PEN an die deutsche Nazi-Organisation wurde international ein neuer österreichischer PEN unter dem Namen Austrian Group gegründet. Präsident war Franz Werfel.[17]

1948 gründete sich in Göttingen das PEN-Zentrum Deutschland neu. 1949 wurde als westdeutscher Staat die Bundesrepublik Deutschland gegründet und im Osten die Deutsche Demokratische Republik. Nachdem ostdeutsche Autoren das PEN-Zentrum prägten, spaltete sich 1951 das Deutsche PEN-Zentrum (Bundesrepublik) ab. Daraufhin benannte sich das nunmehr ostdeutsche PEN-Zentrum Deutschland 1953 in Deutsches PEN-Zentrum Ost und West um.

1960 versuchten die Schriftsteller und einige DDR-Funktonäre des Deutschen PEN-Zentrum Ost und West noch einmal eine gesamtdeutsche Zusammenarbeit zu initiieren. Sie luden zu ihrer 12. Generalversammlung nach Hamburg und riefen die Mitglieder des West-PEN zur Teilnahme auf. Als die Gäste bereits angereist waren, verbot der Polizeisenator Wilhelm Kröger die Veranstaltung und wirkte auf die Universität und Hotels ein, Raumzusagen aufzukündigen. Die geplanten Diskussionen kamen nicht zu Stande.[18] Das Deutsche PEN-Zentrum Ost und West hieß seit 1967 PEN-Zentrum Deutsche Demokratische Republik und benannte sich 1991 in Deutsches P.E.N.-Zentrum (Ost) um. 1998 fand der Zusammenschluss der beiden deutschen PEN-Zentren statt.[19][20]

Präsidenten den PEN-Zentrums Deutschland in der Weimarer Republik[Bearbeiten]

Präsidenten des PEN-Zentrums Deutschland (bis 1951)[Bearbeiten]

Präsidenten des ostdeutschen PEN-Zentrums[Bearbeiten]

Präsidenten des Deutschen PEN-Zentrums (Bundesrepublik)[Bearbeiten]

Präsidenten des PEN-Zentrums Deutschland (ab 1998)[Bearbeiten]

Amtsübergabe der PEN-Präsidentschaft von Johano Strasser (links) an Josef Haslinger (rechts), Marburg 2013

Ausstellung[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorothée Bores: Das ostdeutsche P.E.N.-Zentrum 1951 bis 1998. Ein Werkzeug der Diktatur?, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-023385-8.
  • Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0.
  • Bernt Engelmann (Hrsg.): Literatur des Exils. Eine PEN-Dokumentation [über Herbsttagung des P.E.N.-Klubs]. Mit Beiträgen u. a. von Ernest Bornemann, Walter Fabian, Judith Kerr, Alphons Silbermann, Willy Brandt, Peter Härtling und Dokumenten aus dem Exil. München 1981, ISBN 3-442-06362-0.
  • Martin Gregor-Dellin (Hrsg.): P.E.N., Bundesrepublik Deutschland. Seine Mitglieder, seine Geschichte, seine Aufgaben. München 1978, ISBN 3-442-03682-8.
  • Sven Hanuschek: Geschichte des bundesdeutschen PEN-Zentrums von 1951 bis 1990. Niemeyer, 2004, ISBN 3-484-35098-9.
  • Sven Hanuschek: P.E.N. Die Internationale Schriftstellervereinigung. Ihre Deutsche Geschichte Ihre Aufgaben. Ausstellungskatalog. 2011.
  • Ursula Heukenkamp (Hrsg.): Unterm Notdach. Nachkriegsliteratur in Berlin 1945–1949. (Kapitel: Christine Malende: Berlin und der P.E.N.-Club. Zur Geschichte der deutschen Sektion einer Internationalen Schriftstellerorganisation.) ISBN 978-3-503-03736-0.
  • Helmut Peitsch: No politics? Die Geschichte des deutschen PEN-Zentrums in London 1933–2002. V & R unipress, 2006, ISBN 3-89971-304-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel online: Schriftstellerverband: Josef Haslinger ist neuer PEN-Präsident, 3. Mai 2013.
  2. http://www.pen-deutschland.de/ ; Einstiegsseite, abgerufen am 8. Oktober 2009.
  3. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 76.
  4. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 82.
  5. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 80.
  6. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 87.
  7. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 88.
  8. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 99.
  9. a b Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 103.
  10. a b Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933-1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 133-167, 136
  11. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 104.
  12. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 121.
  13. Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933-1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S.139
  14. Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimaer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 120.
  15. Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933-1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S.142
  16. Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933-1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S.145
  17. Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933-1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S.148
  18. Die roten Dichter und Hamburgs Polizei. In: Die Zeit. 16. Dezember 1960.
  19. Sven Hanuschek: P.E.N. Die internationale Schriftstellervereinigung. Ihre deutsche Geschichte. Ihre Aufgaben. S. 8–33.
  20. Rezension von Gerd Dietrich zu Dorothée Bores: Das ostdeutsche P.E.N.-Zentrum 1951 bis 1998. Ein Werkzeug der Diktatur? Berlin 2010 auf www.hsozkult.de
  21. Opas Verein, Babys Kommune? In: FAZ. 8. September 2011, S. 31.