Papyrologie

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Die Papyrologie (von griechisch πάπυρος pápyros, dem Namen für die Papyrusstaude, und λόγος lógos, ‚Wort‘, ‚Lehre‘) ist eine Spezialdisziplin der Klassischen Altertumswissenschaft, hier vor allem der Klassischen Philologie und der Alten Geschichte. Ihr Gegenstand sind altgriechische und lateinische Texte auf Papyrus, Ostraka, Pergament, Holz-, Wachs- und Bleitäfelchen und ähnlichen Beschreibstoffen. Die von der Papyrologie behandelten Texte in griechischer und lateinischer Sprache stammen aus der griechisch-römischen Zeit Ägyptens von etwa 300 v. Chr. bis 700 n. Chr., also aus dem Jahrtausend zwischen der Eroberung des Nillandes durch Alexander den Großen und der Abschaffung der griechischen Verwaltungssprache durch die Araber nach deren Herrschaftsübernahme im Zuge der islamischen Expansion. Sie sind daher als Zeugnisse der antiken Schriftkultur und Sozialgeschichte für Hellenismus, Kaiserzeit und Spätantike von Bedeutung. Papyri, die nicht mit Texten in Altgriechisch oder Latein beschriftet worden sind, fallen in die Zuständigkeit anderer Disziplinen wie der Ägyptologie, Demotistik, Koptologie, Arabistik, Islamwissenschaft und der Judaistik, mit denen die Papyrologie in interdisziplinärer Kooperation eng verbunden ist.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papyri wurden überwiegend in Ägypten gefunden, wo sie seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend als Beschreibstoff verwendet wurden. Papyrus wurde auch in anderen Regionen verwendet, jedoch sind die klimatischen Verhältnisse anderswo ungünstiger für die dauerhafte Erhaltung von Papyrus. Vornehmliche Aufgaben des Faches Papyrologie sind die Katalogisierung, Edition, sprachliche und sachliche Kommentierung sowie die Aufbereitung und Erforschung der Papyri als historischer Quellen sowie als sprachlicher Zeugnisse und bzw. oder als Textzeugen literarischer Texte und ihrer Überlieferung, ferner die Erforschung der antiken Schriftkultur, also der Praxeologie des Schreibens, Lesens und der Schriftlichkeit.[1] Zu Ihrer Bewältigung sind sowohl die umfassende Beherrschung des philologischen Rüstzeugs, wie auch die Vertrautheit mit Methoden und Ergebnissen der althistorischen Forschung sowie zahlreicher weiterer Nachbarfächer erforderlich. Ob sie daher eher als Philologie oder als historische Grundwissenschaft anzusehen sei, ist auch unter Papyrologen je nach Bildungsgang und Interessenschwerpunkten umstritten. In jedem Fall handelt es sich um eine historische Geistes- und Kulturwissenschaft. In der deutschen Hochschulpolitik ist die Papyrologie als Kleines Fach eingestuft.[2]

Verhältnis zu anderen Wissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Unterschied etwa zur antiken Numismatik und Epigraphik, die als Teildisziplinen der Alten Geschichte organisatorisch an diese angebunden sind, ist die Papyrologie als selbständiges Fach unentbehrliche Grundwissenschaft im Sinne Karl Brandis für eine ganze Reihe anderer Fachgebiete, da sie einen wichtigen Teil von deren Quellengrundlage erschließt und erforscht:

  • Die Alte Geschichte, vor allem ihre Teildisziplinen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, kann aus der Analyse von auf Papyrus erhaltenen Dokumenten Rückschlüsse auf das antike Alltagsleben und wirtschaftliche Zusammenhänge (z. B. Preisentwicklungen) bzw. Handels- und Kommunikationswege ziehen, da Papyri zu diesen in der literarischen Überlieferung zumeist vernachlässigten Bereichen wichtige Informationen liefern können.
  • Papyri erlauben eine – im Vergleich zu anderen Territorien – sehr detaillierte Rekonstruktion der Herrschafts-, Heeres- und Verwaltungsorganisation des Ptolemäerreiches sowie der Verwaltung der römischen Provinz Aegyptus und ihrer Prinzipien.
  • Die Historische Demographie kann aus Papyrusurkunden vergleichsweise zuverlässige Schätzungen zu Bevölkerungsdichte und -veränderungen im antiken Ägypten gewinnen.
  • Die antike Rechtsgeschichte analysiert Rechtsurkunden (etwa über Kauf, Pacht, Kreditgeschäfte, Heirats-, Arbeitsverträge usw.) und verfolgt die Entwicklung des Rechtswesens insbesondere in hellenistischer Zeit.
  • Die Religionswissenschaft, Theologie und Kirchengeschichte wertet die auf Papyrus erhaltenen frühesten Zeugnisse für den Text des griechischen Alten und Neuen Testaments aus und interpretiert die zahlreichen Papyrusfunde mit frühchristlicher apokrypher oder patristischer Literatur. Papyri werden in der Textkritik des Neuen Testaments mit dem Buchstaben P in Fraktur mit einer hochgestellten Nummer abgekürzt: n. Eine Übersicht gibt die Liste der Papyri des Neuen Testaments.
  • Die Erforschung der antiken Magie stützt sich in erheblichem Maße auf Papyri als Quellen.
  • Die Sprachwissenschaft verfolgt anhand von Papyri das Entstehen der antiken griechischen Volkssprache, der sogenannten Koine, einer Zwischenstufe auf dem Weg vom klassischen Altgriechisch zum Neugriechischen.
  • Der Medizingeschichte stellt sie wichtige Quellen für das antike Gesundheitswesen und seine Praxis bereit.
  • Die Klassische Philologie erhält zum einen ausschließlich auf Papyrus überlieferte, sonst unbekannte Texte, zum anderen wichtige frühe Textzeugen für die antike Textgeschichte und die Textkritik der durch mittelalterliche Handschriften überlieferten und daher schon bekannten Texte.
  • Die Philosophie erhält vor allem durch die verkohlten Papyri aus der Villa dei Papiri bei Herculaneum bisher unbekannte Texte, etwa des Epikur und seiner Schüler oder des Philodemos von Gadara.
  • Die Kunstgeschichte und die Archäologie ziehen auf Papyri überlieferte Zeichnungen und Malereien heran.
  • Die Ägyptologie, die Koptologie, die Arabistik und die Islamwissenschaft kooperieren mit der Papyrologie vor allem bei der Erforschung der zahlreichen Bilinguen.

Von der Papyrologie ist die Epigraphik abzugrenzen, die sich vorwiegend mit Inschriften auf Stein und Metall befasst, traditionell aber auch Texte auf Schreibtäfelchen behandelt, wie sie etwa von dem Archäologen Robin E. Birley im römischen Vindolanda gefunden wurden.[3] Deren äußerst anspruchsvolle Entzifferung und Edition gelang jedoch erst dem Team um den papyrologisch geschulten Althistoriker Alan K. Bowman und den Papyrologen J. David Thomas.

Papyrologie nutzt die Erkenntnisse der Paläografie, der Lehre von den Buchstabenformen und der Schriftentwicklung und des Gebrauchs bestimmter Abkürzungen, zur Datierung, ebenso die Erkenntnisse der Kodikologie, die anhand von Eigenschaften der Bindung, Paginierung etc. eine Datierung erlaubt. Da die Mehrzahl der Papyri nicht in Buchschrift,[4] sondern in Kursivschrift geschrieben sind und der Erhaltungszustand oft schlecht und lückenhaft ist, stellt die Entzifferung hohe Anforderungen und erfordert entsprechende Kenntnisse, um die Texte lesen und edieren zu können.

Papyri in ägyptischer Sprache (Hieratisch, Demotisch, Koptisch), auf Hebräisch, Persisch, Arabisch und in anderen Sprachen fallen in den Bereich anderer Disziplinen (z. B. der Ägyptologie).

Dokumentarische und literarische Papyri[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Papyrologie unterscheidet wie andere textforschende Disziplinen zwischen dokumentarischen und literarischen Texten. Zu den dokumentarischen Texten, die den weitaus größten Teil der erhaltenen Papyri ausmachen, gehören unter anderem Urkunden, Privat- und Geschäftsbriefe, Verträge, Handelsdokumente, der gesamte Schriftverkehr von und mit Behörden wie behördliche Verfügungen, Eingaben an Behörden (Petitionen) und Steuerquittungen, ferner Verwaltungsakten wie Steuer- und Landlisten. Besonders aufschlussreich sind Papyri, die aufgrund der Fundumstände oder inhaltlicher oder paläographischer Merkmale einem privaten oder öffentlichen Archiv zugeordnet werden können, weil dadurch eine Verdichtung der Information über einzelne Personen, Familien oder Institutionen zustande kommt und sich Entwicklungen oft über längere Zeiträume beobachten lassen. Quellenkundlich werden die dokumentarischen Papyri den Überrestquellen zugewiesen, weil zur Zeit der Entstehung dieser Dokumente niemand an die Weitertradierung dachte und ihre Erhaltung daher mehr oder weniger dem Zufall zu verdanken ist. Sie sind daher unmittelbare und unverfälschte Zeugnisse der Vergangenheit.

Zu den literarischen Papyri und damit zur Tradition zählen alle Exemplare auf Papyrus erhaltener Texte, welche in die direkte Überlieferung eingegangen sind (oder dafür intendiert waren). Es sind Texte, die sich aufgrund ihres allgemeinen Interesses und ihrer literarischen Qualität an ein zeitgenössisches Publikum und eventuell darüber hinaus an die Nachwelt wenden. Diese Texte können ein durch die Intention des Verfassers subjektiv gefärbtes Bild der Vergangenheit vermitteln. Solche Papyri dienten unter Umständen auch als Grundlage für die Abschrift von Kopien und damit der Verbreitung und Textüberlieferung.

Für die historische Auswertung sind daher die Überrestquellen häufig viel aussagekräftiger als literarische Quellen, die in hohem Maße die Lage interpretieren oder zuweilen sogar die Wirklichkeit verschleiern und die manchmal auch später redigiert wurden. Für viele Fragen, insbesondere die nach dem Alltagsleben, der Rechtswirklichkeit und den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen sowie der Verwaltungspraxis, sind die dokumentarischen Papyri nahezu die einzigen zur Verfügung stehenden Textquellen.

Herkunft der Papyri[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großteil der Papyri stammt aus Ägypten. Zwischen 332 v. Chr., als Alexander der Große Ägypten eroberte, und 642 n. Chr., als das Land durch islamische Araber eingenommen wurde, war die Amts- und Verkehrssprache in Ägypten überwiegend Altgriechisch.[5] Nur die Papyri in dieser Sprache sowie die (recht wenigen) lateinischen Stücke werden von der Papyrologie behandelt. Die frühesten bislang bekannten griechischen Papyri aus Ägypten sind im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. entstanden. Da die Araber einige Jahrzehnte an der herkömmlichen Verwaltung des Nillandes festhielten, wurde Griechisch dort erst 693 als Amtssprache abgeschafft.

Ein kleiner Teil der erhaltenen Papyri stammt aus anderen Bereichen des Römischen Reiches. Bedeutende Papyrusfunde außerhalb Ägyptens sind die Papyri von Herculaneum (wo die Papyri durch die Asche des Vesuvs 79 n. Chr. zwar verkohlt wurden, aber erhalten blieben und dank moderner Technik lesbar gemacht werden können) oder die Papyri aus Dura Europos am Euphrat sowie diejenigen aus dem nabatäischen Petra.[6]

Edition, Auswertung und Aufbewahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein ausgebildete Altertumswissenschaftler sind im Bereich der Papyrologie kaum in der Lage, mit unedierten Quellen zu arbeiten, da nur wenige Experten über die notwendigen Spezialkenntnisse verfügen. Allenfalls lückenlose Papyri, die in sogenannter Buchschrift verfasst sind, erschließen sich auch den übrigen Forschern. Der Aufarbeitung und Edition der Papyri durch die Papyrologen kommt daher besondere Bedeutung zu, da von dieser Spezialdisziplin Forscher unterschiedlichster Fachrichtungen abhängig sind (siehe oben). Der exakten Kenntlichmachung von Lücken, unsicher gelesenen Buchstaben, Ergänzungen, aufgelösten Abkürzungen, Korrekturen oder Tilgungen durch den Schreiber, Korrekturen oder Tilgungen oder durch den Editor dient das Leidener Klammersystem. In der Edition werden die originale Orthographie und sprachliche Besonderheiten beibehalten, die Abweichung von der Normsprache wird aber im Zeilenkommentar erwähnt und nötigenfalls erläutert. Bei der Erfassung und Erschließung des Materials hat das Fach frühzeitig die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung erkannt.

Das Institut für Papyrologie der Universität Heidelberg[7] führt unter Leitung von Andrea Jördens das von Dieter Hagedorn initiierte Gesamtverzeichnis aller publizierten griechischen Papyri Ägyptens.[8] Außerdem werden dort weitere unentbehrliche, noch auf Friedrich Preisigke zurückgehende Forschungsinstrumente des Faches bearbeitet:

  • die Berichtigungsliste der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten (in Kooperation mit Francisca A. J. Hoogendijk, Papyrologisch Instituut der Universität Leiden), eine systematische Erfassung sämtlicher Berichtigungsvorschläge zur Lesung von Papyrustexten
  • das Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten, die vollständige Erfassung des Wortmaterials und der Belegstellen in den Papyri
  • das Sammelbuch der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten, die Erfassung sämtlicher verstreut edierter Papyri in einer Standardedition

Weitere wichtige Hilfsmittel sind die von Roger Bagnall, Direktor des Institute for the Study of the Ancient World der New York University, geleiteten Projekte Papyri.info,[9] das die gezielte Suche in mehreren einschlägigen Datenbanken ermöglicht. Das ursprünglich selbständige Advanced Papyrological Information System (APIS),[10] das die Bestände wichtiger Sammlungen erschließt, wurde inzwischen integriert. Ebenfalls über Papyri.info ist die von der Association Égyptologique Reine Élisabeth und dem Centre de Papyrologie et d’Épigraphie grecque der Université Libre de Bruxelles herausgegebene Bibliographie Papyrologique[11] abrufbar, die die relevante Literatur erfasst und regelmäßig aktualisiert wird.

An der Universität Leuven ist mit Trismegistos[12] unter Leitung von Mark Depauw ein weiteres Informationsportal etabliert worden, dessen Besonderheit darin besteht, dass es die aufgrund der verschiedenen Sprachen und Textträger bestehenden Grenzen überschreitet und einen besonders weiten zeitlichen Horizont („800 BC - AD 800“) erfasst.

Geschichte der Papyrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Papyrologie beginnt nicht erst mit Napoleons I. Ägyptenfeldzug von 1798, sondern bereits 1752 mit der Entdeckung der Villa Ercolanese dei Papiri in der 79 nach Chr. vom Vesuv verschütteten Stadt Herculaneum.[13] Die Restaurierung und Edition der über 800 verkohlten Papyrusrollen, die hier gefunden wurden, dauert seither an. Der erste Band erschien 1793. Bereits 1788 war durch den Dänen Nils Iversen Schow in Rom die erste Publikation von Fellachen in Ägypten gefundener Papyri erfolgt.[14]

Seit dem 19. Jahrhundert wurde neben Zufallsfunden und Raubgrabungen auch von Wissenschaftlern gezielt nach Papyri gegraben, unter anderem bei Memphis und Theben, in Soknopaiu Nesos (Dime) im Fayum, in Oxyrhynchos, Tebtynis und Hibeh. Immer mehr dokumentarische und literarische Papyri, darunter Reden des Hypereides und die Athenaion Politeia (Der Staat der Athener) des Aristoteles, kamen ans Licht und wurden publiziert, sodass die Bedeutung der Papyri als Zeugen der Textüberlieferung immer deutlicher wurde. Die Folge war, dass sich immer mehr Klassische Philologen, Althistoriker und Rechtshistoriker ganz oder teilweise der neuen Disziplin der Papyruskunde zuwendeten und sich die Papyrologie schließlich als eigenständiges Fach zu konstituieren vermochte. 1902 wurde zum Zweck des Erwerbs von Papyri von der 1901 vom preußischen Kultusminister Konrad von Studt gegründeten Berliner Papyruskommission (Mitglieder Richard Schöne, Hermann Diels, Adolf Erman, Ulrich von Wilamowitz-Möllendorff) das Deutsche Papyruskartell unter Leitung von Otto Rubensohn gegründet, durch das eine Konkurrenz deutscher Sammlungen beim Ankauf vermieden werden sollte.[15] Meilensteine der Forschung waren die 1912 bei Teubner in Leipzig in zwei Bänden (je zwei Halbbände) erschienen Grundzüge und Chrestomathie der Papyrusurkunde von Ulrich Wilcken und Ludwig Mitteis sowie das bei der Società Editrice Internationale 1973 in Florenz erschienene Handbuch La papirologia von Orsolina Montevecchi. Entscheidend für die raschen Fortschritte waren mehrere Faktoren: der auf Theodor Mommsen zurückgehende methodische Grundsatz, „daß die Archive der Vergangenheit geordnet werden“,[16] dass also das Quellenmaterial unabhängig von der aktuellen Beurteilung seines Quellenwertes vollständig zu erfassen, zu edieren und zu kommentieren ist; die organisatorische Arbeit von Friedrich Preisigke, der auf Initiative von Otto Gradenwitz die erforderlichen Nachschlagewerke erstellte (siehe oben); die Erschließung der neuen digitalen Möglichkeiten für die Geisteswissenschaften, bei der das Fach unter Federführung von Dieter Hagedorn an der Universität Heidelberg sowie John F. Oates[17] und William H. Willis[18] an der Duke University Pionierarbeit geleistet hat und weiterhin eine herausragende Rolle spielt; die Interdisziplinarität und die intensive internationale Zusammenarbeit unter der Devise der amicitia papyrologorum (Freundschaft der Papyrologen), die sich seit 1930 alle drei Jahre nahezu vollständig auf ihrem Weltkongreß begegnen.[19]

Bedeutende Papyrologen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Anfänge der Papyrologie als moderner wissenschaftlicher Disziplin stehen die Namen Amedeo Angelo Maria Peyron[20] (1785-1870), der in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Papyrologe sowie Koptologe tätig war und die erste Edition einer Serie von Papyri vorlegte. Bernard Pyne Grenfell (1869-1926) und Arthur Surridge Hunt (1871-1934), waren die Entdecker und Editoren zahlreicher Papyri, vor allem der Oxyrhynchus Papyri und der Amherst Papyri.[21] Für die Papyrologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren im deutschsprachigen Raum besonders die Arbeiten von Friedrich Preisigke (1853–1924), Otto Gradenwitz (1860–1935), Ulrich Wilcken (1862–1944), Wilhelm Schubart (1873–1960), Leopold Wenger (1874–1953), Hugo Ibscher (1874–1943), Walter Otto (1878–1941), Fritz Robert Pringsheim (1882-1967) und Emil Kießling (1896–1985) prägend.

Die grundlegende Einführung La Papirologia, Turin 1973, zuletzt Mailand 1991, stammt von der Italienerin Orsolina Montevecchi. Eine knappere Einführung neueren Datums stammt von Hans-Albert Rupprecht. Zu den wichtigen Papyrologen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen ferner etwa die Briten Alan K. Bowman, Bernard Grenfell, John R. Rea, Peter J. Parsons, J. David Thomas und Dorothy J. Thompson[22], die Italiener Tiziano Dorandi, Marcello Gigante, Manfredo Manfredi, der Belgier Jean Bingen, der Niederländer Pieter J. Sijpestein, die Deutschen Dieter Hagedorn, Ludwig Koenen, Wolfgang Luppe, Herwig Maehler, Hans Julius Wolff und Friedrich Zucker sowie die US-Amerikaner Herbert C. Youtie, James G. Keenan, Naphtali Lewis[23] und Roger Bagnall.[24] Eine Liste der als Editoren von Papyri hervorgetretenen Wissenschaftler findet man auf der Seite Trismegistos (siehe unten).

Institute und Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es je eine Professur für Papyrologie an den Universitäten Heidelberg (derzeit Andrea Jördens) und Trier (derzeit Fabian Reiter). Ferner befassen sich rechtsgeschichtliche Lehrstühle und Institute etwa in München,[25] Freiburg[26] und Göttingen mit Papyrologie. Am Institut für Altertumskunde der Universität zu Köln existiert seit 1972 die von Reinhold Merkelbach begründete Arbeitsstelle für Papyrologie, Epigraphik und Numismatik der Nordrhein-Westfälischen Akademie unter Leitung des Klassischen Philologen Jürgen Hammerstaedt.

An der Universität Wien (Standort: Österreichische Nationalbibliothek wegen der dort untergebrachten Papyrussammlung, die mit 180.000 Objekten zu den größten der Welt zählt)[27] gibt es einen speziellen Arbeitsbereich für Papyrologie, der vom Altphilologen Hermann Harrauer ins Leben gerufen wurde. 2004 wurde die erste Professur für Papyrologie und Alte Geschichte eingerichtet, die an seinen ersten Diplomanden, Bernhard Palme, vergeben wurde. Papyrologie ist derzeit für Studierende der Alten Geschichte und Altertumskunde in Wien verpflichtend – eine Besonderheit im deutschsprachigen Raum.

Die Liste von Papyrussammlungen gibt Auskunft über bedeutende deutsche und internationale Papyrussammlungen. Berühmt und bedeutend ist die Sammlung der Oxyrhynchus Papyri in Oxford, die über 400.000 Stücke enthält. In den Vereinigten Staaten gibt es nennenswerte Papyrussammlungen an der Universität Michigan[28] und an der Duke University in North Carolina.[29]

Die Association Internationale de Papyrologues (AIP) ist ein internationaler Verband zur Interessenvertretung und Projektförderung auf dem Gebiet der Papyrologie.[30]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rodney Ast: Papyrology: Literary and Documentary [5]
  • Roger Bagnall: Reading papyri, writing ancient history. Routledge, London u. a. 1995, ISBN 0-415-09376-7.
  • Roger Bagnall: Egypt. From Alexander to the Copts. An archaeological and historical guide. British Museum Press, London 2004, ISBN 0-7141-1952-0.
  • Roger S. Bagnall, Bruce Frier: The demography of Roman Egypt (= Cambridge Studies in Population, Economy, and Society in past Time 23). Reprinted edition. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1995, ISBN 0-521-46123-5.
  • Roger S. Bagnall: The Oxford Handbook of Papyrology (Oxford Handbooks in Classics and Ancient History Series). Oxford University Press, Oxford u.a. 2009 ISBN 978-0-19-984369-5
  • Alain Delattre, Paul Heilporn, Electronic Resources for Graeco-Roman and Christian Egypt. A Review of the State of the Net (March 2014), in: Bibliotheca orientalis, 71, 2014, Kol. 307-331.
  • Joachim Hengstl u. a. (Hrsg.): Griechische Papyri aus Ägypten als Zeugnisse des öffentlichen und privaten Lebens. griechisch-deutsch (unserem verehrten Lehrer Prof. Dr. jur dr. h. c. Hans-Julius Wolff zum 75. Geburtstag am 27. August dargebracht). Heimeran, München 1978.
  • Andrea Jördens: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Neue Folge, hrsg. v. B. Janowski - G. Wilhelm, Band I: Texte zum Rechts- und Wirtschaftsleben, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 2004 (darin: Kap. V 6.1 Der Zolltarif (zusammen mit I. Kottsieper), S. 280–292; Kap. VII: Griechische Texte aus Ägypten, S. 313–354). Band II: Staatsverträge, Herrscherinschriften und andere Dokumente zur politischen Geschichte, Gütersloh 2005 (darin: Kap. VIII Griechische Texte aus Ägypten, S. 369–389). Band III: Briefe, Gütersloh 2006 (darin: Kap. VIII Griechische Briefe aus Ägypten, S. 399–427). Band IV: Omina, Orakel, Rituale und Beschwörungen, Gütersloh 2008 (darin: Kap. IV 4.9.1.3–4.9.1.6 Traumaufzeichnungen aus dem Serapeum - die Katochoi, S. 374–377; Kap. VII Griechische Texte aus Ägypten, S. 417–445). Band V: Texte zur Heilkunde, Gütersloh 2010 (darin: Kap. V Griechische Texte aus Ägypten, S. 317-350). Band VI: Grab-, Sarg-, Bau- und Votivinschriften, Gütersloh 2011 (darin: Kap. IX Griechische Texte aus Ägypten, S. 403-436). Band VII Hymnen, Klagelieder und Gebete, Gütersloh 2013 (darin Kap. V Griechische Texte aus Ägypten, S. 273-310). Bd. VIII Weisheitstexte Mythen und Epen, Gütersloh 2015 (darin Kap. VII Griechische Texte aus Ägypten, S. 479-518).
  • Orsolina Montevecchi: La papirologia. Società Editrice Internationale, Florenz 1973; Vita e pensiero, bearbeitete Neuaufl. Mailand 1991.
  • Peter J. Parsons: Die Stadt des Scharfnasenfisches. Alltagsleben im antiken Ägypten. Aus dem Englischen von Yvonne Badal. Bertelsmann, München 2009, ISBN 978-3-570-00459-3 (zugleich eine gute populäre Einführung in die Arbeitsweise der Papyrologie).
  • Hans-Albert Rupprecht: Kleine Einführung in die Papyruskunde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, ISBN 3-534-04493-2.
  • Wilhelm Schubart: Einführung in die Papyruskundehttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Deinfhrungindie00schuuoft~MDZ%3D%0A~SZ%3Dn10~doppelseitig%3D~LT%3D%27%27Einf%C3%BChrung%20in%20die%20Papyruskunde%27%27~PUR%3D. Weidmann, Berlin 1918.
  • Ludwig Mitteis, Ulrich Wilcken: Grundzüge und Chrestomathie der Papyrusurkunde, Bd. 1-2. Teubner, Leipzig 1912.
  • Hans-Julius Wolff: Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens in der Zeit der Ptolemäer und des Principats (Handbuch des Altertums X 5, 2), Organisation und Kontrolle des privaten Rechtsverkehrs. Ch. Beck, München 1978.
  • Hans-Julius Wolff: Das Recht der griechischen Papyri Ägyptens in der Zeit der Ptolemäer und des Principats (Handbuch des Altertums X 5, 1), Bd. 1 Bedingungen und Triebkräfte der Rechtsentwicklung, hg. von Hans-Albert Rupprecht. Ch. Beck, München 2002 ISBN 978-3-406-48164-2

Zeitschriften/Periodika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umfangreiches Verzeichnis, auch der gängigen Abkürzungen: [6]

Corpora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein detailliertes Verzeichnis der Corpora edierter Papyri, auch mit gängigen Abkürzungen: [7]

Schriftenreihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein detailliertes Verzeichnis der Schriftenreihen, auch mit gängigen Abkürzungen: [8]

Ostraka und Täfelchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein detailliertes Verzeichnis der Editionen, auch mit gängigen Abkürzungen: [9]

Hilfsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein detailliertes Verzeichnis der Hilfsmittel und Nachschlagewerke, auch mit gängigen Abkürzungen: [10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Michael R. Ott, Rebecca Sauer, Thomas Meier (Hrsg.): Materiale Textkulturen. Konzepte – Materialien – Praktiken (= Materiale Textkulturen, Band 1). de Gruyter, Berlin/Boston/München 2015.
  2. siehe Seite der Arbeitsstelle Kleine Fächer über Papyrologie, abgerufen 31. Juli 2015 Die Seite gibt eine Übersicht über die Lehrstühle in Deutschland.
  3. Vgl. Vindolanda tablets online; vgl. Artikel "Vindolanda tablets" der englischen Wikipedia.
  4. Palaeographie – Grundbegriffe. Seite der Uni Passau
  5. Vgl. beispielsweise: Karl Sudhoff: Ärztliches aus griechischen Papyrus-Urkunden. Bausteine zu einer medizinischen Kulturgeschichte des Hellenismus (= Studien zur Geschichte der Medizin. Heft 5/6, ISSN 0256-2634). Barth, Leipzig 1909.
  6. Vgl. Artikel "Petra papyri" der englischen Wikipedia; Information zu den Petrapapyri auf der Seite nabataea.net
  7. http://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/philosophie/zaw/papy/
  8. Heidelberger Gesamtverzeichnis der griechischen Papyrusurkunden Ägyptens
  9. [1]
  10. http://www.columbia.edu/cu/lweb/projects/digital/apis/about.html APIS
  11. Bibliographie Papyrologique
  12. [2]
  13. Seite von Nadine Quenouille zur Geschichte der Papyrologie; Mario Capasso (Hrsg.), Hermae. Scholars and Scholarship in Papyrology (Biblioteca degli "Studi di egittologia e di papirologia"), Bd. 1-4. Giardini, Pisa 2007-2015.
  14. Nils Iversen Schow, Charta Papyracea Graece Scripta Musei Borgiani Velitris Qua Series Incolarum Ptolemaidis Arsinoiticae in Aggeribus Et Fossis Operantium Exhibetur, Rom 1788.
  15. Oliver Primavesi, Zur Geschichte des deutschen Papyruskartells
  16. Theodor Mommsen, Antrittsrede 8. Juli 1858, in: Ders., Reden und Aufsätze. Weidmannsche Buchhandlung, 2. Aufl. Berlin 1905, S. 37: „Es ist die Grundlegung der historischen Wissenschaft, daß die Archive der Vergangenheit geordnet werden.“ Vgl. Stefan Rebenich, Theodor Mommsen und Adolf Harnack. Wissenschaft und Politik im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. de Gruyter, Berlin New York 1997, S. 227; S.640.
  17. Nekrolog für John F. Oates
  18. Artikel „William Hailey Willis“ der englischen Wikipedia.
  19. Internationale Papyrologenkongresse
  20. Vgl. Artikel PEYRÒN, Amedeo Angelo Maria im Dizionario biografico.
  21. Zur Geschichte der Disziplin und zu einzelnen Gelehrten vgl. Mario Capasso (Hrsg.), Hermae. Scholars and Scholarship in Papyrology (Biblioteca degli "Studi di egittologia e di papirologia"), Bd. 1-4. Giardini, Pisa 2007-2015; James G. Keenan, history of th discipline, in: Roger S. Bagnall. (Hrsg.), The Oxford Handbook of Papyrology, Oxford 2009, S. 59–78 [3].
  22. Vgl. Dorothy J. Thompson auf der Seite der Faculty of Classics der University of Cambridge
  23. Vgl. Artikel Naphtali Lewis in der englischen oder französischen Wikipedia.
  24. Vgl. Liste bekannter Papyrologen.
  25. Leopold-Wenger-Institut für Rechtsgeschichte, Abteilung für Antike Rechtsgeschichte und Papyrusforschung
  26. Institut für Rechtsgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  27. Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
  28. Papyrussammlung der University of Michigan
  29. Papyrus Archive Duke University
  30. Seite der AIP, wo sich auch eine Liste der Mitglieder und eine Liste der Forschungsinstitute befindet [4].