Pansexualität

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Pride-Flagge der Pansexuellen, 2010 entworfen auf Tumblr:[1][2]
Pink = Zuneigung zum weiblichen Spektrum
Gelb = Zuneigung zu nichtbinären Geschlechtsidentitäten
Blau = Zuneigung zum männlichen Spektrum

Pansexualität, kurz pansexuell (von der altgriechischen Vorsilbe pan „gesamt, umfassend, alles“, und Sexualität), bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der Personen in ihrem Begehren keine Vorauswahl nach Geschlecht oder Geschlechtsidentität treffen.[3][4][5] Pansexuelle Menschen machen nicht vom Geschlecht abhängig, wen sie begehren und lieben, das können auch transgeschlechtliche, nichtbinäre oder intergeschlechtliche Personen sein. Deren Geschlecht spielt für Pansexuelle keine Rolle, dabei kann die Anziehung spirituell, emotional, romantisch, physisch und/oder sexuell sein.[6] Das LSBTIQ-Lexikon der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung schreibt 2017: „richten pansexuelle Menschen ihr Begehren auf Personen, die vielfältigste Geschlechtsidentitäten haben können, jedoch steht bei ihnen das individuelle Interesse an der Person unabhängig von ihrem Geschlecht im Vordergrund.“[7] Demgegenüber begehren und lieben bisexuelle Menschen nur Männer und Frauen. Von der pansexuellen Orientierung unterscheidet sich die pangender Geschlechtsidentität („allgeschlechtlich“).

Die Bezeichnung Omnisexualität, kurz omnisexuell (von lateinisch omnis „ganz, jeder, alle“), wird meist in gleicher Bedeutung wie pansexuell verwendet,[8] so auch vom LSBTIQ-Lexikon 2017: „Omnisexualität ist eine sexuelle Orientierung, die Menschen für sich in Anspruch nehmen, die sich zu allen Geschlechtern sexuell und/oder emotional hingezogen fühlen. Omnisexuelle Menschen richten ihr Begehren auf die Vielfalt von Geschlechtern, einschließlich, zwischen und jenseits der binären Geschlechter Mann und Frau.“[9] Ein erklärender Artikel in der englischsprachigen Cosmopolitan sieht 2021 einen Unterschied zur pansexuellen Orientierung: Omnisexuelle würden die begehrten Personen sehr wohl nach ihrem Geschlecht unterscheiden und die Verschiedenheiten der Geschlechter wertschätzen.[10]

Die Bezeichnung Polysexualität oder polysexuell (von altgriechisch poly „viele“) unterscheidet sich von Pansexualität nach einer Definition von 2013: „sexuelle Anziehung für viele, aber nicht alle Gender“.[11] Das Regenbogenportal des deutschen Familienministeriums definiert 2020: „Polysexuelle Menschen hingegen fühlen sich zu mehreren, aber nicht allen, Geschlechtern hingezogen. Welche Geschlechter dies konkret sind, unterscheidet sich individuell.“[12]

In der Psychiatrie hat Pansexualität eine andere Bedeutung als diagnostisches Symptom bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Auch der Begriff des Pansexualismus entstammt einem anderen Zusammenhang und war eine frühe abschätzige Bezeichnung der Psychoanalyse von Sigmund Freud.

Siehe auch

Portal: Homo- und Bisexualität – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Homo- und Bisexualität
Portal: Liebe, Sexualität und Partnerschaft – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Liebe, Sexualität und Partnerschaft

Literatur

  • Elisabeth Tuider: Polysexuell, pansexuell, queer: Heteronormativitätskritik und die Pädagogik. In: Anja Kraus (Hrsg.): Körperlichkeit in der Schule: Aktuelle Körperdiskurse und ihre Empirie. Band 5: Sexualität und Macht (= Pädagogik: Perspektiven und Theorien. Band 23). Athena, Oberhausen 2012, ISBN 978-3-89896-502-6, S. 11–35 (online auf academia.edu).

Weblinks

Wiktionary: Pansexualität – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Flyer von Frank Thies: Echte Flaggen-Vielfalt. Rellingen, 10. Mai 2021 (gefördert vom Familienministerium Schleswig-Holstein; PDF: 268 kB, 2 Seiten auf echte-vielfalt.de).
  2. Pansexual Pride Flag: Colour Symbolism. In: Tumblr.com. 11. August 2010, abgerufen am 30. Juni 2021 (englisch).
  3. Worteintrag: pansexual. In: Dictionary.com. Abgerufen am 31. Mai 2021 (englisch).
  4. Artikel: Gender, Identity, and Sexual Orientation, Sexual Orientation: Pansexuality. In: SexInfoOnline. University of California, 3. Dezember 2019, abgerufen am 31. Mai 2021 (englisch).
  5. Donald E. Tarver II: Transgender Mental Health: The Intersection of Race, Sexual Orientation, and Gender Identity. In: Billy E. Jones, Marjorie J. Hill (Hrsg.): Review of Psychiatrie: Mental health issues in lesbian, gay, bisexual, and transgender communities. Band 21, Nr. 4. American Psychiatric Publishing, Washington 2002, ISBN 1-58562-069-6, Kapitel 5, S. 95 (englisch; Seitenvorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Bonnie Kruse: Pansexuell – was ist das? In: PraxisVita.de. 10. September 2019, abgerufen am 9. Juli 2021.
  7. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Pansexualität / pansexuell. In: LSBTIQ-Lexikon. 27. März 2017, abgerufen am 16. März 2021.
  8. Misty M. Ginicola, Cheri Smith, Joel M. Filmore (Hrsg.): Affirmative Counseling with LGBTQI+ People. John Wiley & Sons, New York 2017, ISBN 978-1-119-37549-4, S. 365–366 (englisch; Glossar; Seitenvorschauen in der Google-Buchsuche).
  9. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Omnisexualität / omnisexuell. In: LSBTIQ-Lexikon. 27. März 2017, abgerufen am 16. März 2021.
  10. Candice Jalili, Taylor Andrews: Omnisexual. In: Cosmopolitan. 17. Mai 2021, abgerufen am 9. Juli 2021 (englisch).
  11. Mykel Board: Pimple No More. In: Naomi S. Tucker (Hrsg.): Bisexual Politics: Theories, Queries, and Visions. Routledge, New York 2013, ISBN 978-1-56023-869-0, S. ?? (englisch; Aufsatzsammlung, erstveröffentlicht 1995).
  12. Eintrag: Pan, poly – und warum überhaupt einordnen? Vielfalt von Labels. In: RegenbogenPortal.de. 2020, abgerufen am 12. Juli 2021 (gefördert vom deutschen Familienministerium).