PMR446

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dPMR446-Funkgerät

PMR446, oft auch fälschlicherweise nur als PMR (kurz für Personal Mobile Radio, Private Mobile Radio oder Professional Mobile Radio) bezeichnet, ist (in Deutschland seit 1999) eine Jedermannfunkanwendung, der der UHF-Frequenzbereich 446,000–446,200 MHz zugeteilt ist. PMR446 ist das europäische Pendant zum amerikanischen FRS, kurz für Family Radio Service.

Frequenzbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Modulationsverfahren wird analoge Frequenzmodulation verwendet. Bei den verwandten Funkanwendungen dPMR und DMR wird die Sprache digital übertragen.

Die analog betriebenen Kanäle haben ein Kanalraster von 12,5 kHz; die digital betriebenen Kanäle (dPMR446/DMR Tier I) können je nach Zugriffsverfahren mit einer Kanalbandbreite und einem Kanalraster von 6,25 kHz oder 12,5 kHz verwendet werden. Ein Sendezyklus darf maximal 180 Sekunden dauern, die maximale äquivalente Strahlungsleistung (ERP) beträgt 0,5 Watt.[1]

Die Frequenzzuteilung war in Deutschland laut Verfügung 40/2012 der Bundesnetzagentur (BNetzA) bis zum 31. Dezember 2022 befristet.[2] Diese Zulassung wurde inzwischen abgelöst durch Verfügung 42/2016 mit einer neuen Befristung zum 31. Dezember 2026.[1]

Analoge Frequenznutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Frequenzbereich ist in 16 Kanäle im 12,5-kHz-Raster unterteilt.[1] Zur Vermeidung von Nachbarkanalstörungen direkt unterhalb von 446,0 MHz wurde das Kanalraster gegenüber der normalen Anordnung, bei der der erste Kanal genau die Frequenz 446,00000 MHz erhalten hätte, um 6,25 kHz und damit um eine halbe Kanalbreite angehoben (also auf 446,00625 MHz). Aufgrund des für quarzgesteuerte Geräte besonderen Rasters von 6,25 kHz erschwerte man gleichzeitig die Einsatzmöglichkeit von nicht zugelassenen Geräten, wie z. B. Amateurfunkgeräten mit erheblich größerer Sendeleistung als den zugelassenen 0,5 Watt. Inzwischen beherrschen jedoch Amateurfunkgeräte mit digitaler Frequenzabstimmung das hier verwendete 6,25-kHz-Raster.

Kanal
FM
Mittenfrequenz
in MHz
Kanalbreite/Kanalraster
in kHz
Nutzung (inoffiziell)
1 446,00625 12,5 Bei Dreikanal-Funkgeräten i. d. R. Kanal 1
2 446,01875 12,5 Bergsteiger und Geocachingkanal
3 446,03125 12,5 Prepperkanal bei Katastrophen[3]
4 446,04375 12,5 Drohnenpilot Intercom => 4/14

Bei Dreikanal-PMR-Funkgeräten i. d. R. Kanal 2

5 446,05625 12,5 Scouts => 5/5

Contestkanal

6 446,06875 12,5 Kanal für Veranstaltungen
7 446,08125 12,5 Bergsteigerkanal => 7/7

Bei Dreikanal-PMR-Funkgeräten i. d. R. Kanal 3

8 446,09375 12,5 Boots-Kanal[4];

Trucker-Kanal (Vorschlag)[5];
Kontakt => 8/8
EmCOM => 8/16

DCS 50 für Notruffunktion einiger Midland-Geräte[6][7]

9 446,10625 12,5
10 446,11875 12,5
11 446,13125 12,5
12 446,14375 12,5
13 446,15625 12,5
14 446,16875 12,5
15 446,18125 12,5
16 446,19375 12,5

Digitale Frequenznutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanal TDMA

DMR Tier I

Mittenfrequenz
in MHz
Kanalbreite/Kanalraster
in kHz
Nutzung (inoffiziell)
1 446,00625 12,5
2 446,01875 12,5
3 446,03125 12,5
4 446,04375 12,5
5 446,05625 12,5
6 446,06875 12,5
7 446,08125 12,5
8 446,09375 12,5
9 446,10625 12,5 CC1 TG99 TS1* = Kontakt

CC1 TG9112 TS1* = EmCOM

*für DCDM funkgerät

10 446,11875 12,5
11 446,13125 12,5
12 446,14375 12,5
13 446,15625 12,5
14 446,16875 12,5
15 446,18125 12,5
16 446,19375 12,5
Kanal FDMA
dPMR
Mittenfrequenz
in MHz
Kanalbreite/Kanalraster
in kHz
Nutzung (inoffiziell)
1 446,003125 6,25
2 446,009375 6,25
3 446,015625 6,25
4 446,021875 6,25
5 446,028125 6,25
6 446,034375 6,25
7 446,040625 6,25
8 446,046875 6,25
9 446,053125 6,25
10 446,059375 6,25
11 446,065625 6,25
12 446,071875 6,25
13 446,078125 6,25
14 446,084375 6,25
15 446,090625 6,25
16 446,096875 6,25
17 446,103125 6,25
18 446,109375 6,25
19 446,115625 6,25 CC1 TG99 = Kontakt

CC1 TG9112 = EmCOM

20 446,121875 6,25
21 446,128125 6,25
22 446,134375 6,25
23 446,140625 6,25
24 446,146875 6,25
25 446,153125 6,25
26 446,159375 6,25
27 446,165625 6,25
28 446,171875 6,25
29 446,178125 6,25
30 446,184375 6,25
31 446,190625 6,25
32 446,196875 6,25

Frequenzauflistung gemäß Verfügung 42/2016 der Bundesnetzagentur (BNetzA).

Die Nummerierung der Kanäle für die digitalen Betriebsarten DMR Tier I und dPMR446 erfolgt unterschiedlich.[8]

DMR Tier I verwendet TDMA (Time Division Multiple Access) bei einem Kanalabstand von 12,5 kHz, dPMR446 hingegen FDMA (Frequency Division Multiple Access) bei einem Kanalabstand von 6,25 kHz.[9][10]

Reichweite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geräte dürfen eine Sendeleistung von bis zu 0,5 Watt (ERP) aufweisen, was bei sehr guten Bedingungen eine Reichweite von ca. 5 km ermöglicht.

Die maximale Reichweite eines PMR446-Gerätes hängt stark von der Umgebung ab. Unter optimalen Bedingungen kann man bis zu zehn Kilometer überbrücken (z. B. zwischen zwei Berggipfeln). In stark verbauten Gebieten kommt man oft nicht einmal einen Kilometer weit. In Wäldern liegt die Reichweite meist zwischen zwei und drei Kilometern. Die meisten Handgeräte (vor allem aus dem unteren Preissegment) schaffen in bebauten Gebieten nur knapp 200 m.

Die Reichweite der Aussendungen in den digitalen Betriebsarten kann bei gleicher Sendeleistung unter bestimmten Bedingungen von der analogen Variante abweichen. (Siehe dazu auch: DMR446)

„Unterkanäle“: CTCSS und DCS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich zu den 16 Kanälen können durch die Verwendung von Pilottonverfahren Benutzergruppen gebildet werden, die sich gegenseitig seltener stören. Diese werden gelegentlich fälschlich auch als „Unterkanäle“ bezeichnet.

Im Allgemeinen werden dafür CTCSS (Continuous Tone Coded Subaudio Squelch oder Continuous Tone Coded Squelch System), ein analoges Verfahren, oder die digitale Rauschsperre Digital-Coded Squelch (DCS) eingesetzt. Je nach Hersteller des Funkgerätes wird DCS u. U. auch anders bezeichnet.

Sowohl bei CTCSS als auch bei DCS ist zu beachten, dass nur das eingegangene Signal blockiert wird. Beim Senden wird neben der Sprache der (für den Empfänger nicht hörbare) CTCSS-Ton bzw. das DCS-Signal ausgesandt, und das empfangende Funkgerät öffnet bei übereinstimmender Codierung die CTCSS- bzw. DCS-Rauschsperre.

Hat man das Funkgerät z. B. auf Kanal 4 und CTCSS-Codierung 13 eingestellt, hört man nur diejenigen Stationen, welche ebenfalls auf Kanal 4 senden und auch den gleichen CTCSS-Ton Nr. 13 aussenden. Alle Benutzer, die Kanal 4 und eine andere CTCSS-Subcodierung aussenden (z. B. 12), werden nicht gehört. Somit ist es möglich, dass sich mehrere Benutzergruppen (z. B. eine Pfadfindergruppe, ein Motorradclub und eine Familie) den gleichen Kanal teilen, ohne die Aussendungen der anderen Gruppen mit anhören zu müssen. Daher werden die CTCSS-Codes bzw. DCS-Codes auch häufig als „Unterkanäle“ bezeichnet.

Alle Benutzer, die keine CTCSS-Subcodierung bzw. CTCSS 0 eingestellt haben, können alle Aussendungen auf dem Kanal mithören, also auch Aussendungen mit CTCSS 13 oder DCS 12. Jedoch werden sie ausschließlich von anderen Stationen gehört, welche ebenfalls keine CTCSS-Subcodierung bzw. CTCSS 0 eingestellt haben. DCS-/CTCSS-Kodierungen dürfen also nicht mit „Abhörsicherheit“ verwechselt werden, denn wer sich auf dem „Hauptkanal“ CTCSS 0 befindet, hört alle Sendungen der „Unterkanäle“ mit. Diese Kodierverfahren dienen also lediglich dazu, andere Teilnehmer auf demselben Kanal auszublenden.

Ebenfalls ist zu beachten, dass sich zwei Benutzergruppen auf dem gleichen Kanal (oft unbemerkt) stören können – nämlich dann, wenn zwei Funkgeräte gleichzeitig senden, da beide fälschlicherweise davon ausgehen, dass der Kanal gerade frei ist. In diesem Fall können häufig beide Benutzergruppen die Sendungen nicht empfangen, da sich die zeitgleich und auf demselben Kanal gesendeten Signale gegenseitig stören. Es handelt sich somit effektiv um ein Hidden-Station-Problem (Hidden Terminal Problem). Bessere Funkgeräte können daher anzeigen, ob der Kanal gerade frei ist, so dass man vor dem Senden sicherstellen kann, dass man nicht von anderen Teilnehmern gestört wird bzw. umgekehrt auch diese stört. Es gibt bei manchen Geräten auch die Möglichkeit, das Senden bei belegtem Kanal blockieren zu lassen (busy channel lockout).

Exakt die gleichen Überlegungen wie für CTCSS gelten genauso auch für DCS. Hierbei ist zu beachten, dass die beiden Verfahren nicht zueinander kompatibel sind. Das bedeutet: Ein Funkgerät, das auf Kanal 4 mit CTCSS-Code 13 sendet, wird von einem Funkgerät, das ebenfalls auf Kanal 4, aber DCS-Code 13 eingestellt ist, nicht gehört – und umgekehrt.

Gateways[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über HF-Gateways können weite Distanzen via Internet überbrückt werden. Dafür wird ein Programm (z. B. eQSO, FRN, TeamSpeak oder Mumble) eingerichtet, das die empfangenen Audiosignale vom CB-Funk-, PMR-, Freenet- oder LPD-/SRD-Funkgerät ins Internet überträgt und an einem anderen Ort über ein CB-Funk-, PMR-, Freenet- oder LPD/SRD-Funkgerät wieder einspeist. Im Amateurfunkbereich gibt es schon länger das ähnlich arbeitende Echolink-Netzwerk. (siehe auch: VoIP)

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu SRD oder Freenet ist der Betrieb von PMR446 in nahezu allen europäischen Ländern gestattet.[9][11] In Deutschland gilt zur Zeit eine Befristung der Frequenzzuteilung für PMR446 bis zum 31. Dezember 2026.[1]

PMR446-Geräte müssen den Anforderungen des Funkanlagengesetzes (FuAG) entsprechen. Es dürfen nur speziell zertifizierte und für den PMR446-Funk zugelassene Geräte verwendet werden, denen der Hersteller eine Konformitätserklärung beifügen muss, in der das Gerät genau beschrieben wird. Ferner muss die Bedienungsanleitung klare Anweisung zum Gerätebetrieb enthalten. Alle Geräte müssen zudem mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet sein. Die Geräte dürfen vom Benutzer technisch nicht verändert werden. Die meisten Geräte sind Handfunkgeräte, vereinzelt gibt es auch Mobilgeräte (für den Autoeinbau) und Standgeräte im Pultdesign. Mit Störungen durch andere Frequenznutzer muss gerechnet werden, da der Frequenzbereich nicht exklusiv zugeordnet ist.[1]

Frequenzbereiche für Jedermann-Funkanwendungen sind nicht immer europaweit einheitlich vergeben, für PMR446 allerdings schon. Außerhalb Europas ist PMR446 als Jedermannfunkdienst, mit wenigen Ausnahmen, nicht zugelassen. Eine solche Ausnahme bilden außereuropäische spanische und portugiesische Landesteile, niederländische und französische Überseebesitzungen, Russland mit seinem asiatischen Teil, Grönland, Südafrika und Singapur.[9][12]

Das sogenannte Handyverbot am Steuer gilt grundsätzlich auch für die Nutzung von Funkgeräten in Kraftfahrzeugen.[13] Von diesem Nutzungsverbot für Fahrzeugführer gilt jedoch bis zum 30. Juni 2020 noch eine allgemeine Ausnahme für Sprechfunkgeräte.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Vfg 42 / 2016. (PDF) Allgemeinzuteilung von Frequenzen im Frequenzbereich 446,0 MHz – 446,2 MHz für Funkanwendungen für die Sprachkommunikation mit Handsprechfunkgeräten („PMR446“). Bundesnetzagentur, 28. September 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  2. Vfg 40 / 2012. Allgemeinzuteilung von Frequenzen im Frequenzbereich 446,0 MHz – 446,2 MHz für die Nutzung durch die Allgemeinheit für Funkanwendungen für die Sprachkommunikation über kurze Entfernungen mit Handsprechfunkgeräten, Stand 2012, veraltet.
  3. https://radiofreeq.wordpress.com/2013/07/15/3-3-3-radio-plan-for-shtf-communications/
  4. https://www.boote-forum.de/showthread.php?t=265949
  5. https://www.funkberatung.de/pmr446-mobilfunkgeraete.html
  6. https://www.pmr-funkgeraete.de/Funkgeraete/PMR446/Alan/Midland-PMR/Midland-G8E-BT-Bluetooth::2754.html
  7. https://www.pmrcom.de/midland-g9-plus-pmr446-lpd-handfunkgeraet
  8. A guide to the new PMR446 license-free radio frequencies following ECC Decision (15)05 and what it means to you.
  9. a b c dPMR446 - Welcome to the dPMR Association.
  10. DMR446- Digital 446 Mhz in one page.
  11. Auflistung der Länder, in denen die Benutzung der Funkanwendung gestattet ist (European Communications Office), veraltet.
  12. Wider Choice of Radio-Communication & Wireless Devices for Consumers and Total Annual Savings of $200,000 for Telecom Equipment Dealers.
  13. § 23 Abs. 1a StVO
  14. § 52 Abs. 4 StVO