Paradoxe Reaktion

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Als paradoxe Reaktion wird in der Medizin die Reaktion des Körpers auf einen Wirkstoff bezeichnet, die das Gegenteil des beabsichtigten Effekts bewirkt. Beispiele sind etwa das Auftreten von Schlaflosigkeit nach der Einnahme eines Schlafmittels oder von vermehrter Angst nach der Gabe eines angstlösenden Medikaments.

Paradoxe Reaktionen sind unter anderem häufig an von ADS/ADHS betroffenen Personen zu beobachten.[1] Auch bei 1,2 % der Kinder, die vor diagnostischen Eingriffen den Wirkstoff Phenobarbital erhalten haben, wird eine paradoxe Reaktion beschrieben.[2] Ebenfalls bei Benzodiazepinen können solche Reaktionen beobachtet werden.[3] Der umgekehrte Effekt, dass nämlich eine stimulierende Substanz auch dämpfend wirken kann, wurde bei Coffein beschrieben.[4]

Von der paradoxen Reaktion abzugrenzen sind immunologische Arzneimittelreaktionen sowie Effekte, die nach Toleranzentwicklung (vgl. Entzugssyndrom) auf bestimmte Substanzen entstehen. Auch die Erhöhung der Suizidgefahr in der Anfangsphase der Gabe von bestimmten Antidepressiva ist keine paradoxe Reaktion im eigentlichen Sinne.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Symptome der ADS/ADHS auf der Webseite des ADHS-Institutes Berlin abgerufen am 13. Mai 2011.
  2. V. E. Karian, P. E. Burrows, D. Zurakowski, L. Connor, K. P. Mason: Sedation for pediatric radiological procedures: Analysis of potential causes of sedation failure and paradoxical reactions. In: Pediatr Radiol. 29, 1999, S. 869–873.
  3. C. Robin, N. Trieger: Paradoxical reactions to benzodiazepines in intravenous sedation: a report of 2 cases and review of the literature. In: Anaesth Prog. 49, 2002, S. 128–132.
  4. J. T. Rubin, R. B. Towbin, M. Bartko, K. M. Baskin, A. M. Cahill, R. D. Kaye: Oral and intravenous caffeine for treatment of children with post-sedation paradoxical hyperactivity. In: Pediatric radiology. Band 34, Nummer 12, Dezember 2004, S. 980–984, doi:10.1007/s00247-004-1303-8, PMID 15365651.
  5. Rote Liste 2011. Frankfurt, 2011.