Parasite (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelParasite
OriginaltitelGisaengchung (기생충)
ProduktionslandSüdkorea
OriginalspracheKoreanisch
Erscheinungsjahr2019
Länge132 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieBong Joon-ho
DrehbuchBong Joon-ho
MusikJeong Jae-il
KameraHong Kyung-pyo
SchnittYang Jin-mo
Besetzung
Die Besetzung von Parasite. Von links nach rechts: Choi Woo-shik, Jo Yeo-jeong, Jang Hye-jin, Park So-dam, Lee Sun-kyun und Song Kang-ho.

Parasite (Originaltitel: Gisaengchung) ist eine Familientragikomödie des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho aus dem Jahr 2019. Der Film gewann bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Cannes als erster südkoreanischer Film die Goldene Palme.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vierköpfige Familie Kim – bestehend aus Kim Ki-taek, seiner Frau Chung-sook, Sohn Ki-woo und Tochter Ki-jung – lebt in ärmlichen Verhältnissen ohne stabiles Einkommen in einer schäbigen Wohnung im Untergeschoss eines Hauses. Ein früherer Schulfreund des Sohnes Ki-woo schlägt diesem vor, ihn während seiner Abwesenheit als Nachhilfelehrer für Englisch bei einer wohlhabenden Familie zu vertreten. Seine Schwester Ki-jung fälscht für ihn ein Diplom und weitere Dokumente. So wird er bei dem Ehepaar Park als Lehrer für deren Tochter Da-hye angestellt. Dabei erfährt er, dass der Sohn Da-song der Familie zum Stolz der Eltern gerne malt. Daher empfiehlt er Frau Park eine Freundin namens Jessica, die angeblich in Illinois studiert hat und Kunsttherapie unterrichtet. Frau Park möchte sie kennen lernen. Allerdings handelt es sich in Wirklichkeit um Ki-woos Schwester Ki-jung. Sie kann Frau Park durch ihre Methoden und ihr Auftreten überzeugen und wird als Da-songs Kunstlehrerin angestellt. Nach dem Unterricht soll der Fahrer der Familie sie nach Hause bringen. Ki-jung nutzt die Gelegenheit aus, indem sie während der Fahrt ihren Slip auszieht und ihn hinten im Auto hinterlässt. Als Herr Park diesen entdeckt, geht er davon aus, sein Fahrer hätte auf dem Rücksitz Sex gehabt.

Daraufhin entlassen sie den Fahrer, und Jessica empfiehlt den angeblichen früheren Fahrer ihres Onkels. Dabei handelt es sich in Wahrheit um ihren Vater. Nun soll schließlich auch die Haushälterin der Familie, Moon-gwang, zu Gunsten ihrer Mutter verschwinden. Diese lebt schon länger in dem Anwesen als Familie Park selbst. Zuvor hat sie für den Architekten gearbeitet, der das Haus entwarf. Die Familie schmiedet einen Plan. Es gelingt ihnen, Frau Park glauben zu machen, die Haushälterin sei an Tuberkulose erkrankt und eine Gefahr für die Kinder. So wird sie entlassen und Chung-sook wird eingestellt.

Zum Geburtstag des Sohnes Da-song unternimmt Familie Park einen Campingausflug. Familie Kim nutzt das aus, um die Zeit im Haus zu verbringen und den Wohlstand zu genießen. Plötzlich kehrt die alte Haushälterin zurück und sagt, sie habe etwas im Haus vergessen, was sie gerne noch holen möchte. Chung-sook lässt sie herein, während sich der Rest der Familie versteckt. Als sie nicht aus dem Keller zurückkommt, schaut Chung-sook nach, was los ist. Die Haushälterin versucht einen Wandschrank zu verschieben. Chung-sook hilft ihr. Dahinter befindet sich die Tür zu einem unterirdischen Bunker. Dort wohnt Moon-gwangs Ehemann. Nur Moon-gwang, so erklärt sie, wisse von dem Bunker. Als der Architekt das Haus verkaufte, erwähnte er Familie Park gegenüber den Bunker nicht. Beim Besitzerwechsel nutzte Moon-gwang die Gelegenheit, ihren Mann dort vor Kredithaien zu verstecken und ihm regelmäßig Essen zu bringen.

Chung-sook will die Polizei rufen, während der Rest der Familie Kim auf der Treppe zuhört. Ki-taek rutscht aus und die ganze Familie stürzt nach unten. Moon-gwang erkennt, dass es sich um eine einzige Familie handelt. Sie macht ein Video und droht, es an Yeon-kyo zu senden, falls die Familie nicht auf ihre Forderungen eingeht. In einem Moment der Unaufmerksamkeit kann Ki-woo das Smartphone entwenden. Es gelingt ihnen, Moon-gwang und ihren Mann zu überwältigen und in den Bunker zu sperren. Allerdings ruft nun Yeon-kyo an und sagt, der Campingausflug sei aufgrund des Starkregens ausgefallen und Chung-sook solle ein Essen vorbereiten. Schnell räumt die Familie das Gröbste auf, während Chung-sook Essen macht. Doch die Familie kann das Haus nicht rechtzeitig verlassen und versteckt sich unter dem Wohnzimmertisch, während Herr Park sich gegenüber seiner Frau unter anderem abfällig über den Geruch des Fahrers äußert, ehe beide auf dem Sofa Sex haben und schließlich einschlafen.

Als die Kims das Haus verlassen und durch den strömenden Regen nach Hause laufen, erkennen sie, dass die Kanalisation übergelaufen ist. Ihre Wohnung steht unter Wasser; die Nacht müssen sie in einer Sporthalle verbringen. Am nächsten Tag plant Frau Park eine spontane Geburtstagsfeier für ihren Sohn. Dafür wird die gesamte Familie Kim benötigt. Ki-taek muss mit Yeon-kyo einkaufen gehen, Chung-sook wird als Haushälterin für diverse Planungen benötigt, Ki-jung soll als Kunstlehrerin von Da-song anwesend sein und Tochter Da-hye möchte, dass auch Ki-woo kommt, der mit ihr eine heimliche Liebesbeziehung begonnen hat. Während Gi-jung und Chung-sook beratschlagen, ob sie mit Moon-gwang und ihrem Mann reden sollten, hat Ki-woo eine Entscheidung gefällt. Er bewaffnet sich mit einem schweren Stein und betritt den Bunker. Doch Moon-gwangs Ehemann überwältigt ihn und wirft den Stein zweimal auf seinen Kopf. Ki-woo verliert viel Blut. Während Moon-Hwang nicht zu sehen ist, möchte der Mann auch die anderen Familienmitglieder töten. Als Gi-jung eine Torte übergeben will, sticht er mit einem Messer auf sie ein. Chung-sook und Ki-taek kämpfen mit ihm. Alle anderen wollen nur flüchten. Herr Park will von Ki-taek die Autoschlüssel, um seinen ohnmächtig gewordenen Sohn ins Krankenhaus zu fahren, doch diese landen unter Moon-gwangs Ehemann, der noch mit Chung-sook kämpft. Sie kann ihn mit einem Spieß töten. Herr Park versucht an die Schlüssel zu kommen, schreckt jedoch kurz vor dem Geruch des Mannes zurück. Daraufhin ergreift Ki-taek das Messer, sticht auf Park ein und flieht.

Ki-woo erwacht im Krankenhaus. Seine Schwester ist verstorben, sein Vater verschwunden. Vor Gericht kommen er und seine Mutter mit einer Bewährungsstrafe davon. Weiterhin leben sie in dem schäbigen Untergeschoss. Eines Nachts möchte Ki-woo das Haus wiedersehen. Er beobachtet von einem erhöhten Platz, dass das Licht über der Treppe im Morsecode aufleuchtet. Sein Vater hält sich im Bunker versteckt; die Leiche der Haushälterin hat er im Garten vergraben. Ki-woo stellt sich vor, wie er eines Tages reich ist, das Haus kauft und sein Vater einfach nur nach oben kommen muss.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten begannen Ende Mai 2018[2] und endeten im September 2018.[3] Der Film feierte seine Weltpremiere am 21. Mai 2019 anlässlich der 72. Internationalen Filmfestspiele von Cannes.[4][5] In den südkoreanischen Kinos lief er am 30. Mai 2019 an.[6] Koch Media sicherte sich die Vertriebsrechte an Parasite für den deutschsprachigen Raum.[7] Ein Kinostart in Deutschland ist am 17. Oktober 2019 geplant.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der internationalen Kritikerumfrage zum 72. Filmfestival von Cannes der Zeitschrift Screen erreichte Parasite mit 3,5 von 4 möglichen Punkten den höchsten Wert aller Wettbewerbsfilme der Festspiele 2019.[9] In Südkorea wurden über zehn Millionen Kinotickets verkauft.[10] Es ist der erfolgreichste südkoreanische Film in Frankreich mit mittlerweile über 1,6 Millionen Kinobesuchern.[11][12] Parasite ist damit der erfolgreichste Gewinner der Goldenen Palme an Frankreichs Kinokasse seit Fahrenheit 9/11 (2004).[13] Der Film ist außerdem der südkoreanische Beitrag für die Oscarverleihung 2020 in der Kategorie Bester internationaler Film.[14]

In der Kritikerwertung von Rotten Tomatoes erreicht Parasite einen Zuspruch von 99 % bei 164 Kritiken.[15] Jessica Kiang von der Variety beschreibt Parasite als „bemerkenswerte rabenschwarze Tragikomödie über soziale Ungleichheit im modernen Korea“. Dem Szenendesigner Lee Ha-jun sei mit dem Kontrast der Häuser der beiden Familien mit Raum und Licht ein meisterhaftes Beispiel zur Darstellung eines Klassenunterschieds gelungen. So grausam, brillant und sarkastisch der Film durch seine Machart und seinen Humor auch sei, sei er genauso düster. Untermalt werde dies von Hong Kyung-pos makelloser Kameraführung.[16] Für Jonathan Romney von Screen Daily ist Parasite von Anfang bis Ende eine „unheilvolle Freude“. Der Film sei erfinderisch und voller Überraschungen. Nach seiner Interpretation seien die Handlungen der Familie Kim vielleicht nicht gerechtfertigt, werden aber von der wirtschaftlichen Wirklichkeit angetrieben. In der Welt verachten die Reichen die Armen nicht, behandeln sie aber wie Dreck, was im Film durch den widerwärtigen Geruch zum Ausdruck gebracht werde. Die Besetzung laufe zur Höchstform auf in einer Reihe voller unverschämter und kleinlicher Situationen mit punktgenauer Komik.[17] Für Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war Parasite einer der Höhepunkte von Cannes und stelle Quentin Tarantinos Once Upon a Time in Hollywood in den Schatten.[18]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2019

Sydney Film Festival[20]

  • Gewinner des Sydney Film Prize für den besten Film

Chunsa Film Awards 2019[21]

  • Auszeichnung in der Kategorie beste Regie für Bong Joon-ho
  • Auszeichnung in der Kategorie bestes Drehbuch für Bong Joon-ho und Han Jin-won
  • Auszeichnung in der Kategorie beste Darstellerin für Jo Yeo-jeong
  • Auszeichnung in der Kategorie beste Nebendarstellerin für Lee Jung-eun

Gilde-Filmpreis 2019

  • Auszeichnung als Bester Spielfilm international[22]

Buil Film Awards 2019[23]

  • Auszeichnung in der Kategorie bester Film
  • Auszeichnung in der Kategorie bestes Drehbuch für Bong Joon-ho und Han Jin-won
  • Auszeichnung in der Kategorie beste Nebendarstellerin für Lee Jung-eun
  • Auszeichnung in der Kategorie bester Nebendarsteller für Park Myung-hoon
  • Auszeichnung in der Kategorie beste Kameraführung für Hong Kyung-pyo
  • Auszeichnung in der Kategorie beste Filmmusik für Jeong Jae-il

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Parasite. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 192498/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Sonia Kil: Bong Joon-ho’s ‘Parasite’ Starts Shooting (EXCLUSIVE). In: Variety. 30. Mai 2018, abgerufen am 12. November 2018 (englisch).
  3. Pierce Conran: BONG Joon-ho’s PARASITE Wraps Production. In: Korean Film Biz Zone. KOFIC, 29. Oktober 2019, abgerufen am 14. April 2019 (englisch).
  4. Screening Guide 2019. In: festival-cannes.com (PDF-Datei, 222 KiB; abgerufen am 9. Mai 2019).
  5. Patrick Frater: Bong Joon-ho’s ‘Parasite’ Earns Five-Minute Cannes Ovation. In: Variety. 21. Mai 2019, abgerufen am 22. Mai 2019 (englisch).
  6. Lee Gyu-lee: Bong's new movie 'Parasite' out May 30. In: The Korea Times. 3. Mai 2019, abgerufen am 3. Mai 2019 (englisch).
  7. Pierce Conran: BONG Joon-ho’s PARASITE Claims Early Sales. In: Korean Film Biz Zone. KOFIC, 9. November 2018, abgerufen am 12. November 2018 (englisch).
  8. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 29. Juni 2019.
  9. Ben Dalton: Bong Joon Ho’s 'Parasite' finishes top of Screen’s Cannes 2019 jury grid. In: Screen International. 25. Mai 2019, abgerufen am 25. Mai 2019 (englisch).
  10. Parasite (2019). In: Korean Film Biz Zone. Korean Film Council, abgerufen am 7. Juni 2019 (englisch).
  11. Cannes-winning 'Parasite' becomes most-watched Korean film in France. In: The Korea Herald. Yonhap, 24. Juni 2019, abgerufen am 25. Juni 2019 (englisch).
  12. PARASITE (2019). In: JP's Box-Office. Abgerufen am 12. August 2019 (französisch).
  13. South Korea's Oscar-tipped Parasite sets French box-office record. In: The Straits Times. 23. September 2019, abgerufen am 1. Oktober 2019 (englisch).
  14. Robert Mitchell: Oscars: South Korea Selects Palme d’Or Winner ‘Parasite’ for International Feature Film Award. In: Variety. 21. August 2019, abgerufen am 24. August 2019 (englisch).
  15. Parasite bei Rotten Tomatoes (englisch)Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/„importiert aus“ fehlt
  16. Jessica Kiang: Film Review: ‘Parasite’. In: Variety. 21. Mai 2019, abgerufen am 24. August 2019 (englisch).
  17. Jonathan Romney: “Parasite”: Cannes Review. In: Screen Daily. 22. Mai 2019, abgerufen am 10. September 2019 (englisch).
  18. Verena Lueken: Gartenparty mit Blutbad, Mann ohne Hoffnung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. Mai 2019, abgerufen am 24. August 2019.
  19. Filmfestival Cannes: Goldene Palme für "Parasite" (Bong Joon-ho). In: Zeit Online. 25. Mai 2019, abgerufen am 25. Mai 2019.
  20. Patrick Frater: ‘Parasite’ Wins Sydney Film Festival. In: Variety. 16. Juni 2019, abgerufen am 17. Juni 2019 (englisch).
  21. Winners Of 2019 Chunsa Film Art Awards. In: Soompi. 18. Juli 2019, abgerufen am 20. Juli 2019 (englisch).
  22. Jan-Ole Gersters LARA und Bon Joon Hos PARASITE unter den Gewinnern des renommierten Gilde Filmpreises. In: Filmkunstmesse Leipzig. 20. September 2019, abgerufen am 21. September 2019.
  23. Pierce Conran: PARASITE Sweeps 6 Prizes at Buil Film Awards. BONG Joon-ho’s Latest Takes Home Best Film among 6 Prizes in Busan. In: Korean Film Biz Zone. KOFIC, 14. Oktober 2019, abgerufen am 19. Oktober 2019 (englisch).