Parklet

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Parklet in San Francisco

Ein Parklet ist ein Stadtmöbel auf ehemaligen Parkplatzflächen, das den Menschen mittels Aufbauten mehr öffentlichen Raum zur Verfügung stellt. Als Baumaterial dient meist Holz, z. B. Paletten.

Beschreibung und kurze Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Parklet bietet vor allem Sitzgelegenheiten; Elemente wie Pflanzen, Beleuchtung, Regenschutz oder Fahrradabstell­möglichkeiten erhöhen die Aufenthaltsqualität. In Innenstädten bietet es z. B. eine Möglichkeit zum Ausruhen beim Einkauf. Es kann auch als Treffpunkt für Anwohner dienen. Da es kein festes Fundament hat, kann ein Parklet kostengünstig hergestellt und schnell auf- und wieder abgebaut werden.

Das erste Parklet wurde 2013 in San Francisco aufgestellt.[1] Es folgten andere Städte in den Vereinigten Staaten. Inzwischen gibt es Parklets in Großstädten weltweit.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parklets in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg, im Herbst 2019 abgeräumt und durch Findlinge ersetzt
  • In Deutschland wurde in Stuttgart im Jahr 2015 das erste Parklet aufgebaut.[2] Als ein Forschungsprojekt von Studenten entstanden im Jahr 2016 weitere Parklets.[3][4] Im Jahr 2017 wurden Regeln für die Genehmigung aufgestellt.[5][6]
  • In Berlin gibt es seit 2016 eine Parklet-Testzone: der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ließ erste Parklets im Szenekiez Bergmannstraße aufstellen, für jedes fielen etwa vier Anwohnerparkplätze weg. Die Aktion kostete aber 1,6 Millionen Euro.[7] Eine Einbeziehung der Bürger erfolgte nicht, sodass es Kritiker und Befürworter gibt: Die Förderung der Aufenthaltsqualität und die Verbesserung der Kommunikation konnten bisher eher nicht festgestellt werden, dagegen bilden die Parklets vor allem in den Abend- und Nachtstunden Treffpunkte für Trinker und lärmende Touristengruppen. Die Müllentsorgung stellte sich auch bereits als Problem heraus.
    Entlang der Bergmannstraße gab es im Mai 2019 insgesamt 17 Parklets. Zwei zuerst errichtete Stadtmöbel (vor den Häusern 11 und 99) mussten inzwischen wieder abgebaut werden, da sie durch Witterung und Vandalismus unbrauchbar geworden sind; sie befinden sich auf einem Lagerplatz des Bezirksamtes. Das Designbüro TAU und die Landschaftsarchitektin Birgit Hammer hatten die ersten Berliner Parklets entworfen, die aus einfachen gehobelten und lackierten Brettern bestanden. Größere Mengen dieser Verweilpodeste waren kurzfristig nicht verfügbar, sodass die Osloer Firma Vestre mit der weiteren Lieferung und Aufstellung der Ruhepodeste beauftragt wurde. Sie bestehen aus skandinavischem Kiefernholz und gelb bis orange lackierten Blechen und werden mittels quadratischer Grünflächen als Hochbeete seitlich abgegrenzt. Der Hersteller der Gehwegerweiterungen vom Typ Parklet 2.0, die unter anderem bereits in Oslo aufgestellt wurden, produziert diese nach Entwürfen der Designer Johan Verde, Hong-Ngo Andal und des Büros Studio Oslo Landskapsarkitekter. Vestre nennt als Vorteile: „ein umfangreiches Angebot an Ausstattungslementen, 15 Jahre Garantielaufzeit und Praxiserprobung in mehreren europäischen Ländern“.[8]
Die 17 Parklets an dieser Stelle haben sich laut der Einschätzung der Bezirksverwaltung nicht bewährt, weswegen Baustadtrat Florian Schmidt auf die Flächen Stonelets legen ließ. Diese riesigen Findlinge, die aus Bauarbeiten im Ortsteil Kreuzberg stammen, sollen „Freiräume gegen das Falschparken sichern, bis (neue) Nutzungen definiert sind“. Dazu gibt es wiederum Kritik, weil der Beteiligungsprozess für die Neugestaltung der Straße gestört wird.[7]
  • In Flensburg wurden erstmals im Jahr 2018 drei Parklets errichtet, welche auch 2019 wieder zur Nutzung bereitgestellt wurden.[9]
  • In München begann im Jahr 2018 ein Pilotprojekt zu Parklets in der Innenstadt, sie sollen vor allem zunächst die knappen Sitzmöglichkeiten der Gastronomie erweitern. Weitere Aufstellmöglichkeiten in den Ortsteilen Westend und Giesing sind im Gespräch.[10]
  • Die Ortsgruppe Rostock der Umweltschutzorganisation Greenpeace Deutschland stellt in der Waldemarstraße Rostocks erstes Parklet im Zeitraum von Mai bis Oktober 2019 zur Verfügung.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Parklets – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Student Society of Landscape Architecture demonstrates parklet Iowa state Daily, 26. April 2013.
  2. Kathrin Wesely: Lieber eine Laube als einen Stellplatz. Bei: stuttgarter-zeitung.de, 6. Oktober 2015.
  3. Weltfremder Studenten-Schwachsinn. Bei: stuttgarter-zeitung.de, 1. Juli 2016.
  4. Ann-Kathrin Schröppel: Der Parkplatz wird zur öffentlichen Bühne. Bei: stuttgarter-zeitung.de, 8. Juli 2016.
  5. Parklets gibt es nur mit Genehmigung. Bei: stuttgarter-zeitung.de, 9. August 2017.
  6. Website der Parklet-Initiative in Stuttgart
  7. a b Gerhard Lehrke: Ärger um Findlinge. In: Berliner Zeitung, 28./29. September 2019, S. 14.
  8. Peter Neumann: Parklets kosten mehr als eine halbe Million Euro. In: Berliner Zeitung, 6. Mai 2019, S. 14.
  9. Flensburger Tageblatt: Flensburg: Parklets im Stadtgebiet aufgestellt | shz.de. Abgerufen am 20. Mai 2019.
  10. Retten diese Pilotprojekte Münchner Cafés vor dem Ruin? Veröffentlicht am 27. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  11. NNN: Rostock: Greenpeace will mit Parklet Lebensqualität anheben | svz.de. Abgerufen am 20. Mai 2019.