Paneuropa-Union

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Flagge der Paneuropa-Union
Otto von Habsburg 1991 bei der Verleihung des Coudenhove-Kalergi-Preises der Paneuropa-Union an Helmut Kohl

Die Paneuropa-Union (alternative Schreibweise Paneuropaunion) ist die älteste europäische Einigungsbewegung und zugleich eine Panbewegung.[1] Sie tritt im Sinne des europäischen Föderalismus für ein politisch und wirtschaftlich geeintes, demokratisches und friedliches Europa auf Grundlage des christlich-abendländischen Wertefundaments ein. Die Paneuropa-Union wurde 1922 von Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi unter dem Eindruck der Schrecken des Ersten Weltkriegs gegründet.[2]

Als historische Mitglieder führt die Paneuropa-Union unter anderem Albert Einstein, Thomas Mann, Franz Werfel, Salvador de Madariaga, Charles de Gaulle, Aristide Briand, Paul Löbe, Konrad Adenauer, Kurt Schuschnigg, Alfons Goppel, Franz Josef Strauß, Bruno Kreisky, Raymond Barre und Georges Pompidou an. Ab 1933 von den Nationalsozialisten in Deutschland verboten, wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergegründet.

Präsident der internationalen Paneuropa-Union war von 1973 bis 2004 Otto von Habsburg, der anschließend bis zu seinem Tode 2011 internationaler Ehrenpräsident war. Neuer internationaler Präsident seit 2004 ist der Vorsitzende der französischen Paneuropa-Union, Alain Terrenoire.[3]

Deutscher Präsident ist der CSU-Europa-Abgeordnete Bernd Posselt. Seine Amtsvorgänger waren der langjährige Vizepräsident des Europäischen Parlamentes und spätere Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof, Siegbert Alber, sowie der frühere bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel.

1975 gründete Bernd Posselt die Paneuropa-Jugend Deutschland; deren jetziger Vorsitzender ist Franziskus Posselt.

Politisches Wirken[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte die Paneuropa-Union aktiv die europäische Integration. Gleichzeitig übte sie Kritik an der einseitig wirtschaftlichen Ausrichtung und dem technokratischen Funktionalismus der sich bildenden Institutionen. Auch ihr christlich-konservatives Profil grenzte sie gegenüber anderen proeuropäische Organisationen ab. 1965 kam es zum Bruch mit der Europäischen Bewegung, als diese sich während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes offen für den sozialistischen Herausforderer François Mitterrand aussprach, während die Paneuropa-Union den konservativen Charles de Gaulle unterstützte.

Während des Kalten Krieges nahm die Paneuropa-Union eine offensive Haltung gegenüber den sozialistischen Staaten Osteuropas ein und unterstützte dortige Oppositionsbewegungen. Es wurden Untergrundgruppen der Paneuropa-Union gebildet, die in diesen Ländern am Sturz des sozialistischen Systems mitarbeiteten.[4] So wurde zum Beispiel die Paneuropa-Union Böhmen und Mähren noch vor der Samtenen Revolution von ihrem heutigen Präsident Rudolf Kučera gegründet. Weltweite Beachtung fand auch das am 19. August 1989 von ihr organisierte Paneuropäische Picknick bei Sopron, das 661 DDR-Bürgern zur Ausreise über die ungarisch-österreichische Grenze nutzten.

Nach dem Zusammenbruch der Ostblockstaaten galt das Hauptaugenmerk zunächst der Herausführung der bestehenden Untergrundgruppen in die Legalität sowie dem Aufbau neuer Länder-Organisationen. Heute stellt die Osterweiterung der Europäischen Union einen Arbeitsschwerpunkt dar.

Programm[Bearbeiten]

Mit dem Bamberger Programm von 1996 wurden die Zielsetzungen der neuen politische Lage in Europa angepasst. Danach setzt sich die Paneuropa-Union für die Einigung Europas auf der Basis weitreichender Volksgruppen- und Minderheitenrechte sowie des Rechtes auf die Heimat ein.[5] Dieses Europa soll zu einer politisch nach außen und innen voll handlungsfähigen Einheit weitergebildet werden, die keiner fremden Macht untergeordnet ist. Sie befürwortet ein selbstbewusstes Handeln der Europäischen Union in der internationalen Politik im Rahmen eines militärisch geeinten Europa, das überall in der Welt für seine Interessen und für die Ideale der Freiheit und der Menschenrechte eintritt.

Weiter erstrebt die Paneuropa-Union ein Europa auf Basis des Christentums und kämpft gegen alle Tendenzen, die die geistige und moralische Kraft Europas zerstören, wie Nihilismus, Atheismus und einen unmoralischen Konsumismus. Diese konservative Grundhaltung kommt ebenfalls in der Definition der Familie als natürliche Gemeinschaft, sowie in der Ablehnung von Abtreibung, Euthanasie und Genmanipulation zum Ausdruck.

Die deutsche Paneuropa-Union steht der CSU sowie den Vertriebenenverbänden nahe. Im Gegensatz zu einigen anderen konservativen Organisationen ist sie jedoch klar pro-europäisch und EU-freundlich.

Paneuropa-Bewegung Österreich[Bearbeiten]

Die Paneuropa-Bewegung Österreich ist Mitglied der Paneuropa-Union. Sie gliedert sich in die gesamtösterreichische Bundesorganisation und die neun Landesgruppen und wurde von Mitgliedern des ehemaligen Kaiserhauses Habsburg ins Leben gerufen. Untergliederungen sind die hochschulpolitisch aktive Junge europäische Studenteninitiative (JES) und die Paneuropajugend. Präsident ist seit 1986 Karl Habsburg-Lothringen.

Das Ideal der Paneuropabewegung, ein nach christlichen Wertvorstellungen aufgebautes Europa, wird von der Paneuropa-Bewegung Österreich in ihrer Zeitschrift Paneuropa Österreich (vorherige Titel: 1976–1987: Österreich konservativ, 1988–1992: Österreich Paneuropa), in weiteren Publikationen und zahlreichen Veranstaltungen, getreu dem Wahlspruch der Paneuropäer In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas verbreitet.

Die Paneuropa-Bewegung Österreich entstand aus der „Aktion Österreich Europa“, nachdem Otto von Habsburg 1973 Präsident der Paneuropa-Union geworden war. Basierend auf dieser Bindung an das Habsburger-Haus hatte 1967 die erstere noch Monarchistische Bewegung Österreichs geheißen.

1996 geriet die österreichische Paneuropa-Bewegung im Zusammenhang mit dem World-Vision-Spendenskandal indirekt in negative Schlagzeilen. Der ehemalige Geschäftsführer Wolfgang Krones (damals Generalsekretär von Paneuropa-Österreich) und seine Frau, die Geschäftsführerin von „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ Martina Taurer-Krones, hatten Spenden des Hilfswerkes zu Paneuropa umgeleitet. Ein Prüfbericht von KPMG bestätigte Geldflüsse von rund 640.000 Schilling, ein Teil davon floss 1996 in den EU-Wahlkampf von Karl Habsburg-Lothringen. Krones und Martina Taurer-Krones wurden 2004 rechtskräftig verurteilt. Erst 2004 zahlte Karl Habsburg jene 36.899 Euro an den Nachfolgeverein World Vision - Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung zurück, die – laut Habsburg ohne sein Wissen – zur Wahlkampffinanzierung gedient hatten.

Verfolgung im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die Nationalsozialisten, die den Begründer der Paneuropa-Bewegung nach ihrer Ideologie als „Mischling“ bezeichneten und ihn auch auf Grund der politischen Inhalte seiner Schriften 1938 zur Auswanderung zwangen, verboten die Paneuropa-Union im Jahre 1933. Otto von Habsburg wurde steckbrieflich gesucht und ebenso ins Exil gezwungen, da er sich weigerte Hitler persönlich zu treffen und der NS-Ideologie ablehnend gegenüberstand.[6] Die paneuropäische Idee stand in klarem Kontrast zur Rassenlehre Alfred Rosenbergs und völkischem Gedankengut. Coudenhove-Kalergi wurde als Freimaurer diffamiert und Mitglieder der Paneuropa-Union in Konzentrationslager deportiert.[7]

Verfolgung in sozialistischen Systemen[Bearbeiten]

Sozialistische Diktaturen wie die DDR und die Sowjetunion bekämpften die Paneuropa-Bewegung als „rechtskonservativ und monarchistisch“. Die DDR-Führung sah in der Paneuropa-Bewegung, die eine klare Haltung gegen die Unterdrückung der Freiheit in der Sowjetunion und in deren Satellitenstaaten einnahm, ihr Feindbild des Kapitalismus und des Chauvinismus und eine Bedrohung für ihren Staat (Paneuropa-Picknick). Die Paneuropa-Union, die Paneuropa-Jugend und das Brüsewitz-Zentrum standen danach unter ständiger Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Insbesondere ihre christliche und konservative Ausrichtung machten sie zur Zielscheibe für Repression. Der europäischen Einigung, dem Kernanliegen der PEU, stand die SED äußerst skeptisch gegenüber.[8]

Kritik nach 1945[Bearbeiten]

Die Europa-Union Deutschland grenzte sich von der Paneuropa-Union in den 1950er-Jahren ab.[9] Meinungsunterschiede zwischen den beiden föderalistischen Bewegungen bestanden vor allem wegen der transatlantischen Ausrichtung der Europa-Union, während die PEU eher den Standpunkt des Gaullismus vertrat. Heutzutage sind diese Unterschiede jedoch kaum noch spürbar.

Der Journalist Stefan Mayr stufte sie 2010 in der Süddeutschen Zeitung darüber hinaus als „erzkonservativ“ ein.[10] Die Bundeszentrale für politische Bildung sieht sie hingegen als konservative Kraft unter den europafreundlichen Bewegungen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vanessa Conze: Das Europa der Deutschen; Ideen von Europa in Deutschland zwischen Reichstradition und Westorientierung (1920-1970); Oldenbourg Wissenschaftsverlag; 2005; ISBN 978-3-486-57757-0. Auszüge online bei google books
  • Otto von Habsburg: Die Paneuropäische Idee. Eine Vision wird Wirklichkeit. Amalthea, Wien / München 1999, ISBN 3-85002-424-5
  • Anita Ziegerhofer-Prettenthaler: Botschafter Europas. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi und die Paneuropa-Bewegung in den zwanziger und dreißiger Jahren. Böhlau, Wien 2004, ISBN 3-205-77217-2.
  • Richard N. Coudenhove-Kalergi: Pan-Europa. Der Jugend Europas gewidmet. Amalthea, Wien / München 1987, ISBN 3-85002-239-0.
  • Richard N. Coudenhove-Kalergi: Die Europäische Nation, Deutsche Verlagsanstalt 1953.
  • Richard N. Coudenhove-Kalergi: Totaler Staat, Totaler Mensch. Paneuropa-Verlag Glarus (jetzt Augsburg) 1937.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paneuropa-Union – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTilman Lüdke: Pan-Ideologien. In: Europäische Geschichte Online. 30. August 2012, abgerufen am 1. Oktober 2014 (deutsch).
  2. Oliver Burgard: Europa von oben. - Warum die politischen Initiativen für eine Europäische Union nach dem Ersten Weltkrieg scheiterten. In: Zeit Nr. 3 vom 13. Januar 2000
  3. französische wikipedia Dort heißt es: er wurde im Dezember 2004 auf Vorschlag seines Vorgängers Otto von Habsburg zu seinem Nachfolger gewählt.
  4. Siehe http://www.ronsperg.de/Coudenhove3.htm
  5. Alle Zitate in diesem Teil aus http://www.paneuropa.org/de/bambprg.pdf
  6. http://de.paneuropa.org/index.php/pan/geschichte
  7. vgl. Schwarz 1938 (mit Vorwort von Reinhard Heydrich) [1]
  8. Joachim Scholtyseck: Die Aussenpolitik der DDR. 2003, S. 5 f.
  9. vgl. insb. Conze 2001: 204 online bei google books
  10. Stefan Mayr: Umzug ins Franziskanerinnen-Kloster: Mixa findet ein neues Zuhause. In: Süddeutsche Zeitung vom 19. Juli 2010 [2]
  11. http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/177182/paneuropa-union