Park Geun-hye

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Park Geun-hye (2013)
Park Geun-hye (2013)
Koreanische Schreibweise
Hangeul 박근혜
Hanja 朴槿惠
Revidierte Romanisierung Bak Geun-hye
McCune-Reischauer Pak Kǔnhye
siehe auch: Koreanischer Name

Park Geun-hye (* 2. Februar 1952 in Daegu) ist seit 25. Februar 2013 die Präsidentin Südkoreas. Sie ist die ehemalige Vorsitzende der konservativen Saenuri-Partei. Nach langen Protesten aufgrund von Korruptionsvorwürfen wurde am 9. Dezember 2016 ein Amtsenthebungsverfahren gegen sie eingeleitet, was ihre Suspendierung zur Folge hatte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Park Geun-hye und Bundeskanzlerin Angela Merkel (2014)

Park ist die Tochter des Generals und langjährigen Präsidenten Park Chung-hee, der das Land nach einem Putsch des Militärs im Jahr 1961 diktatorisch regierte.

Park Geun-hyes Beliebtheit von 2013 bis 2016

Ihre Mutter wurde 1974 bei einem Attentat, das ihrem Vater galt, von einem in Japan lebenden Koreaner erschossen. In den folgenden Jahren übernahm sie an Stelle ihrer Mutter die Rolle der First Lady. 1979 wurde ihr Vater vom Geheimdienstchef Kim Jae-kyu erschossen. Sie arbeitete danach bei einer Stiftung. 1993 wurde sie Vorsitzende der Koreanischen Kulturgesellschaft.

1997 nach Ausbruch der Asienkrise entschloss sie sich entgegen ursprünglichen Wünschen, in die Politik zu gehen. Sie wurde 1998 in die südkoreanische Nationalversammlung gewählt, der sie bis 2012 angehörte. Schon im Mai 2000 wurde sie stellvertretende Vorsitzende der Grand National Party. Im Mai 2001 traf sie sich mit Kim Jong-il. Im März 2004 folgte sie Lee Hoi-chang als Vorsitzende der konservativen Partei.

2006 wurde sie im Wahlkampf von einem Geisteskranken mit einem Messer verletzt. Im selben Jahr gewann ihre Partei die Regionalwahlen gegen die regierenden Sozialdemokraten. Sie kandidierte für die Präsidentschaftswahl 2007, unterlag aber in einer parteiinternen Vorwahl Lee Myung-bak, der dann auch zum Präsidenten Südkoreas gewählt wurde.

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2011 wurde sie erneut zur Vorsitzenden der Grand National Party gewählt, die sich im Februar 2012 in Saenuri-Partei umbenannte. Der Erfolg der Saenuri-Partei bei der Parlamentswahl im April 2012 wurde wesentlich als ihr Verdienst gewertet. Nach der Parlamentswahl trat sie vom Parteivorsitz zurück, um sich auf die Präsidentschaftskandidatur zu konzentrieren. Am 20. August 2012 wurde sie zur Präsidentschaftskandidatin der Saenuri-Partei gewählt und gewann schließlich am 19. Dezember 2012 als erste Frau die Präsidentschaftswahl. Ihre Vereidigung und der Amtsantritt folgten am 25. Februar 2013.[1]

Während die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer 2007/08 gescheiterten Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur noch auf Steuersenkungen, Regulierungsabbau und innerer Sicherheit lagen, vertritt Park seit 2009 verstärkt auch soziale Themen. Hatte sie den Putsch von 1961 früher noch gerechtfertigt, sagte Park zuletzt, die Geschichte werde entscheiden. Ihr Programm steht unter dem Leitmotiv „wirtschaftliche Demokratisierung“, welche die Ungleichverteilung des Reichtums überwinden und die Jugendarbeitslosigkeit verringern soll.

2014 wurde Park die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Technischen Universität Dresden verliehen.[2]

Korruptionsskandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Oktober 2016 geriet Parks Beziehung zu Choi Soon-sil, Tochter des Pastors Choi Tae-min, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.[3] So wurde bekannt, dass Choi Zugriff auf vertrauliche Regierungsdokumente hatte, obwohl sie keine offizielle Position in der Regierung bekleidet. Dennoch agierte sie als Beraterin für die Präsidentin. Es wurden Anschuldigungen laut, Choi würde ihren Einfluss nutzen, um Unternehmen um Spenden zu erpressen.[4] Sie wird außerdem beschuldigt, das Zulassungsverfahren der Ewha Womans University manipuliert zu haben, damit ihre Tochter, die Dressurreiterin Chung Yoo-ra, die Universität besuchen kann. Am 25. Oktober 2016 bestätigte Park die Beziehungen zu Choi. Wenige Tage später entließ sie ihre Sekretäre.[5] Ihr Zuspruch in der südkoreanischen Bevölkerung fiel auf 17 %.[6] An den Samstagen des 29. Oktober, 5., 12. und 19. November 2016[7] kam es in Seoul zu Protestmärschen der Bevölkerung gegen Park. Der am 12. November veranstaltete war laut Polizeieinschätzungen mit geschätzten 260.000 Teilnehmern (laut Organisatoren 1 Million Teilnehmer) einer der größten seit Einführung der Demokratie in Südkorea. Park hatte sich zuvor öffentlich im Fernsehen entschuldigt und dem Parlament angeboten, ihm die Entscheidung über ihren künftigen Ministerpräsidenten zu überlassen.[8][9] Im November 2016 fielen Parks Beliebtheitswerte trotz mehrfacher Entschuldigungen in Meinungsumfragen auf fünf Prozent. Gleichzeitig warf ihr die Staatsanwaltschaft vor, eine „erhebliche Rolle“ in der Affäre um Choi Soon-sil gespielt zu haben, die mittlerweile wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch verhaftet wurde.[7]

Park äußerte sich am 29. November 2016 in einer kurzen Fernsehansprache. Sie gebe alles auf und überlasse die Entscheidung über einen Rücktritt, einschließlich einer Verkürzung der Amtszeit, der Nationalversammlung. Außerdem bat sie um Entschuldigung, sie habe in den letzten 18 Jahren ihrer politischen Tätigkeit immer versucht, im Interesse des Landes zu handeln, niemals im persönlichen Interesse. Sie kündigte an, weitere Vorwürfe offenzulegen, beantwortete jedoch keine Fragen. Die Oppositionsparteien kündigten ein Amtsenthebungsverfahren an.[10] Am 9. Dezember 2016 wurde Park vom Parlament mit 234 zu 56 Stimmen suspendiert. Das Verfassungsgericht muss nun in 180 Tagen entscheiden, ob es dem Votum zustimmt. Bis dahin übernimmt Premierminister Hwang Kyo-ahn die Staatsaufgaben.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Park Geun-hye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dpa: Südkoreas neue Präsidentin Park Geun Hye tritt Amt an. Zeit Online, 25. Februar 2013.
  2. dpa: Südkoreas Präsidentin Park erhält Ehrendoktorwürde der TU Dresden. Focus Online, 28. März 2014.
  3. Kim Bo-eun: Investigations into 'Choi Soon-sil gate' widening. In: The Korea Times. 23. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016 (englisch).
  4. Fabian Kretschmer: Wirbel um Vertraute der Präsidentin Südkoreas. In: Deutsche Welle. 26. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  5. Park Si-soo: Park orders secretaries to resign over 'Choi Soon-sil scandal'. In: The Korea Times. 29. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016 (englisch).
  6. Bae Hyun-jung: Park calls for sweeping reshuffle of presidential staff. In: The Korea Herald. 30. Oktober 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016 (englisch).
  7. a b „Korruptionsaffäre in Südkorea: Beweise belasten Präsidentin Park | tagesschau.de“. Zugegriffen 20. November 2016. https://www.tagesschau.de/ausland/suedkorea-ermittlungen-korruption-101.html.
  8. tagesschau.de. „Südkorea: Hunderttausende gegen die Präsidentin“. tagesschau.de. Zugegriffen 13. November 2016. https://www.tagesschau.de/ausland/seoul-protest-101.html.
  9. Choi Kyongae: (LEAD) Cheong Wa Dae says will take massive anti-gov't rally seriously. In: Yonhap. 13. November 2016, abgerufen am 13. November 2016 (englisch).
  10. Patrick Welter: Präsidentin Park zum Rücktritt bereit. Neue Zürcher Zeitung, 29. November 2016, abgerufen am 29. November 2016.
  11. Parliament votes to impeach Park: 234 for, 56 against. In: The Korea Herald. 9. Dezember 2016, abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
Koreanischer Name Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Koreanischen. Park ist hier somit der Familienname, Geun-hye ist der Vorname.