Parlamentswahl in Belgien 2019

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2014Parlamentswahl in Belgien 20192024
 %
20
10
0
16,0
12,0
9,5
8,9
8,6
8,5
7,6
6,7
6,1
16,1
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
−4,3
+8,3
−2,2
−2,7
+4,9
−1,3
−2,0
−2,1
+2,8
−1,8
Sitzverteilung in der Belgischen Abgeordnetenkammer
            
Insgesamt 150 Sitze
Sitzverteilung im Belgischen Senat
            
Insgesamt 60 Sitze

Die Wahl zur belgischen Abgeordnetenkammer fand am 26. Mai 2019 und damit am selben Tag wie die Europawahl statt. Gleichzeitig wurden auch das Flämische Parlament sowie die Parlamente Walloniens, der Region Brüssel-Hauptstadt und der Deutschsprachigen Gemeinschaft neu gewählt.

Ausgangssituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Parlamentswahl in Belgien 2014 konnte die flämisch-nationalistische N-VA leichte Gewinne erzielen, während die Sozialisten des damaligen Premierministers Elio Di Rupo Verluste hinnehmen mussten.

Am 7. Oktober 2014 einigten sich N-VA, CD&V, MR und Open Vld auf die Bildung einer neuen Mitte-Rechts-Regierung. Neuer Ministerpräsident wurde Charles Michel (MR). Die Koalition verfügte über 85 der 150 Sitze. Während sich die neue Regierung auf 65 der 87 flämischen Abgeordneten stützen kann, verfügt die MR als einzige beteiligte frankophone Partei nur über 20 der 63 Abgeordnetensitze der frankophonen Parteien. Die frankophonen Christdemokraten (cdH) hatten es abgelehnt, mit der N-VA zu regieren. Zum ersten Mal seit 1988 waren die Sozialisten nicht in der Regierung vertreten.

Nach einem Streit über die Zustimmung Belgiens zum UN-Migrationspakt zog die N-VA ihre Minister am 9. Dezember 2018 aus der Regierung Michel I zurück. Am selben Tag noch ernannte der König auf Vorschlag Michels neue Minister und erweiterte das Portefeuille einiger Minister, um alle freiwerdenden Posten durch Mitglieder der verbleibenden Regierungsparteien zu besetzen. Statt der „schwedischen“ Koalition (La suédoise, N-VA / MR / CD&V / Open VLD), wurde das Minderheitsbündnis Michel II als „orange-blau“ (MR / CD&V / Open Vld) bezeichnet.[1][2][3] Bevor es am 18. Dezember 2018 zu einer Vertrauensabstimmung kam, trat Michel zurück und die Regierung war seither und bis zu den Wahlen nur noch geschäftsführend im Amt.[4]

Wahlsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Provinz und die Hauptstadtregion Brüssel, die seit 1995 keiner Provinz mehr angehört, bilden jeweils einen Wahlkreis. In jedem Wahlkreis werden die Sitze nach dem D’Hondt-Verfahren proportional verteilt. Es gibt eine 5 %-Hürde. In den kleineren Wahlkreisen ist es jedoch möglich, dass auch eine Partei mit einem Stimmenanteil deutlich über 5 % keinen Sitz erhält.

Diese Regelung wurde 2002 eingeführt, galt aber bis 2010 noch nicht im Gebiet der ehemaligen Provinz Brabant. Nach Auflösung des Wahlkreises Brüssel-Halle-Vilvoorde gibt es seit der Wahl 2014 wieder ein einheitliches Wahlsystem für das ganze Land. Jedoch können die Bewohner von sechs zu Flämisch-Brabant gehörenden Gemeinden, den sog. Fazilitäten-Gemeinden rund um Brüssel, ihre Stimme auch für eine Liste im Wahlkreis Brüssel abgeben.

Die Zahl der Abgeordneten je Wahlkreis wird nach der Verfassung alle 10 Jahre gemäß den Bevölkerungszahlen (einschließlich Ausländer) durch königlichen Erlass festgelegt. Da Brüssel einen weit überdurchschnittlichen Ausländeranteil hat, ist dort die Zahl der Wahlberechtigten je Sitz kleiner als im übrigen Land. Gemäß dem königlichen Erlass vom 31. Januar 2013 verteilen sich die Sitze wie folgt auf die Wahlkreise: [5]

Flandern (Insgesamt 87 Sitze)

Wallonien (Insgesamt 48 Sitze)

Jeder Wähler kann eine Liste wählen, indem er entweder die Liste als ganze wählt oder innerhalb einer Liste beliebig vielen Bewerbern jeweils eine Präferenzstimme gibt.

Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung nach TNS-Umfrage[6]
            
Insgesamt 150 Sitze
TNS-Umfrage (Flandern) vom 24. April 2019[7]
 %
30
20
10
0
27,9
14,7
14,6
14,2
12,7
9,3
5,9
0,8
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
−4,5
−3,9
+6,0
−1,3
−1,3
+3,5
+3,1
−1,4
TNS-Umfrage (Wallonien) vom 24. April 2019
 %
30
20
10
0
24,7
22,0
18,3
14,8
9,3
3,9
3,5
1,1
2,4
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
−7,3
+13,8
−7,5
+9,3
−4,7
+1,5
−1,0
+1,1
−4,1
TNS-Umfrage (Brüssel) vom 24. April 2019
 %
30
20
10
0
21,5
19,0
15,5
11,9
8,5
6,9
4,2
3,0
2,0
7,5
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+11,0
−5,9
−7,6
+8,1
−2,6
−2,4
+1,5
+3,0
+0,4
−5,5
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a 2014: Gemeinsames Resultat von Ecolo und Groen

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewählte Abgeordnete nach Parteien und Wahlkreisen

Ergebnis[8] sortiert nach Stimmen:

Partei Stimmen Sitze
Zahl in % +/- Zahl in % +/- %
N-VA 1.086.787 16,03  4,23 25 16,67  8
Vlaams Belang 810.177 11,95  8,28 18 12,00  15
PS 641.623 9,46  2,21 20 13,33  3
CD&V 602.520 8,89  2,72 12 8,00  6
PTB*PVDA 584.621 8,62  4,90 12 8,00  10
Open Vld 579.334 8,54  1,24 12 8,00  2
MR 512.825 7,56  2,08 14 9,33  6
sp.a 455.034 6,71  2,12 9 6,00  4
Ecolo 416.452 6,14  2,84 13 8,67  7
Groen 413.836 6,10  0,78 8 5,33  2
cdH 250.861 3,70  1,25 5 3,33  4
DéFI 150.394 2,22  0,42 2 1,33  
Parti Populaire 75.096 1,11  0,41 0 0,00  1
DierAnimal 47.733 0,70 Neu 0 0,00 Neu
Destexhe 42.712 0,63 Neu 0 0,00 Neu
Sonstige 110.553 1,64 0 0,00  
Gültige Stimmen 6.780.538 93,93
Ungültige Stimmen 438.095 6,07
Abgegebene Stimmen 7.218.633 100,00 150 100,00  
Enthaltungen 949.076 9,99
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
8.167.709 90,01  0,33

Abstimmungsverhalten nach Region[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Region Brüssel-Hauptstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Region Brüssel-Hauptstadt
Partei Stimmen Sitze
Zahl in % +/- Zahl in % +/- %
Ecolo 108.144 21,57  11,11 4 26,67  2
PS - sp.a 100.195 19,98  6,81 3 20,00  2
MR 87.594 17,47  5,60 3 20,00  1
PTB*PVDA 61.589 12,28  8,45 2 13,33  2
DéFI 51.544 10,28  0,81 2 13,33  
cdH 29.161 5,82  3,50 1 6,67  1
N-VA 15.983 3,19  0,54 0 0,00  
Destexhe 12.879 2,57 Neu 0 0,00 Neu
Open Vld 11.511 2,30  0,37 0 0,00  
Parti Populaire 8.455 1,69  0,05 0 0,00  
Vlaams Belang 7.824 1,56  0,53 0 0,00  
CD&V 6.580 1,31  0,33 0 0,00  
Gültige Stimmen 501.459 93,19
Ungültige Stimmen 36.650 6,81
Abgegebene Stimmen 538.109 100,00 15 100,00  
Enthaltungen 85.053 13,65
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
623.162 86,35

Flandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flandern
Partei Stimmen Sitze
Zahl in % +/- Zahl in % +/- %
N-VA 1.070.804 25,46  7,7 25 28,74  8
Vlaams Belang 784.276 18,65  12,7 18 20,69  15
CD&V 595.940 14,17  4,8 12 13,79  6
Open Vld 567.823 13,50  2,3 12 13,79  2
sp.a 455.034 10,82  3,5 9 10,34  4
Groen 413.836 9,83  1,0 8 9,20  2
PTB*PVDA 236.897 5,63  2,7 3 3,45  3
DierAnimal 35.271 0,84 Neu 0 0,00 Neu
DéFI 14.043 0,33 0 0,00  
Sonstige 32.381 0,77 0 0,00  
Gültige Stimmen 4.206.305 95,31
Ungültige Stimmen 207.015 4,69
Abgegebene Stimmen 4.413.320 100,00 87 100,00  
Enthaltungen 505.551 10,28
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
4.918.871 89,72
Provinz Antwerpen
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
N-VA 361.022 31,23  8,2 8 33,33  3
Vlaams Belang 217.333 18,80  11,8 5 20,83  3
CD&V 128.036 11,07  5,0 3 12,50  1
Groen 127.131 11,00  1,2 2 8,33  
Open Vld 111.505 9,64  0,6 2 8,33  
sp.a 93.114 8,05  3,5 2 8,33  1
PTB*PVDA 88.430 7,65  3,1 2 8,33  2
DierAnimal 13.544 1,17 Neu 0 0,00 Neu
Piratenpartij 7.521 0,65  0,3 0 0,00  
D-SA 3.605 0,31 Neu 0 0,00 Neu
PV&S 3.217 0,28 Neu 0 0,00 Neu
Volt Europa 1.669 0,14 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 1.156.127 96,32
Ungültige Stimmen 44.187 3,68
Abgegebene Stimmen 1.200.314 100,00 24 100,00  
Enthaltungen 141.136 10,52
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
1.341.450 89,48
Provinz Flämisch-Brabant
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
N-VA 193.735 28,08  0,3 5 33,33  
Open Vld 106.175 15,39  9,7 3 20,00  1
CD&V 94 743 13,73  2,8 2 13,33  1
Vlaams Belang 92.844 13,46  9,2 2 13,33  2
Groen 81.620 11,83  3,1 2 13,33  1
sp.a 65.347 9,47  2,5 1 6,67  1
PTB*PVDA 33.016 4,78  2,9 0 0,00  
DéFI 14.043 2,04  0,2 0 0,00  
BUB Belgische Unie 4.513 0,65 Neu 0 0,00 Neu
PRO 3.992 0,58 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 690.028 95,17
Ungültige Stimmen 34.989 4,83
Abgegebene Stimmen 725.017 100,00 15 100,00  
Enthaltungen 107.384 12,90
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
832.401 87,10
Provinz Limburg
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
N-VA 125.273 22,58  8,8 3 25,00  2
Vlaams Belang 109.499 19,74  13,6 3 25,00  3
CD&V 103.625 18,68  4,0 2 16,67  1
sp.a 76.614 13,81  3,9 2 16,67  
Open Vld 66.602 12,00  0,1 1 8,33  1
Groen 38.154 6,88  0,9 1 8,33  1
PTB*PVDA 31.037 5,59  3,0 0 0,00  
D-SA 2.344 0,42 Neu 0 0,00 Neu
PRO 1.690 0,30 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 554.838 94,32
Ungültige Stimmen 33.423 5,68
Abgegebene Stimmen 588.261 100,00 12 100,00  
Enthaltungen 58.242 9,01
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
646.503 90,99
Provinz Ostflandern
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
N-VA 218.023 21,83  9,2 5 25,00  1
Vlaams Belang 200.173 20,04  13,8 4 20,00  3
Open Vld 178.349 17,85  0,3 4 20,00  
CD&V 127.024 12,72  5,2 2 10,00  2
Groen 103.061 10,32  1,2 2 10,00  
sp.a 101.447 10,16  3,2 2 10,00  1
PTB*PVDA 55.209 5,53  2,9 1 5,00  1
DierAnimal 11 801 1,18 Neu 0 0,00 Neu
B.U.B 2.098 0,21 Neu 0 0,00 Neu
De Coöperatie 1.732 0,17 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 998.917 95,22
Ungültige Stimmen 50.149 4,78
Abgegebene Stimmen 1.049.066 100,00 20 100,00  
Enthaltungen 106.668 9,23
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
1.155.734 90,77
Provinz Westflandern
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
N-VA 172.751 21,42  7,1 4 25,00  2
Vlaams Belang 164.427 20,39  15,7 4 25,00  4
CD&V 142.512 17,67  4,1 3 18,75  1
sp.a 118.512 14,70  2,9 2 12,50  1
Open Vld 105.192 13,04  0,7 2 12,50  
Groen 63.870 7,92   1 6,25  
PTB*PVDA 29.205 3,62  2,0 0 0,00  
DierAnimal 9.926 1,23 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 806.395 94,80
Ungültige Stimmen 44.267 5,20
Abgegebene Stimmen 850.662 100,00 16 100,00  
Enthaltungen 92.121 9,77
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
942.783 90,23

Wallonien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallonien
Partei Stimmen Sitze
Zahl in % +/- Zahl in % +/- %
PS 541.428 26,12  8,5 17 35,42  1
MR 425.231 20,52  7,4 11 22,92  5
Ecolo 308.308 14,87  6,0 9 18,75  5
PTB*PVDA 286.135 13,80  7,9 7 14,58  5
cdH 221.700 10,70  4,4 4 8,33  3
DéFI 84.807 4,09  1,5 0 0,00  
Parti Populaire 66.641 3,22  1,7 0 0,00  1
Destexhe 29.833 1,44 Neu 0 0,00 Neu
Collectif citoyen 21.092 1,02 Neu 0 0,00 Neu
Vlaams Belang 18.077 0,87 Neu 0 0,00 Neu
La Droite 15.075 0,73 0 0,00  
DierAnimal 12.462 0,60 Neu 0 0,00 Neu
Sonstige 41.985 2,02 0 0,00  
Gültige Stimmen 2.072.774 91,42
Ungültige Stimmen 194.430 8,58
Abgegebene Stimmen 2.267.204 100,00 48 100,00  
Enthaltungen 358.472 13,65
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
2.625.676 86,35
Provinz Hennegau
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
PS 250.146 34,24  6,8 8 44,44  1
MR 116.528 15,93  4,8 3 16,67  2
PTB*PVDA 114.243 15,64  10,5 3 16,67  
Ecolo 89.898 12,30  6,4 3 16,67  2
cdH 58.695 8,03  2,4 1 5,56  1
DéFI 27.484 3,76  1,8 0 0,00  
Parti Populaire 24.719 3,38  1,0 0 0,00  
Vlaams Belang 8.246 1,13 Neu 0 0,00 Neu
Destexhe 8.177 1,12 Neu 0 0,00 Neu
Collectif citoyen 7.992 1,09 Neu 0 0,00 Neu
La Droite 5.916 0,81  0,11 0 0,00  
AGIR 5.916 0,81 Neu 0 0,00 Neu
Lutte Ouvrière 5.735 0,78  0,31 0 0,00  
Nation 5.341 0,73  0,22 0 0,00  
PCB 1.626 0,22 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 730.662 90,11
Ungültige Stimmen 80.234 9,89
Abgegebene Stimmen 810.896 100,00 18 100,00  
Enthaltungen 131.893 13,99
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
942.789 86,01
Provinz Lüttich
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
PS 154.232 24,91  5,1 5 33,33  
MR 121.732 19,66  5,6 3 20,00  2
PTB*PVDA 101.860 16,45  8,4 3 20,00  
Ecolo 95.878 12,30  6,4 3 20,00  2
cdH 52.167 8,43  4,6 1 6,67  1
DéFI 22.313 3,60  1,4 0 0,00  
Parti Populaire 21.998 3,55  1,6 0 0,00  1
Les Belges d'abord 10 463 1,69 Neu 0 0,00 Neu
Destexhe 9.310 1,50 Neu 0 0,00 Neu
DierAnimal 8.392 1,36 Neu 0 0,00 Neu
Collectif citoyen 7.395 1,19 Neu 0 0,00 Neu
Vlaams Belang 4.093 0,66 Neu 0 0,00 Neu
La Droite 3.949 0,64  0,75 0 0,00  
Nation 2.137 0,35  0,03 0 0,00  
Wallonie Insoumise 3.266 0,53 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 619.185 91,69
Ungültige Stimmen 56.094 8,31
Abgegebene Stimmen 675.279 100,00 15 100,00  
Enthaltungen 119.099 14,99
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
794.378 85,01
Provinz Luxemburg
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
MR 40.242 23,56  0,8 1 25,00  
cdH 40.056 23,45  10,0 1 25,00  1
PS 31.898 18,67  3,3 1 25,00  
Ecolo 27.338 16,00  8,1 1 25,00  1
PTB*PVDA 15.424 9,03  6,6 0 0,00  
DéFI 5.092 2,98  1,3 0 0,00  
Parti Populaire 4.933 2,89  1,2 0 0,00  
Destexhe 1.707 1,00 Neu 0 0,00 Neu
Vlaams Belang 1.517 0,89 Neu 0 0,00 Neu
La Droite 1.440 0,84  0,34 0 0,00  
Nation 1.176 0,69 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 170.823 90,54
Ungültige Stimmen 17.858 9,46
Abgegebene Stimmen 188.681 100,00 4 100,00  
Enthaltungen 23.760 11,18
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
212.441 88,82
Provinz Namur
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
PS 67.422 22,11  5,7 2 33,33  
MR 60.266 19,77  8,5 1 16,67  1
cdH 51.977 17,05  1,0 1 16,67  
Ecolo 46.320 15,19  5,5 1 16,67  
PTB*PVDA 36.330 11,92  7,1 1 16,67  
DéFI 14.809 4,86  2,1 0 0,00  
Parti Populaire 8.906 2,92  1,4 0 0,00  
Destexhe 4.326 1,42 Neu 0 0,00 Neu
DierAnimal 4.070 1,33 Neu 0 0,00 Neu
Collectif citoyen 2.406 0,79 Neu 0 0,00 Neu
La Droite 2.310 0,76  0,6 0 0,00  
Vlaams Belang 2.124 0,70 Neu 0 0,00 Neu
Nation 1.929 0,63  0,11 0 0,00  
AGIR 1.682 0,55 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 304.877 92,22
Ungültige Stimmen 25.724 7,78
Abgegebene Stimmen 330.601 100,00 6 100,00  
Enthaltungen 48.698 12,84
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
379.299 87,16
Provinz Wallonisch-Brabant
Partei Stimmen % +/− Sitze % +/−
MR 86.463 34,97  5,8 3 60,00  
Ecolo 48.874 19,77  8,4 1 20,00  
PS 37.730 15,26  6,1 1 20,00  
cdH 18.805 7,61  3,4 0 0,00  
PTB*PVDA 18.278 7,39  4,7 0 0,00  
DéFI 15.109 6,11  1,4 0 0,00  
Destexhe 6.313 2,55 Neu 0 0,00 Neu
Parti Populaire 6.085 2,46  1,5 0 0,00  
Collectif citoyen 3.299 1,33 Neu 0 0,00 Neu
Vlaams Belang 2.097 0,85 Neu 0 0,00 Neu
Wallonie Insoumise 2.088 0,84 Neu 0 0,00 Neu
La Droite 1.460 0,59  0,38 0 0,00  
Turquoise 626 0,25 Neu 0 0,00 Neu
Gültige Stimmen 247.227 94,45
Ungültige Stimmen 14.520 5,56
Abgegebene Stimmen 261.747 100,00 5 100,00  
Enthaltungen 35.022 11,80
Anzahl der Wahlberechtigten
und Wahlbeteiligung
296.769 88,20

Abstimmungsverhalten nach Sprachgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnis der Niederländischsprachigen Listen
 %
30
20
10
0
25,6
19,1
14,2
13,6
10,7
9,7
5,6
1,2
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
−6,9
+13,2
−4,4
−1,7
−3,5
+1,2
+2,8
−1,0
Ergebnis der Französischsprachigen Listen
 %
30
20
10
0
25,4
20,3
16,5
13,8
9,9
5,9
3
1,7
3,5
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
−5,6
−5,3
+7,7
+8,4
−3,3
+1,1
−1
+1,7
−3,7

Ergebnisse nach Wahlkantonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Wahlkarte zeigt die stimmenstärksten Parteien der einzelnen Wahlkantone. Der Wahlkreis Brüssel-Hauptstadt wurde vergrößert dargestellt:

Wahlkreiskarte – Stärkste Partei nach Wahlkanton

Nach der Wahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reaktionen und mögliche Koalitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sondierte Koalitionsmöglichkeiten
Parteien Sitze
                      PS, sp.a, Ecolo, Groen, MR, Open Vld, CD&V (Vivaldi-Koalition)[9] 087
                PS, sp.a, MR, Open Vld, N-VA (Lila-gelbe Koalition)[10] 079
                   sp.a, MR, Open Vld, cdH, CD&V, N-VA (Arizona-Koalition)[11] 077
Absolute Mehrheit (ab 76 Sitzen)
Sitze gesamt 150

Bei den Wahlen wurden erneut tiefe sprachliche und regionale Unterschiede in Belgien deutlich, wobei Flandern stark rechts und Wallonien stark links stimmte.

Für eine Neuauflage der schwedischen Koalition (blau-gelb) mit Liberalen (MR und Open Vld), sowie flämischen Nationalisten (N-VA) und Christdemokraten (CD&V), die im Dezember 2018 zerbrochen war, gibt es keine Mehrheit. Mathematisch möglich wäre eine lila-gelbe Koalition (Sozialisten, Liberale und N-VA). Eine Regenbogenkoalition, auch lila-grün genannt (Sozialisten, Liberale und Grüne), hat ohne einen weiteren Partner keine rechnerische Mehrheit mehr seit dem Ausschluss des Abgeordneten Emir Kir aus der PS im Januar 2020 wegen Kontakten zu den Grauen Wölfen.[12] CD&V besteht auf einer Regierung unter Einschluss der N-VA, während Ecolo bereits Verhandlungen mit der N-VA ausschließt.[13][14]

Als Reaktion auf die starken Zuwächse des rechtsextremen Vlaams Belang (VB) gab es einige Spekulationen, dass der N-VA-Chef Bart De Wever den der Partei auferlegte Cordon Sanitaire brechen könnte, indem er sich weigerte, Gespräche mit VB auszuschließen, da ihre starken Ergebnisse die Bildung einer Koalition erschweren könnten.

Die Volkspartei, eine kleine rechtsgerichtete französischsprachige Partei, löste sich am 18. Juni durch eine parteiinterne Abstimmung als Reaktion auf den Verlust ihres einzigen Sitzes bei den Wahlen auf. Der ehemalige Parteichef Mischaël Modrikamen beschuldigte die "systematische Ausgrenzung der Volkspartei aus der politischen und medialen Debatte".

In den Tagen nach der Wahl führte König Philippe Konsultationen mit allen wichtigen Parteiführern, darunter auch dem Parteichef des Vlaams Belang, Tom Van Grieken. Laut der britischen Zeitung The Guardian war 1936 das letzte Mal, dass ein rechtsextremer Führer ein offizielles Treffen mit dem König hatte.

Erste Sondierungsrunden (Mai bis Oktober 2019)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitleiste der Verhandlungsführer
Zeitraum Verhandlungsführer
30.05.2019 – 07.10.2019 Informateure Didier Reynders (MR) und Johan Vande Lanotte (sp.a)
08.10.2019 – 04.11.2019 Prä-Formateure Geert Bourgeois (N-VA) und Rudy Demotte (PS)
05.11.2019 – 09.12.2019 Informateur Paul Magnette (PS)
10.12.2019 – 31.01.2020 Informateure Georges-Louis Bouchez (MR), Joachim Coens (CD&V)
31.01.2020 – 14.02.2020 Beauftragter Koen Geens (CD&V) (ohne Missionsbezeichnung)
19.02.2020 – 16.03.2020 Beauftragte Sabine Laruelle (MR) und Patrick Dewael (Open Vld) (ohne Missionsbezeichnung)
16.03.2020 – 17.03.2020 Formateurin Sophie Wilmès (MR) → Regierung Wilmès II
Mai 2020 – 15.06.2020 Paul Magnette (PS) und Conner Rousseau (sp.a) (ohne königl. Auftrag)
17.06.2020 – 19.07.2020 Georges-Louis Bouchez (MR), Joachim Coens (CD&V) und Egbert Lachaert (Open Vld) (ohne königl. Auftrag)
20.07.2020 – 17.08.2020 Beauftragte Bart De Wever (N-VA) und Paul Magnette (PS) (de facto Prä-Formateure)
18.08.2020 – 04.09.2020 Beauftragter Egbert Lachaert (Open Vld) (ohne Missionsbezeichnung)
04.09.2020 – 23.09.2020 Prä-Formateure Egbert Lachaert (Open Vld) und Conner Rousseau (sp.a)
23.09.2020 – 30.09.2020 Formateure Paul Magnette (PS) und Alexander De Croo (Open Vld) → Regierung De Croo

Am 30. Mai ernannte König Philippe Johan Vande Lanotte (sp.a) und Didier Reynders (MR), zwei erfahrene Politiker mit langer Dienstzeit, zu Informateuren. Sie berichteten wie erwartet bis zum 6. Juni über ihre Fortschritte, danach erhielten sie etwas mehr Zeit, mit einer neuen Frist vom 17. Juni. Nach Ablauf dieser Frist wurde eine weitere Verlängerung bis zum 1. Juli und erneut bis zum 29. Juli und eine weitere Verlängerung bis zum 9. September gewährt. Ihr letztes Mandat lief bis zum 7. Oktober.

Am 5. Juni erklärten die frankophonen Christdemokraten (cdH) aufgrund des schlechten Resultates in der Opposition verbleiben zu wollen. Vande Lanotte und Reynders luden im Juni alle Parteiführer mit Ausnahme jener vom rechtsradikalen Vlaams Belang und der linksradikalen Arbeiterpartei (PVDA-PTB) zu Gesprächen ein. Die Informateure ermutigten die frankophonen Sozialisten (PS) und die flämischen Nationalisten (N-VA), die jeweils in ihren Landesteilen die stärkste Kraft wurden, miteinander zu reden, was die Sozialisten jedoch weiterhin kategorisch ausschlossen. Am 20. Juli schlossen zudem die flämischen Liberalen (Open Vld) eine Koalition mit den Grünen (Ecolo und Groen) aus.

Am 27. Juli luden die Informateure sieben Parteien zu einer großen Gesprächsrunde ein: Die Sozialisten (PS und sp.a), die Liberalen (MR und Open Vld), sowie die flämischen Nationalisten (N-VA), Christdemokraten (CD&V) und Grünen (Groen). Die frankophonen Grünen (Ecolo) blieben den Gesprächen fern, da die N-VA teilnahm. Die PS nahm hingegen erstmals an Gesprächen mit den N-VA teil, konstatierte jedoch enorme Differenzen. Am 7. August erklärte Open Vld aus den Gesprächen aussteigen zu wollen, sollten bei der gleichzeitigen Regierungsbildung in Flandern, eine Regierung ohne Open Vld gebildet werden. Bei weiteren Gesprächen im August und September wurde der Fokus auf Sondierungen zwischen den sechs Parteien ohne Groen gelegt.

Am 24. August beschloss die geschäftsführende belgische Regierung, Didier Reynders zum EU-Kommissar zu ernennen.

Am 11. September forderten die sozialistischen Parteien (PS und sp.a) den Ausschluss der flämisch-liberalen Open Vld aus den Gesprächen.

Am 13. September konstituierte sich die neue wallonische Regionalregierung aus Sozialisten (PS), Liberalen (MR) und Grünen (Ecolo). Am 2. Oktober folgte die flämische Regierung aus Nationalisten (N-VA), Christdemokraten (CD&V) und Liberalen (Open Vld).

Erster gescheiterter Regierungsbildungsversuch (Oktober bis November 2019)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Oktober 2019 kündigte König Philippe das Ende der ersten Phase der Gespräche zur Bildung einer Bundesregierung an. Die Informateure erstatteten dem König am 7. Oktober ihren letzten Bericht und empfahlen, weiterhin eine Regierung mit Beteiligung von N-VA und PS anzustreben. Philippe ernannte Geert Bourgeois (N-VA) und Rudy Demotte (PS) als Pré-Formateure (Vor-Regierungsbildner), was die dritte Stufe der Regierungsbildung einleitete. Die beiden waren in der vorangegangenen Legislaturperiode die Ministerpräsidenten Flanderns und der Französischen Gemeinschaft.

Nachdem der geschäftsführende Premierminister Belgiens, Charles Michel (MR), im Juli 2019 zum Präsidenten des Europäischen Rates gewählt worden war, übergab er das Amt am 27. Oktober seiner Parteikollegin Sophie Wilmès (→ geschäftsführende Regierung Wilmès).

Am 4. November boten die beiden Pré-Formateure Rudy Demotte und Geert Bourgeois dem König ihren Rücktritt an, da sie die politische Blockade nicht überwinden konnten. Der König ernannte den PS-Parteivorsitzenden Paul Magnette zum Informateur, wodurch die Verhandlungen auf Sondierungsstufe zurückfielen.

Erneute Sondierungen (November 2019 bis März 2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magnette favorisierte bereits seit der Wahl eine Regenbogenkoalition (Sozialisten, Liberale und Grüne), allenfalls um die flämischen Christdemokraten (CD&V) erweitert für eine stabilere Mehrheit (Vivaldi-Koalition, in Anlehnung an Die vier Jahreszeiten). Open Vld und CD&V lehnten dies jedoch ursprünglich ab, da in einer solchen Koalition die Wallonen in der Mehrheit wären. Magnette erstatte am 18. November dem König Bericht, woraufhin sein Mandat um eine Woche verlängert wurde.

Am 30. November fand eine Sondierungsrunde für eine Regenbogenkoalition statt, ohne Beteiligung von CD&V und N-VA, woraufhin beide ihren Koalitionspartner in Flandern, die Open Vld, scharf kritisierten. Am 9. Dezember gab Magnette sein Verhandlungsmandat an den König zurück. Dieser ernannte die Parteipräsidenten Georges-Louis Bouchez (MR) und Joachim Coens (CD&V) zu den neuen Informateuren. Sie erstatteten am 20. Dezember erstmals dem König Bericht und stellten fest, dass derzeit weder eine lila-gelbe noch eine lila-grüne Koalition möglich sei. Demnach wollen sie auf Grundlage einer Mittepolitik ergebnisoffen nach weiteren Partnern suchen. Nach dem nächsten Bericht am 13. Januar 2020[15] wurde der Auftrag der beiden Informatoren zunächst bis zum 28. Januar 2020[16] und dann erneut bis zum 4. Februar verlängert.[17]

Sie gaben aber ihrem Auftrag aber bereits am 31. Januar 2020 dem König zurück, weil ihnen die Bildung einer Regierung nicht möglich sei. Ohne Beteiligung der CD&V verfügt die künftige Regierung über keine stabile Mehrheit. Diese will aber keine Koalition ohne Beteiligung der N-VA bilden. Falls aber die N-VA an der Regierung beteiligt sei, ist die PS nicht mehr zur Regierungsbeteiligung bereit.[18] Der König beauftragte darauf den amtierenden Justizminister Koen Geens, die nötigen Initiativen zu ergreifen, eine schnelle Regierungsbildung zu ermöglichen.[19] Nach dem ersten Bericht von Geens am 10. Februar 2020 verlängerte der König den Auftrag bis zum 17. Februar 2020.[20] Am 14. Februar 2020 wurde Geens von seinem Auftrag entbunden, nachdem er die Fortführung seines Auftrages für sinnlos bezeichnet hatte. Grund dafür waren Äußerungen des PS-Vorsitzenden Paul Magnette, der für weitere Gespräche zwischen PS und N-VA keinen Sinn sieht.[21][22]

Bildung der Übergangsregierung Wilmès II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parlamentarische Grundlage der Regierung Wilmès II

Nach Gesprächen mit allen Partei-Vorsitzenden beauftragte König Philippe am 19. Februar 2020 die liberalen Politiker Patrick Dewael (Vorsitzender der Kammer) und Sabine Laruelle (Vorsitzende des Senats) mit einer neuen Vermittlungsmission. Ein erster Bericht soll am 9. März 2020 erstattet werden.[23] Der Auftrag wurde daraufhin um eine weitere Woche verlängert.

In der Zwischenzeit rückte infolge der COVID-19-Pandemie die Bildung einer Krisenregierung in den Vordergrund. Doch sowohl eine Vivaldi-Koalition als auch ein lila-gelbe Koalition scheiterten weiterhin am Widerstand der CD&V bzw. der PS.[24][25] Stattdessen sollte die amtierende geschäftsführende Ministerpräsidentin Sophie Wilmès (MR) und ihre Minderheitsregierung (MR-CD&V-Open Vld) mit Stimmen von zehn Parteien (allen ausser PVDA-PTB und VB) im Amt bestätigt und mit Vollmachten ausgestattet werden.[26] Am 16. März erteilte Philippe Wilmès den Auftrag zur Regierungsbildung. Am 17. März 2020 wurde die für eine Übergangszeit von sechs Monaten konzipierte Regierung Wilmès II vereidigt, die personell mit der geschäftsführenden Regierung Wilmès I identisch ist. Aufgrund der Vermutung, dass sich die Regierungskonstellation verstetigen könnte, stimmte letztlich auch die N-VA gegen die Regierung, dennoch wurde die parlamentarische Mehrheit durch die übrigen neun Parteien gesichert.[27] Am 19. März erhielt die Regierung Wilmès II mit 84 zu 44 Stimmen das Vertrauen, ohne Enthaltung, bei 22 abwesenden Abgeordneten.[28] Jedoch wurde diese Notfall-Regierung auf sechs Monate befristet. Wilmès musste zusagen, anschließend die Vertrauensfrage zu stellen, und sich in den sechs Monaten ausschließlich um die Corona-Pandemie sowie deren wirtschaftliche und finanzielle Auswirkungen zu kümmern. Im Gegenzug wurden ihr am 26. März außergewöhnliche Ermächtigungen für drei Monate, maximal auf sechs Monate verlängerbar, zugebilligt, die es ihr erlauben, per Dekret ("Arrêté/Besluit") zu regieren, unter der Kontrolle einer speziell gebildeten Parlamentskommission und dem Vorbehalt einer späteren parlamentarischen Zustimmung.[29]

Fortsetzung der Sondierungen (Mai bis Juli 2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte Mai 2020 begannen die Vorsitzenden der sozialdemokratischen Parteien Paul Magnette (PS) und Conner Rousseau (sp.a) informelle Gespräche mit acht weiteren Parteivorsitzenden, um eine Regierung zu bilden, nachdem im September der Auftrag der Übergangsregierung ausläuft.[30] Magnette und Rousseau waren zum Schluss gekommen, dass die einzig mögliche Regierungskonstellation ein Minderheitskabinett aus Sozialisten, Liberalen und Christdemokraten wäre, das von den Grünen toleriert würde. Ihre Ergebnisse übergaben sie im Juni der Premierministerin Wilmès, die nach Wunsch von Magnette und Rousseau eine solche Regierung bilden sollte.[31] Die drei Vorsitzenden der Regierungsparteien, Georges-Louis Bouchez (MR), Joachim Coens (CD&V) und Egbert Lachaert (Open Vld) lehnten den Vorschlag jedoch ab und übernahmen ihrerseits inoffiziell den Sondierungsauftrag. Während die Sondervollmachten der Regierung Wilmès II Ende Juni ausliefen, führten die drei Parteivorsitzenden separate Gespräche mit der sp.a, der N-VA und dem cdH zur Bildung einer neuartigen Arizona-Koalition.[32]

Zweiter gescheiterter Regierungsbildungsversuch (Juli bis August 2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die PS bei den Arizona-Gesprächen drohte übergangen zu werden, schloss Magnette nun eine Koalition mit der N-VA nicht mehr aus und nahm seinerseits Gespräche mit De Wever auf. König Philippe ernannte die Vorsitzenden der jeweils stärksten Parteien der beiden Landesteile am 20. Juli de facto zu Vor-Regierungsbildnern, jedoch informell, da weiterhin eine vollwertige Regierung amtiert.[33] Zur Kerngruppe der Gespräche gehörten neben der N-VA und den beiden sozialdemokratischen Parteien auch die christdemokratischen Parteien. Da zu einer Mehrheit weiterhin sechs Sitze fehlten, verhandelten Magnette und De Wever parallel mit den Grünen und den Liberalen, um eine sechste Partei an Bord zu holen. Die grünen und die liberalen Parteien kritisierten jedoch in einem gemeinsamen Kommuniqué die inhaltliche Entwicklung der Gespräche und den Verhandlungsstil, der die beiden Parteienfamilien gegeneinander ausspiele. Magnette und De Wever erklärten daraufhin am 14. August das Scheitern der Verhandlungen.[34]

Bildung der Regierung De Croo (August bis September 2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. August ernannte Philippe den Vorsitzenden der flämischen Liberalen Egbert Lachaert zum königlichen Beauftragten. Er bekam zehn Tage Zeit, um mit allen Parteien Gespräche zu führen und Philippe Bericht zu erstatten.[35] Nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Verhandlungen in Richtung einer Vivaldi-Koalition (PS, sp.a, MR, Open Vld, Ecolo, Groen, CD&V) verlaufen, wurde der Auftrag bis zum 4. September verlängert.[36]

Am 4. September 2020 wurden Egbert Lachaert (Open Vld) und Conner Rousseau (sp.a) gemeinsam mit einer Präformatoren-Mission betraut, um eine Vivaldi-Regierung auszuverhandeln. Eigentlich sollte am 11. September als letzter Schritt ein Regierungsbildner (Formateur) und designierter Premierminister ernannt werden, um eine Regierung zu bilden, bevor am 17. September gemäß der Vereinbarung vom 17. März die Übergangsregierung Wilmès voraussichtlich an der Vertrauensfrage scheitert. Dieses Datum wurde als letzte Frist für eine Regierungsbildung angesehen, bevor Neuwahlen ausgerufen worden wären. Aufgrund der Corona-Erkrankung Lachaerts wurde jedoch die Vor-Regierungsbildungsmission bis zum 21. September verlängert und Wilmès bleibt bis zum 1. Oktober im Amt.[37]

Am 20. September drohte die Regierungsbildung erneut zu scheitern, nachdem die sp.a nicht mehr mit dem MR verhandeln wollte. Philippe lehnte jedoch am 21. September das Rücktrittsgesuch von Lachaert und Rousseau ab und gab ihnen zwei weitere Tage Zeit.[38] Schließlich konnten Lachaert und Rousseau bis zum 23. September dann doch Fortschritte erzielen, woraufhin Philippe den nächsten Schritt einleitete und Paul Magnette (PS) und Alexander De Croo (Open Vld) zu Regierungsbildnern (Formateure) berief.[39] Diese hatten bis zum 28. September Zeit einen Bericht vorlegen. Die Formateure konnten dann noch kein Regierungsabkommen vorweisen, da es noch keine Einigung beim Haushalt gab. Am 30. September, zum letztmöglichen Zeitpunkt, wurde eine Einigung erzielt und es wurde bekannt, dass Alexander De Croo das Amt des Premierministers übernimmt. Am 1. Oktober 2020 – 493 Tage nach der Wahl; 662 Tage nach dem Ende der letzten Koalition – wurde die Regierung De Croo vereidigt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeit online: Belgien: Regierungskoalition zerbricht am Migrationspakt, abgerufen am 9. Dezember 2018, 16:15 Uhr
  2. Regierungskrise in Belgien – Nationalisten verlassen Koalition. Welt Online, 9. Dezember 2018.
  3. "Un gouvernement orange bleue prendra la succession du précédent ce dimanche après-midi". rtbf.be, 9. Dezember 2019, abgerufen am 22. Oktober 2019 (französisch).
  4. Tagesschau: Belgiens König nimmt Michels Rücktritt an., online am 21. Dezember 2018, [1], abgerufen am 9. März 2019, 11:45 Uhr
  5. Königlicher Erlass vom 31. Januar 2013
  6. RTBF: Baromètre politique: quelles coalitions sont possibles au fédéral et en Wallonie?
  7. La Libre: Baromètre politique : un séisme électoral en préparation
  8. Ergebnisse in Zahlen. In: elections2019.belgium.be. 27. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  9. Vor-Regierungsbildner Lachaert aus Quarantäne: Physische Verhandlungen dürfen wieder starten. VRT, 17. September 2020, abgerufen am 19. September 2020.
  10. Preformateurs begraven paars-geel. Het Nieuwsblad, abgerufen am 19. September 2020 (niederländisch).
  11. Die „drei Könige“ wollen Zepter an N-VA und PS übergeben. Belgischer Rundfunk, 20. Juli 2020, abgerufen am 19. September 2020.
  12. De Morgen: Exit Emir Kir uit PS maakt paars-groen onmogelijk
  13. VRT: Joachim Coens (CD&V) blijft hameren op regering mét N-VA
  14. Le Soir: Rajae Maouane (Ecolo): «Nous ne négocions pas avec la N-VA»
  15. "Auftrag der Informatoren Bouchez und Coens verlängert: sie gehen von der Achse der Mitte aus". vrt.be, 20. Dezember 2019, abgerufen am 25. Dezember 2019.
  16. König verlängert Mission von Informatoren-Duo. Belgischer Rundfunk, 13. Januar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.
  17. König verlängert noch einmal Mission der Informatoren Bouchez und Coens. Belgischer Rundfunk, 29. Januar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.
  18. Magnette zieht den Stecker: Burgundische Koalition vom Tisch. Belgischer Rundfunk, 27. Januar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.
  19. Paukenschlag: Geens ist neuer königlicher Beauftragter. Belgischer Rundfunk, 31. Januar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.
  20. König verlängert Mission von Koen Geens. Belgischer Rundfunk, 10. Februar 2020, abgerufen am 11. Februar 2020.
  21. König entbindet Geens von Sondierungsauftrag. Belgischer Rundfunk, 14. Februar 2020, abgerufen am 15. Februar 2020.
  22. Geens gibt PS Schuld am Scheitern seiner Mission. Belgischer Rundfunk, 15. Februar 2020, abgerufen am 15. Februar 2020.
  23. König Philippe betraut Sabine Laruelle und Patrick Dewael mit neuer Mission. Belgischer Rundfunk, 19. Februar 2020, abgerufen am 21. Februar 2020.
  24. König verlängert Mission von Laruelle und Dewael. Belgischer Rundfunk, 9. März 2020, abgerufen am 16. März 2020.
  25. Bildung einer Krisenregierung in Belgien gescheitert. Focus Online, 15. März 2020, abgerufen am 16. März 2020.
  26. Coronakrise: Geschäftsführende Regierung soll umfassende Vollmachten bekommen. Belgischer Rundfunk, 15. März 2020, abgerufen am 16. März 2020.
  27. Wilmès und Minister legen Eid ab – Regierungserklärung in der Kammer. Belgischer Rundfunk, 17. März 2020, abgerufen am 18. März 2020.
  28. Wilmès II bekommt Vertrauen des Parlaments. Belgischer Rundfunk, 19. März 2020, abgerufen am 28. März 2020.
  29. Antonie Clevers: La Chambre accorde les pouvoirs spéciaux au gouvernement: une commission créée pour le surveiller. Vidéo auf LaLibre.be vom 26. März 2020, abgerufen am 28. März 2020, 23:25, Link
  30. Sozialdemokraten beginnen wieder Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung. VRT, 16. Mai 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  31. Drei Parteichefs machen sich auf die Suche nach einer Mehrheit. grenzecho.net, 17. Juni 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  32. Gespräch zwischen Trio und Rousseau „weder gelungen, noch gescheitert“. Belgischer Rundfunk, 9. Juli 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  33. Paul Magnette (PS) und Bart De Wever (N-VA) erhalten vom König Auftrag zur Regierungsbildung. VRT, 20. Juli 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  34. Bart De Wever und Paul Magnette werfen das Handtuch. grenzecho.net, 14. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.
  35. Regierungsbildung: König Philippe schickt Open VLD-Parteichef Egbert Lachaert ins Rennen. VRT, 18. August 2020, abgerufen am 18. August 2020.
  36. Vivaldi im Visier: König verlängert Auftrag von Lachaertt. grenzecho.net, 28. August 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  37. Belgien: Die Regierung Wilmés kann bis zum 1. Oktober weiterarbeiten. VRT, 10. September 2020, abgerufen am 11. September 2020.
  38. König lehnt Rücktrittsgesuch von Lachaert und Rousseau ab. Belgischer Rundfunk, 21. September 2020, abgerufen am 24. September 2020.
  39. Mit den Regierungsbildnern De Croo und Magnette rückt Belgien einen Schritt näher an "Vivaldi". VRT, 23. September 2020, abgerufen am 24. September 2020.