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Palästinensische Vertreibung aus Lydda und Ramle 1948

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Flüchtlinge aus Ramle werden eskortiert, aufgenommen am 1. Juli 1948.

Die Palästinensische Vertreibung aus Lydda und Ramle 1948 (auch bekannt als der Todesmarsch von Lydda[1][2]) war die Vertreibung von 50.000 bis 70.000[3] Palästinensern, als israelische Truppen die beiden Städte im Juli des Jahres einnahmen. Die Kriegshandlungen ereigneten sich im Zusammenhang des Palästinakriegs. Beide arabische Städte Lydda und Ramle lagen außerhalb der Grenzen des israelischen Staates, die im UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 festgelegt worden waren, und innerhalb des Gebiets, das für einen arabischen Palästinenserstaat bestimmt war.[4][5] Beide Städte verwandelten sich in der Folge in hauptsächlich von israelischen Juden bewohnte Gebiete des neuen Staates Israel, die seither in Israel und im deutschen Sprachraum meist als Lod und Ramla bezeichnet werden.[6] Im Jahre 2018 waren knapp ein Viertel, oder etwa 18.500 Einwohner Ramlas arabische Israelis, in Lod waren es da knapp 20 % oder etwa 15.000 der Einwohner. Der Exodus, der laut Morris die „größte Vertreibung während des Krieges“ darstellte[7.1], fand nach dem Ende des Waffenstillstands statt, als die Kämpfe wieder aufgenommen wurden. Israel fühlte sich dazu veranlasst, seine Kontrolle über die Straße nach Jerusalem und die Küstenstraße zu verbessern, die von seiten der transjordanischen Arabischen Legion und ägyptischen Armee wie palästinensischen Truppen unter Druck kam. Aus israelischer Sicht schützte die Einnahme der Städte, nach Benny Morris unternommen um Panik und Flucht der Zivilbevölkerung hervorzurufen, Tel Aviv vor Bedrohungen.[7.2] Die Militäraktion machte den Vormarsch der Arabischen Legion zunichte, insofern die Straßen mit Flüchtlingen verstopft waren, wodurch die Arabische Legion dazu veranlasst wurde, logistische Anstrengungen auf sich zu nehmen; dies schwächte ihre militärischen Fähigkeiten und trug dazu bei, die nahe gelegenen arabischen Städte zu demoralisieren.[8] Am 10. Juli befahl John Baggot Glubb („Glubb Pasha“) den Truppen der Arabischen Legion „Vorkehrungen ....für einen Sitzkrieg (phony war) zu treffen“.[9.1] Am nächsten Tag ergab sich Ramle sofort, aber die Einnahme von Lydda dauerte länger und führte zu einer unbekannten Zahl von Todesfällen. Der palästinensische Historiker Aref al-Aref schätzte, dass am 12. Juli 426 Palästinenser in Lydda ums Leben kamen, davon 176 in der Moschee und etwa 800 weitere Opfer bei den Kampfhandlungen insgesamt.[10] Der israelische Historiker Benny Morris geht von bis zu 450 getöteten Palästinensern und 9–10 israelischen Soldaten aus.[11]

Nachdem die Städte eingenommen waren, unterzeichnete Jitzchak Rabin eine Vertreibungsorder für die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF): „1. Die Einwohner müssen schnell ohne Rücksicht auf das Alter....vertrieben werden.“ („The inhabitants of Lydda must be expelled quickly without attention to age.“)[12] Die Bewohner von Ramle wurden mit Bussen abtransportiert, die Bewohner Lyddas dagegen gezwungen, in der Sommerhitze bis zur Frontlinie zu laufen, wo die Arabische Legion, Jordaniens von Briten geführte Armee, Unterkunft und Unterstützung bereitzustellen suchte.[13] Einige der Flüchtlinge starben während des Marsches an Erschöpfung und Wassermangel, die Schätzungen reichen von einigen wenigen bis zu 500 Todesfällen.[14]

Die Zahl der Flüchtlinge entspricht einem Zehntel aller Flüchtlinge während der so genannten „Nakba“.

Ilan Pappé und andere charakterisierten die Vorfälle als ethnische Säuberung.[15] Viele der 850.000 vertriebenen jüdischen Araber, von denen wohl 300.000 zwischen 1948 und 1951 mittellos nach Israel eingewandert waren, wurden in leeren Häusern der Flüchtlinge ansässig, einerseits aus Wohnungsnot und zugleich als Maßnahme, um die Rückforderung der Häuser durch die früheren Bewohner zu verhindern.[16] Für 58 % der Aufgenommenen, zu drei Vierteln jüdische Araber, großteils aus dem Irak und Jemen,[17] gab es aber keinen Platz, sie lebten unter schwierigsten Bedingungen in Zelten der Übergangslager (Maʿabbarot).[18]

Palästinakrieg von 1948

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Palästina stand zwischen 1917 und 1948 unter der Verwaltung des britischen Völkerbundsmandats für Palästina. Nach 30 Jahren des Streits zwischen arabischen und jüdischen Palästinensern beschlossen die Mitgliedsnationen der Vereinten Nationen am 29. November 1947, Palästina in einen jüdischen und arabischen Staat zu teilen. Lydda und Ramle wurden dem zukünftigen arabischen Staat zugeordnet.

Der Vorschlag wurde von der jüdischen Gemeinschaft angenommen, aber von den arabischen Führern abgelehnt, worauf ein Bürgerkrieg zwischen den beiden Gruppen ausbrach. Die britische Verwaltung brach zusammen, als sich der Bürgerkrieg ausweitete. Sie konnte sich nur um die Evakuierung ihrer Streitkräfte kümmern und die Blockade der Luftwege und Seewege aufrechterhalten. Nach viereinhalb Monaten hatten die jüdischen Milizen die arabischen besiegt und eroberten die gemischten Siedlungen des Landes, was die Nakba auslöste. Über 700.000 Palästinenser flüchteten oder wurden vertrieben.[19]

Am 14. Mai 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit in Tel Aviv, das die Briten bereits verlassen hatten; tags darauf endete das Mandat Großbritanniens.[9.2] Am gleichen Tag ließen das Königreich Ägypten, das Königreich Irak, Libanon, Syrien und Transjordanien ihre Expeditionskräfte einmarschieren. Nach sechs Wochen konnte jedoch keine der militärischen Streitkräfte die Oberhand gewinnen.

Nach einem vierwöchigen Waffenstillstand, in dem die israelischen Streitkräfte verstärkt wurden, während die arabischen unter dem Embargo litten, wurden die Kämpfe wieder aufgenommen. Die Vorkommnisse in Lydda und Ramle fanden in diesem Zeitabschnitt statt.

Strategische Bedeutung von Lydda und Ramle

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Lydda 1932

Lyddas (al-Ludd / اَلْلُدّْ) Geschichte reicht mindestens in die Zeit von 5600 bis 5250 v. Chr. zurück.[20] Ramle (ar-Ramlah / الرملة), drei Kilometer entfernt, wurde im 8. Jahrhundert nach Christus gegründet. Beide Städte waren in der Geschichte der Region strategisch wichtig, weil sie am Kreuzungspunkt der wichtigsten Straßen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung lagen. Palästinas wichtigster Knotenpunkt des Eisenbahnverkehrs (J&J-Linie, Ostbahn und Sinai-Bahn) und der wichtigste Flughafen, der heutige Flughafen Ben Gurion, lagen in und bei Lydda. Die 1936 zur Wasserversorgung Jerusalems erschlossene Hauptquelle des Yarkons befand sich in 15 Kilometern Entfernung am Fuß der Festung Antipatris bei Raʾs al-ʿAin.[21.1][22.1]

Jüdische und arabische Kämpfer hatten einander an den Straßen nahe den Städten während des Bürgerkriegs im Dezember 1947 bekämpft. In Vollzug des bevorstehenden Endes des britischen Mandats zog britisches Militär- und Amtspersonal sich schrittweise zurück, in den peripheren Teilen Palästinas beginnend. Mit dem Rückzug britischer bewaffneter Organe aus dem Negev und dem Tiefland Philistäas blockierten ab März 1948 arabische Milizen, die keinem zentralen Kommando unterstanden, die Wege von und zu vielen vereinzelt gelegenen jüdischen Ortschaften inmitten vorwiegend arabischer Siedlungsräume oder zu sonst entlegenen jüdischen Orten für jüdische Reisende und ihre Transporte. Die Via Maris war seit 26. des Monats von Yibna an südwärts blockiert, weshalb die Hagana Konvois bewaffnete und mit gepanzerten Fahrzeugen eskortierte, was als Ringen um die Wege (מַאֲבָק עַל הַדְּרָכִים Maʾavaq ʿal haDrachīm) in die Militärgeschichte einging.

Der Geograph Arnon Golan schreibt, arabische Palästinenser hätten bei Ramle den Verkehr zum Erliegen gebracht, so dass jüdische Transporte zwischen Jerusalem und Tel Aviv auf eine südlich gelegene Route ausweichen mussten.[21.1]

Israel führte im Mai 1948 mehrere Boden- und Luftangriffe auf Ramle und Lydda aus. Israels Premierminister David Ben-Gurion entwickelte nach Benny Morris’ Darstellung eine Obsession bezüglich beider Städte. Er schrieb in seinem Tagebuch, die Städte müssten zerstört werden. Am 16. Juni bezeichnete er sie während einer Kabinettssitzung als die „zwei Dornen“.[7.3][23]

Vorbereitungen zur Verteidigung Lyddas

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Lydda 1920, im Hintergrund sieht man die St.-Georgs-Kirche

Im Juli 1948 hatten Lydda und Ramle zusammen eine Bevölkerung von 50.000–70.000 palästinensischen Arabern, davon 20.000 Flüchtlinge aus Jaffa und anderen Orten.[7.2] Verschiedene arabische Städte waren bereits seit April durch jüdische bzw. israelische Vorstöße gefallen, aber Lydda und Ramle hatten standgehalten. Es gibt unterschiedlich Auffassungen zur Frage der Verteidigung der Städte. Im Januar 1948 hatte John Bagot Glubb palästinensisch-arabische Städte besucht und sie ermahnt, sich auf die Verteidigung vorzubereiten, darunter auch Lydda und Ramle. Die Arabische Legion hatte Stacheldraht verteilt und so viele Waffen, wie sie erübrigen konnte.[24] Lydda hatte eine äußere Verteidigungslinie und vorbereitete Verteidigungsstellungen, einen Panzergraben und Feldartillerie, wie auch eine stark befestigte und bewaffnete Verteidigungslinie nordöstlich der Innenstadt von Lydda.[25.1]

Die israelischen Historiker Alon Kadish und Avraham Sela schreiben, das Nationalkomitee – eine örtliche Notverwaltung, die offiziell dem Arabischen Hohen Komitee unterstellt war – habe die verwaltungsmäßige und militärische Kontrolle von Lydda übernommen, Waffen beschafft, militärische Übungen veranstaltet, Gräben gezogen, Fahrzeuge beschafft, gepanzerte Fahrzeuge hergestellt und mit Maschinengewehren ausgestattet und medizinische Versorgung organisiert. Bis April 1948 war Lydda zu einem Zentrum der Versorgung mit Waffen geworden. Es bot außerdem Möglichkeiten zur militärischen Ausbildung und koordinierte die Sicherheitsmaßnahmen für die Dörfer im Umland.[25.2] Bis zum israelischen Angriff habe sich die lokale Miliz auf 1000 mit Gewehren bewaffnete Männer belaufen. Dazu kamen als weitere Bewaffnung Maschinenpistolen, 15 leichte und fünf schwere Maschinengewehre, 25 Panzerfäuste, sechs oder sieben leichte Stücke Feldartillerie, zwei oder drei schwerere Geschütze und gepanzerte Wagen mit Maschinengewehren.[25.1]

In Lydda waren außerdem Einheiten der Arabischen Legion stationiert. Anfang April erreichten zunächst 200–300 Beduinen-Freiwillige aus Transjordanien, die von der Legion rekrutiert worden waren, die Gegend von Lydda und Ramle. Im Juni wurde eine Streitmacht in Größe einer Kompanie der Arabischen Legion in den Polizeistationen Lyddas sowie an der Straße nach Ramle stationiert. Ein AL-Offizier wurde zum Militärgouverneur beider Städte ernannt.[25.3] Der Historiker Walid Khalidi bezifferte die Anzahl der Legionsangehörigen in Lydda auf 125. Der Rest der Verteidiger habe aus Zivilisten bestanden, die unter Leitung eines pensionierten Feldwebels standen.[22.1] Laut Benny Morris gingen die IDF Ende Juni fälschlicherweise von 1150 bis 1500 Soldaten der Arabischen Legion in Lydda und Ramle aus und glaubten, dass die Legion plane, die Städte als Sprungbrett für einen Angriff auf Tel Aviv zu nutzen. Tatsächlich hätten sich dort aber nur rund 150 Legionäre befunden.[9.3]

Ehemaliges Tegart-Fort Lydda, 2019
Abdullah von Transjordanien (1882–1951) mit John Bagot Glubb (1897–1986), britischer Kommandeur der Arabischen Legion, um 1947

Kadish und Sela stellen dar, dass das Nationalkomitee Frauen und Kinder davon abgehalten habe, die Stadt zu verlassen, weil ihr Weggang andere hätte anstecken können.[25.4] Nach ihrer Meinung war es für Araber in Palästina üblich, ihre Wohnungen angesichts einer israelischen Invasion zu verlassen — teilweise aus Angst vor Gräueltaten und Rache sowie Vergewaltigungen, teilweise auch wegen ihrer Abneigung, unter israelischer Herrschaft zu leben. Was Lydda betrifft, waren die Besorgnisse besonderer Art: Einige Tage vor dem Fall der Stadt war ein Jude in Lyddas Bahnhof tot aufgefunden worden. Er war von Anwohnern öffentlich hingerichtet und sein Körper verstümmelt worden. Daher gab es auch die Furcht vor israelischen Vergeltungsmaßnahmen, so Kadish und Sela.[25.5]

Israel startete die Operation Dani, um die Straße zwischen Tel Aviv und Jerusalem zu sichern und die Bedrohung der in Lydda und Ramle stationierten Arabischen Legion zu neutralisieren sowie im Folgenden auch Latrun und Ramallah zu erobern.[7.4][25.1] Am 7. Juli ernannte die IDF Jigal Allon zum Oberbefehlshaber der Operation; Jitzchak Rabin, der spätere israelische Premierminister, war Kommandant der Operation.[7.5] Die Operation wurde zwischen dem 9. Juli 1948, dem Ende des ersten Waffenstillstands, und dem 18. Juli durchgeführt, dem Beginn des zweiten Waffenstillstandes. Dieser Zeitabschnitt ist unter Historikern als „Die 10 Tage“ bekannt.[9.4] Morris schreibt, die IDF habe die größten Streitkräfte seit ihrem Bestehen zusammengeführt: Die beiden Palmach-Brigaden Harel und Jiftach, das 82. und 89. Bataillon der Achten Brigade, einige Bataillone der Kiryati-Brigade und Infanterie der Alexandroni-Brigade, insgesamt 6.000 Soldaten mit 30 Artilleriewaffen.[9.3][26]

Fall der Städte

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Luftangriffe und Kapitulation Ramles

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Die IDF übernimmt am 10. Juli die Kontrolle über den Flughafen von Lydda.

Die israelische Luftwaffe begann beide Städte in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli zu bombardieren, um die Zivilisten zur Flucht zu bewegen. Diese Erwartung schien sich in Ramle zu erfüllen. Am 10. Juli meldete um 11:30 Uhr das Hauptquartier (HQ) der Operation Dani dem Generalstab der IDF, es gebe eine allgemeine und ernsthafte Flucht aus Ramle. Am Nachmittag fragte das Dani-HQ eine erneute Bombardierung an und meldete einer ihrer Brigaden, sie solle die Flucht von Frauen, Kindern und Alten erleichtern, aber Männer im wehrfähigen Alter festnehmen.[7.6] Am selben Tag übernahm die IDF die Kontrolle des Flughafens von Lydda.[27.1] Die israelische Luftwaffe warf am 11. Juli Flugblätter über beiden Städten ab, in denen die Bewohner aufgefordert wurden, sich zu ergeben; andernfalls drohe ihnen der Tod.[28.1] In der Nacht vom 11. auf den 12. Juli verließ die Arabische Legion Ramle.[7.7] Die Notabeln Ramles unterzeichneten in den frühen Morgenstunden des 12. Juli die formale Kapitulation der Stadt, die um 10:00 Uhr desselben Tages in Kraft trat. Während die Verhandlungen zur Kapitulation noch liefen, hatten israelische Truppen die Stadt mit Mörsern beschossen, waren in die Stadt vorgerückt und verhängten eine Ausgangssperre.[28.2] Die New York Times berichtete, die Einnahme der Stadt habe man als Höhepunkt der bisherigen sehr kurzen Geschichte des Landes Israels betrachtet.[29]

Zum Thema Ramle unter israelischer Besatzung haben sich zwei verschiedene Sichtweisen entwickelt. Chalil al-Wazir, der sich später der PLO anschloss und als „Abu Jihad“ bekannt wurde, wurde im Alter von 12 Jahren zusammen mit seiner Familie aus der Stadt ausgewiesen, wo sie ein Lebensmittelgeschäft besaß. Er berichtet von einer Angst vor einem Massaker wie in Deir Yasin, es hätten Leichen auf der Straße und zwischen den Häusern gelegen, darunter auch die Leichen von Frauen und Kindern.[30]

Im Unterschied zu Wazirs Darstellung äußerte Arthur Koestler, der für The Times arbeitete und Ramle einige Stunden nach der Invasion besuchte, Menschen hätten sich dort wie sonst in den Straßen aufgehalten. Ein paar Hundert junge Männer seien in einer Abzäunung mit Stacheldraht festgesetzt worden und seien mit LKW zu einem Internierungslager verbracht worden. Frauen hätten diesen Männern Essen und Trinken gebracht und sich mit den Wächtern anscheinend ohne Angst gestritten, schrieb er. Er behauptete, das vorherrschende Gefühl sei die Erleichterung über das Kriegsende gewesen.[31]

Mosche Dajans Überraschungsangriff auf Lydda

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Mosche Dajan (1915–1981) führte ei­nen Überraschungs­an­griff auf Lydda, bei dem „auf alles gefeuert wurde, was sich bewegte“ („blasting at everything that moved.“)[32]

Am Nachmittag des 11. Juli fuhr Israels 89. Bataillon in die Stadt, geleitet von Lt. Col. Mosche Dajan. Der Angriff erfolgte auf Initiative Dajans ohne Koordinierung mit seinem Kommandeur oder dem Hauptquartier der Operation Dani.[25.6] Mit einem Konvoi aus Jeeps, angeführt von einem Panzerwagen, den man tags zuvor der AL abgenommen hatte, unternahm das Bataillon den Angriff am Tage, indem es von Ost nach West durch die Stadt fuhr und mit Maschinengewehrfeuer alles beschoss, was sich bewegte. Darauf fuhr es die Straße von Lydda nach Ramle entlang und schoss auf die Militärposten, bis sie den Bahnhof von Ramle erreichten.[7.7] Benny Morris schloss aus der Schilderung eines beteiligten Soldaten, der Vorstoß des Bataillons habe „Elemente einer Schlacht und eines Massakers“ vereint.[7.8]

Kadish und Sela beschreiben, die Truppen seien beim Tegart-Fort in Lydda und an der Straße nach Ramle in ein heftiges Feuer von der AL geraten. Laut Dajan sei die südliche Zufahrt der Stadt voller arabischer Kämpfer gewesen, Handgranaten seien aus allen Richtungen geworfen worden und es habe ein heilloses Durcheinander gegeben.[25.7] Dajans Männer drangen bis zum Bahnhof Ramles vor, wo die Verwundeten versorgt wurden und kehrte unter anhaltendem feindlichen Beschuss aus dem Tegart-Fort nach Ben Shemen zurück. Sechs seiner Männer wurden getötet, 21 verletzt.[25.7][33]

Kenneth Bilby, Korrespondent des New York Herald Tribune, hielt sich in der Stadt auf und schrieb später: „[Der Konvoi] raste mit feuernden Gewehren, Maschinenpistolen und leichten Maschinengewehren nach Lydda hinein. Er durchquerte die Hauptstraßen und feuerte aus vollen Rohren auf alles, was sich bewegte … die Leichen arabischer Männer, Frauen und sogar Kinder lagen verstreut in den Straßen im Windschatten dieses rücksichtslos brillanten Angriffs.“[32] Der Angriff dauerte 47 Minuten und kostete nach Angaben des Bataillons 100–150 Arabern das Leben; erste Zeitungsberichte vom 12. Juli schrieben von 200 bzw. 250 Toten.[25.8] Benny Morris schrieb von Dutzenden, bis zu 200, getöteten und verletzten Arabern.[7.9] Laut Kadish und Sela sei die hohe Zahl von Opfern das Ergebnis der Verwirrung über die Identität der Truppen Dajans gewesen. Die IDF-Soldaten trugn keffiyehs und benutzte als Führungsfahrzeug einen Panzerwagen der AL. Anwohner konnten annehmen, die AL sei angekommen und wurden von Dajans Soldaten überrascht, die auf alles schossen, während sie aus ihren Häusern rannten.[25.7]

Aufgabe der Stadt und überraschende Schießerei in Lydda

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Ruinen von Lydda nach der Offensive der israelischen Armee

Am Abend des 11. Juli nahm das Dritte Bataillon der Jiftach-Brigade Lydda ein. Noch vor der offiziellen Aufgabe der Stadt versammelten sich Menschen in Lydda und schwenkten weiße Fahnen. Eine kleine Zahl an Soldaten der Arabischen Legion verblieb im Polizeifort Lyddas; eine andere Einheit der Legion zog sich in der Nacht unbemerkt aus der Polizeistation an der Straße nach Ramle zurück. Nach einem IDF-Bericht säumten Gruppen alter und junger Menschen, Frauen und Kinder, die Straßen und betraten aus eigener Initiative die Gefangenenlager, die man in der Moschee und der Kirche einrichtete, Muslime und Christen getrennt. Die Gebäude hätten sich schnell gefüllt, Frauen und Kinder seien entlassen worden, mehrere Tausend Männer seien im Innern verblieben, einschließlich 4.000 in einem Teil der Gebäudekomplexe der Moschee.[25.9][7.10]

Die arabischen Honoratioren der Stadt versammelten sich und entschieden sich nach einer Aussprache zur Aufgabe Lyddas. Die Einwohner wurden angewiesen, ihre Waffen auf der Türschwelle abzulegen, wo sie von israelischen Soldaten eingesammelt würden. Eine Ausgangssperre wurde an diesem Abend verhängt und mit Lautsprechern verkündet. Eine Delegation der Honoratioren, einschließlich des Bürgermeisters, gingen in Richtung Polizeifort, um die dortigen Soldaten aufzufordern, die Waffen niederzulegen. Diese lehnten jedoch ab und feuerten auf die Gruppe, wobei der Bürgermeister und mehrere andere ums Leben kamen. Das Dritte Bataillon akzeptierte jedoch die Kapitulation der Stadt.[25.10] Yoav Gelber geht davon aus, dass die Legionäre im Polizeifort in Panik gerieten. Sie sandten wilde Nachrichten an ihr HQ in Ramallah: „Habt ihr nicht Gott im Herzen? Habt ihr kein Mitleid? Bringt Hilfe!“[27.1] Als sie aufgeben wollten, teilte ihnen das HQ mit, sie sollten warten, bis sie gerettet würden.[34]

Am 12. Juli kamen gegen 11:30 Uhr zwei oder drei gepanzerte Fahrzeuge der AL in die Stadt, geführt von Lt. Hamdallah al-Abdullah. Die jordanischen Soldaten eröffneten aus den gepanzerten Fahrzeuge das Feuer auf die israelischen Truppen, die die Stadt durchkämmten; zogen sich aber schließlich wieder aus Lydda zurück. Der Schusswechsel ließ noch bewaffnete Einwohner glauben, die Legion habe Verstärkung geschickt und gehe zum Gegenangriff über; sie eröffneten auch das Feuer auf die IDF-Soldaten. Die Israelis erlitten dabei 3–4 Tote, ein Dutzend Soldaten wurde verletzt. Laut Benny Morris hatten einige Dutzend Stadtbewohner an dem kurzen Schusswechsel teilgenommen.[7.11][25.11]

Massaker in Lydda

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Israelischer Soldat vor der Dahmash Moschee in der Innenstadt von Lydda
Dahmash Moschee von Lydda nach der Operation Dani, aufgenommen im Juli 1948

In Reaktion auf den erneuten Widerstand befahl Moshe Kelman, der Kommandeur des Dritten Bataillons, auf jedes deutlich erkennbare Ziel zu schießen, einschließlich jeder Person, die sich auf den Straßen sehen ließ. Israelische Soldaten feuerten auf Einwohner, die in Panik auf die Straßen liefen und warfen Granaten in Häuser, in denen sie Scharfschützen vermuteten. Das Vorgehen der IDF kosteten vielen Zivilisten das Leben.[7.12][25.11][21.2]

Gelber beschreibt die Ereignisse des 12. Juli als das wahrscheinlich blutigste Massaker des Krieges.[27.2] Walid Khalidi schrieb von einer „Orgie des wahllosen Tötens“.[22.2] Anita Shapira meint, die Israelis hätten keine Erfahrung im Umgang mit Zivilisten gehabt und seien daher in Panik geraten.[35] Laut einem Einsatzbericht der Jiftach-Brigade seien 250 Menschen zwischen 11:30 und 14:00 Uhr getötet worden.[28.3][35] Benny Morris wies darauf hin, dass die große Diskrepanz zwischen der Zahl israelischer Opfer und der arabischer Opfer nicht zu Darstellungen passe, die von einem Aufstand oder einer Schlacht sprechen.[7.13]

Eine größere Anzahl an Palästinensern wurde in der Dahmash-Moschee getötet. Laut Morris' Darstellung hatten unbewaffnete Gefangene versucht auszubrechen, da sie damit rechneten, getötet zu werden. In Reaktion darauf hätte die IDF-Soldaten Granaten und Panzerabwehrraketen (PIAT) in die Moschee hinein geschossen; Dutzende wurden getötet.[7.13] Dem Historiker Saleh Abdel Jawad zufolge wurden in dieser Moschee alleine 175–250 Menschen getötet. Auch Palästinenser, die im Nachgang angewiesen wurden, Gräber auszuheben und die Toten zu begraben, seien anschließend niedergeschossen worden.[36.1] Aref al-Aref schrieb von 426 toten Arabern, wovon 179 in der Moschee getötet worden seien.[25.12]

Kadish und Sela hingegen stellen die Ereignisse in der Dahmash-Moschee als Feuergefecht zwischen den IDF und bewaffneten Milizionären, die sich in der Moschee verbarrikadiert hätten, dar. Die IDF-Soldaten hätten in Reaktion auf Angriffe aus der Moschee eine Panzerabwehrrakete hineingeschossen und den Bereich gestürmt, wobei 30 Milizionäre getötet wurden. Sie räumten jedoch ein, dass unter den Getöteten in der Moschee auch Zivilisten, inklusive Alte, Frauen und Kinder, die dort Schutz gesucht hatten, waren. Kadish und Sela weisen außerdem auf arabische Berichte hin, laut denen es auch in einer anderen Moschee, der Großen Moschee (al-ʿUmari), zu einem Massaker an über 100 Kriegsgefangenen gekommen sei. Für ein Massaker in der Großen Moschee gebe es jedoch keine Beweise.[25.13]

2013 gab ein ehemaliger Palmach-Kämpfer namens Yerachmiel Kahanovich, der der während des Ereignisses anwesend war, in einem Interview mit der Organisation Zochrot an, er selbst habe eine Panzerabwehrrakete (PIAT) auf die Moschee abgeschossen, die mit einer gewaltigen Schockwelle in der Moschee eingeschlagen sei. Bei nachträglicher Überprüfung habe er die Wände übersät mit den Überresten von Menschen gefunden. Er stellte außerdem fest, jeder, der vom Fluchtpfad abwich, sei erschossen worden.[37] Ein Augenzeuge veröffentlichte 1998 seine Erinnerungen, in denen er festhielt, er habe 95 Leichen aus der Dahmash-Moschee entfernt.[25.12]

Als die Schießerei vorüber war, lagen Leichen in den Straßen und Häusern von Lydda und auf der Straße nach Ramle. Morris spricht von Hunderten. Das Rote Kreuz sollte das Gebiet untersuchen, aber die neue israelische Militärverwaltung von Ramle gab den Befehl aus, den Besuch zu verschieben. Als neuer Termin wurde der 14. Juli festgesetzt; Dani HQ befahl den israelischen Truppen, vorher die Leichen zu beseitigen, aber der Befehl scheint nicht ausgeführt worden zu sein. Dr. Klaus Dreyer vom Medical Corps der IDF beklagte sich am 15. Juli darüber, dass immer noch Leichen in Lydda und Umgebung lägen, was ein Gesundheitsrisiko und ein moralisches wie ästhetisches Problem darstelle („moral and aesthetic issue“). Er bat darum, Lastwagen und arabische Zivilisten zu mobilisieren, um das Problem zu beheben.[7.14]

Vertreibungsbefehl

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Benny Morris schreibt, David Ben-Gurion und die IDF hätten während der „10 Tage“ weitgehend nach eigener Einschätzung entschieden, wie palästinensische arabische Einwohner zu behandeln seien, ohne Beteiligung des Kabinetts oder anderer Minister. Infolgedessen war ihre Politik planlos und umständlich, teilweise von den Örtlichkeiten abhängig, teilweise von Religion und ethnischer Zugehörigkeit der Stadt, teilweise von der Intensität des geleisteten Widerstands. Die palästinensischen Araber in West- und Niedergaliläa, meist Christen und Drusen, bekamen die Erlaubnis, an ihnen Wohnorten zu bleiben, aber die Gegenden um Lydda und Ramle sowie Tell es-Safi wurden fast vollständig entvölkert.[7.15]

Jitzchak Rabin (1922–95) unterschrieb den Befehl zur Vertreibung.[38]

Während die Schießereien in Lydda noch andauerten, fand am 12. Juli ein Treffen im Hauptquartier der Operation Dani in Yazur statt. Anwesend waren Ben-Gurion, Yigael Yadin und Zvi Ayalon, Generäle der IDF, und Jisrael Galili, dazu Jiggaʾel Allon, Befehlshaber der Operation Dani, und Jitzchak Rabin. Während der Besprechung wurde die Vertreibung der Einwohner von Ramle und Lydda vorgeschlagen. Der Vertreibungsbefehl für Lydda wurde am 12. Juli um 13:30 Uhr an die Jiftach-Brigade ausgegeben und trug Rabins Unterschrift. Der Befehl forderte die sofortige Vertreibung der Einwohner, „ohne Rücksicht auf ihr Alter.“[7.16] Ein ähnlicher Befehl wurde auch an die in Ramle stationierte Kiryati-Brigade ausgegeben. Ramles Männer im wehrfähigen Alter sollten in Kriegsgefangenenlager gebracht werden; die Alten, Frauen und Kinder hinter die Linien der Arabischen Legion vertrieben werden.[7.17]

In seinen Memoiren schreibt Rabin: „'Vertreiben' als Begriff klingt hart. Psychologisch gesehen, war dies eine der schwierigsten Aktionen, die wir unternahmen. Die Bevölkerung von Lydda verließ die Stadt nicht freiwillig. Die Anwendung von Gewalt und Warnschüssen war unvermeidbar, um die Bewohner zum Marsch über 10 bis 15 Meilen bis zu der Stelle zu bewegen, wo sie auf die Legion trafen.“ („'Driving out’ is a term with a harsh ring. Psychologically, this was one of the most difficult actions we undertook. The population of Lydda did not leave willingly. There was no way of avoiding the use of force and warning shots in order to make the inhabitants march the 10 to 15 miles to the point where they met up with the legion.“) Die israelische Zensur strich diese Passage aus seinem Manuskript, aber Peretz Kidron, der die Memoiren ins Englische übersetzte, teilte die zensierte Passage David Shipler von der NYT mit. Shipler veröffentlichte diesen gestrichenen Text am 23. Oktober 1979.[39]

Kontroverse um Urheberschaft

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Ben-Gurion, Allon und Rabin verließen vor dem Ende des Treffens den Raum. Rabin stellt die folgenden Ereignisse in zwei unterschiedlichen Berichten dar. 1977 wurde er von Michael Bar-Zohar interviewt und sagte, Allon habe gefragt, was mit den Bewohnern geschehen solle; Ben-Gurion habe als Antwort mit der Hand gewunken und gesagt „garesh otam“—„vertreib sie.“[28.4] Im Manuskript seiner Memoiren schrieb er dagegen, Ben-Gurion habe nicht gesprochen, sondern lediglich mit der Hand gewunken, und er habe dies so verstanden, dass er damit sagen wollte, man solle sie vertreiben. Anschließend hätten Rabin und Allon sich nochmal beraten und Rabin habe zugestimmt, dass die Vertreibung nötig sei.[39]

In einem Interview mit der New York Times leugnete Allon 1979, dass es eine Vertreibung gab, und setzte sich mit Rabins Version der Ereignisse kritisch auseinander. „Bei aller Hochschätzung für Rabin in der Zeit des Unabhängigkeitskriegs war ich doch der Befehlshaber und meine Faktenkenntnis ist daher zutreffender. Ich bat den verstorbenen Ben-Gurion nicht um Erlaubnis, die Bevölkerung von Lydda zu vertreiben. Ich erhielt diese Erlaubnis nicht und ich gab auch keine solche Anweisungen.“ („With all my high esteem for Rabin during the war of independence, I was his commander and my knowledge of the facts is therefore more accurate. I did not ask the late Ben-Gurion for permission to expel the population of Lydda. I did not receive such permission and did not give such orders.“)[40]

Auch Yoav Gelber kritisiert Rabins Darstellung. Ben-Gurion habe die Gewohnheit gehabt, seine Befehle klar zum Ausdruck zu bringen, mündlich oder schriftlich, er würde keinen Befehl durch das Winken mit der Hand gegeben haben. Er schreibt die Vertreibungen Allon zu, der für seine Politik der verbrannten Erde bekannt gewesen sei. An allen Orten, an denen Allon das Kommando über israelische Truppen innehatte – ob im östlichen Galiläa, in der Gegend von Lydda und Ramle oder später im Negev –, seien keine Palästinenser zurückgeblieben.[27.3]

Die Intervention von Schitrit/Shertok

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Das Kabinett wusste nach Berichten nichts von einem Vertreibungsplan, bis Bechor Schitrit, Minister für Minderheiten, am 12. Juli ohne Ankündigung in Ramle erschien. Er war schockiert zu sehen, dass die Truppen Vertreibungen organisierten. Er kehrte nach Tel Aviv zurück, um mit Außenminister Moshe Shertok zu sprechen, der mit Ben-Gurion zusammentraf, um Richtlinien für die Behandlung der Bewohner zu vereinbaren. Morris schreibt dagegen, Ben-Gurion habe offensichtlich Schitrit oder Shertok nicht mitgeteilt, dass er selbst die Quelle der Vertreibungsbefehle war.[7.18] Gelber argumentiert hingegen, Ben-Gurions Vereinbarung mit Shitrit und Shertok sei ein Beweis dafür, dass die Vertreibung nicht seine Absicht gewesen sei, und kein Beweis für Doppelzüngigkeit, wie Morris impliziere.[27.4] Die Vereinbarung lautete, dass den Bewohnern der Stadt mitgeteilt werden solle, wer die Stadt verlassen wolle, könne dies tun, jeder aber, der bleibe, sei verantwortlich für sich selbst und würde keine Essensrationen bekommen. Frauen, Kinder, Alte und Kranke sollte nicht gezwungen werden, die Stadt zu verlassen. Klöster und Kirchen dürften nicht beschädigt werden. Moscheen wurden nicht erwähnt. Ben-Gurion leitete den Befehl an den Generalstab der IDF weiter, dieser wiederum an Dani HQ, wo er am 12. Juli um 23:30 Uhr eintraf, 10 Stunden nach Ausgabe der Vertreibungsbefehle; Morris sieht eine Mehrdeutigkeit in der Anweisung, Frauen, Kinder und Kranke sollten nicht gezwungen werden zu „gehen“. Das Wort lalechet kann zu Fuß gehen oder fortgehen bedeuten. Nach Weitergabe des Befehls glaubte Shertok, er habe die Vertreibung abgewendet. Es war ihm nicht bewusst, dass diese schon zum Zeitpunkt der Besprechung in Tel Aviv im Gange war.[7.18][27.4][28.5]

Der Beginn der Vertreibung

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Im Laufe des Nachmittags des 12. Julis begannen Offiziere der Kiryati-Brigade, Fahrzeuge für den Abtransport der Bevölkerung Ramles zu organisieren. Die IDF benutzten eigene und von Arabern konfiszierte Fahrzeuge. Am Nachmittag und Abend verließen tausende Bewohner Ramles die Stadt, teilweise zu Fuß und teilweise in Lastwagen und Bussen.[7.19] Der Großteil der Vertreibung aus Ramle fand am 13. Juli statt. Die Einwohner wurden von der Kiryati-Brigade nach al-Qubab gefahren und mussten von dort in von der Arabischen Legion kontrolliertes Gebiet laufen.[7.20]

Nach der Aussage von Morris hätten bis zum 13. Juli die Vorstellungen der IDF und die der Bewohner Lyddas zusammengepasst. Innerhalb der vergangenen drei Tage hatte die Stadtbevölkerung Luftangriffe, eine Invasion, Granatwerfereinsatz und Hunderte toter Bewohner erlitten, unter Ausgangssperre gelebt, waren von der Arabischen Legion verlassen worden und die wehrfähigen Männer waren zusammengetrieben worden. Morris meint, die Bewohner seien zu dem Schluss gekommen, ein Leben unter israelischer Herrschaft sei nicht erträglich.[7.21] Eine Abmachung mit dem IDF-Nachrichtenoffizier Shmarya Guttman sei getroffen worden, die Bewohner würden die Stadt im Gegenzug für die Freilassung der Gefangenen verlassen. Guttman will selbst in die Moschee gegangen sein, um den Männern zu sagen, sie seien frei, sich mit ihren Familien zu vereinigen.[28.6] Ausrufer und Soldaten liefen oder fuhren durch die Stadt und wiesen Einwohner an, wo sie sich zum Auszug versammeln sollten.[7.20]

Morris schrieb, die beteiligten Kommandeure hätten die folgenden Ereignisse nicht als freiwilligen Weggang, sondern als Akt der Vertreibung aufgefasst. Noch während die Einwohner in der Stadt waren, hatte der Nachrichtenverkehr über Funk der IDF schon begonnen, sie Flüchtlinge (plitim) zu nennen. Das HQ der Operation Dani teilte dem Generalstab der IDF am Mittag des 13. Juli mit, die Truppen seien gerade sehr damit beschäftigt, die Einwohner zu vertreiben („[The troops in Lydda] are busy expelling the inhabitants [oskim begeirush hatoshavim],“) und meldeten gleichzeitig den Hauptquartieren der Achten, der Jiftach- und der Kiryati-Brigade, dass der feindliche Widerstand in Ramle und Lydda beendet sei. Die Vertreibung der Bewohner habe begonnen. („The eviction [pinui] of the inhabitants… has begun.“)[7.22]

Exodus aus Lydda und Ramle

Lyddas Bewohner begannen mit dem Auszug am Morgen des 13. Juli. Sie mussten zu Fuß gehen, vielleicht entweder wegen ihres vorherigen Widerstands oder weil Fahrzeuge fehlten. Sie liefen 6 oder 7 Kilometer bis Beit Nabala, dann weitere 10–12 Kilometer nach Barfiliya (im Gebiet des heutigen Modiʿin Makkabim Reʿut), entlang staubiger Straßen bei Temperaturen von 30–35 °C; sie transportierten ihre Kinder und ihren Besitz in Karren, die von Tieren gezogen wurden, oder auf dem Rücken.[28.7] Nach Shmarya Guttman, einem IDF-Soldaten, wurden gelegentlich Warnschüsse abgefeuert.[7.23] Manche wurden auf dem Weg von israelischen Soldaten an Wachposten ihrer Wertsachen beraubt.[7.24] Ein anderer Soldat der IDF beschrieb, wie Besitz und Menschen allmählich zurückgelassen wurden, als die Flüchtlinge müde wurden oder zusammenbrachen. „Zunächst wurden Utensilien und Möbel zurückgelassen, am Ende lagen die Körper von Männern, Frauen und Kindern entlang des Weges.“[7.25]

Haj As'ad Hassouneh, von Saleh Abdel-Jawad als ein Überlebender des Todesmarsches beschrieben, teilte 1996 seine Erinnerungen mit:

Die Juden kamen und riefen unter den Menschen: Ihr müsst gehen. Wohin sollen wir gehen? Geht nach Barfilia … Der Platz, wo man stand, bestimmte ob und welche Familienmitglieder und welchen Besitz man kriegen konnte; alles, was westlich von dir lag, war nicht zu beschaffen. Man musste sofort anfangen zu laufen und zwar in Richtung Osten. … Die Menschen waren erschöpft, schon bevor sie die Reise begannen oder versuchen konnten, irgendeinen Bestimmungsort zu erreichen. Niemand wusste, wo Barfilia lag oder die Entfernung zum Jordan … Die Menschen waren wegen des Ramadan außerdem am Fasten, weil sie religiös waren. Menschen begannen zu verdursten. Einige Frauen starben und ihre Babys hingen noch an der Brust der Toten. Viele der Älteren starben auf dem Weg … Viele begruben ihre Toten in Maisblättern.[36.2]

Nach drei Tagen des Wanderns wurden die Flüchtlinge von der Arabischen Legion aufgenommen und nach Ramallah gefahren.[41] Berichte zur Zahl der Toten sind unterschiedlich. Viele waren ältere Menschen und kleine Kinder, die wegen Hitze und Erschöpfung starben.[39] Morris spricht von einer Handvoll oder vielleicht ein paar Dutzend („handful and perhaps dozens.“)[42] Glubb vermerkte, niemand werde jemals wissen, wie viele Kinder gestorben seien.[43] Nimr al Khatib schätzte die Zahl der Toten aufgrund Hörensagens auf 335.[43] Walid Khalidi gibt 350 an und beruft sich dabei auf Aref al-Aref.[44] Die Vertreibungen führten zur Verstopfung der Straßen in östlicher Richtung. Morris stellt die Denkweise der IDF als einfach und von zwingender Logik dar: Sie hatten zwei Hauptziele erreicht und waren nun am Ende (out of steam). Man hatte mit einem Gegenangriff der Arabischen Legion gerechnet, aber die Vertreibung hatte ihn vereitelt: Die Straßen waren verstopft und die Legion war plötzlich verantwortlich für das Wohlergehen zusätzlicher Zehntausender Menschen.[43]

Plünderung von Flüchtlingen und Städten

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George Habasch (1926–2008), späterer Leiter der PFLP, gehörte zu den Vertriebenen von Lydda.

Die Scharett-Ben Gurion-Richtlinien für die IDF hatten im Einzelnen festgelegt, dass es keinen Raub geben dürfe, aber zahlreiche Quellen berichten von weit verbreitetem Plündern. The Economist schrieb am 21. August 1948:

Die arabischen Flüchtlinge wurden systematisch aller ihrer Habseligkeiten beraubt, bevor man sie auf den Marsch zur Grenze schickte. Haushaltswaren, Vorhänge, Kleider, alles musste zurückgelassen werden.

“The Arab refugees were systematically stripped of all their belongings before they were sent on their trek to the frontier. Household belongings, stores, clothing, all had to be left behind.“[45]

Aharon Cohen, der Director der arabischen Abteilung von Mapam beklagte nach den Deportationen bei Mon Jiggaʾel Allon, dass den Truppen mitgeteilt wurde, sie sollten den Einwohnern Schmuck und Geld abnehmen, so dass sie mittellos bei der Arabischen Legion ankämen, womit die Belastung vergrößert würde, sich um sie zu kümmern. Allon erwiderte, er wisse von keinem Befehl dieser Art, aber gestand zu, es sei im Bereich des Möglichen.[46]

George Habasch, der später die Popular Front for the Liberation of Palestine gründete, wurde in Lydda als Sohn einer griechisch-orthodoxen Familie geboren. Zu dieser Zeit war er im zweiten Jahr seiner Ausbildung an der medical school in Beirut, er kehrte jedoch nach Lydda zurück, als er hörte, die Israelis seien in Jaffa angekommen. Er war in der Folgezeit einer der Vertriebenen. In der Erinnerung an die Ereignisse von 1948 sagte er 1990, die Israelis hätten den Flüchtlingen Uhren, Schmuck, Gold und Brieftaschen abgenommen, er könne bezeugen, dass einer seiner Nachbarn erschossen worden sei, weil er sich geweigert habe, sich durchsuchen zu lassen. Die Schwester dieses Mannes, die gesehen habe, was geschah, sei während des Marsches als Folge des Schocks, der Belastung (exposure) und des Durstes gestorben.[47]

Beim Weggang der Einwohner begann die Plünderung der Städte. Der Kommandeur der Yiftah brigade, Lt. Col. Schmuʾel „Mula“ Cohen, schrieb, dass die Grausamkeit des Krieges hier ihren Höhepunkt erlebte.[48] Bechor Sheetrit, der Minister für Minderheiten, sagte, die Armee habe 1.800 LKW-Ladungen von Besitzgegenständen allein aus Lydda abtransportiert. Dov Shafrir wurde zu Israels Custodian of Absentee Property ernannt, er war mit dem Schutz und der Rückgabe palästinensischen Eigentums beauftragt, aber sein Personal war unerfahren und nicht fähig, die Lage zu kontrollieren.[49] Die Plünderung war so umfassend, dass das 3. Bataillon aus Lydda in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli zurückgezogen und für einen Tag ins Kinder- und Jugenddorf Ben Schemen, das nach Evakuierung der Kinder und Jugendlichen ab April 1948 als Militärbasis diente, geschickt werden musste, um eine Besinnungskonferenz durchzuführen (kinus cheshbon nefesh). Cohen zwang sie, ihre Beute herauszugeben, die dann auf dem Lagerfeuer verbrannt wurde, aber die Lage setzte sich fort, als sie in die Stadt zurückkehrten. Einige wurden später strafrechtlich verfolgt.[50]

Es gab Vergewaltigungsvorwürfe. Ben-Gurion schrieb dazu in seinem Tagebucheintrag vom 15. Juli 1948: „Die bittere Frage über Raub- und Vergewaltigungstaten in den eroberten Städten kam auf. [...]“.[51] Amos Kenan, der Zugführer im 82. Regiment der israelischen Armeebrigade war, die Lydda eroberte, teilte der Zeitschrift The Nation am 6. Februar 1989 mit: „Nachts gingen diejenigen von uns, die sich nicht kontrollieren konnten, in die Gefangenengebäude, um arabische Frauen zu ficken. Ich möchte stark annehmen und kann dies vielleicht sogar tun, dass diejenigen, die sich nicht zurückhalten konnten, das taten, was ihrer Meinung nach Araber auch ihnen angetan hätten, wenn sie den Krieg gewonnen hätten.“[52] Kenan sagte, er habe nur von einer Frau gehört, die sich beschwert habe. Ein Kriegsgericht wurde eingerichtet, sagte er, aber im Gericht fuhr sich der Angeklagte mit dem Handrücken über den Hals und die Frau entschied, nicht weiterzumachen.[52] Die Regierung schenkte den Anschuldigungen wenig Beachtung. Landwirtschaftsminister Aharon Zisling teilte dem Kabinett am 21. Juli mit: „Man sagt, es habe Fälle von Vergewaltigung in Ramle gegeben. Ich könnte Akte der Vergewaltigungen verzeihen, aber nicht andere Taten, die mir viel gravierender erscheinen. Wenn eine Stadt betreten wird und mit Gewalt Ringe von den Fingern und Ketten vom Hals gerissen werden – dies ist eine sehr ernste Angelegenheit“.[53]

Stuart Cohen hält die Kontrolle der Zentrale über die israelischen Kämpfer für schwach. Nur Jiggaʾel Allon, Kommandeur der IDF, schrieb standardmäßig Befehle in Schriftform an die Kommandeure, die den Hinweis enthielten, dass Rechtsbrüche geahndet würden. Ansonsten vertraute man, manchmal zu Unrecht, auf die intuitive Truppendisziplin (troop decency), wie es Cohen nennt. Trotz der angeblichen Kriegsverbrechen schreibt er, habe sich die Mehrheit der IDF korrekt und anständig verhalten (with decency and civility).[54] Jitzchak Rabin vermerkt in seinen Memoiren, dass einige Soldaten es abgelehnt hätten, an den Vertreibungen teilzunehmen.[55]

In Ramallah, Amman und andernorts

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John Bagot Glubb, britischer Kommandeur der Arabischen Legion, wurde angespuckt, während er durch die West Bank fuhr, weil er Lydda und Ramle den Israelis überlassen hatte.

Zehntausende von Palästinensern aus Lydda und Ramle strömten nach Ramallah hinein. Zumeist hatten sie kein Geld, keine Nahrungsmittel oder Wasser, und stellten ein Gesundheitsrisiko dar, nicht nur für sich selbst. Der Stadtrat von Ramallah bat König Abdullah sie wegzubringen.[56] Einige Flüchtlinge erreichten Amman, den Gaza-Streifen, den Libanon und Obergaliläa. Im ganzen Gebiet gab es wütende Demonstrationen gegen Abdullah und die Arabische Legion wegen ihres Versagens bei der Verteidigung der Städte. Menschen bespuckten Glubb, den britischen Kommandeur der Arabischen Legion, als er durch die West Bank fuhr, und Ehefrauen und Eltern von Soldaten der Arabischen Legion versuchten in den Palast Abdullahs einzudringen.[57] Alec Kirkbride, britischer Botschafter in Amman, beschrieb eine Demonstration in der Stadt vom 18. Juli:

Einige Tausend Palästinenser strömten den Hügel hinauf zum Haupteingang des Palastes … sie schrien Schimpfworte und verlangten, dass die verlorenen Städte sofort zurückerobert werden sollten … Der König erschien am oberen Rand der Treppe des Gebäudes; Er war eine kurzgewachsene, aber würdevolle Gestalt in weißen Gewändern und Kopfschmuck. Er machte eine kleine Pause, überblickte den siedenden Mob vor sich und schritt die Stufen hinunter, stieß sich durch den Spalier der Wächter hindurch, bis er in der Mitte der Demonstranten angekommen war. Er ging zu einer auffällig erscheinenden Person, die aus lautem Halse schrie, und schlug ihr mit der Handfläche mit voller Kraft auf die Schläfe. Der Geschlagene hörte auf zu schreien und man konnte den König brüllen hören: So, ihr wollt auch mit den Juden kämpfen. Sehr gut, hier ist ein Rekrutierungsbüro für die Armee hinter meinem Haus … geht dorthin und schreibt euch ein. Der Rest von Euch, verschwindet zum Teufel den Hügel hinunter.“ Der größte Teil der Menge ging wieder den Hügel hinab.[58]

Morris schreibt, während eines Treffens des Politischen Komitees der Arabischen Legion in Amman vom 12.–13. Juli hätten Delegierte, besonders aus Syrien und dem Irak Glubb vorgeworfen, britischen oder sogar jüdischen Interessen zu dienen, als er sich mit der Knappheit von Truppen und Munition entschuldigte. Ägyptische Journalisten sagten, er habe Lydda und Ramle den Juden übergeben. Perie-Gordon, Großbritanniens acting minister in Amman, teilte dem Außenministerium mit, es gebe den Verdacht, Glubb habe um der britischen Regierung willen Lydda und Ramle mit Absicht aufgegeben, um sicherzustellen, dass Transjordanien einen Waffenstillstand akzeptierte. Abdullah deutete an, dass er Glubbs Abschied wünsche, ohne ihn aber wirklich darum zu bitten – besonders nachdem irakische Offiziere behaupteten, das gesamte haschemitische Königshaus stehe in britischem Sold – aber London bat ihn weiterzumachen. Die Beliebtheit Großbritanniens erreichte bei den Arabern ein Allzeit-Tief.[59] Der Sicherheitsrat der UN forderte einen Waffenstillstand, der nicht später als am 18. Juli beginnen sollte, gegen Verstöße sollten Sanktionen verhängt werden. Die Araber reagierten mit Empörung: „Keine Gerechtigkeit, keine Logik, keine Gleichbehandlung, kein Verständnis, sondern blinde Unterwerfung unter alles Zionistische“, antwortete Al-Hayat („No justice, no logic, no equity, no understanding, but blind submission to everything that is Zionist“). Morris schrieb dagegen, kühlere Köpfe in der arabischen Welt seien im Stillen zufrieden damit gewesen, dass man von ihnen bei der offensichtlichen militärischen Überlegenheit Israels forderte, nicht weiter zu kämpfen.[60]

Lage der Flüchtlinge

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Morris schreibt, die Lage der 400.000 Flüchtlinge nicht nur aus Lydda und Ramle sei prekär (dire), ihre Unterkunft waren öffentliche Gebäude, verlassene Kasernen und unter Bäumen.[61] Greve Folke Bernadotte, der Vermittler der UN in Palästina, besuchte ein Flüchtlingslager in Ramallah und sagte, er habe nie ein grausigeres Bild gesehen.[62] Morris sagt, die arabischen Regierungen hätten sehr wenig für sie getan und der größte Teil der Hilfe, die sie erreichte, sei aus dem Westen über das Rote Kreuz und die Quäker gekommen. Eine neue UN-Behörde wurde eingerichtet, um die Sache voranzubringen, die 1949 gegründete United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA), die noch heute wenige betagte Flüchtlinge und vor allem ihre Nachkommen, gegenwärtig (2008) vier Millionen, versorgen.[61] Bernadottes Vermittlungsbemühungen führten zu einem Vorschlag, Palästina zwischen Transjordanien und Israel aufzuteilen und Lydda und Ramle König Abdullah zu übergeben. Sie endete am 17. September 1948, als er von vier israelischen Schützen ermordet wurde, die zu den Lechi gehörten, einer extremistischen zionistischen Gruppierung.[63]

Konferenz von Lausanne

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Die UN berief 1949 die Lausanne-Konferenz zum Teil auch deshalb ein, um die Flüchtlingsfrage zu lösen. Am 12. Mai 1949 erzielte die Konferenz ihren einzigen Erfolg, als alle Teilnehmer das Protokoll über die Rahmenvereinbarungen zu einem umfassenden Frieden unterschrieben, wozu Territorien, Flüchtlinge und die Stadt Jerusalem gehörten. Israel stimmte prinzipiell der Rückkehr aller palästinensischen Flüchtlinge zu, weil die Israelis die Mitgliedschaft in den United Nations anstrebten, wozu die Lösung des Flüchtlingsproblems erforderlich war. Sobald Israel der UN beitreten durfte, trat es von dem unterschriebenen Protokoll zurück, da es mit dem Status quo völlig zufrieden war und keine Notwendigkeit sah, in der Grenzfrage oder beim Flüchtlingsproblem irgendwelche Konzessionen zu machen. Außenminister Moshe Sharett hatte in Lausanne auf eine umfassende Friedensregelung gehofft, aber er konnte es nicht mit Premier David Ben-Gurion aufnehmen, der die Waffenstillstandsvereinbarungen für ausreichend erachtete, die die Kämpfe mit den arabischen Ländern beendet hatten und einem dauerhaften (permanent) Friedensvertrag nur geringe Bedeutung zumaß.[64] Auch die arabischen Nachbarländer verweigerten einen Frieden mit Israel. Am 3. August 1949 schlug die israelische Delegation die Repatriierung von 100.000 Flüchtlingen vor, aber nicht zu ihren früheren Wohnungen, die zerstört waren oder jüdischen Flüchtlingen aus Europa gegeben worden waren; Israel würde genauer festlegen, wo die Flüchtlinge wieder angesiedelt würden und auch die wirtschaftlichen Aktivitäten bestimmen, die ihnen erlaubt würden. Teil der 100.000 würden auch die 25.000 sein, die schon illegal zurückgekehrt waren, die tatsächliche Zahl war also 75.000. Die USA hielten diese Zahl für zu niedrig und wollten 200.000 bis 250.000 Flüchtlinge zurückgeführt sehen. Die Araber hielten das Angebot der israelischen Seite für weniger als einen symbolischen Akt („less than token.“). Als der ‘100.000-Plan’ verkündet wurde, war die Reaktion der israelischen Zeitungen und der politischen Parteien einhellig ablehnend. Kurz darauf verlautbarten die Israelis, das Angebot sei zurückgezogen worden.[65]

Wiederbesiedlung der Städte

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Amtsübergabe vom Militärverwalter von Lod an den ersten Bürgermeister Pessach Lev, aufgenommen im April 1949

Am 14. Juli 1948 teilte die IDF Ben-Gurion mit, nicht ein einziger arabischer Bewohner sei in Ramla oder Lod zurückgeblieben, wie die Städte nun genannt wurden. Tatsächlich waren aber einige Hundert zurückgeblieben, einschließlich Angehörige der Stadtwerksmitarbeier, die Dienste wie die Wasserversorgung aufrechterhielten, dazu Facharbeiter für die Eisenbahn, den Flughafen, außerdem alte Leute, Kranke und einige Christen und andere, die in den folgenden Monaten zu ihren Häusern zurückkehrten. Im Oktober 1948 berichtete der Militärgouverneur von Ramla-Lod, dass 960 Palästinenser in Ramla und 1.030 in Lod lebten. Die Militärverwaltung der beiden Städte endete im April 1949.[66]

Fast 700.000 Juden immigrierten zwischen Mai 1948 und Dezember 1951 aus Europa, Asien und Afrika, davon etwa 300.000 geflüchtete und vertriebene jüdische Araber,[67] wodurch sich die jüdische Bevölkerung im Lande verdoppelte; 1950 wurde in Israel das Rückkehrgesetz verabschiedet, das ausländischen Juden die sofortige Aufnahme als Staatsbürger Israels bietet.[68] Die meisten Neuzugezogenen, die sich in den Städten ansiedelten, waren jüdische Araber aus Vorderasien oder Nordafrika,[69] die i. d. R. von ihren Habschaften nichts materiell Bedeutendes hatten mitbringen können. Den mittellosen Immigranten wurden Wohnungen von Palästinensern zugewiesen, teilweise wegen der unvermeidlichen Knappheit an Wohnungen, aber auch als politische Maßnahme, die die Rückforderung durch die früheren Eigentümer erschweren sollte. Die Immigranten konnten auch das Mobiliar der Flüchtlinge vom Custodian for Absentees’ Property kaufen.[70] Jüdische Familien wurden gelegentlich in Häuser einquartiert, die Palästinensern gehörten, die in einem von Israels nicht geräumten arabischen Orten als Binnenflüchtlinge lebten, den so genannten „present absentees“, die als physisch anwesend, aber juristisch abwesend betrachtet wurden und kein Recht hatten, ihr Eigentum zurückzufordern.[68] Im März 1950 lebten 8.600 meist arabische Juden und 1.300 palästinensische Araber in Ramla, 8.400 Juden und 1.000 Palästinenser in Lod. Für 58 % der 770.000 bis 1952 aufgenommenen Neu-Israelis gab es aber keinen Platz in leeren Häusern, sie lebten, zu drei Vierteln jüdische Araber großteils aus dem Irak und Jemen,[71] unter schwierigsten Bedingungen in Zelten der Übergangslager (Maʿabbarot).[18] während ihre Eingliederung in gewachsene oder neue Wohnorte sich hinzog, bis 1963 das letzte aufgelöst werden konnte,[72] um die traumatisierende Flüchtlingserfahrung zu keinem Dauerzustand werden zu lassen.

Die arabischen Arbeiter, die in den Städten hatten bleiben dürfen, lebten unter den teils bis 1966 für muslimische und christliche arabische Israelis obliegenden Beschränkungen der Bewegungsfreiheit (nächtlicher Ausgang nur mit Passierschein) in militärisch kontrollierten Wohngebieten. Der Militärverwalter teilte die Region in drei Zonen auf, Ramla, Lod und Rakkevet, eine von Briten errichtete Siedlung in Lod für Eisenbahner. Die arabischen Gebiete in ihnen wurden für „geschlossen“ erklärt, jede geschlossene Zone wurde von einem Komitee aus drei bis fünf Mitgliedern verwaltet.[73] Viele der wichtigsten Beschäftigten der Stadt waren Palästinenser, die bis 1952 sämtlich als Israelis eingebürgert wurden. Die Militärverwalter kümmerte sich um einige ihrer Bedürfnisse, wie etwa eine Schule zu bauen, medizinische Hilfe anzubieten und ihnen 50 Dunams für den Anbau von Gemüse zuzuweisen, das Innere der Dahmash Moschee zu renovieren, aber es scheint, die Verbliebenen fühlten sich wie Gefangene; beispielsweise waren arabisch-nichtjüdische Eisenbahner einer Ausgangssperre unterworfen, die vom Abend bis zum Morgen dauerte, wobei sie regelmäßig auf Waffen untersucht wurden.[74] Einer schrieb im März 1949 einen offenen Brief an Al Youm wegen 460 Muslime und Christen, die bei der Eisenbahn beschäftigt waren: „Since the occupation, we continued to work and our salaries have still not been paid to this day. Then our work was taken from us and now we are unemployed. The curfew is still valid … [W]e are not allowed to go to Lod or Ramla, as we are prisoners. No one is allowed to look for a job but with the mediation of the Mitglieds of the Local Committee … we are like slaves. I am asking you to cancel the restrictions and to let us live freely in the state of Israel“.[75]

Rezeption in der Kunst

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Ismail Shammout (1930–2006) war 19, als er aus Lydda vertrieben wurde. Er schuf eine Reihe von Gemälden zu dem Marsch der Flüchtlinge, das bekannteste davon ist Where to ..? (1953), das unter Palästinenser ikonischen Status besitzt. Ein lebensgroßes Bild eines Mannes in Lumpen mit Wanderstab in einer Hand, dem Handgelenk eines Kindes in der anderen, ein Kleinkind auf der Schulter, ein drittes Kind weinend und allein hinter ihm. Im Hintergrund sieht man einen verdorrten Baum, in der Weite die Umrisse einer arabischen Stadt mit einem Minarett. Gannit Ankori schreibt, die im Bilde abwesende Mutter stehe für die verlorene Heimat, die Kinder seien die Waisen, die ihr Land verloren hätten.[76]

Bis November 1948 waren der IDF in einigen Städten und Dörfern Gräueltaten vorgeworfen worden, so dass David Ben-Gurion eine Untersuchung anordnete. Der israelische Dichter Nathan Alterman (1910–1970) schrieb ein Gedicht zu diesen Vorwürfen, ʿAl Zot („On This“), das am 19. November 1948 in Davar veröffentlicht wurde. Es handelt von einem Soldaten auf einem Jeep, der mit dem Maschinengewehr auf einen Araber schießt, womit er sich laut Morris auf die Vorkommnisse in Lydda bezieht. Zwei Tage später ersuchte Ben-Gurion Alterman um die Erlaubnis, das Gedicht in der IDF zu verbreiten:[77]

Let us sing then auch about „delicate incidents“

For which the true name, incidentally, is murder

Let songs be composed about conversations with sympathetic interlocutors

who with collusive chuckles make concessions and grant forgiveness[78]

Vier Persönlichkeiten nach dem Exodus

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1993: Historischer Handschlag Jitzchak Rabins mit Yasser Arafat im Weißen Haus

Jiggaʾel Allon, Leiter der Operation Dani, der möglicherweise die Vertreibungen anordnete, wurde 1967 stellvertretender Premierminister. Er war Mitglied des Kriegskabinetts im Sechstagekrieg und der Architekt des Allon-Plans der Nachkriegszeit, der die Beendigung der Besetzung der West Bank vorschlug. Er starb 1980.[79]

Jitzchak Rabin, Allons operations officer, der die Vertreibungsorder unterschrieb, wurde während des Sechstagekrieges Chief of Staff der IDF und 1974 und 1992 Premierminister. Er wurde 1995 von einem israelischen Radikalen ermordet, der den Friedensvertrag mit der PLO ablehnte.[38]

Chalil al-Wazir, Sohn des vertriebenen Lebensmittelhändlers, wurde Gründungsmitglied der Fatah, speziell deren bewaffnetem Arm, Al-Assifa. Er organisierte den Guerillakrieg der PLO und die Jugendbewegung der Fatah, die dazu beitrug, 1987 die erste Intifada zu beginnen. Er wurde 1988 von einem israelischen Kommando in Tunis getötet.[80]

George Habasch, der aus Lydda vertriebene Medizinstudent, wurde Führer einer der bekanntesten militanten Gruppen, der Popular Front for the Liberation of Palestine. Im September 1970 plante er die Entführung von vier Flugzeugen, was das Anliegen der Palästinenser in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückte. Die PFLP war auch für das Flughafenmassaker von 1972 in Lod verantwortlich, bei dem 27 Menschen ums Leben kamen, und 1976 für die Entführung eines Air France Flugs nach Entebbe, der zu der berühmten Rettungsaktion der IDF führte. Habasch starb 2008 in Amman an Herzversagen.[81]

Geschichtsschreibung

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Anita Shapira, 2006

Laut Benny Morris waren israelische Historiker der Nachkriegszeit nicht ehrlich im Umgang mit dem Geschehen von Lydda/Ramle („Israeli historians in the 1950s, 1960s, and 1970s were less than honest in their treatment of the Lydda-Ramle episode“).[82] Anita Shapira nennt sie die Palmach-Generation: Historiker, die im arabisch-israelischen Krieg von 1948 gekämpft hatten und nachher für die Geschichtsabteilung der IDF arbeiteten, wo sie Material zensierten, zu dem andere Wissenschaftler keinen Zugang hatten. Für sie, so Shapira, waren der Holocaust und der Zweite Weltkrieg einschließlich der Erfahrung jüdischer Schwäche angesichts der Verfolgung Grund dafür, dass der Kampf um Land zwischen Juden und Arabern eine Angelegenheit auf Leben und Tod bedeutete. Der Krieg von 1948 wurde so zum tragischen und heroischen Höhepunkt alles dessen, was vorausgegangen war, und der israelische Sieg ein Akt geschichtlicher Gerechtigkeit.[83]

Die offizielle Geschichte der IDF hieß Toldot Milchemet HaQomemijjut (History of the War of Independence) und wurde 1959 veröffentlicht. Sie stellte die Ereignisse so dar, dass die Bewohner Lyddas gegen die Bedingungen ihrer Kapitulation verstoßen hätten und aus Angst vor israelischer Vergeltung weggegangen seien. Der Leiter der Geschichtssektion, Oberstleutnant Netanʾel Lorch, schrieb in The Edge of the Sword (1961), sie hätten freies Geleit von de IDF verlangt. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Ian Lustick schreibt, Lorch habe 1997 zugegeben, dass er seinen Posten aufgab, weil die Zensur es ihm unmöglich gemacht habe, qualitativ gute Geschichtsschreibung zu leisten.[84] Ein anderer Angestellter der Geschichtssektion, Lt. Col. Elchannan Orren, verfasste 1976 eine ausführliche Geschichte der Operation Dani, ohne darin Vertreibungen zu erwähnen.[82]

Arabische Historiker veröffentlichen Berichte, einschließlich Aref al-Areffs Al Nakba, 1947–1952 (1956–1960), Muhammad Nimr al-Khatibs Min Athar al-Nakba (1951) und verschiedenen Schriften Walid Khalidis. Morris meint zu ihnen, es fehle die Benutzung von Archivmaterial. Arabische Regierungen waren sehr zurückhaltend bei der Öffnung ihrer Archive und die israelischen waren zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen.[85] Die erste Person in Israel, die die Vertreibungen in Lydda und Ramle anerkannte, war nach Morris Jitzchak Rabin in seinen Memoiren von 1979, obwohl dieser Teil seines Manuskripts von Zensoren der Regierung entfernt wurden.[82] Die Regelung der 30 Jahre in Israels Gesetz zur Nutzung der Archive, das 1955 erlassen wurde, bedeutete, dass Hunderttausende von Regierungsdokumenten in den 1980er Jahren veröffentlicht wurden und eine Gruppe von „neuen Historikern“ entstand, wie sie sich selbst bezeichneten, die zumeist um das Jahr 1948 herum geboren waren. Sie interpretierten die Geschichte des Krieges nicht im Rahmen („in terms of“) europäischer Politik, des Holocaust und der jüdischen Geschichte, sondern ausschließlich im Kontext des Nahen Ostens. Shapira schreibt, sie hätten sich auf die 700.000 palästinensische Araber konzentriert, die durch den Krieg entwurzelt wurden, nicht auf die 6.000 Juden, die in diesem Krieg starben. Sie beurteilten das Verhalten des jüdischen Staates so, wie sie jeden anderen beurteilt hätten.[86] Zwischen 1987 und 1993 publizierten besonders vier von diesen Historikern, – Morris selbst, Simha Flapan, Ilan Pappé und Avi Shlaim – drei von ihnen in Oxford ausgebildet, eine Reihe von Büchern, die die Geschichtsschreibung des palästinensischen Exodus änderten. Lustick meint, in der Zeit vor Morris’ Publikation The Birth of the Palestinian Refugee Problem, 1947–1949 sei es Juden Israels außerhalb akademischer Zirkel weitgehend unbekannt gewesen, dass die Palästinenser das Land aufgrund von Vertreibung und Einschüchterung verlassen hatten.[87]

Besonders Efraim Karsh kritisierte diese Auffassungen. Er schreibt, es habe mehr freiwillige Flucht gegeben, als Morris und andere zugestehen. Er erkennt die Tatsache von Vertreibungen an, besonders in Lydda, aber, so argumentiert er mit Morris, diese seien das Ergebnis von Entscheidungen in der Hitze der Gefechte gewesen und stellten nur einen kleinen Prozentsatz des gesamten Exodus dar.[88] Karsh vertritt den Standpunkt, die Neuen Historiker hätten die Geschichte der Geburt des Staates Israels auf den Kopf gestellt und die arabischen Aggressoren zu Opfern gemacht. Er stellt bedauernd fest, dass diese neue Geschichtsdarstellung nun weithin akzeptiert sei.[89]

Ari Shavit widmet in seinem Buch My Promised Land (2013) der Vertreibung ein ganzes Kapitel und nennt die Ereignisse „unsere black box“. In dieser liege das dunkle Geheimnis des Zionismus.[90]

Die Positionen von Karsh und Morris widersprechen beide trotz ihrer Unterschiedlichkeit den Positionen Ilan Pappés und Walid Khalidis, die nicht nur von weitverbreiteten Vertreibungen sprechen, sondern auch behaupten, diese seien nicht das Ergebnis von Adhoc-Entscheidungen gewesen, sondern eher Teil einer absichtsvollen Strategie, als Plan Dalet bekannt und vor der Unabhängigkeitserklärung konzipiert. Ziel der Strategie sei gewesen, die arabische Bevölkerung zu transferieren und ihr Land zu übernehmen, in Pappés Worten: das Land ethnisch zu säubern.[91]

Lod und Ramla heute

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Ramla 2006

Im Mai 1962 zog Ramle kurzzeitig Aufmerksamkeit auf sich, als der frühere SS-Offizier Adolf Eichmann in einem Gefängnis der Stadt hingerichtet wurde.[92] Die Bevölkerung lag zu dieser Zeit offiziell bei etwa 45.000 Juden und 20.000 Arabern; Haupterwerbsquelle war der Flughafen, der 1973 in Ben-Gurion International Airport umbenannt wurde.[93] Beta-Israel-Immigranten aus Äthiopien wurden dort in den 1990er Jahren untergebracht, was die ethnischen Spannungen in der Stadt verstärkte, ebenso wie die wirtschaftliche Mangelsituation. Beides zusammen machte die Stadt zu einem sehr explosiven Ort, meint Arnon Golan, israelischer Experte für ethnisch gemischte Städte.[94] 2010 wurde eine drei Meter hohe Mauer errichtet, um jüdische und arabische Wohngebiete voneinander zu trennen.[93]

Die arabische Gemeinschaft beschwerte sich darüber, dass die örtliche Schule in der nun mehrheitlich arabisch besiedelten Vorstadt Ramat Eschkol geschlossen wurde, anstatt sie in eine arabische Schule zu verwandeln. Im September 2008 wurde sie als Jeschiva wiedereröffnet, eine religiöse Schule für Torahstudien. Die Ortsverwaltung bekundet, dass sie Lod zu einer stärker jüdisch geprägten Stadt machen möchte. Zusätzlich zu den offiziell registrierten Arabern gibt es in Lod Beduinen, die ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Sie kamen in den 1980er Jahren nach Lod, als sie die Wüste Negev verließen, so Nathan Jeffay. Sie leben in Unterkünften auf dem Land, die von der israelischen Verwaltung als illegal erachtet werden und erhalten keine in Städten selbstverständlichen Leistungen.[95]

Gelegentlich können Flüchtlinge ihre frühere Heimat besichtigen. Zochrot, eine israelische Gruppe, die frühere palästinensische Städte erforscht, besuchte Lod 2003 und 2005. Sie stellten Schilder auf, auf denen die Geschichte dargestellt wurde, auch ein Schild am früheren Sperrgebiet für arabische Israelis. Die Besuche trafen auf eine Mischung von Interesse und Feindseligkeit.[96] Oudeh Rantisi, ein früherer Bürgermeister von Ramallah, der 1948 aus Lydda vertrieben wurde, besuchte 1967 zum ersten Mal das frühere Zuhause seiner Familie:

„As the bus drew up in front of the house, I saw a young boy playing in the yard. I got off the bus and went over to him.

“How long have you lived in this house?” I asked.

“I was born here,” he replied.

“Me too”, I said, and added, “This is my father’s house.”“

„Als der Bus vor dem Haus hielt, sah ich einen kleinen Jungen im Hof spielen. Ich stieg aus dem Bus und ging zu ihm hinüber.

„Wie lange wohnst du schon in diesem Haus?“ fragte ich.

„Ich bin hier geboren“, antwortete er.

„Ich auch“, sagte ich und fügte hinzu: „Das hier ist das Haus meines Vaters.““

Oudeh Rantisi[97]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • A. Sharon: Ludd. In: Clifford Edmund Bosworth u. a. (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam. New edition, Bd. 5: Khe – Mahi. E.J. Brill, Leiden 1986, S. 798–803.
  • Benny Morris: Operation Dani and the Palestinian Exodus from Lydda and Ramle in 1948. In: Middle East Journal, Band 40, 1986, S. 82–109.
  • Walid Khalidi: Plan Dalet Revisited. Master Plan for the Conquest of Palestine. In: Journal of Palestine Studies. Band 18, 1988, Heft 1, S. 4–33.
  • Amos Kenan: The Legacy of Lydda: Four Decades of Blood Vengeance. In: The Nation. courtesy link, 8. Februar 1989, abgerufen am 26. November 2010.
  • Benny Morris: Falsifying the Record: A Fresh Look at Zionist Documentation of 1948. In: Journal of Palestine Studies, Spring 1995, S. 44–62.
  • Spiro Munayyer: The Fall of Lydda. With an Introduction and Notes by Walid Khalidi. In: Journal of Palestine Studies. Band 27, Nr. 4, 1998, S. 80–98 (englisch, palestine-studies.org [PDF]).
  • Audeh G. Rantisi, Charles Amash: Death March. In: The Link. Americans for Middle East Understanding, Band 33, 2000, Heft 3 (Juli/August).
  • Ari Shavit: Mein gelobtes Land. Triumph und Tragödie Israels, Bertelsmann, München, 2015; ISBN 978-3-570-10226-8. Der die Ereignisse um Lydda betreffende Teil des Buches ist in englischer Sprache auch im Internet verfügbar: Ari Shavit: Lydda, 1948. A city, a massacre, and the Middle East today, The New Yorker, 21. October 2013.
Commons: Palästinensische Vertreibung aus Lydda und Ramle 1948 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Paul Chamberlin: The Global Offensive: The United States, the Palestine Liberation Organization, and the Making of the Post-Cold War Order. Oxford University Press, 2012, ISBN 978-0-19-981139-7, S. 16.
  2. Richard Holmes, Hew Strachan, Chris Bellamy, Hugh Bicheno (Hrsg.): The Oxford companion to military history. Oxford University Press 2001, ISBN 0-19-866209-2, S. 64.
  3. Expulsion of the Palestinians—Lydda and Ramleh in 1948, von Donald Neff
  4. Roza El-Eini: Mandated Landscape: British Imperial Rule in Palestine 1929–1948. Routledge 2006, S. 436.
  5. The Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press 2004, S. 425.
  6. Bevölkerungsangaben nach Morris 2004, S. 425. 434. Er schreibt, vor der Invasion hätten Lydda und Ramle im Juli 1948 eine Bevölkerung von 50.000–70.000 Menschen gehabt, 20.000 davon seien Binnenflüchtlinge aus Jaffa und Umgebung gewesen (vgl. S. 425). Alle seien vertrieben worden, einige Alte oder Kranke ausgenommen, dazu einige Christen oder einige, die man zur Arbeit zurückgehalten habe. Anderen sei es gelungen, sich zurück zu schleichen, so dass bis Mitte Oktober 1948 etwa 2.000 Palästinenser in beiden Städten lebten (vgl. S. 434). Zum Namenswechsel vgl. Yacobi 2009, S. 29. Yacobi schreibt, Lod sei der biblische Name gewesen. Palästinenser nannten Lydda al-Ludd. Lydda war die gräzisierte Form in lateinischer Schreibung, vgl. Sharon 1983, S. 798. Ramle kann auch Ramleh geschrieben werden; Israelis benutzen Ramla, dieser Name sollte nicht mit Ramallah verwechselt werden.
  7. Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem revisited (= Cambridge Middle East studies. Nr. 18). 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge / New York 2004, ISBN 0-511-81665-0 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
    1. S. 4: "... what had been the biggest expulsion of the war."
    2. a b S. 425.
    3. S. 424 f.
    4. S. 423 f.
    5. S. 424 u. 429.
    6. S. 425: "a general and serious flight from Ramla".
    7. a b S. 426.
    8. S. 426: "To judge from this description, the battalion’s death-dispensing dash through Lydda combined elements of a battle and a massacre."
    9. S. 426: "... but killed and wounded dozens of Arabs (perhaps as many as 200)."
    10. S. 427.
    11. S. 427 f. u. S. 453, Fußnote 78.
    12. S. 427 f.
    13. a b S. 428.
    14. S. 434.
    15. S. 415.
    16. S. 429: "1. The inhabitants of Lydda must be expelled quickly without attention to age. They should be directed towards Beit Nabala. Yiftah [Brigade HQ] must determine the method and inform [Operation] Dani HQ and 8th Brigade HQ. 2. Implement immediately."
    17. S. 429. Das Hauptquartier der Kiryati Brigade sandte folgendes Telegramm am Folgetag an ihren für Ramle zuständigen Offizier Zvi Aurbach: "1. In light of the deployment of 42nd Battalion out of Ramle – you must take [over responsibility] for the defence of the town, the transfer of prisoners [to PoW camps] and the emptying of the town of its inhabitants. 2. You must continue the sorting out of the inhabitants, and send the army-age males to a prisoner of war camp. The old, women and children will be transported by vehicle to al Qubab and will be moved across the lines – [and] from there continue on foot..."
    18. a b S. 430.
    19. S. 429 f.
    20. a b S. 432.
    21. S. 431.
    22. S. 432 und 455, Fußnote 97. Um 18:15 Uhr am selben Tag fragte das Dani HQ bei der Jiftach-Brigade an: „Wurde die Beseitigung der Bevölkerung von Lydda vollendet?“ („Has the removal of the population [hotzaʾat haʾochlosjah] of Lydda been completed?“)
    23. S. 433
    24. S. 432
    25. S. 433: "to begin with [jettisoning] utensils and furniture and in the end, bodies of men, women and children, scattered along the way."
  8. The Rabin Memoirs, University of California Press, 1996 S .383: "Allon and I held a consultation." ([Jiggaʾel] Allon und ich hielten eine Beratung ab.)
  9. Benny Morris: 1948. A History of the first Arab-Israeli War. Yale University Press, New Haven / London 2008, ISBN 978-0-300-12696-9 (englisch).
    1. S. 287.
    2. S. 37 ff.
    3. a b S. 286.
    4. S. 273.
  10. La Question de Palestine. Band 3, Fayard, 2007, S. 145.
  11. Zahl der Toten in Lod: Morris 2004, S. 426.: 11 Juli: Six dead and 21 wounded on the Israeli side, and "dozens of Arabs (perhaps as many as 200)". Morris 2004, S. 452, Fußnote 68: Third Battalion intelligence puts the figure at 40 Palestinians dead, but perhaps referring only to the numbers they had killed themselves. Morris 2004, S. 428: 12 Juli: Israeli troops were ordered to shoot at anyone seen on the streets: during that incident, 3–4 Israelis were killed and around a dozen wounded. On the Arab side, 250 dead and many wounded, according to the IDF.
  12. Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem, 1947–1949. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom 1987, ISBN 0-521-33889-1.
  13. Morris 2004, S. 432–434.
  14. Zur Zahl der Flüchtlinge, die während des Marsches starben: Morris 2003, S. 177.: "a handful, and perhaps dozens, died of dehydration and exhaustion." Morris 2004, S. 433.: "Quite a few refugees died on the road east," er schreibt die Zahl von 335 Toten Muhammad Nimr al Khatib zu, der sich nach Morris auf mündliche Mitteilungen verließ. Henry Laurens stellt in seinem Werk La Question de Palestine, Band 3, Fayard 2007, S. 145 fest, Aref al-Aref habe die Zahl 500 angegeben, neben den schätzungsweise 1300, die beim Kampf in Lod starben oder beim Marsch ums Leben kamen. ("Le nombre total dee morts se monte à 1 300:800 lors des combats de la ville, le reste dans l'exode.") Khalidi 1998 (Memento vom 23. Juli 2012 im Internet Archive), S. 80–98: 350 Tote, er zitiert eine Schätzung von Aref al-Aref. Nur Masalha 2003, S. 47. schreibt von 350 Toten. Zur Analyse der IDF und Ben-Gurions zur Wirkung der Eroberung der Städte und den Vertreibungen vgl. Morris 2004, S. 433–434.
  15. Ethnische Säuberung als Begriff bei Pappé 2006. Zur Frage, ob eine ethnische Säuberung vorgelegen habe: Morris 2008, S. 408.: „Obwohl während kritischer Monate eine Atmosphäre ethnischer Säuberung vorherrschte, wie man das später genannt hätte, wurde die Vertreibung nie zu einer allgemeinen oder ausdrücklich erklärten Politik des Zionismus. Folglich war in manchen Teilen des Landes am Ende des Krieges eine beträchtliche arabische Bevölkerung zurückgeblieben, besonders in Galiläa und in den Städten im Herzen des israelischen Küstenstreifens, Haifa und Jaffa, obwohl ein großer Teil des Landes von Arabern „gesäubert“ worden war.“ "Although an atmosphere of what would later be called ethnic cleansing prevailed during critical months, transfer never became a general or declared Zionist policy. Thus, by war’s end, even though much of the country had been 'cleansed' of Arabs, other parts of the country—notably central Galilee—were left with substantial Muslim Arab populations, and towns in the heart of the Jewish coastal strip, Haifa and Jaffa, were left with an Arab minority." Spangler 2015, S. 156.: „Während der Nakba, der Umsiedelung der Palästinenser im Jahre 1947 (sic!) war Rabin der zweitoberste Kommandeur in der Operation Dani, der ethnischen Säuberung der palästinensischen Städte Lydda und Ramle.“ "During the Nakba, the 1947 [sic] displacement of Palestinians, Rabin had been second in command over Operation Dani, the ethnic cleansing of the Palestinian towns of towns of Lydda and Ramle." Schwartzwald 2012, S. 63.: „Die Fakten tragen diese Behauptung einer ethnischen Säuberung nicht. Sicher wurden einige Flüchtlinge zur Flucht gezwungen: 50.000 wurden aus den strategisch gelegenen Städten Lydda und Ramle vertrieben…Aber dies waren Ausnahmen, nicht die Regel, und es hatte nichts mit ethnischer Säuberung zu tun.“ "The facts do not bear out this contention [of ethnic cleansing]. To be sure, some refugees were forced to flee: fifty thousand were expelled from the strategically located towns of Lydda and Ramle … But these were the exceptions, not the rule, and ethnic cleansing had nothing to do with it." Golani, Manna 2011, S. 107.: „Die Vertreibung von etwa 50.000 Palästinensern aus ihren Häusern … war eine der am deutlichsten sichtbaren Grausamkeiten als Folge der israelischen Politik ethnischer Säuberung.“ "The expulsion of some 50,000 Palestinians from their homes … was one of the most visible atrocities stemming from Israel’s policy of ethnic cleansing."
  16. Ein Zehntel des gesamten Exodus, vgl. Morris 1986, S. 82. Zur Aussage, dass die meisten Immigranten in Lydda und Ramle aus Asien und Nord-Afrika stammten, vgl. Golan 2003. Zur Aussage, dass die Flüchtlinge in leeren Häusern untergebracht wurden, damit diese nicht zurückgefordert werden konnten, vgl. Morris 2008, S. 308 und Yacobi 2009, S. 45.
  17. NN, “Immigrants to Israel: 1948–1952 (July 1953)”, on: Jewish Virtual Library: Anything you need to know from Anti-Semitism to Zionism; abgerufen am 9. April 2023.
  18. a b Schlomoh Swirski, Politics and Education in Israel: Comparisons with the United States, London: Routledge, 1999. S. 114. ISBN 978-1-135-58242-5.
  19. Dietmar Herz: Als Israel gegründet wurde. In: Zeit Online. 6. Februar 2008 (zeit.de [abgerufen am 6. Juni 2018]).
  20. Joshua J. Schwartz: Lod (Lydda), Israel. From its Origins through the Byzantine Period, 5600 B.C.E.-640 C.E (= BAR international series. Band 571). Tempus Reparatum, Oxford 1991, ISBN 0-86054-721-3, S. 39.
  21. Arnon Golan: Lydda and Ramle: From Palestinian-Arab to Israeli Towns, 1948-67. In: Middle Eastern Studies. Band 39, Nr. 4, Oktober 2003, S. 121–139 (englisch).
    1. a b hier: S. 122 f.
    2. hier: S. 125.
  22. Spiro Munayyer: The Fall of Lydda. With an Introduction and Notes by Walid Khalidi. In: Journal of Palestine Studies. Band 27, Nr. 4, 1998, S. 80–98 (englisch).
    1. a b hier: S. 81.
    2. hier: S. 82: "an orgy of indiscriminate killing."
  23. Segev 2000 (Memento vom 13. September 2012 im Internet Archive). Segev schreibt, unmittelbar nach Ben-Gurions Dornenbemerkung vor dem Kabinett seien 6 Zeilen aus dem Transkript entfernt worden. Segev deutet dies als Hinweis darauf, dass die Vertreibungen besprochen wurden.
    Für die Primärquelle vgl. Ben-Gurion "16 June 1948," S. 525.
  24. Benny Morris: The Road to Jerusalem. Glubb Pasha, Palestine and the Jews (= The Library of Middle East History. Band 1). I.B. Tauris, London / New York 2002, ISBN 978-1-86064-812-0, S. 118 (englisch).
  25. Alon Kadish, Avraham Sela: Myths and Historiography of the 1948 Palestine War Revisited: The Case of Lydda. In: Middle East Journal. Band 59, Nr. 4, 2005, S. 617–634, JSTOR:4330187.
    1. a b c hier: S. 624.
    2. hier: S. 619 f.
    3. hier: S. 621.
    4. hier: S. 620.
    5. hier: S. 632 f.
    6. hier: S. 625.
    7. a b c hier: S. 626.
    8. hier: S. 630.
    9. hier: S. 626–628.
    10. hier: S. 627.
    11. a b hier: S. 629.
    12. a b hier: S. 630, Fußnote 40.
    13. hier: S. 631.
  26. Jon Kimche und David Kimche: A Clash of Destinies. The Arab-Jewish War and the Founding of the State of Israel. Frederick A. Praeger. Library of Congress number 60-6996, 1960, S. 225.
  27. Yoav Gelber: Palestine 1948. War, Escape and the Emergence of the Palestinian Refugee Problem. 2. Auflage. Sussex Academic Press, Brighton / Portland 2006, ISBN 978-1-84519-075-0.
    1. a b S. 159.
    2. S. 162.
    3. S. 162 f.
    4. a b S. 161 f.
  28. Benny Morris: Operation Dani and the Palestinian Exodus from Lydda and Ramle in 1948. In: Middle East Journal. Band 40, Nr. 1, 1986, S. 82–109, JSTOR:4327250.
    1. hier: S. 87. Die Flugblätter enthielten den Text: "You have no chance of receiving help. We intend to conquer the towns. We have no intention of harming persons or property. [But] whoever attempts to oppose us—will die. He who prefers to live must surrender." (deutsch: „Ihr habt keine Möglichkeit, Hilfe zu bekommen. Wir haben die Absicht, die Städte zu erobern. Wir haben nicht die Absicht, Menschen oder Eigentum zu schädigen. [Aber] wer uns Widerstand zu leisten versucht – wird sterben. Wer vorzieht, zu leben, muss kapitulieren.“)
    2. hier: S. 87.
    3. hier: S. 88.
    4. hier: S. 91.
    5. hier: S. 92 f.
    6. hier: S. 94 f. Morris findet Guttmans Darstellung subjektiv and impressionistisch (S. 95, Fußnote 39).
    7. hier: S. 96–98.
  29. Für den Bericht der New York Times siehe Currivan in: The New York Times. 12. Juli 1948.
  30. Jonathan Dimbleby: The Palestinians. Quartet Books, London / New York 1990, ISBN 0-7043-2256-0, S. 88 f. (englisch): “The whole village went to the church. […] And I remember the archbishop standing in front of the church. He was holding a white flag. […] Afterwards we came out and the picture will never be erased from my mind. There were bodies scattered on the road and between the houses and the side streets. No one, not even women or children, had been spared if they were out in the street.” (deutsch: „Er sagte: Das ganze Dorf ging in die Kirche. […] Ich erinnere mich daran, dass der Erzbischof vor der Kirche stand. Er hielt eine weiße Fahne. […] Nachher gingen wir hinaus, das Bild wird niemals aus meinem Gedächtnis gelöscht werden. Leichen lagen auf der Straße verstreut und zwischen den Häusern und in den Seitenstraßen. Niemand, nicht einmal Frauen und Kinder waren verschont worden, wenn sie auf der Straße waren.“)
  31. Arthur Koestler: Promise and Fulfilment. Palestine 1917–1949. The Macmillan Company, New York 1949, S. 270 f. (englisch, archive.org): “The Arabs were hanging about in the streets much as usual, except for a few hundred youths of military age who have been put into a barbed wire cage and were taken off in lorries to an internment camp. Their veiled mothers and wives were carrying food and water to the cage, arguing with the Jewish sentries and pulling their sleeves, obviously quite unafraid. […] Groups of Arabs came marching down the main street with their arms above their heads, grinning broadly, without any guards, to give themselves up. The one prevailing feeling among all seemed to be that as far as Ramleh was concerned the war was over, and thank God for it.”
  32. a b Kennet W. Bilby: New Star in the Near East. Doubleday & Company, Garden City (New York) 1950, S. 43 (englisch, archive.org): “... and raced into Lydda, with rifles, Stens, and sub-machine guns blazing. It coursed through the main streets, blasting at everithing that moved. ... the corpses of Arab men, women, and even children were strewn about the streets in the wake of this ruthlessly brilliant charge.”
  33. Currivan, The New York Times. 12. Juli 1948.
  34. Yoav Gelber: Israeli-Jordanian Dialogue 1948-1953. Cooperation, Conspiracy, or Collusion? Sussex Academic Press, Brighton / Portland 2004, ISBN 978-1-84519-044-6, S. 23 (englisch, archive.org).
  35. a b Anita Shapira: Yigal Allon, Native Son. A Biography (= Jewish culture and contexts). University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2008, ISBN 978-0-8122-4028-3, S. 226 f. (englisch).
  36. Saleh Abdel Jawad: Zionist Massacres: the Creation of the Palestinian Refugee Problem in the 1948 War. In: Eyal Benvenisti, Chaim Gans, Sari Hanafi (Hrsg.): Israel and the Palestinian Refugees (= Beiträge zum ausländischen öffentlichen Recht und Völkerrecht. Band 189). Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2007, ISBN 978-3-540-68160-1, S. 59–127 (englisch).
    1. hier: S. 100.
    2. hier: S. 70–71: "The Jews came and they called among the people: ‚You must go.‘ ‚Where shall we go?‘ ‚Go to Barfilia.‘ … the spot you were standing on determined what if any family or possession you could get; any to the west of you could not be retrieved. You had to immediately begin walking and it had to be to the east. … The people were fatigued even before they began their journey or could attempt to reach any destination. No one knew where Barfilia was or its distance from Jordan. … The people were auch fasting due to Ramadan because they were people of serious belief. There was no water. People began to die of thirst. Some women died and their babies nursed from their dead bodies. Many of the elderly died on the way. … Many buried their dead in the leaves of corn."
  37. Noam Sheizaf: Despite efforts to erase it, the Nakba’s memory is more present than ever in Israel in: +972 magazine, 15. Mai 2013.
  38. a b Zur Unterschrift vgl. Morris 2004, S. 429.
  39. a b c David K. Shipler: Israel Bars Rabin From Relating ‘48 Eviction of Arabs. 23. Oktober 1979 (englisch, nytimes.com [abgerufen am 15. November 2025]).
  40. David K. Shipler: Allon Denies ‘48 Ouster of Arabs. 25. Oktober 1979 (englisch, nytimes.com [abgerufen am 15. November 2025]).
  41. Morris 2008, S. 291.
  42. Morris 2003, S. 177.
  43. a b c Morris 2004, S. 433–434.
  44. Khalidi, S. 80–98.
  45. Pappé 2006, S. 168.
  46. Morris 1986, S. 97.
  47. Brandabur 1990 (Memento vom 15. Juli 2011 im Internet Archive). Habash said: „The Israelis were rounding everyone up and searching us. People were driven from every quarter and subjected to complete and rough body searches. You can’t imagine the savagery with which people were treated. Everything was taken—watches, jewelery, wedding rings, wallets, gold. One young neighbor of ours, a man in his late twenties, not more, Amin Hanhan, had secreted some money in his shirt to care for his family on the journey. The soldier who searched him demanded that he surrender the money and he resisted. He was shot dead in front of us. One of his sisters, a young married woman, also a neighbor of our family, was present: she saw her brother shot dead before her eyes. She was so shocked that, as we made our way toward Birzeit, she died of shock, exposure, and lack of water on the way.“
  48. Morris 1986, S. 88.
  49. Segev 1986, S. 69–71.
  50. Morris 2004, S. 454. Fußnote 86.
  51. יומנים > יומן - מלא 15/07/1948 | The Ben-Gurion ARCHIVE. Abgerufen am 17. Mai 2024 (hebräisch, Ben-Gurions Tagebucheintrag vom 15/07/1948): „נתעוררה השאלה המרה על מעשי שוד ואונס בערים הנכבשות ¯“
  52. a b Kenan 1989; Four Decades of Blood Vengeance (Memento vom 29. September 2011 im Internet Archive).
  53. Morris 1986, S. 105. „It has been said that there were cases of rape in Ramle. I could forgive acts of rape but I won’t forgive other deeds, which appear to me much graver. When a town is entered and rings are forcibly removed from fingers and jewellery from necks—that is a very grave matter.“
    • Vgl. auch Segev 1986, S. 71–72.
    • Zur Frage der Überlegungen und Besorgnisse Ben-Gurions vgl. Tal 2004, S. 311.
  54. Cohen 2008, S. 139.
  55. Shipler, The New York Times. 23 October 1979. Rabin wrote: „Great suffering was inflicted upon the men taking part in the eviction action. Soldiers of the Yiftach brigade included youth movement graduates, who had been inculcated with values such as international fraternity and humaneness. The eviction action went beyond the concepts they were used to. There were some fellows who refused to take part in the expulsion action. Prolonged propaganda activities were required after the action, to remove the bitterness of these youth movement groups, and explain why we were obliged to undertake such harsh and cruel action.“
  56. IDF Intelligence Service/Arab Department, 21. Juli 1948, zitiert in Morris 2008, S. 291.
  57. Morris 2008, S. 290–291.
  58. Kirkbride 1976, S. 48, zitiert nach Morris 2008, S. 291. A couple of thousand Palestinian men swept up the hill toward the main [palace] entrance … screaming abuse and demanding that the lost towns should be reconquered at once … The King appeared at the top of the main steps of the building; he was a short, dignified figure wearing white robes and headdress. He paused for a moment, surveying the seething mob before, [then walked] down the steps to push his way through the line of guardsmen into the thick of the demonstrators. He went up to a prominent individual, who was shouting at the top of his voice, and dealt him a violent blow to the side of the head with the flat of his hand. The recipient of the blow stopped yelling … the King could be heard roaring: so, you want to fight the Jews, do you? Very well, there is a recruiting office for the army at the back of my house … go there and enlist. The rest of you, get the hell down the hillside!“ Most of the crowd got the hell down the hillside.
  59. Morris 2008, S. 291–292.
  60. Morris 2008, S. 295.
  61. a b Morris 2008, p. 309ff.
  62. Sayigh 2007, S. 84. … the United Nations mediator in Palestine, visited a refugee camp in Ramallah and said he had never seen a more ghastly sight
  63. "Bernadotte Murder Stuns Whole World", Ottawa Citizen. 18. September 1948.
  64. Ilan Pappe: The Making of the Arab–Israeli Conflict 1947–1951. I.B. Tauris, 1992, ISBN 1-85043-819-6.Chapter 9: The Lausanne Conference.
  65. Michael Palumbo: The Palestinian Catastrophe. Quartet Books, 1987, ISBN 0-7043-0099-0, S. 184–189.
  66. Zu "not one inhabitant," und den Hunderten, die zurückblieben vgl. Morris 2004, S. 434.
  67. Aus nichtarabischen muslimischen Ländern kamen z. B. noch 35.000 jüdische Türken und 25.000 jüdische Iraner. Vgl. NN, “Immigrants to Israel: 1948–1952 (July 1953)”, on: Jewish Virtual Library: Anything you need to know from Anti-Semitism to Zionism; abgerufen am 9. April 2023.
  68. a b Yacobi 2009, S. 42.
  69. Zu den Zahlen und der Herkunft vgl. Golan 2003.
  70. Morris 2008, S. 308, for a general discussion of the issue.
  71. NN, “Immigrants to Israel: 1948–1952 (July 1953)”, on: Jewish Virtual Library: Anything you need to know from Anti-Semitism to Zionism; abgerufen am 9. April 2023.
  72. Mordechai Naor, עולים ומעברות, 1948–1952 : מקורות, סיכומים, פרשיות נבחרות וחומר עזר, Jerusalem: יד יצחק בן צבי - מרכז רחל ינאית בן-צבי ללימודי ירושלים, 1986Greg. Kal./5747Jüd. Kal., (=סידרת עידן; Bd. 8), S. 64.
  73. Yacobi 2009, S. 33.
  74. Yacobi 2009, S. 34.
  75. Yacobi 2009, S. 35–36.
  76. Ankori 2006, S. 48–50.
    • Zum Bild: "Where to ..?", shammout.com. Abgerufen am 26. November 2010.
  77. Zu den Gräueltaten im Allgemeinen vgl. Morris 2004, S. 486ff.; vgl. S. 489.
    • Morris schreibt, das Gedicht handele von Lydda Morris 2004, S. 426. 489 (S. 489 schreibt er, es sei anscheinend („apparently“) über Lydda; vgl. auch Morris 2008, S. 473, Fußnote 85.)
  78. Al Zot in Hebrew (Memento des Originals vom 29. Februar 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.education.gov.il, www.education.gov.il, abgerufen am 1. Dezember 2010.
  79. Jewish Agency for Israel. „Allon, Yigal (1918–1980)“. Abgerufen am 25. September 2009.
  80. As'ad Abu Khalil 2005, S. 529ff.
  81. Andrews and Kifner, The New York Times. 27. Januar 2008.
    • Habash spoke to Robert Fisk in 1993 about Lydda: „I will never rest until I can go back. The house is still there and a Jewish family lives in it now. Some of my friends tried to find it and some relatives actually went there and sent me a message that the trees are still standing in the garden, just as they were in 1948. … It’s my right to go directly to my house and live there.“ See Fisk 1993.
  82. a b c Morris 1988, S. 12
  83. Shapira 1995, S. 12–13.
  84. Zu dem Buch von Lorch vgl. Morris 1988.
  85. Morris 2004, S. 1–2.
  86. Shapira 1995, S. 9, 16–17.
  87. Morris 1988 und Lustick 1997 (Memento vom 12. Juni 2010 im Internet Archive) S. 157–158.
    • Simcha Flappan (1911–1987) ist die Ausnahme von der Regel, dass die Neuen Historiker um 1948 geboren wurden.
    • Grundlegende Texte sind:
    • Simcha Flappans The Birth of Israel (1987)
    • Benny MorrisThe Birth of the Palestinian Refugee Problem, 1947–1949 (1987), 1948 and After: Israel and the Palestinians (1990) und Israel’s Border Wars, 1949–1956 (1993)
    • Ilan Pappés Britain and the Arab-Israeli Conflict: 1948–1951 (1988) and The Making of the Arab-Israeli Conflict, 1947–1951 (1992)
    • Avi Shlaims Collusion across the Jordan (1988) und The Politics of Partition (1990)
    • Andere Autoren, die sich der Neuen Geschichte widmen sind nach Lustick (S. 157) Uri Bar-Joseph, Mordechai Bar-On, Benjamin Beit-Hallahmi, Motti Golani, Uri Milstein, and Tom Segev.
    • Zum Fokus auf 700.000 Entwurzelte vgl. Shapira 1995, S. 13.
  88. Karsh 2003, S. 160–161.
  89. Karsh 1999.
  90. Dwight Garner: 'Son of Israel, Caught in the Middle,' New York Times 20. November 2013.
  91. Khalidi 1961, Khalidi 1988 (Memento vom 28. Januar 2011 im Internet Archive), Pappé 2006.
  92. Zur Bevölkerung: Population figures, Israel Central Bureau of Statistics. Abgerufen am 26. November 2010.
  93. a b Pulled apart. In: The Economist. 14. Oktober 2010.
  94. Nathan Jeffay: Israel’s Mixed Cities on Edge After Riots In: The Forward. 23. Oktober 2008.
  95. Jeffay 2008.
  96. "Remembering Al-Lydd 2005", "Tour and signposting in Al-Lydd (Lod), 2003".
  97. Rantisi, Amash 2000 (Memento vom 17. September 2010 im Internet Archive).