Panzerfaust

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Vier „Panzerfaust 30“, aufgenommen im Militärmuseum Helsinki

Die Panzerfaust (auch Panzerabwehrrohr) ist eine deutsche reaktive Panzerbüchse aus dem Zweiten Weltkrieg. Die in großen Stückzahlen produzierte Waffe wurde für die Panzerabwehr konstruiert. Durch ihre große Bekanntheit und die plakative Wirkung der Bezeichnung wurde die Panzerfaust ein Synonym für den gesamten Waffentyp.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnittmodelle der Granaten einer Faustpatrone und Panzerfaust 60. Gut zu erkennen ist die konische Hohlladung

Die Panzerfaust verschießt Hohlladungsgeschosse nach dem Prinzip des rückstoßfreien Geschützes. Die Rückstoß­energie des Projektils wird durch die Energie einer sich entgegengesetzt nach hinten bewegenden Masse oder auch Gasmenge ausgeglichen. Der nach hinten austretende Strahl kann auf kurze Entfernung tödlich sein.

Die Abschussvorrichtung (Rohr) war eigentlich als Wegwerfwaffe konzipiert. Die Rohre wurden jedoch oftmals auf Kompanie-, Bataillons- oder Regimentsebene gesammelt und in der Waffenmeisterei nachgeladen.

Auf dem Abschussrohr befindet sich eine aufklappbare Metallschiene, die als einfaches, offenes Visier dient. In der Metallschiene befinden sich Löcher (Lochkimme) mit Meterangaben (30, 60, 80 bei Panzerfaust 60). Als Korn dient die Oberseite der Granate.

Abgeschossen wurde die Panzerfaust entweder von der Schulter oder unter der Schulter, eingeklemmt zwischen Oberarm und Rumpf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkssturmleute mit Panzerfaust im Januar 1945 in Königsberg
Finnische Soldaten mit Panzerfaust
Volkssturmmänner mit Panzerfaust, März 1945 in Berlin

1942 wurde die Panzerfaust auf der Grundlage der Faustpatrone, die von der Hugo Schneider AG entwickelt und im KZ-Außenlager Schlieben produziert wurde. Es handelte sich dabei um ein einfaches Werferrohr, mit einem Gesamtgewicht von weniger als 10 kg. An der oberen Seite des Rohrs befand sich eine einfache aufklappbare Zielvorrichtung mit Abzug. An der Vorderseite befand sich ein 3,3 kg schweres Geschoss mit ungefähr 1,6 kg Sprengstoff.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden durch die Wehrmacht drei Ausführungen eingesetzt.

Die Panzerfaust 30 wurde im August 1943 ausgeliefert. Die „30“ gab die Reichweite in Metern an. Später folgten die Panzerfaust 60 und die Panzerfaust 100.

Ein weiteres Modell, die Panzerfaust 150, mit 150 Metern Reichweite wurde von Februar 1945 bis zum Ende des Krieges in der vergleichsweise geringen Stückzahl von etwa 100.000 hergestellt. Charakteristisch war die Granate, welche länger und schmaler war, was sie stromlinienförmiger machte. Ein optional montierbarer Splitterring (sog. „Splitterfaust“) verbesserte die Einsatzmöglichkeit als Antipersonenwaffe. Die Panzerfaust war, wie ihre Vorgänger, eine nicht nachladbare Wegwerfwaffe. Geplant war eine nachladbare Variante, deren Entwicklung aber vor dem Kriegsende noch nicht abgeschlossen war.[1]

Die Panzerfaust 250 kam nie über die Planungsphase hinaus. Sie unterschied sich entscheidend von den bisherigen Panzerfäusten, denn sie war nachladbar. Komplett geändert wurde auch die Abschussvorrichtung, denn sie ähnelte nun stark einem Pistolengriff mit gewöhnlichem Abzug. Verbessert wurden jeweils auch die Reichweite und die Granate. Sowohl die USA wie auch die Sowjetunion erbeuteten Pläne der Waffe.[2] Die Panzerfaust 250 beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der sowjetischen RPG-2.[3]

1945 wurden noch über 2 Millionen dieser Waffen hergestellt und an Soldaten sowie an den Volkssturm ausgegeben. Insgesamt wurden 6,7 Millionen Panzerfäuste produziert.[4]

Die Rote Armee erbeutete große Mengen der Panzerfaust und setzte diese ebenfalls ein, da ihr keine vergleichbare eigene Waffe zur Verfügung stand. Finnland wurde als Verbündeter Deutschlands (bis September 1944) mit Panzerfäusten beliefert.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnung Gewicht
in kg
Gewicht der
Treibladung
in g
Ø des
Gefechtskopfes
in mm
Geschwindigkeit
Vmax
in m/s
Wirksame
Schussweite
in m
Durchschlags-
leistung
in mm
Faustpatrone 30 2,7–3,2 70 100 28 30 140
Panzerfaust 30 6,9 95–100 149 30 30 200
Panzerfaust 60 8,5 120–134 149 45 60 200
Panzerfaust 100 9,4 190–200 149 60 100 200
Panzerfaust 150 6,5 190–200 106 85 150 280–320

Bundeswehr heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutzutage verwendet die Bundeswehr nach Ablösung der lange genutzten leichten Panzerfaust 44 mm sowie der schweren Panzerfaust 84 mm „Carl Gustaf“ zur Panzerabwehr die Panzerfaust 3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • OKW: Vorschrift D 560/2 – Merkblatt für die Handhabung der Panzerfaust, 1943.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Panzerfaust – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Panzerfaust – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gordon L. Rottman: Panzerfaust and Panzerschreck, Osprey Publishing, 2014, ISBN 9781782007906, S. 23–24 [1]
  2. Gordon L. Rottman: The Rocket Propelled Grenade, Osprey Publishing, 2010, ISBN 9781849081535, S. 13
  3. Gordon L. Rottman: The Rocket Propelled Grenade, Osprey Publishing, 2010, ISBN 9781849081535, S. 16
  4. Vgl. Hans Holzträger: Kampfeinsatz der Hitler-Jugend im Chaos der letzten Kriegsmonate. AGK 1995, ISBN 978-3-928389-15-0; S. 29 Fn. 39.