Panama-Hut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Panama-Hut aus Montecristi

Der Panama-Hut, in spanischsprachigen Ländern auch Jipijapa, ist ein Hut, der von Hand aus dem feinen Toquillastroh des Scheibenblumengewächses Carludovica palmata (auch Panama-Hut-Pflanze genannt) in Ecuador geflochten wird und anschließend durch Feuchtigkeit, Wärme und Druck einer Presse seine spezifische Form erhält. 2012 würdigte die Unesco die Webkunst des Hutflechtens aus Toquilla-Fasern als immaterielles Kulturerbe.[1]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammengerollter Panamahut in der zugehörigen Kiste, nur für humide Klimazonen geeignet.

Die Entstehungsgeschichte des Namens setzt sich aus mehreren Quellen zusammen.

Die erste Verwechslung des realen Herkunftslandes Ecuador mit Panama fand 1855 statt, als der für Napoleon III. gedachte sombrero de paja toquilla in Panama eingeschifft wurde. Für die Franzosen galt damit Panama als Ursprung dieses Huttyps.[2]

Buchstäblich mit Quellen belegt ist der Zollaspekt. Im 19. Jahrhundert durften Güter, die in Südamerika ohne Mitwirkung von in den USA beheimateten Firmen produziert wurden, nicht direkt aus den Ursprungsländern in die USA eingeführt werden. Die zentrale Sammel- und Zollstelle für deren USA-Import war allein Panama. Daher trugen alle diese Hüte, aus welchem Land sie ursprünglich auch stammten, die Zollstempel aus Panama. Man nannte sie daher in den USA kurzerhand panama hat. Dieser Begriff hat sich dann in mehreren Sprachen durchgesetzt.[3]

Als US-Präsident Theodore Roosevelt bei einer Besichtigung des Panamakanals 1906 einen ecuadorianischen Toquilla-Strohhut trug, gingen die Fotoaufnahmen um die Welt und setzten endgültig den heutigen Namen Panamahut fest.[2]

Produktionsorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hutladen in Ecuador
Das Panama-Hut-Monument auf dem Zócalo von Bécal (Mexiko)

Der Panama-Hut wird seit 1630 in den Provinzen Manabí und Azuay in Ecuador hergestellt; Zentren der Manufakturen sind die Städte Montecristi und Jipijapa (Manabí) sowie Cuenca (Azuay). In Cuenca sind die größten und bekanntesten Exporteure ansässig. Daneben werden diese Hüte auch in Mexiko hergestellt: Seit ein Priester 1859 die zur Produktion nötige Palmenpflanze hier einführte, lebt in der Stadt Bécal im Bundesstaat Campeche ein Großteil der Einwohner vom Flechten dieser speziellen Kopfbedeckung. In Bécal befinden sich etwa 2000 Kalksteinhöhlen, in denen die dazu erforderliche Luftfeuchtigkeit herrscht. Auf dem Zócalo des Ortes steht ein großes Panama-Hut-Monument.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Großteil der Panama-Hüte wird nicht in großen Fabriken gewoben, sondern in Heimarbeit von unabhängigen Hut-Webern. Oft kultivieren diese sogar die Toquilla-Pflanzen selbst, um deren Blätter zu verwenden. Die Strünke werden kurz in Wasser abgekocht und danach zum Trocknen aufgehängt. Es folgt ein Vorgang, der dem Darren von Malz ähnelt, wobei das Stroh über einem Feuer „geröstet“ wird, dem Schwefel beigemischt ist. Hierbei erhält es seine typische helle Farbe. Nach einer weiteren Trocknung werden die Blätter von Hand in dünne Fasern zerrissen. Hierbei wird bereits die spätere Fertigungsqualität des Hutes festgelegt; je dünner die Fasern, desto höher die Qualität. Der Hut wird nun gewoben, indem der Arbeiter von der Mitte her beginnt, mehrere Fasern miteinander zu verweben. Man unterscheidet verschiedene Webarten: die klassischen Cuenca/Llano (Herringbone, Fischgrat-Muster – fester) und Brisa (Diamantenmuster) sowie Crochet (gestrickt), Fancy (verschiedenfarbiges Stroh wird verwoben)[4] und Torcido, New Order.[5] Ist das flache Oberteil fertiggestellt, wechselt der Weber zu einer für ecuadorianische Hutmacher typischen stehenden, nach vorne gebeugten Arbeitshaltung, in dem er den Rohling auf einen Block – meist einen großen Stein – ablegt, der auf einem Pfosten ruht. Auf dem Rohling wird ein weiterer Block – jetzt aus Holz – platziert, auf den der Weber sich mit seiner Brust legt, um den nun unter sich befindlichen Hut mit Seitenteil und Krempe weiter zu weben. Am Ende dieses Prozesses wird der Hut „geschlossen“, in dem meist ein weiterer Weber das Stroh am Ende der Krempe zurückbindet. Zum Fertigstellen des Rohlings wird nun noch überstehendes Stroh abgeschnitten.

Zum Schutz und um die Verbindungsstellen des Strohs zu glätten wird der Rohling nun einer speziellen Behandlung unterzogen, bei der Schwefelpulver vorsichtig in das Gewebe hineingehämmert wird. Nach der Reinigung wird der Rohling dann unter Feuchtigkeit, Wärme und Druck in seine eigentliche Form gebracht, indem man ihn zunächst über einen Einheitsblock zieht, wo er vorgeformt wird, um ihn danach in einem zweiten Schritt über einem spezielleren Block in seine endgültige Form zu pressen. Oftmals werden die Hüte auch nicht vor Ort fertiggestellt, sondern nach einer Reihe von Arbeitsschritten wird der Rohling in eine größere Manufaktur gegeben oder traditionell von einer Modistin weiterbearbeitet und gestaltet und so erst zum eigentlichen Hut geformt.

Je nach Dicke der Faser kann die Herstellung sehr langwierig und aufwendig sein, sodass feinste Panama-Hüte mehrere Tausend US-Dollar kosten können, der Rekord liegt derzeit bei 100.000 $.[6] Da die Zwischenhändler den Preis drücken, um der Nachfrage nach Massenware gerecht zu werden, wird oft nach traditioneller Art mit Stroh anderer Pflanzen gearbeitet, denn solch ein Strohhut ist bereits nach zwei Tagen fertig geflochten. Er hat allerdings nicht die guten Gebrauchseigenschaften.

Benutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein guter Panama-Hut lässt sich im Herkunftsland ohne Weiteres zusammengerollt in einer Büchse transportieren, ohne dass Fasern beschädigt werden oder die Form leidet. Bei vergleichsweise geringerer Luftfeuchtigkeit, etwa in Europa, lässt sich der Hut jedoch nicht mehr rollen; außerdem sollte er nicht am Kopf zusammengedrückt werden, da sonst die Fasern leicht brechen.

Zu den berühmten Trägern des Panama-Huts gehörten: Napoleon III., Theodore Roosevelt, John D. Rockefeller, Ernest Hemingway, Winston Churchill, Harry S. Truman, Erich Honecker, David Hilbert und Paul Newman.[2] Der Begründer der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, verbot 1925 per Hutgesetz den Männern das Tragen der traditionellen orientalischen Kopfbedeckungen zugunsten von Hüten; seine erste Kopfbedeckung war ein Panama-Hut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stilikone Panamahut. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 52:08 Min., Buch und Regie: Jörg Daniel Hissen, Produktion: MedienKontor FFP, GEO, arte, Reihe: 360° GEO Reportage, Erstsendung: 21. Mai 2011 bei arte, Inhaltsangabe von Geo.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Panama-Hüte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traditional weaving of the Ecuadorian toquilla straw hat. In: UnescoIntangible Cultural Heritage, Dezember 2012, aufgerufen am 25. Januar 2017.
  2. a b c Michael Schmidt: Wo kommt der Panamahut her? Doch nicht etwa aus Panama? In: Tagesspiegel, 30. Dezember 2012.
  3. Eckehart Wolff: Die Geschichte Ecuadors und Lateinamerikas. In: Radio HCJB. Die Stimme der Anden, S. 116–118, (PDF; 1,2 MB).
  4. Panama Weaves and Qualities. In: panamahats.co.uk, abgerufen am 7. März 2016.
  5. Nathaniel Cerf: How to Grade a Panama Hat. In: hats-plus.com, 12. Mai 2012, aufgerufen am 25. Januar 2017.
  6. Cyril Foiret: The Hat for $100,000. In: Trendland, 11. August 2009, (englisch), aufgerufen am 25. Januar 2017.