Panikherz

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Panikherz ist ein autobiografischer Roman des deutschen Schriftstellers Benjamin von Stuckrad-Barre, der am 10. März 2016 im Publikumsverlag Kiepenheuer & Witsch erschien. Der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 41-jährige Autor beschreibt auf 564 Seiten, unterteilt in 39 Kapiteln, sein Leben, beginnend mit seiner Jugend in Niedersachsen, seinem beruflichen Erfolg als Schriftsteller, dem drogeninduzierten Abstieg und den mehrfachen Rehabilitationen.

Die Autobiografie erschien zeitgleich auch als Hörbuch, gelesen vom Autor selbst.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der autobiografische Roman beschreibt die Kindheit des Autors in der Kreisstadt Rotenburg (Wümme), seine Jugend als Pastorensohn in Göttingen und vom abgebrochenen Germanistik-Studium in Hamburg, wo er Praktika beim Indie-Plattenlabel L’age d’or[2] und der taz annimmt und als Kritiker für die Musikfachzeitschrift Rolling Stone arbeitet.[3] Er wird Produktmanager bei der Plattenfirma Motor Music,[4] Gagschreiber bei der Harald Schmidt Show und später Popliterat,[5] der bereits im Alter von 23 seinen ersten, sehr erfolgreichen Roman Soloalbum im Jahr 1998 veröffentlicht.[1] Es folgen eine bulimische Essstörung, der Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Alkoholismus und Kokainsucht sowie mehrere Klinik- und Entzugsstationenaufenthalte.[6] Für Lars Friedrich von ttt ist das Buch „Stuckrad-Barres Suchtbilanz“.[7] Ferner wird das lebenslange Verhältnis des Protagonisten zum Musiker Udo Lindenberg und dessen Musik ausführlich erläutert.[4] 2015 fliegt der Autor mit dem Musiker nach Los Angeles, um im Chateau Marmont Hotel zu wohnen.[8]

Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman war 2016 von Kalenderwoche 13 bis 42 in der Kategorie Sachbücher in der Spiegel-Bestsellerliste vertreten, davon die erste Woche auf Platz eins.[9] Es wird auf Platz 85 der „meistverkauften Bücher 2016“ beim Online-Händler Amazon.com geführt.[10]

Lesung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschlandweite Lesereise startete am 14. März 2016 in der Markthalle Hamburg[11] und endete am 28. April 2016 in Freiburg im Breisgau.[12]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Benjamin von Stuckrad-Barre findet in seinem sehr selbstbezogenen Buch ‚Panikherz‘ genaue Worte und zärtlichen Humor – selbst für das Wrack, das sich in seiner Kotze windet.“

„‚Panikherz‘ ist ein Krankenbericht. Oder um im Pop-Genre zu bleiben, ein ‚Confessional Album‘, wie man die musikalischen Offenbarungen nennt, mit denen sich Stars aus den Trockengebieten der Rekonvaleszenz zurückmelden. […] Auch ‚Panikherz‘ leidet an den notorischen Schwächen des Genres, am Selbstmitleid und an der Überschätzung des Autors, wie viele Details und Wegstrecken er den Lesern zumuten kann, ohne sie zu langweilen. […] Das Buch hangelt sich von Satz zu Satz, von Szene zu Szene, die einzeln oft brillant sind, als Ganzes aber nicht vom Fleck kommen. Das Ungreifbare wird zur Unentschlossenheit.“

„Reflexion, zu der Stuckrad-Barre sich jetzt genötigt sieht, ist weniger seine Stärke. Die Kultur- und Medienkritik, zu der er sich aufschwingt, ist doch sehr von der Stange: Leute, die nur noch fotografieren, statt etwas zu erleben; das Altern der Popkultur und ihrer Protagonisten; das ‚Handgemachte‘ in der Musik als ‚Authentizitätskitsch‘; die Beach Boys, die in Wahrheit wasserscheu waren – man hat das schon tausendmal gehört und wundert sich, wie dieser so auf Originalität erpichte Autor überhaupt noch davon anfangen mag.“

„In ‚Panikherz‘ erzählt Stuckrad-Barre aus dem Backstage-Bereich dieser Show, die sein Leben war. Von dem Glanz und dem Dreck, von der Lust und den Schmerzen dieser Jahre und wie er sie erst gesteigert und dann betäubt hat, mit Musik, dann mit Alkohol, mit Drogen, bis es nicht mehr ging. Und er seziert wieder, diesmal sich selbst.“

Frauke Hunfeld: stern[16]

„Nun ist, genau 18 Jahre nach seinem Debüt Soloalbum, aber doch sein ‚Greatest Hits‘-Album aus ihm erwachsen, ein Roman, von dem niemand mehr glaubte, dass er je erscheinen würde, am wenigsten der Autor selbst, der während des Entzugs in einer Suchtklinik an vollgekritzelten Entwürfen verzweifelte. Panikherz heißt das Buch – und es markiert wohl nicht weniger als das Ende dessen, was wir Popliteratur nennen.“

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 veröffentlichte der Krefelder Musiker Patrick Richardt auf seinem Album Soll die Zeit doch vergehen einen Song mit dem Titel Panikherz in Anspielung auf Stuckrad-Barres Roman.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Claudio Campagna: Überleben mit Udo. In: Norddeutscher Rundfunk. 13. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  2. Sascha Seiler: Leider nur Vakuum. In: literaturkritik.de. 4. April 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  3. Exklusiv im neuen Rolling Stone. In: Rolling Stone. 24. Februar 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  4. a b Joe Paul Kroll: Comebackalbum. In: Culturmag. 3. Mai 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  5. Jan Drees: Abschied von der Nacht. In: Bayerischer Rundfunk. 21. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  6. Gerrit Bartels: Gnade des zweiten Akts. In: Der Tagesspiegel. 10. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  7. Lars Friedrich: Panikherz. In: ttt – titel, thesen, temperamente. 13. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  8. Ingmar Volkmann: Udo Lindenberg hat ihn geheilt. In: Stuttgarter Zeitung. 14. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  9. Panikherz. In: Buchreport. Abgerufen am 1. November 2016.
  10. Marcel Behling: Bestseller: Die meistverkauften Bücher 2016. Abgerufen am 1. November 2016.
  11. dpa: Großes Kino: Stuckrad-Barre startet Lesetour. In: Westfälische Nachrichten. 15. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  12. „Zwischen Rausch und Ruhm“. In: KulturJoker. 28. April 2016, abgerufen am 10. November 2016.
  13. Friedrich Küppersbusch: Stuck in the middle with you. In: Spiegel Online. 12. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  14. Andrian Kreye: Die Spießigkeit der Drogensucht. In: Süddeutsche Zeitung. 9. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  15. Edo Reents: Der Dauerrausch als Haltung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  16. Frauke Hunfeld: Die Show, die sein Leben war. In: Stern. 13. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  17. Florian Illies: Der verlorene Sohn. In: Die Zeit, Ausgabe Nr. 13/2016. 31. März 2016, abgerufen am 1. November 2016.