Pannonische Tiefebene

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Reliefkarte: Europa
marker
Pannonische Tiefebene
Magnify-clip.png
Europa
links Kleine Ungarische Tiefebene (Ländersymbole A, H1, SK), mittig Große Ungarische Tiefebene (H2) mit Batschka/Banat (HR, SR, RO)
Sedimente des Pannonischen Beckens „von unten“ gesehen

Die Pannonische Tiefebene (auch Pannonisches Becken oder Karpatenbecken) ist ein ausgedehntes Tiefland im südlichen Ostmitteleuropa, das vom Mittellauf der Donau und vom Unterlauf der Theiß durchquert wird. Das Becken liegt großteils in Ungarn, doch haben fünf weitere Staaten Anteil daran. Geologisch hängt es mit dem (viel kleineren) Wiener Becken und der Gebirgsbildung des Karpatenbogens zusammen. Die Tiefebene ist – durch die Karpaten separiert – der westlichste Teil des eurasischen Steppengürtels, einer großen Vegetationszone.

Herkunft des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name ist von Pannonia abgeleitet, das seit 9 n. Chr. eine römische Provinz war, und dem dort lebenden Volk der Pannonier. Pannonia umfasste das östliche Ungarn, jedoch nicht mehr Teile des heutigen Slowenien und Kroatien zwischen den großen Flüssen Drau und Save.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ungarische Mittelgebirge (beim Donauknie) teilt sie in einen kleineren Westteil (Kleine Ungarische Tiefebene) und einen größeren Ostteil (Große Ungarische Tiefebene), zu dem morphologisch auch die im Süden angrenzenden Gebiete von Batschka, Srem und Banat gehören. Die Pannonische Tiefebene erstreckt sich von West nach Ost über fast 400 Kilometer; und von Nord nach Süd dehnt sie sich über fast 300 Kilometer aus.

Geologisch stellt die Tiefebene eines der großen Sedimentbecken Europas dar [1], dessen bis 8 km mächtige Ablagerungen von der Paratethys in einer vom frühen Tertiär bis zum Pliozän andauernden Senkungsperiode gebildet wurden. Hauptsächlich entstand die Beckenfüllung im Miozän – in dem nach Pannonien benannten Zeitabschnitt Pannon vor 5–10 Millionen Jahren, als das Meer austrocknete, das diesen Raum bisher eingenommen hatte. Die Pannonische Tiefebene wird von den Gebirgszügen der Alpen (östliche Ausläufer), der Karpaten, des Balkangebirges und der Dinarischen Alpen umringt.

Politisch gehört die Pannonische Tiefebene heute zu sieben verschiedenen Staaten. Sie umfasst den größten Teil Ungarns, den Ostrand Österreichs (nördliches Burgenland mit Seewinkel, Rand des Wiener Beckens), die südlichen Tiefländer der Slowakei (Umgebung von Bratislava, die Donau-Schüttinseln und das ostslowakische Tiefland um Košice), das Kreischgebiet und das Banat im Westen Rumäniens, die Syrmien und die Batschka im Norden Serbiens, den slawonischen Nordosten Kroatiens und den äußersten Westen der Ukraine (Oblast Transkarpatien).

Refugium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die das Karpatenbecken umschließenden Karpaten entwickelten während der letzten Kaltzeit teilweise keinen Permafrostboden und konnten daher einen waldreichen Refugialraum für viele heute in Europa heimische Tier- und Pflanzenarten bewahren.[2] Der Erhalt vieler Unterarten spielte neben den beiden anderen großen Refugialräumen auf der Iberischen Halbinsel und Italien für die Wiederbesiedelung Europas zu Beginn des Holozäns und dessen daraus resultierende Biodiversität eine bedeutende Rolle.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BREU J.: Der Atlas der Donauländer des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts. In: MÖGG Bd. 109, Wien 1967. S. 239ff
  • GAGER E.: Grenzraum Ostösterreich-Westungarn. In: Hitz H., Wohlschlägl H. hg.: Das östliche Österreich und benachbarte Regionen. Geographischer Exkursionsführer zum Deutschen Geographentag in Wien 2009. S. 531ff
  • HÜBL H.: Pflanzengeographie des pannonischen Raumes. In: Burgenländische Heimatblätter H. 1, Eisenstadt 1979
  • KREBS Norbert: Die Ostalpen und das heutige Österreich. Wien 1929
  • MOLNAR B.: Sedimentgeologische Untersuchungen in Pliozänen und Pleistozänen Ablagerungen im Osten des ungarischen Tieflandes. In: Geologische Rundschau H. 12, 1964
  • RUNGALDIER R.: Städte und Landschaften Pannoniens. In: MÖGG Bd. 78, Wien 1935. S. 178ff
  • SCHÖNLAUB H.P: Erläuterungen zur geologischen Karte des Burgenlandes. hg. Geologische Bundesanstalt Wien, 2000

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Molnar B. 1964
  2. Józef Mitka, Wojciech Bąba, Kazimierz Szczepanek: Putative forest glacial refugia in the Western and Eastern Carpathians. In: Modern Phytomorphology, Band 5, 2014, S. 85–92.