Panzano in Chianti

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Panzano in Chianti ist ein Ortsteil von Greve in Chianti in der Metropolitanstadt Florenz, Region Toskana in Italien.

Panorama von Panzano in Chianti

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt ca. 5 km südlich des Hauptortes Greve in Chianti und ca. 30 km südlich der Regional- und Provinzhauptstadt Florenz im Gebiet des Chianti an der Grenze zur Provinz Siena. Der Ort liegt bei 498 m[1] und hat ca. 1000 Einwohner[2]. Nordöstlich von Panzano in Chianti fließt der Greve, südwestlich der Pesa. Der Ort Mercatale in Val di Pesa (Gemeinde San Casciano in Val di Pesa) liegt ca. 15 km nordwestlich, San Donato in Poggio (Gemeinde Tavarnelle Val di Pesa) liegt ca. 7 km westlich, Castellina in Chianti liegt ca. 10 km südlich und Radda in Chianti liegt ca. 10 km südöstlich. Siena liegt ca. 30 km südlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Siedlungen in der Gegend entstanden durch die Etrusker.[3] Erstmals dokumentiert wurde der Ort am 2. Oktober 1041[4] in einem Schriftstück der Abtei Badia di Passignano[5] (liegt heute im Gemeindegebiet von Tavarnelle Val di Pesa). Weitere Erwähnung erfuhr der Ort am 30. März 1085 in einem Dokument der Pievere di San Leolino a Flacciano und 1103 von Papst Paschalis II. (plebem Sancti Leolini sitam in Panzano cum curte[6]). Der Ursprung der Burg ist unbekannt, sie entstand wahrscheinlich durch die Guidi oder durch die Republik Florenz, die die Burg als Außenposten zur Verteidigung gegen Angriffe aus Siena nutzte.[4] Danach herrschte die Familie der Firidolfi (später Firidolfi-Ricasoli) im Ort. Der Ort Panzano wurde aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Guelfen[5] nach der Schlacht von Montaperti 1260 zerstört.[4][7] Das an der Burg anliegende Borgo entstand im 12. Jahrhundert als Marktplatz.[8] Der Burgherr Messer Luca di Totto da Panzano[7] nahm 1378 am Ciompi-Aufstand in Florenz Teil und verlor dadurch seine Eigentümer in Panzano.[5] Nach der Niederlage der Republik Siena im Konflikt mit Florenz 1555 verlor der Ort seinen Stellenwert als Grenzburg an der Grenze zu Siena und damit seine strategische Position.[4] Zu dieser Zeit entstand die Häuserreihe unterhalb des Borgo,[6] die heute zur Piazza Gastone Bucciarelli an der Hauptstraße führt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche Santa Maria im Ortskern
  • Castello di Panzano, Burg im Ortskern, die 1250 in den Bund der Val di Greve eintrat.[9] Wurde 1397 von Siena und Alberico da Barbiano eingenommen. Nach einem weiteren Angriff von Siena wurden die beschädigten Ringmauern 1434 tiefer gemauert.[6] 1478 wurde der Ort von Siena mit seinen Verbündeten aus Neapel abermals angegriffen.[9] Heute ist die Burg in Privatbesitz,[4] wobei die Ringmauern, der Hauptturm (Mastio) und zwei kleinere Türme noch vorhanden sind. Ein dritter Wehrturm dient heute der anliegenden Kirche Santa Maria als Glockenturm.[9] Auch das einzige originale Burgtor besteht noch, die rückseitige Maueröffnung entstand erst später.[8]
  • Chiesa di Santa Maria, Kirche im Ortskern, die zum Bistum Fiesole gehört. Entstand am Ende des 19. Jahrhunderts über einer Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Enthält das Leinwandgemälde Matrimonio mistico di Maria Maddalena de’ Pazzi (um 1669 entstanden) von Pier Dandini sowie das dem Michele di Ridolfo del Ghirlandaio zugeschriebene Gemälde Annunciazione. Dieses wird umgeben von den Figure di Santi des Bernardo di Stefano Rosselli. Die Fresken der Apsis wurden von Alfredo Cifariello gestaltet.[1] Der Campanile entstand aus einem der früheren Wehrtürme.[9]
  • Pieve di San Leolino, auch Pieve di Panzano genannt, Pieve ca. 1 km südlich des Ortskerns. Wurde bereits 1085 als Pievere di San Leolino a Flacciano erwähnt.[5] Enthält Werke des Raffaellino del Garbo (Battesimo di Gesù, Fresko, zugeschrieben), des Meliore di Jacopo (Madonna in Trono tra i santi Pietro e Paolo e storie dei due Santi, 13. Jahrhundert), des Mariotto di Nardo (Madonna, il Bambino e quattro Santi) und des Giovanni della Robbia (Sohn des Andrea Della Robbia).[5] Das Triptychon Matrimonio mistico di Santa Caterina d’Alessandria, San Pietro, San Paolo stammt von dem Meister von Panzano (Maestro di Panzano) und entstand im 13. Jahrhundert.[10]
  • Oratorio di Sant’Eufrosino, Oratorium ca. 2 km südwestlich des Ortskerns gelegen. Das ältere Gebäude entstand, um die Reliquien des Sant’Eufrosino aufzubewahren. Das heutige Gebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und enthält die Edicola gotica, eine Ädikula, das Fresko Santa Caterina d’Alessandria, das Leinwandgemälde Madonna e Santi (18. Jahrhundert), die Terrakotta-Statue Sant’Eufrosino giacente (17. Jahrhundert) sowie eine weitere Kapelle.[1]
  • Cappella di Santa Maria delle Grazie, auch Cappella delle Croci genannt, Kapelle kurz südwestlich der Burg an der Wegkreuzung nach Mercatale in Val di Pesa und Piazza (Castellina in Chianti).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Panzano in Chianti liegt an der Regionalstraße Strada Regionale SR 222, die Florenz mit Siena verbindet.
  • Die nächstgelegene Anschlussstelle an den Fernverkehr liegt bei San Donato, ca. 10 km entfernt. Sie liegt an der RA 3, die Florenz mit Siena verbindet.

Lokale Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Panzano in Chianti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Touring Club Italiano: Toscana.
  2. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Florenz, abgerufen am 4. November 2015 (italienisch)
  3. Pro Loco Panzano in Chianti
  4. a b c d e Enrico Bosi, Giovanna Magi: I Castelli del Chianti.
  5. a b c d e Emanuele Repetti: PANZANO fra la Val di Pesa e la Val di Greve.
  6. a b c Raymond Flower: Chianti: The Land, the People and the Wine.
  7. a b Gemeinde Greve in Chianti zu Panzano in Chianti
  8. a b Castelli Toscani zur Burg Castello di Panzano
  9. a b c d Enrico Bosi, Gianluigi Scarfiotti: Von Burg zu Burg.
  10. Webseite der Fondazione Zeri der Universität Bologna zum Triptychon Matrimonio mistico di Santa Caterina d’Alessandria, San Pietro, San Paolo, mit Abb., abgerufen am 5. November 2015 (italienisch)

Koordinaten: 43° 33′ N, 11° 19′ O