Paraxol

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Die Paraxol GmbH war eine Tochterfirma der DEGUSSA (Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt) in Frankfurt zur Herstellung des Sprengstoff-Vorprodukts Pentaerythrit, das Ausgangsmaterial für den militärischen Sprengstoff Nitropenta während des Zweiten Weltkriegs.

Die Gesellschaft wurde im Rahmen des Montan-Schemas gegründet und sollte in vier weit über Deutschland verstreuten Werken produzieren. Die Werke waren als "Staatsgeheimnis" klassifiziert und wurden zur Verschleierung offiziell als "Holzmehlanlagen" bezeichnet.

  • Lippoldsberg (in der Nähe von Bodenfelde an der Weser), Tarnbezeichnung "Werk B", 1941 fertiggestellt, Betrieb ab September 1944.
  • Schrobenhausen (Bayern) Tarnname „A-Hiag“ (Abkz. für Holzverkohlungs-Industrie AG) im Hagenauer Forst; Bauausführung 1938–1942; 1. Oktober 1942 Betriebsbeginn mit ca. 200 Arbeitern.
  • Welden Bunkergelände am Lerchenberg auf 40 ha Waldgelände 13 km nördlich der Autobahnausfahrt Adelsried; Tarnname „Z-Hiag“, Ausführung 1938–1940.
  • Niederlehme (bei Berlin), Tarnbuchstabe "W"

Die Werke wurden wegen der Tarnung in Form von kleinen Produktionseinheiten in Waldgebieten aufgebaut. Alle Werke hatten grosse Lager für Methanol das jeweils vor Ort katalytisch zu Formaldehyd umgesetzt wurde. Das Formaldehyd wurde zusammen mit Acetaldehyd nach der Kalk-Kondensations-Methode zu Pentaerythrit umgesetzt. Die Werke A und Z hatten 2 Produktionseinheiten für Formaldehyd, 3 Produktionseinheiten für Pentaerythrit. Werk B und W hatten 3 Formaldehydanlagen und 4 Pentaerythrit-Einheiten. Diese an sich harmlose Substanz, die auch in Lacken verwendet wird, wurde in den Nitrierwerken der "Verwertchemie" und der "Deutschen Sprengchemie" mit hoch konzentrierter Salpetersäure zu Pentaerythrit-Nitrat oder Nitropenta weiterverarbeitet. Die Anlagen wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs demontiert und zerstört.

Die Werke wurden teilweise erst kurz vor Ende des Krieges soweit fertiggestellt, dass mit der Produktion begonnen werden konnte.

Das Heereswaffenamt hatte zunächst für knapp 2 Millionen RM über 400 t Pentaerythrit geordert, worauf die DEGUSSA das bestehende Werk in Wildau bei Berlin erweiterte. Aber das Projekt nahm viel größere Dimensionen an. Die DEGUSSA-Tochter HIAG (Holzverkohlungs-Industrie AG) sollte vier sogenannte Bereitschaftsfabriken in verschiedenen Teilen Deutschland errichten und auf Provisionsbasis betreiben. Im Mai 1939 wurde ein Rahmenvertrag unterzeichnet, nach dem vier Werke in der reichseigenen Paraxol GmbH zusammengefasst wurde, während die DEGUSSA die Werke in Bodenfelde und Wildau in eigener Regie betrieb. Für Planung und Bau der neuen Werke wurden 600.000 RM bezahlt.

Lippoldsberg wurde 1943 zum Sitz der Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH (MONTAN), nachdem die Zentrale in Berlin bei einem Bombenangriff im Herbst zerstört worden war. Über dieses Unternehmen wurden die rüstungsrelevanten Betriebe koordiniert. 1945 befand sich die Verwaltung der MONTAN in einer Baracke des Paraxol-Werks.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philip E. Newman: Explosives Industry U.S. Zone. U.S Military Government of Germany, 1946, OCLC 560216567.
  • Barbara Hopmann: Von der Montan zur Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) 1916–1951. Steiner, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06993-3, S. 80.
  • Die Degussa im Dritten Reich, Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52204-1.
  • Winfried Nerdinger (Hrsg.): Bauen im Nationalsozialismus: Bayern 1933–1945. Klinkhardt und Biermann, München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 461.