Papierindustrie

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Die Papierindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der zur Grundstoffindustrie gehört und sich mit der Herstellung von Papier, Karton und Pappe befasst. Viele Papier erzeugende Unternehmen sind heute international verflochten.

Die Papierindustrie unterscheidet folgende vier Großgruppen von Papiersorten:

  • Grafische Papiere
  • Papier, Karton und Pappe für Verpackungszwecke
  • Hygiene-Papiere Tissue-Papiere
  • Papiere und Pappe für spezielle technische Verwendungszwecke

Papierindustrie weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit werden jährlich knapp 407 Millionen Tonnen (2014) Papier, Karton und Pappe produziert.[1][2] Die größten Produzenten (2013) sind:

Viele Unternehmen sind international verflochten. Es wird geschätzt, dass die 20 größten Papierhersteller derzeit einen Anteil von fast 40 % an der weltweiten Papier- und Pappeproduktion haben. Die elf größten Papierhersteller (nach Produktion 2010) weltweit sind:

  1. International Paper
  2. Stora Enso
  3. UPM
  4. SCA
  5. Smurfit Kappa Group
  6. Nippon Paper
  7. Nine Dragons Paper Holdings
  8. Sappi
  9. Oji Paper
  10. Smurfit-Stone Container
  11. DS Smith

Papierindustrie in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knapp 26,4 % der Papierproduktion weltweit entfällt mit rund 106,3 Mio. t auf die europäische Papierindustrie. Durch die Konsolidierung der europäischen Papierindustrie im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der Unternehmen, Papierfabriken und Papiermaschinen in Europa gesunken, die Produktionskapazität jedoch gleichzeitig gestiegen. Der Umsatz der europäischen Papierindustrie betrug 2013 rund 75 Mrd. EUR. 183.000 Menschen arbeiten in der europäischen Zellstoff- und Papierindustrie.

Papierindustrie in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Papierindustrie, deren Interessen durch den Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) vertreten werden, war 2016 mit einem Produktionsvolumen von 22,6 Mio. t Papier, Karton und Pappe die Nummer eins in Europa und steht weltweit hinter China, den USA und Japan an vierter Stelle.

Die Produktion gliedert sich in vier Hauptsortengruppen:

  • 50,3 % Verpackungspapiere und -karton
  • 37 % grafische Papiere
  • 6,7 % Hygienepapiere
  • 6 % das breite Spektrum der technischen- und Spezialpapiere

Die knapp unter 40.000 Mitarbeiter der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie erwirtschafteten 2016 in 167 Werken einen Umsatz von 14,2 Mrd. Euro (2016), ein Minus von 1,7 % gegenüber dem Vorjahr.

Deutschland ist auch einer der größten Absatzmärkte weltweit. Unter anderem benötigt die exportorientierte deutsche Industrie Packstoffe aus Papier, Karton und Pappe und sorgt dafür, dass Deutschland beim Verbrauch mit rund 20 Mio. Tonnen Papier in Europa an der Spitze steht. Die strategische Bedeutung des deutschen Marktes hat dazu geführt, dass – gemessen am Umsatz – inzwischen etwa 60 % der deutschen Papierindustrie in ausländischer Hand sind. Neben großen internationalen Konzernen gibt es viele mittelständische Unternehmen, die in ihren Produktsegmenten nicht selten Weltmarktführer sind.

Die zehn größten Papierhersteller in Deutschland sind:

  1. SCA
  2. UPM
  3. Smurfit Kappa
  4. Papierfabrik Palm
  5. Wepa
  6. Sappi
  7. August Koehler
  8. Schoeller Technocell
  9. Progroup

Deutschland exportiert 45 % seiner Produktion. 2016 war der Inlandsabsatz Motor der Branchenentwicklung: Während der Auslandsabsatz der deutschen Papierindustrie um 1,5 % abnahm, legte der Inlandsabsatz um 0,9 % zu. Der Exportanteil in den EU-Raum liegt bei 73 %. Umgekehrt deckt Deutschland rund die Hälfte seines Papierverbrauchs durch Importe. Deutschland blieb vor den USA das größte Importland der Welt für Papier, Karton und Pappe. Die größten Lieferanten sind Schweden und Finnland mit einem Anteil von 22 % bzw. 18 %. Der Anteil der Einfuhren aus den Überseeländern liegt lediglich bei drei Prozent.

Aktuelle Lage der deutschen Papierindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Papierindustrie hat 2016 ihr Produktionsvolumen von 22,6 Mio. Tonnen gehalten (+0,1 %). Einem wenn auch verringerten Rückgang bei den grafischen Papieren steht ein Wachstum der anderen Sorten, vor allem der Verpackungspapiere gegenüber. Neben allgemeinen konjunkturellen Einflüssen führt ein verändertes Mediennutzungsverhalten weiter zu einem Nachfragerückgang bei den grafischen Papieren (Absatz: -3,6 % gegenüber 2015).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.dbu.de/123artikel33148_341.html
  2. http://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/papierverbrauch/zahlen-und-fakten/
  • Papier 2017, Leistungsbericht des Verbandes Deutscher Papierfabriken [1]
  • Dispan, Jürgen (2013): Papierindustrie in Deutschland. Branchenreport 2013. Stuttgart (= IMU-Informationsdienst Nr. 2-2013). Link zur Branchenstudie
  • Dispan, Jürgen (2013): Papiererzeugung in Deutschland. Branchenanalyse. In: Vassiliadis, Michael (Hrsg.): Industriepolitik für den Fortschritt – Herausforderungen und Perspektiven am Beispiel zentraler Branchen der IG BCE. Hannover.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]