P. T. Barnum

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Phineas Taylor Barnum, Fotografie des Mathew-Brady-Studios

Phineas Taylor Barnum (* 5. Juli 1810 in Bethel, Connecticut; † 7. April 1891 in Bridgeport, Connecticut) war ein US-amerikanischer Zirkuspionier und Politiker, Schriftsteller und Vortragsreisender. Erfinder der Plakatwerbung. Einmal war er Bürgermeister von Bridgeport, Conn., und viermal wurde er in die Staatsversammlung Bundesstaat von Connecticut gewählt.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater, Philo Barnum war Bauer, Schneider, Gastwirt und Ladenbesitzer, der 10 Kinder und zwei Frauen hatte. Phineas war Philos sechstes Kind und das erste mit seiner zweiten Frau Irene. Während seiner gesamten Kindheit dominierten die konservativen Werte der Kongregations-Kirche. Um den Kampf gegen die harte Arbeit des täglichen Lebens zu meistern, hatte sich Phineas Großvater mütterlicherseits in die wenigen erlaubten Formen der Unterhaltung geflüchtet: den praktischen Spaß. Barnum erinnerte sich, dass sein Großvater „Weiter gehen, länger warten, härter arbeiten und etwas ersinnen würde, um einen Spaß durchzuführen als für irgendetwas anderes auf Erden“. Es war die ungestüme Persönlichkeit seines Großvaters und dessen Liebe für harmlose und amüsante Täuschungen, die Barnum anwandte während seines kometenhaften Aufstiegs in der Unterhaltungsindustrie.

Aber zunächst half Phineas seinem Vater auf der Farm und später in dem familieneigenen Gemischtwarenladen. Nach dem Tod seines Vaters 1825, löste Barnum den Familienbesitz auf und zog nach Grassy Plains, in der Nähe von Bethel, wo er ein Lebensmittelgeschäft mit John Moody als Partner führte. Hier lernte er auch Charity Hallet kennen und heiratete sie. Die Ehe sollte 44 Jahre dauern.


Seine Karriere als selbst ernannter “Prince of Humbugs“ begann im Alter von 25 Jahren, als ein Kunde, Coley Bartram, sein Lebensmittelgeschäft betrat. Bartram wussste, dass Barnum eine Schwäche für spekulative Geldanlagen hatte und er wollte ihm eine „Kuriosität“ verkaufen. Barnum untersuchte einen Vertrag, in dem Augustinus Washington, der Vater von George, 1727 eine 54-jährige schwarze Frau namens Joice Heth gekauft hatte. Mit diesem Authentizitäts-Beweis kaufte er das Recht, sie auszustellen. Barnum „erwarb“ 1835 die angeblich 161 Jahre alte Amme von George Washington. Er überflutete New York und Umgebung mit Postern und Anzeigen und eine große Anzahl Leute kamen, um sie zu sehen und dafür zu zahlen. Die blinde und gebrechliche alte Afroamerikanerin namens Joyce Heth unterhielt das zahlende Publikum mit Anekdoten aus Washingtons Leben und Gospeln. Als das Interesse in New York nachließ, tourte Barnum durch die Neu England-Staaten. Er versuchte, die Einnahmen die zu erhöhen, indem er sagte, dass Heth mit den Einnahmen aus der Tour ihre Ur-Enkel aus der Sklaverei freikaufen wolle. Dies war Barnums Einstieg ins Schaustellergewerbe. Nach ihrem Tod am 19. Februar 1836 wünschte eine Gruppe von "Ärzten, Medizinstudenten, Geistlichen, und Zeitungs-Herausgebern" eine Autopsie. Bei der Obduktion, unter dem präsidierenden Arzt, David Rogers, an der der geschäftstüchtige Barnum gut verdient haben soll, stellte sich heraus, dass sie höchstens 80 Jahre alt gewesen sein konnte. Daraufhin wurde er von Barnums Vertreter Levi Lyman, beleidigt, und Rogers und sein Freund, Richard Locke, ein New York Sun-Reporter, stürmten aus dem Raum. Locke schrieb dann einen Artikel, in dem er die Joice Heth Affäre als "einen der wertvollsten Schwindel, der jemals einer leichtgläubigen Gemeinschaft auferlegt wurde" entlarvte.

In den folgenden Jahren tingelte Barnum mit verschiedenen Wanderzirkussen quer durch den Osten und Süden der USA.

P. T. Barnums Meerjungfrau
Die Hochzeit von Charles Sherwood Stratton, Künstlername General Tom Thumb (2. v. l.), mit Lavinia Warren 1863 war Titelstory amerikanischer Zeitungen. Mathew-Brady-Studio

Karriere als Schausteller[Bearbeiten]

1841 kam Barnum zu Ohren, dass Scudder’s American Museum, am Lower Broadway in New York mit einer Sammlung von Relikten und seltenen Kuriositäten für $50,000 zum Verkauf stand. Er kaufte das Museum und feierte die Wiedereröffnung unter Barnum's American Museum. Er baute es zu einem der größten Unterhaltungsspektakel des 19. Jahrhunderts aus. Neben den Ausstellungen, die eine große Ansammlung von allem, was irgendwie interessant sein konnte, darstellten, half ihm dabei vor allem sein Talent zur Inszenierung und zur offensiven Öffentlichkeitsarbeit. Jeder neue Programmpunkt wurde intensiv mit Plakaten und in Zeitungen als „Sensation“ beworben. Dazu schrieb Barnum Artikel und Leserbriefe für verschiedene Zeitungen, um seine Ausstellung immer wieder zum Gesprächsthema zu machen. Auch vor Bluffs, inszenierten Konkurrenzen und Betrügereien schreckte er nicht zurück. So gab sich einer seiner Mitarbeiter als Doktor aus London aus, um eine „Fidschi-Meerjungfrau“ zu propagieren. Diese bestand aus dem Oberkörper eines Affen, der geschickt auf einem Fischleib angebracht war, und wurde 1842 zu der Sensation in New York. Hatten die Einnahmen von Scudder’s American Museum $34,000 betragen, sokonnte Barnum während der ersten drei Jahre in dem neu eröffneten Museum mehr als $100,000 einnehmen. Das war die "Leiter zum Reichtum" wie er selbst sagte.

Das Kuriositätenkabinett[Bearbeiten]

Hauptartikel: Barnum’s American Museum

Vor allem durch solcherart geschickte PR-Kampagnen wurde das Amerikanische Museum, das in den Folgejahren mit zwei weiteren Sammlungen zusammengelegt wurde, zu einem Besuchermagneten. In den 23 Jahren unter Barnums Leitung sollen es 38 Millionen Besucher bestaunt haben.

Die Sammlung war eine Mischung aus Kuriositätenkabinett und völkerkundlicher Ausstellung; allerdings gab es in ihr nicht einmal ansatzweise den Versuch einer wissenschaftlichen Gliederung. Hauptsächliche Aufnahmekriterien waren die Seltenheit eines Exponats und dessen dramaturgischer Wert. Dazu gehörten beispielsweise in der Anfangszeit ausgestopfte Vögel, exotische Musikinstrumente, eine Sammlung von Rüstungen, die Gipsbüste eines „Kannibalenhäuptlings“, ein Modell der Stadt Paris, ein Modell der Niagarafälle, verschiedene Automaten, mechanische Figuren, Mumien, Skelette, ein Hund, der eine Strickmaschine bediente, ein Python, ein Orang-Utan, ein Bauchredner, ein Flohzirkus sowie eine Zigeunerin, die aus der Hand las.

Menschen- und Tiershows[Bearbeiten]

Neben Künstlern und Artisten war der Zirkus auch berühmt für seine Darsteller, die sich besonders durch körperliche Merkmale auszeichneten. Dicke Frauen, „lebende Skelette“, Albinos, Siamesische Zwillinge, Zwerge, Riesen, „das Bindeglied zwischen Mensch und Affen“, Männer und Frauen ohne Kopf, Arme oder Unterleib, der wahre Kaspar Hauser und andere Seltsamkeiten. Die Beschaffung der Darsteller war dabei noch abenteuerlicher, als ihre Geschichten vermuten lassen. Zwei „wiederentdeckte Aztekenkinder“ kamen eigentlich aus einem Heim für geistig Behinderte und wurden danach wieder dorthin abgeschoben. Das „Bindeglied zwischen Mensch und Affe“ war ein ebenfalls geistig behinderter Schwarzer, dem es vertraglich verboten war, seine wahre Identität zu enthüllen.

Der „Riese von Cardiff“[Bearbeiten]

1869 zählte Barnum zu den ersten Besuchern der Fundstelle des angeblichen Riesen von Cardiff in Cardiff (New York), dessen Gebeine sich später als Fälschung entpuppten. Mit einem Duplikat führte er fortan die anreisenden Touristen in die Irre. Nach Bekanntwerden des ursprünglichen Schwindels entwickelte sich seine Ausstellung zum eigentlichen Renner.

Zeitgenössische Karikatur auf Barnums Tournee mit Jenny Lind
P. T. Barnum mit Ernestine de Faiber, Sängerin und Tänzerin. Mathew-Brady-Studio
Aktie von Barnum & Bailey

Jenny Lind Konzertreise[Bearbeiten]

Barnum versuchte sein Ansehen zu erhöhen, indem er 1851 mit hohem finanziellen Risiko in Form einer Wandermenagerie eine Tournee der schwedischen Sängerin Jenny Lind durch die USA organisierte. Lind, die vorher in den Vereinigten Staaten weitgehend unbekannt gewesen war, wurde innerhalb weniger Wochen zu einem nationalen Ereignis. Die Läden waren gefüllt mit Jenny-Lind-Hauben, -Schals, -Handschuhen, -Puppen, -Kämmen, -Kuchen, -Konfekt und ähnlichen Souvenirs. Auch hierfür war im Wesentlichen Barnums geschickte Werbe-Arbeit verantwortlich. Die Tournee wurde ein großer Erfolg und dauerte bis 1852. Barnum war danach ein gemachter Mann.

Ruhestand und ein verhängnisvolles Buch[Bearbeiten]

Nachdem er für Jenny Lind eine Konzertreise mit 150 Auftritten organisiert hatte, einer Tour, die ihn zu neuen Höhen des Erfolges der frühen 1850er Jahren brachte, ging Barnum in seinen Ersten Ruhestand (es sollten mehrere folgen). Er verbrachte seine Zeit mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in seinem eleganten Haus, das er im maurischen Stil in Bridgeport gebaut hatte und das er “Iranistan” taufte. Hier schrieb er seine umstrittene Biografie, in der im einzelnen schildert, wie er seine Zuschauer getäuscht hatte, während er seinen Reichtum einsammelte. Die Gegenreaktion nach der Ausgabe 1855 war heftig und die Leser fühlten sich betrogen und belogen durch Barnums hinterlistigen Praktiken. Die „New York Times“ beschuldigte Barnum, dass er Erfolg erzielt habe durch “den systematischen, geschickten und ausdauernden Plan, mit dem er in großem Stil Geld unter falschen Voraussetzungen vom Publikum erhalten habe” wie im Vorwort einer 2000 Stück Ausgabe von Barnums Autobiografie zitiert. Barnum verbrachte Jahre mit dem Umschreiben und dem Versuch, den Schaden zu begrenzen, den die Enthüllungen in seinem Buch angerichtet hatten.

Das American Museum ging 1856 das erste Mal bankrott: Barnum hatte sich mit Immobiliengeschäften verspekuliert. Das Museums-Gebäude war 1865 und 1868 niedergebrannt.

Nach eine Serie von schlechten finanziellen Entscheidungen sowie einer Investion in die in Konkurs gegangenen Jerome Clock Company in New Haven war Barum pleite und gezwungen, wieder nach draußen zu gehen. 1858 hielt er eine Reihe von Vorlesungen in der Umgebung von London, ironischerweise unter dem Titel „The Art of Money-Getting, or Success in Life“ (Die Kunst Geld zu bekommen oder Erfolg im Leben), die sehr populär waren. Seine Vorlesungen und seine Verbundenheit zu seinem Museum in New York halfen dabei, seine Popularität wieder aufleben zu lassen, was Barnum schließlich ermutigte, für ein öffentliches Amt zu kandidieren.

Öffentliches Engagement[Bearbeiten]

Barnum gehörte von 1865 bis 1866 sowie von 1877 bis 1879 dem Repräsentantenhaus von Connecticut an; außerdem war er von 1875 bis 1876 Bürgermeister von Bridgeport. Als Abgeordneter engagierte er sich im Kampf gegen die Sklaverei und gegen den Alkoholismus.Er versuchte 1867 für die Republikaner in den Kongress einzuziehen. Dabei scheiterte er aber an seinem für die Demokraten kandidierenden Cousin William Henry Barnum, was auch an seinem Ruf als windiger Geschäftemacher gelegen haben könnte. Nicht umsonst wurde er „König Humbug“ genannt, obschon Barnum selbst sich diesen Spitznamen einst verpasst hatte.

Wanderzirkus[Bearbeiten]

Barnum blieb nicht im Ruhestand. Es gelang William Cameron Coup und Dan Castello, der einen eigenen Zirkus besass, ihn zu überzeugen, einen „traumhaften“ Zirkus mit ihnen aufzubauen. Der Zirkus „P.T. Barnum’s Museum, Menagerie and Circus“ eröffnete im April 1871 in Brooklyn N.Y. in riesigen Zelten und reiste danach von Maine bis Kansas. Das „Museum“ war Teil der Ausstellung von Tieren und Kuriositäten. Es wurde später fester Bestandteil („sideshow“) von jedem großen Zirkus. Barnum hatte die schönste Zeit seines Lebens mit den Zirkus. Es war des Paradies für einen „Showman“. 1872 benutzen Barnum und Coup die Eisenbahn für den Transport der Zirkus-Show.

Stationen des Zirkus April – Oktober 1873

  • Saisoneröffnung in New York im Empire Rink, Third Avenue near 63rd St., from March 29 to April 15 April
  • Four days, 16, 17, 18, 19. Brooklyn, L.I. Heavy rains.
  • Monday, 21. Norwalk, Conn. 45 miles. Snow and rain.
  • Tuesday, 22. Bridgeport, Conn. 14 miles. Rain.
  • Wednesday, 23. Waterbury, Conn. 32 miles.
  • Thursday and Friday, 24, 25. New Haven, Conn. 49 miles.
  • Saturday, 26, Meriden, Conn. 12 miles.
  • Monday and Tuesday, 28, 29. Hartford, Conn. 18 miles.
  • Wednesday, 30. North Hampton, Conn. 40 miles.
  • P. T. Barnum's Great Traveling Exposition & World's Fair, Season of 1873 - P. T. Barnum’s Great Traveling Museum, Menagerie, Caravan and Hippodrome compiled by Richard A. Arnold. Circus Historical Society, Inc.
  • Brooklyn, Oct. 13. For one week.
  • New York, on block between Madison and 4th Aves., 26th & 27th, Sts., commencing Oct. 20.

Sie hatten ihr Winterquartier im späteren "Madison Square Garden"

Auch in den Jahrzehnten zuvor hatte Barnum bereits immer wieder Wanderzirkusse organisiert und dabei viel Geld verdient. Jumbo, der König der Elefanten, von Barnum 1882 für 10.000 Dollar erworben vom Londoner Zoo, brachte ihm in den Jahren 1882 bis 1885 in einer Tournee in Form einer Wandermenagerie durch die USA und Kanada anderthalb Millionen Dollar ein.

Barnum & Bailey[Bearbeiten]

1885 fusionierte Barnum mit seinen Konkurrenten, dem Cooper and Bailey Circus James A. Bailey zu Barnum and Bailey: The Greatest Show on Earth. Der Zirkus behandelte die ausgestellten Tiere wie sonstige Ausstellungsstücke; in den 1880er Jahren geriet Barnum in einen langwierigen Rechtsstreit mit dem US-amerikanischen Tierschutzverein ASPCA.

Barnum stiftete allerdings auch viel Geld für verschiedene Forschungseinrichtungen. Dem Tufts College in Medford, Massachusetts, stiftete er das Barnum Museum of Natural History, in dem der ausgestopfte Jumbo, Barnums berühmter Tournee-Elefant, aufgestellt wurde und bis zu einem Brand 1975 eine Attraktion war.

1907 wurde das Unternehmen in den seriösen Zirkus des erfolgreichen Familienclans Ringling Brothers übernommen.

Familie[Bearbeiten]

Barnum heiratete am 8. November 1829 Charity "Chairy" Hallett. Aus der 44jährigen Ehe gingen 4 Töchter hervor. Als Charity am 19. November 1873 starb, hielt sich Barnum gerade in Hamburg (Deutschland) auf.

1874 wurden Barnum und Nancy Fish, die er vor längerer Zeit in England kennen gelernt hatte, in der Kirche der Church of the Divine Paternity in der Fifth Avenue, von Pastor Mr. Chapin, getraut. (Die Church of the Divine Paternity (Universalist) ist heute die Fourth Universalist Society in New York City).

1891 zeigten sich die ersten Anzeichen des Nachlassens seiner Kraft. Er wurde schwächer und schwächer und starb am 7. April 1891, in seinem Haus "Marina" in Bridgeport in Anwesenheit seiner Familie.

Rezeption[Bearbeiten]

In den Notizbüchern von Ralph Waldo Emerson diente Barnum als Symbol für alles, was an den USA nicht in Ordnung war. Nach ihm ist der Barnum-Effekt in der Psychologie benannt.

Cy Coleman verarbeitete 1980 das Leben Barnums im Broadway-Musical Barnum.

Victor Klemperer bezeichnet in seiner Abhandlung LTI die Propaganda des Dritten Reichs als „Barnumiade“.

Quellenangabe[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: P. T. Barnum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Unter dem Geistertisch – aus dem „Buch der Enthüllungen“ von P. T. Barnum, in Die Gartenlaube (1866), Heft 19, S. 296–298
  Wikiquote: P. T. Barnum – Zitate