Papierindustrie

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Papierfabrik in Villa Lagarina, Italien (Fotografie von Paolo Monti, 1980)

Die Papierindustrie ist ein Wirtschaftszweig, der zur Grundstoffindustrie gehört und sich mit der Herstellung von Papier, Karton und Pappe befasst. Viele Papier erzeugende Unternehmen sind heute international verflochten.

Produktspektrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband Deutscher Papierfabriken unterscheidet nach den Verwendungszwecken folgende vier Produktbereiche:[1]

Außerdem handelt die Papierindustrie mit Papierzellstoff und lufttrockenem Holzstoff. Diese Faserstoffe sind Zwischenprodukte (sogenannte Halbstoffe) bei der Produktion von Papier, Karton und Pappe.[2]

Papierindustrie weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit wurden im Jahr 2016 knapp 411 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert. Die größten Produzenten sind (2016):[3]

Viele Unternehmen sind international verflochten. Es wird geschätzt, dass die 20 größten Papierhersteller derzeit einen Anteil von fast 40 % an der weltweiten Papier- und Pappeproduktion haben. Die elf größten Papierhersteller (nach Produktion 2010) weltweit sind:

  1. International Paper
  2. Stora Enso
  3. UPM
  4. SCA
  5. Smurfit Kappa Group
  6. Nippon Paper
  7. Nine Dragons Paper Holdings
  8. Sappi
  9. Oji Paper
  10. Smurfit-Stone Container
  11. DS Smith

Papierindustrie in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knapp 24,3 % der Papierproduktion weltweit entfällt mit rund 90,9 Mio. t auf die europäische Papierindustrie. Durch die Konsolidierung der europäischen Papierindustrie im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der Unternehmen, Papierfabriken und Papiermaschinen in Europa gesunken, die Produktionskapazität jedoch gleichzeitig gestiegen. Der Umsatz der europäischen Papierindustrie betrug 2016 rund 81 Mrd. EUR. 177.000 Menschen arbeiten in der europäischen Zellstoff- und Papierindustrie.

Papierindustrie in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Papierindustrie, deren Interessen durch den Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) vertreten werden, war 2018 mit einem Produktionsvolumen von 22,7 Mio. t Papier, Karton und Pappe die Nummer eins in Europa und steht weltweit hinter China, den USA und Japan an vierter Stelle.

Die Produktion gliedert sich in vier Hauptsortengruppen:

  • 53 % Verpackungspapiere und -karton
  • 34 % grafische Papiere
  • 7 % Hygienepapiere
  • 6 % technische Papiere und Spezialpapiere

Die rund 41.000 Mitarbeiter der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie erwirtschafteten 2018 in 167 Werken einen Umsatz von 15,5 Mrd. Euro.[4] Deutschland ist auch einer der größten Absatzmärkte weltweit. Unter anderem benötigt die exportorientierte deutsche Industrie Packstoffe aus Papier, Karton und Pappe. Die strategische Bedeutung des deutschen Marktes hat dazu geführt, dass – gemessen an der Produktion – 50,4 % der deutschen Papierindustrie in ausländischer Hand sind. Dieser Wert ist jedoch auf Grund neuer Kapazitäten inländischer Unternehmen rückläufig. Neben großen internationalen Konzernen gibt es viele mittelständische Unternehmen, die in ihren Produktsegmenten nicht selten Weltmarktführer sind. Deutschland exportiert 45 % seiner Produktion. Wichtigster Exportmarkt mit 59 % ist Westeuropa.

Die zehn größten Papierhersteller in Deutschland (2018) sind:

  1. Essity
  2. Smurfit Kappa
  3. UPM
  4. Papierfabrik Palm
  5. Mondi
  6. Wepa
  7. Progroup
  8. Sappi
  9. August Koehler
  10. Schoeller Technocell

Aktuelle Lage der deutschen Papierindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktion der deutschen Papierindustrie ist 2018 leicht zurückgegangen. Die Branche hat 2018 knapp 22,7 Mio. Tonnen Papier, Karton und Pappe hergestellt, 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Entwicklung der einzelnen Sortengruppen verlief jedoch weiter sehr unterschiedlich. Mit einem leichten Plus von 1,6 Prozent setzten Verpackungspapiere und -karton ihren Wachstumskurs fort. Sie machen mittlerweile 53 Prozent des Produktionsvolumens aus. Die grafischen Papiere verzeichneten mit einem Minus von 5,2 Prozent einen weiteren Rückgang, der auf die Stilllegung oder den Umbau von Anlagen auf andere Sorten zurückzuführen ist. Der Anteil von Druck- und Schreibpapieren liegt jetzt bei 34 Prozent.

Hygienepapiere (−0,5 Prozent) blieben in der Produktion weitgehend stabil. Technische und Spezialpapiere, die eine Vielzahl von Produkten umfassen, wiesen ein Minus von 1,8 Prozent auf. Ihr Anteil an der Produktion liegt bei 7 bzw. 6 Prozent.

Der Umsatz der Branche stieg um 5,4 Prozent auf 15,5 Mrd. Euro. Dies ist sowohl auf die anhaltend gute Konjunktur im Verpackungsmarkt als auch auf die – insbesondere wegen dramatisch gestiegener Zellstoffpreise erforderlichen – Preisanpassungen bei den grafischen Papieren zurückzuführen. Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie wuchs um rd. 1 Prozent auf 40.550.

Mit Sorge beobachtet die Branche die gegenwärtige Entwicklung in der Energie- und Klimapolitik. Die Papierindustrie wolle – wie auch alle anderen energieintensiven Branchen – Teil der Lösung sein. Die Versorgungssicherheit und die internationale Wettbewerbsfähigkeit dürften jedoch nicht gefährdet werden. Der Beitrag regenerativer Quellen zur Energieversorgung sei nach wie vor hochvolatil. Der Ausstieg aus Kernenergie und Kohle müsse daher mit Bedacht erfolgen. Die zu erwartenden Strompreissteigerungen für die Industrie müssten kompensiert werden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Dispan (2013): Papierindustrie in Deutschland. Branchenreport 2013. Stuttgart (= IMU-Informationsdienst Nr. 2/2013), online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Papierindustrie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Deutschland, Österreich, Schweiz

International

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verband Deutscher Papierfabriken: Papier Kompass 2018 (PDF), siehe Tabellen zu Deutschland.
  2. Verband Deutscher Papierfabriken: Papier Kompass 2018 (PDF), siehe Tabellen zu Export und Import in Deutschland.
  3. Verband Deutscher Papierfabriken: Papier Kompass 2018 (PDF), siehe Tabelle zur internationalen Produktion.
  4. Deutsche Papierindustrie: Positive Bilanz für 2017 – Rekord beim Papierrecycling. In: Pressemitteilung. Verband Deutscher Papierfabriken, 21. Februar 2018, abgerufen am 12. April 2018.
  5. [1] Website des Verbandes Deutscher Papierfabriken. Abgerufen am 21. Februar 2019.