Palmers

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Palmers Textil AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1914
Sitz Wien
Leitung

Matvei Hutman, Tino Wieser, Luca Wieser

Mitarbeiterzahl

722 (2016)
549 davon in Österreich, 144 in Deutschland und 29 in Kroatien

Branche Mode
Website www.palmers.at,

Die Palmers Textil AG, bekannt als PALMERS, ist Österreichs größter Textilkonzern.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Palmers Sortiment umfasst Dessous, Bademode, Nachtwäsche, Loungewear, Strumpfware sowie modische Styles für den Mann von heute. Die Sparte für jüngere Kunden ist p2 bodywear. Im öffentlichen Raum fallen in Österreich die Poster und Plakate von weiblichen und auch männlichen Unterwäschemodels auf.

Es gibt knapp 300 Standorte, davon sind über 150 eigene Filialen in Österreich, Deutschland und Kroatien sowie ca. 150 Franchise-Partner national und international. Insgesamt beschäftigt Palmers über 700 Mitarbeiter.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde Anfang 1915 von Ludwig Palmers (1868–1943) unter dem Firmennamen "Resten-König" in Innsbruck gegründet. Palmers war – als Ludwig Perlhefter geboren – 1899 zum katholischen Glauben konvertiert und nannte sich ab 1904 Ludwig Palmers. Zuvor war er im Lederhandel tätig gewesen, der "Resten-König" war sein erstes Wäschegeschäft.[2]

Bis 1916 entstanden Filialen in Wien, Linz und dann in Salzburg. Am 1. Jänner 1926 wurde die Firma Palmers & Söhne gegründet, Gesellschafter waren neben Ludwig Palmers auch seine Söhne Theodor, Hans Joachim, Walter und Harry Palmers, die schon in der Firma tätig waren.[3]

Im Jahr 1936 wurde die erste von einem Franchisenehmer geführte Palmers-Verkaufsstelle eröffnet. Nach dem "Anschluss" Österreichs an NS-Deutschland galt Ludwig Palmers nach den NS-Gesetzen als Jude, die Söhne als Halbjuden. Die Firma wurde nichtjüdischen Familienmitgliedern übertragen, mehrere Söhne flüchten ins Ausland, Walter Palmer (1903–1983)lässt sich 1943 in eine Rüstungsfirma dienstverpflichten.[4] Sein Vater Ludwig stirbt 1943 unter nicht ganz geklärten Umständen in einem Krankenhaus in Dresden.[5] Nach dem Zweiten Weltkrieg startete die Expansion in ganz Österreich mit zunächst 45 Geschäften. Unter der Leitung von Walter Palmers wurde das Familienunternehmen beträchtlich erweitert und ein flächendeckendes Filialnetz in Österreich aufgebaut.

1977 wurde Walter Palmers das Opfer einer Entführung. Die Entführung war eine Geldbeschaffungsaktion der Bewegung 2. Juni, durchgeführt von österreichischen Studenten. Walter Palmers wurde nach einer Lösegeldzahlung von 30,5 Millionen Schilling (2,2 Millionen Euro) wieder freigelassen, zwei der Terroristen wurden auf der Flucht über die Schweizer Grenze nach Italien in Chiasso verhaftet. Die von den Entführern in Wien gemietete Wohnung wurde am 20. April 1978 entdeckt.[6]

Rudolf Humer übernahm 1979 die Firmenleitung von Walter Palmers. Unter der Führung von Humer kam es in den 1980er und 1990er Jahren zu einer raschen Expansion des Unternehmens auch im Ausland. 2012 war das Unternehmen an 300 Standorten in 15 europäischen Ländern vertreten.[7]

Nach Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eigentümern und den Vorständen kam es im Zuge von Sanierungsmaßnahmen zu einer deutlichen Verkleinerung des Unternehmens und Rudolf Humer verließ im Jahr 2003 den Unternehmensvorstand.

Im Herbst 2004 wurde die Palmers Textil AG großteils an die Investoren Quadriga Capital und Lead Equities verkauft. Der Immobilienbesitz der Palmersgruppe (in der Palmers AG gebündelt) wurde von Christian Palmers von den Aktionären übernommen.

Im April 2006 übernahm der Vorarlberger Wäschehersteller Huber Tricot von Palmers die Gazelle-Verkaufsstellen in Österreich und wandelte diese in Huber-Shops um.

Das Eumig-Palmers-Hochhaus in Wiener Neudorf, von 1982 bis 2015 Firmensitz des Unternehmens

Der Firmensitz befand sich seit 1982 in Wiener Neudorf und wurde teilweise im Juni 2014 in den Ares Tower nach Wien verlegt.[8][9]

Die Familien Wieser und Hutman erwarben am 15. Dezember 2015 mit Unterstützung einer österreichischen Investorengruppe 100 Prozent des Unternehmens.[10] Anfang Oktober 2018 zog sich der bisherige Vorstandsvorsitzende Marc Wieser aus dem operativen Geschäft zurück. Die Geschäftsführung besteht nun aus den Herren Matvei Hutman, Tino Wieser und Luca Wieser. [11][12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 1979 Träger des österreichischen Staatswappens
  • 2009 Vienna Fashion Award in der Kategorie Tribute to Fashion and Lifestyle
  • 2013 Goldene Werbetrommel für den besten Werbespot 2013
  • 2014 Franchise Award als bester Franchise-Geber des Jahres
  • 2014 mit dem Gütezeichen als Familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet
  • 2015 als Superbrand 2015–2016 ausgezeichnet sowie Gewinner in der Kategorie Wäsche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Palmers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen & Fakten (abgerufen 19. Dezember 2017)
  2. Vgl. Hanno Loewy, Die diskrete Familie Palmers, in: Peter Melichar und Nikolaus Hagen (Hg.), Der Fall Riccabona. Eine Familiengeschichte zwischen Akzeptanz und Bedrohung im 20. Jahrhundert (vorarlberg museum Schriften 22), Wien, Köln, Weimar 2017, S. 81-84.
  3. Vgl. Hanno Loewy, Die diskrete Familie Palmers, S. 87.
  4. Vgl. Hanno Loewy, Die diskrete Familie Palmers, S. 91 f.
  5. Vgl. Hanno Loewy, Die diskrete Familie Palmers, S. 82.
  6. Mitte rechts: «Terroristenwohnung entdeckt». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. April 1978, S. 5 (arbeiter-zeitung.at – das offene Online-Archiv – Digitalisat).
  7. Unternehmenswebsite
  8. http://noe.orf.at/news/stories/2641834/ Palmers verlegt Zentrale nach Wien, orf.at 14. April 2014, abgerufen 4. Oktober 2015.
  9. http://www.noen.at/nachrichten/lokales/aktuell/moedling/Palmers-zieht-aus;art2664,529533 Palmers zieht aus, noen.at, 16. April 2014, abgerufen 4. Oktober 2015.
  10. Wäschekonzern Palmers ist wieder österreichisch auf standard.at vom 16. Dezember 2015
  11. Team aus Matvei Hutman, Tino Wieser und Luca Wieser führt nun Palmers Textil AG. In: OTS.at. (ots.at [abgerufen am 18. Oktober 2018]).
  12. Marc Wieser als CEO von Palmers ausgeschieden. In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 18. Oktober 2018]).