Parapluieberg (Perchtoldsdorf)

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Parapluieberg
Parapluieberg von Nordosten

Parapluieberg von Nordosten

Höhe 562 m ü. A.
Lage Perchtoldsdorf, Niederösterreich
Gebirge Wienerwald
Koordinaten 48° 7′ 14″ N, 16° 13′ 44″ OKoordinaten: 48° 7′ 14″ N, 16° 13′ 44″ O
Parapluieberg (Perchtoldsdorf) (Niederösterreich)
Parapluieberg (Perchtoldsdorf)

Der Parapluieberg (562 m ü. A.[1]) ist ein Berg im südlichen Wienerwald in Niederösterreich.

Er liegt im Westen des Gemeindegebiets von Perchtoldsdorf und ist mit dem Franz-Ferdinand-Schutzhaus und dem umliegenden Naturpark Föhrenberge ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Die Grundstücke auf dem Parapluieberg sind Eigentum der Marktgemeinde Perchtoldsdorf.[2]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berg ist nach Schwarzföhren benannt, deren Äste keinen spitzen Wipfel bilden, sondern ähnlich einem Schirm in die Breite wachsen (Schirmföhren). Solche Bäume kommen im Gebiet des Parapluieberges wiederholt vor und werden nach dem französischen Wort parapluie [pa.ʁa.plɥi] für (Regen-)Schirm auch als Parapluiebäume bezeichnet. Der Name des Berges leitet sich davon ab. Einer dieser Bäume steht unter Naturschutz.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Parapluieberg besteht hauptsächlich aus Dolomit (sogenanntem Hauptdolomit aus dem Karn bis Nor). Das Gestein ist über 200 Mio. Jahre alt. Im Norden bzw. Westen liegen Gebiete aus Kalkstein. Geologisch ist der Parapluieberg einer der nördlichsten Ausläufer der Nördlichen Kalkalpen. An seiner Westflanke liegen ehemalige Steinbrüche, in denen Gestein für Zementherstellung gewonnen wurde. Das Zementwerk in der westlichen Nachbargemeinde Kaltenleutgeben ist aufgelassen.

Beim Kalkstein im Westen des Parapluieberges handelt es sich um sogenannten Aptychenkalk,[3] Kalkmergel. Dabei handelt es sich um ein Sedimentgestein aus der Übergangszeit zwischen Jura und Kreide, das 130 bis 150 Mio. Jahre alt ist (Tithon bis Unterneokom). Es stammt aus der Tethys im Erdzeitalter des Mesozoikums. Zwischen dem Hauptdolomit und dem Kalkstein befindet sich eine schmale Schicht aus anderen, ähnlichen Gesteinen: Riffkalk, kalkiger Sandstein usw. aus dem Mesozoikum (Rhät, Lias, Malm usw.). Die Gesteinsschichten werden als „Schrambach-Neokomaptychenschichten“ bezeichnet.[4]

Im Gestein wurde eine Reihe von Versteinerungen (Fossilien) gefunden. Die für den Kalk namensgebenden Aptychen sind Kieferteile von Ammoniten, die auch als Verschlussdeckel der Ammonitengehäuse gedeutet wurden. Sie sind charakteristische Fossilienreste des beim Parapluiebergs früher abgebauten Kalksteins.

Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Kalksteins für die Steinbrüche, der verschiedenen Gesteinsarten auf kleinem Raum sowie der leichten Erreichbarkeit aus der Großstadt Wien ist das Gebiet geologisch eingehend untersucht und darüber publiziert worden.[5]

Nach der tektonischen Übersicht gehört das Gebiet zur Höllenstein-Einheit des Frankenfels-Lunzer Deckensystems der Nördlichen Kalkalpen (Ostalpin).[6] Der Parapluieberg liegt im Nordostsporn der Kalkalpen und ist Teil eines aufgewölbten Gesteinszuges (Höllenstein-Antiklinale).[7]

Der Gesteinszug, zu dem der Parapluieberg gehört, verläuft östlich in weiterer Folge im Untergrund des Wiener Beckens. Er wird knapp hinter der Stadtgrenze von Wien (Gegend Hochstraße in Rodaun) von den Schottern des Wiener Beckens überlagert. Bereits wenige Kilometer dahinter (Gegend Meidling) befindet er sich in der Vösendorfer Depression über 1000 Meter unter der Erdoberfläche, nordwestlich von Wien (Aderklaa) ist er in 2500–3500 Meter Tiefe zu finden.[8]

Der Dolomit des Parapluieberg-Gebietes stammt teilweise aus dem Nor. Diese Art von Gestein („norischer Anteil des Perchtoldsdorfer Dolomits“) ist durch eine 5435 Meter tiefe Bohrung bei Strasshof als gasführendes Reservoir nachgewiesen.[9]

Ausblick von der Terrasse des Schutzhauses am Parapluieberg

Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berg ist auf einer Reihe von markierten Wanderwegen aus fast allen Richtungen gut erreichbar, ausgenommen vom Nordwesten, in dem die Felsabbrüche der Steinbrüche liegen.

Der Parapluieberg liegt auch an einer (für den allgemeinen Verkehr gesperrten) Forststraße. Diese Straße beginnt in Perchtoldsdorf und führt über den Höhenrücken, zu dem der Parapluieberg gehört, mit verschiedenen Abzweigungen nach Gießhübl und Sulz im Wienerwald. Sie wird „Schutzhüttenstraße“ genannt,[10] nach den an ihr liegenden Gasthäusern bzw. Schutzhütten: Franz-Ferdinand-Schutzhaus, Kammersteiner Hütte, Teufelstein-Hütte, Gh. Kugelwiese, Gh. Seewiese und (2007 abgebrannt, seit 2009 wieder in Betrieb) Höllenstein. Für diese Straße wird im Alltag nach der ehemaligen Grundherrschaft auch die Bezeichnung „Liechtensteinstraße“ verwendet oder „Höhenstraße“.[11]

Über den Berg führt eine beschilderte Mountainbike-Strecke.[12]

Burgruine Kammerstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Ruine aus dem 13. Jahrhundert befindet sich am steilen Aufstieg zum Parapluieberg vom Kaltenleutgebener Tal.

Franz-Ferdinand-Schutzhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz-Ferdinand-Schutzhaus

Dieses Gasthaus wurde 1905 erbaut, 1985 und 1995 renoviert und an das Wasser- und Kanalnetz angeschlossen. Es liegt im Westen von Perchtoldsdorf in 532 m Seehöhe am Parapluieberg (Vorderer Föhrenberg). Seine Terrasse bietet einen weiten Blick in den Süden von Wien, an klaren Tagen ist die ca. 60 km entfernte Donau-Brücke von Bratislava deutlich erkennbar. Das Schutzhaus ist neben der Teufelsteinhütte und der Kammersteiner Hütte eine der drei Gaststätten im Nahbereich des Wienerwaldes bei Perchtoldsdorf (die auf Landkarten noch verzeichnete Rablhütte an der Perchtoldsdorfer Heide wurde in den 1980er-Jahren abgetragen).

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Lechnerkreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gipfel des Parapluieberges liegt einige Hundert Meter westlich der Franz-Ferdinand-Hütte. Auf ihm befindet sich ein kleines Holzkreuz.

Gipfelkreuz am Parapluieberg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Parapluieberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. amtliche Geodaten (Basemap.at, NÖAtlas)
  2. Grundstücke 2608/1 und 2608/7, Einlagezahl 1615, Katastralgemeinde 16121 Perchtoldsdorf, Grundbuch Bezirksgericht Mödling (einschließlich der Flächen, auf denen sich die Schutzhäuser befinden, abgerufen 21. Juni 2018) sowie Grundstücke 609 und 619, Einlagezahl 1698, Katastralgemeinde 16115 Kaltenleutgeben, Grundbuch Bezirksgericht Mödling (Grundstücke des Steinbruches, dass sich diese Grundstücke in der Gemeinde Kaltenleutgeben befinden, ändert nicht am Eigentum der Gemeinde Perchtoldsdorf, abgerufen 21. Juni 2018).
  3. Bild aus dem Gestein des Gebietes bei: Godfried Wessely. Niederösterreich. S. 141.
  4. Georg Rosenberg: Geologische Karte des kalkalpinen Wienerwaldes um Kaltenleutgeben. 1:10.000, Wien 1964, S. 130 und Tafel 1 (nach S. 153) zu: Georg Rosenberg: Der kalkalpine Wienerwald um Kaltenleutgeben (NÖ. und Wien). In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. GBA, Band 108. Wien 1965, S. 115–153.
  5. Godfried Wessely: Niederösterreich. (= Geologie der österreichischen Bundesländer). Geologische Bundesanstalt, Wien 2006, ISBN 3-85316-23-9 am Band so angegeben, korrigierte, ISBN 3-85316-239-8, S. 132–145 und die Arbeiten im Literaturverzeichnis Seiten 379–402, z. B. von Kollmann, Plöchinger, Prey und Rosenberg. Der Steinbruch Kritsch, aus dem einige Bilder dieses Bandes stammen, liegt westlich des Parapluieberges.
  6. Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000. Blatt 58: Baden. Hrsg. von der Geologischen Bundesanstalt, Wien 1997, DNB 957558589
  7. Georg Rosenberg: Tektonische Übersicht über den Nordostsporn der nördlichen Kalkalpen im kalkalpinen Wienerwald. (NÖ. und Wien). 1:25.000. Wien 1964, Tafel 2 zu: Georg Rosenberg: Der kalkalpine Wienerwald um Kaltenleutgeben (NÖ. und Wien). In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. GBA, Band 108, Wien 1965, S. 115–153.
  8. Geologische Themenkarte der Republik Österreich 1:200.000. Wiener Becken und angrenzende Gebiete. Hrsg. von der Geologischen Bundesanstalt mit Erläuterungen. Wien 1993. Vier Karten mit Erläuterungen in Plastikumschlag, ISBN 3-900312-88-5, Tafel 1 der Erläuterungen. Karte: Geologische Einheiten des präneogenen Beckenuntergrundes.
  9. Österreichisches Montan-Handbuch 2007. (Memento vom 19. Oktober 2007 im Internet Archive) Bergbau-Rohstoffe-Grundstoffe-Energie. Teil A: Der Bergbau im Jahr 2006. Herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. 81. Jahrgang. Wien 2007, S. 56.
  10. Vom Franz-Ferdinand-Schutzhaus nach Westen: Freytag-Berndt: Städteatlas Großraum Wien 1:20.000. Ausgabe 2007. Blatt 52 Planquadrat X 3.
  11. Bis zum Franz-Ferdinand-Schutzhaus. Freytag-Berndt: Städteatlas Großraum Wien 1:20.000. Ausgabe 2007. Blatt 52, Planquadrat X 4.
  12. Parapluie Strecke. Abgerufen am 21. Juni 2018.