Parks Range

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Parks Range ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz im Ortsteil Lichterfelde des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Das Gelände in der Ortslage Lichterfelde Süd befindet sich zwischen der in den 1970er Jahren gebauten Thermometersiedlung und der Grenze zu den Landkreisen Potsdam-Mittelmark bzw. Teltow-Fläming in Brandenburg.

Übungsgelände der U.S. Army[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Areal nutzte ab 1953 die Berlin Brigade der U.S. Army. Namensgeber ist Generalmajor Floyd Lavinius Parks (1896–1959), der von Juli bis Anfang September 1945 der erste Kommandant des Amerikanischen Sektors von Berlin war.[1] Hintergrund könnte auch der Bezug auf die Park Range, ein abgelegenes Gebiet in den Rocky Mountains, gewesen sein.

Auf dem Gelände an der Osdorfer Straße befand sich unter anderem eine Häuserkampf-Anlage, die unter dem Namen „Doughboy City“[2] bekannt wurde. 1975 wurde das Gelände erweitert und umfasste rund 70 Hektar. Das gesamte Militärgelände wurde umgangssprachlich auch US-Geisterstadt genannt und war seinerzeit auf den Berliner Stadtplänen als weiße Fläche eingezeichnet. Anders in einem Stadtplan von Berlin, den die Nationale Volksarmee der DDR in Gebrauch hatte. Hier waren Details des Truppenübungsgeländes eingezeichnet.[3]

Nach jahrelangem Protest Lichterfelder Bürger gegen den Übungslärm in Parks Range hatten die Amerikaner Mitte 1989 Zugeständnisse gemacht. Zwischen 22 und 7 Uhr wurden die Schießübungen auf Kleinkaliberwaffen mit „blinder“ Munition beschränkt. Des Weiteren wurde zugesagt, dass zu diesen Zeiten keine Konvois mehr anrollen, keine Hubschrauber-Tiefflüge stattfinden und das Kampftraining in der „Geisterstadt“ von geräuschintensiven Aktionen befreit wurde. Ebenso wurde Ruhe an Sonn- und Feiertagen vereinbart, und die Sandbahn-Rallyestrecke wurde geschlossen. Der US-amerikanische Generalmajor Raymond E. Haddock[4] machte seinerzeit aber auch deutlich, dass die Zurückhaltung Grenzen hatte: Die drei einwöchigen Manöver pro Jahr zur „Prüfung der Einheiten auf Kampfbereitschaft“ blieben unumgänglich, und eine Verlagerung in die vormalige amerikanische Zone kam nicht in Betracht.

Bevor 1994 die amerikanischen Besatzungstruppen aufgrund des Zwei-plus-Vier-Vertrages abzogen, wurde die Doughboy City abgetragen.

U-Bahnhof „Parks Range“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bemerkenswert war ein nachgebauter U-Bahnhof in Form einer Hochbahnstation in Dammlage, der für Straßenkampfübungen genutzt wurde. Der detailgetreu und realitätsnah gestaltete U-Bahnhof war mit Sitzbänken, Zugabfertigerhäuschen und Treppenaufgängen ausgestattet. Auf einem – nicht mit dem U-Bahn-Netz der BVG verbundenen – Gleisstück war sogar ein ausrangierter Berliner U-Bahn-Wagen abgestellt, der als Befehlsstand diente.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Ende des Übungsbetriebs nahm die Natur dieses Gebiet in Besitz, und es entstand eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt [5] mit zahlreichen, auch nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Arten. Seit den 1990er Jahren wird ein Teil des Areals von der Reitgemeinschaft Holderhof[6] genutzt. Deren Projekt hat erheblich dazu beigetragen, dass auf dem Gelände eine offene Weidelandschaft entstand, die durch die „Pferde als Landschaftspfleger“ nachhaltig erhalten und entwickelt wird.[7]

Aus einer Stellungnahme des Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege, Ingo Kowarik, 2012, gehen Details zur „hohen naturschutzfachlichen Bedeutung“ der „Weidelandschaft Lichterfelde-Süd“ hervor. Die dazugehörige Naturschutzfachliche Bewertungskarte macht die Qualitäten anschaulich.[8]

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flächennutzungsplan von 1994 sieht für das Gelände eine Wohn-, Misch- und Gewerbenutzung vor. Nachdem die US-Army das Gelände aufgab, übernahm es die Bahn-Immobiliengesellschaft Vivico. Deren Nachfolger, die CA Immo, verkaufte das 96 Hektar große Areal (bestehend aus Parks Range und angrenzenden Flächen) im Oktober 2012 an die Groth Gruppe, die eine Wohnbebauung anstrebt.[9]

Aktionsbündnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dagegen stellte ab 2011 das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd ein Konzept der verträglichen Sozialraumerweiterung unter Erhalt schützenswerter Natur innerhalb und außerhalb der ehemaligen Parks Range als Landschaftspark Lichterfelde Süd vor.[10] Für ihr Umweltengagement wurden das Projekt GroßstadtWildnis Lichterfelder Weidelandschaft sowie das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd mit dem Berliner Umweltpreis 2012 des BUND-Landesverbands Berlin ausgezeichnet.[11] Kritisiert wird die geplante Wohnbebauung auch von Gewerbebetrieben am Rande von Parks Range, die sich in einer Petition an das Abgeordnetenhaus von Berlin für eine „Gewerbeinsel“ im Planungsverfahren aussprachen.[12] Diese Petition wurde vom Abgeordnetenhaus abgelehnt, da das Aktionsbündnis und die Öffentlichkeit über das städtebauliche Workshopverfahren und die formellen Planungsverfahren ausreichend beteiligt seien.[13]

Studie für ein Schutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Naturschutz- und Landschaftsentwicklungsstudie für ein zukünftiges Schutzgebiet Lichterfelde-Süd – Dezember 2012 wurde vom Landschaftsarchitekturbüros Fugmann & Janotta vorgelegt.[14] In einer dem Gutachten vorangestellten Zusammenfassung wird empfohlen, insgesamt 84 Hektar des rund 111 Hektar umfassenden Areals als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Das Vorkommen europarechtlich geschützter Arten wird durch ein neues Gutachten umfangreich dokumentiert.[15]

Planungsprozess und Bürgerbeteiligung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Prozess der Bürgerbeteiligung an dem Bebauungsvorhaben und der städtebaulichen Neuordnung ist vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf zugesagt worden. Anfang April 2013 wurde eine Absichtserklärung von der Groth-Gruppe und dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf veröffentlicht, in der Vorstellungen von „Wohnungsbauflächen in Lichterfelde-Süd“ von 39 Hektar mit bis zu 2700 Wohnungen (durchschnittlich 78 m² groß) festgelegt sind. Das Aktionsbündnis kritisierte, dass dabei u. a. Gewerbe sowie Natur- und Artenschutz nicht berücksichtigt worden seien.

Die weiteren Schritte des Bezirks zur Planung für Lichterfelde Süd sahen nach weiteren fachlichen Bewertungen schließlich einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vor.[16] Nach Beschlussfassung durch das Berliner Abgeordnetenhaus ist der geänderte Flächennutzungsplan für Lichterfelde-Süd rechtskräftig geworden.

Ein städtebaulicher Workshop wurde vom Investor Anfang 2014 ausgeschrieben[17] und führte Ende September 2014 zur Vorstellung eines Masterplans, entworfen von Casanova + Hernandez Architects, Rotterdam.[18] Dieser sieht vor, eine Fläche von 39 Hektar mit 2500 Wohneinheiten zu bebauen, die übrige Fläche soll den Status eines Landschaftsschutzgebietes erhalten. Mehr als 500 Wohnungen sollen von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften errichtet werden. Für diese soll der Mietpreis bei 6,50 Euro pro Quadratmeter liegen, für die anderen Apartments zwischen 8,50 und 10,50 Euro. In der Nähe des S-Bahnhofs Lichterfelde-Süd ist eine Schule mit Sportanlagen vorgesehen sowie im zentralen Bereich ein Stadtplatz mit Geschäften sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen. Rund 800 Millionen Euro will die Groth-Gruppe in das Bauprojekt investieren. Der erste Spatenstich war für das Jahr 2016 geplant, die Bauzeit wurde mit fünf bis sieben Jahren veranschlagt.[19]

Das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd (ALL) kritisierte das Workshop-Verfahren und dessen Ergebnis.[20] Ebenfalls der Umweltverband BUND.[21] Ein Bürgerbegehren mit dem Motto Natur- und Landschaftsschutz in Lichterfelde mit Wohnen und Arbeiten vereinbaren,[22] das u. a. die Begrenzung des Bauvorhabens auf 16 Hektar und 1500 Wohnungen forderte, scheiterte. Die erforderliche Zahl gültiger Unterschriften wurde verfehlt.[23]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieutenant General
  2. Umfangreiche U.S. Installations details
  3. Topographischer Stadtplan Berlin/ 1:25.000/ Vertrauliche Verschlußsache
  4. Website des General Major
  5. Stadtplanung (Natur & Erholung 1)
  6. Reitgemeinschaft Holderhof
  7. Zur Pferde-Beweidung ab 2013
  8. Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege, Stellungnahme vom 27. Juli 2012
  9. Baupläne für früheres Militärgelände Großstadtwildnis in Gefahr. In: Der Tagesspiegel, 10. November 2012
  10. Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd
  11. BUND-Landesverband Berlin: Preisträger des Berliner Umweltpreises 2012, 8. November 2012
  12. Prüfstein Lichterfelde-Süd: Petition der Gewerbe-Unternehmen vom 11. März 2014
  13. Prüfstein Lichterfelde-Süd: Antwortschreiben des Petitionsausschusses vom 25. September 2014
  14. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf: Büro Fugmann & Janotta: Naturschutz- und Landschaftsentwicklungsstudie für ein zukünftiges Schutzgebiet Lichterfelde-Süd – Dezember 2012
  15. Prüfstein Lichterfelde-Süd: Artenschutzbeitrag Berlin Lichterfelde Süd, Planwerkstadt Dipl.Ing. Dieter Meermeier
  16. Geplantes Schutzgebiet in Lichterfelde-Süd
  17. Workshop für Lichterfelde Süd
  18. Masterplan für Parks Range
  19. In Lichterfelde entsteht Berlins größtes Wohnungsbauprojekt. In: Berliner Morgenpost. 24. September 2014, abgerufen am 2. Februar 2015.
  20. Kritik am städtebaulichen Konzept
  21. Kritik des BUND
  22. Bürgerbegehren
  23. Scheitern des Bürgerbegehrens

Koordinaten: 52° 24′ 18″ N, 13° 18′ 52″ O