Paolo Sarpi

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Paolo Sarpi
Denkmal für Paolo Sarpi in Venedig

Paolo Sarpi OSM (* 14. August 1552 in Venedig; † 15. Januar 1623 ebenda) war ein italienischer Ordensmann und Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Paolo Sarpi trat im Alter von 14 Jahren in den Orden der Serviten ein und wurde Mitglied des Kollegiums von Padua. 26-jährig wurde er Provinzial der venetianischen Provinz. Mit 35 Jahre wurde ihm das Amt des Generalprokurator anvertraut, das zweithöchste seines Ordens.[1] Er zog sich den Hass des Papstes zu, als man ihn bei der Inquisition geheimer Kontakte zu Protestanten bezichtigte. So unterhielt er Kontakt zu Giovanni Diodati, der ihm hunderte Exemplare von seinen Bibelübersetzungen aus Genf übersandte.

Im Streit mit Papst Paul V. machte ihn die Republik Venedig 1606 zum Staatstheologhen. Er verteidigte die Freiheit der weltlichen Regierungen gegen die päpstliche Gewalt so entschieden und mutig, dass er vom Papst in den Bann gesetzt wurde. Er warb dafür, die weltliche und die geistliche Gewalt zu trennen, und erklärte, ein Christ sei der geistlichen Gewalt erst dann Gehorsam schuldig, wenn er deren Anordnungen selbst geprüft habe.[2] Mehrere Anschläge auf sein Leben bewogen ihn, sich in ein Kloster in Venedig zurückzuziehen; dort blieb er bis zu seinem Tode.

Als Kritiker päpstlicher Macht und der Jesuiten gelangte er in eine große Nähe zum Protestantismus. Er besaß eine umfassende Gelehrsamkeit. Sein Hauptwerk ist die Istoria del concilio Tridentino, die unter dem Pseudonym Pietro Soave Polano in England erschien und nachzuweisen sucht, dass die Wiedervereinigung der Protestanten mit der katholischen Kirche beim Konzil von Trient nur durch die Intrigen der Kurie verhindert worden sei. (Dieser Text wurde von Giovanni Diodati ins Französische übersetzt.)

Historisch wertvoll sind außerdem seine Briefe. Bekannt ist der Briefwechsel mit Francesco Castrino, der sich am französischen Königshof aufhielt.

Literatur[Bearbeiten]

Istoria del Concilio tridentino, 1935

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. David Wootton: Sarpi, Paolo (1552–1623). In: Theologische Realenzyklopädie. Bd. 30, S. 46.
  2. David Wootton: Sarpi, Paolo (1552–1623). In: Theologische Realenzyklopädie. Bd. 30, S. 47.

Weblinks[Bearbeiten]