Pantoprazol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Pantoprazol-Enantiomere
(R)-Form (oben) und (S)-Form (unten)
Allgemeines
Freiname Pantoprazol
Andere Namen
  • IUPAC: (RS)-5-(Difluormethoxy)-2- [(3,4-dimethoxy-2-pyridyl) methylsulfinyl] benzimidazol
  • (±)-5-(Difluormethoxy)-2- [(3,4-dimethoxy-2-pyridyl) methylsulfinyl] benzimidazol
  • Latein: Pantoprazolum
Summenformel
  • C16H15F2N3O4S (Pantoprazol)
  • C16H14F2N3NaO4S (Pantoprazol·Natriumsalz)
CAS-Nummer
  • 102625-70-7 (Pantoprazol)
  • 138786-67-1 (Pantoprazol·Natriumsalz)
  • 164579-32-2 (Pantoprazol·Natrium·Sesquihydrat)
PubChem 4679
ATC-Code

A02BC02

DrugBank DB00213
Kurzbeschreibung

farbloses kristallines Pulver (Pantoprazol·Natriumsalz)[1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Protonenpumpenhemmer Ulkustherapeutikum

Wirkmechanismus

Inhibitor der Protonen-Kalium-Pumpe

Eigenschaften
Molare Masse
  • 383,37 g·mol−1 (Pantoprazol)
  • 405,35 g·mol−1 (Pantoprazol·Natriumsalz)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

139–140 °C (Pantoprazol)[2]

Löslichkeit

leicht löslich in Ethanol, löslich in Wasser, schlecht in Hexan[3]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]

Natrium·Sesquihydrat

07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [4]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][3]

Xn
Gesundheits-
schädlich
Pantoprazol·Natrium·Sesquihydrat
R- und S-Sätze R: 20/21/22​‐​52/53
S: 24/25​‐​36/37​‐​57​‐​61
Toxikologische Daten

1000 mg·kg−1 (LD50Mausoral, Natriumsalz)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Pantoprazol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer, der zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Refluxösophagitis eingesetzt wird.

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indikationen / Anwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pantoprazol entfaltet seine Wirkung in den Parietalzellen der Magenschleimhaut, wo es als irreversibler Hemmstoff der H+/K+-ATPase dient. Dadurch kommt es zu einer Verminderung der Salzsäureproduktion im Magen, und der pH-Wert des Magensafts steigt an. Dies führt zu weniger aggressivem Magensaft, was wiederum die beschleunigte Heilung von Magenwandverletzungen (bspw. Schleimhauterosionen oder Magengeschwüren) begünstigt.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die anderen Protonenpumpenhemmer auch gilt Pantoprazol als relativ sicher und ist weitgehend gut verträglich. Selten auftretende Nebenwirkungen sind Durchfälle, Schwindel, Müdigkeit und Kopfschmerzen.[6] Im Vergleich zu Omeprazol wurde eine höhere Zahl von Patienten, bei denen Muskelschmerzen auftraten, beobachtet.[7] Sehr selten werden Thrombozytopenien beobachtet.[8] Inwiefern diese kausal durch das Medikament verursacht werden, ist bisher nicht belegt.[9] 2013 wurde in einer Studie festgestellt, dass bei einer Langzeitmedikation das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels deutlich ansteigt.[10]

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chemische und pharmazeutische Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stereoisomerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pantoprazol besitzt ein Stereozentrum am Schwefelatom, es ist also chiral. Der Arzneistoff ist ein Racemat, besteht also aus einem 1:1-Gemisch der (R)-Form und der dazu spiegelbildlichen (S)-Form.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pantoprazol wurde 1986 von Byk Gulden (heute Takeda) patentiert.[2]

Tiermedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Lebensmittel liefernden Tieren ist die Anwendung nicht erlaubt, da es in keinem Anhang zur Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 über Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände in Nahrungsmitteln aufgeführt ist.

Wechselwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pantoprazol kann bei Urin-Schnelltests ein falsch-positives Ergebnis zu THC verursachen.[11]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Azidex (A), Azidosan (A), Gastroloc (A), Gastrozol (D, A), Panprabene (A), Panprax (CH), Pantip (A), Pantoloc (A), Pantozol (D, CH), Prazopant (A), Rifun (D), Zurcal (A, CH), Controloc (PL), zahlreiche Generika (D, A, CH), Protonix (USA)

Kombinationspräparate

Zacpac (D)[12][13][14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 1209–1210.
  2. a b c Eintrag zu Pantoprazol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 10. November 2014.
  3. a b Datenblatt PANTOPRAZOLE SODIUM SESQUIHYDRATE CRS (PDF) beim EDQM, abgerufen am 12. Juni 2009.
  4. a b Datenblatt Pantoprazole sodium hydrate bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 16. April 2011 (PDF).
  5. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  6. E. Schönig, D. Taubert: Gastrointestinale Erkrankungen. In: B. Lemmer, K. Brune (Hrsg.): Pharmakotherapie - Klinische Pharmakologie. 13. Auflage. Heidelberg 2007, S. 325.
  7. J. Labenz, K. Petersen, W. Rösch, H. Koelz: Auswahl von Protonenpumpeninhibitoren. In: Deutsches Ärzteblatt. Jg. 99, Heft 37, 13. September 2002, S. 2425–2429.
  8. T. D. Watson, J. E. Stark, K. S. Vesta: Pantoprazole-induced thrombocytopenia. In: Ann Pharmacother. 40(4), Apr 2006, S. 758–761. PMID 16569810.
  9. E. Dotan, R. Katz, J. Bratcher, C. Wasserman, M. Liebman u. a.: The prevalence of pantoprozole associated thrombocytopenia in a community hospital. In: Expert Opin Pharmacother. 8(13), Sep 2007, S. 2025–2028. PMID 17714057.
  10. Jameson R. Lam, Jennifer L. Schneider, Wei Zhao, Douglas A. Corley: Proton Pump Inhibitor and Histamine 2 Receptor Antagonist Use and Vitamin B12 Deficiency. In: Journal of the American Medical Association. Vol 310, No. 22, 11. Dezember 2013. doi:10.1001/jama.2013.280490
  11. labeling.pfizer.com
  12. Rote Liste online, Stand: Oktober 2009.
  13. AM-Komp. d. Schweiz, Stand: Oktober 2009.
  14. AGES-PharmMed, Stand: Oktober 2009.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!