Parlamentswahl in Finnland 2023

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Die 39. Wahl zum finnischen Parlament findet am 2. April 2023 statt.[1]

Neu gewählt werden alle 200 Mitglieder des aus einer Kammer bestehenden Parlaments (finnisch Eduskunta, schwedisch Riksdagen) für eine vierjährige Wahlperiode.

Wahlsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Parlament wird für vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Jeder Wähler hat eine Stimme, die er einem bestimmten Kandidaten gibt und damit gleichzeitig auch für dessen Liste stimmt. Das Land ist in 13 Wahlkreise eingeteilt, in denen die Sitze nach dem D’Hondt-Verfahren verteilt werden. Innerhalb einer Liste sind die Bewerber mit den meisten Stimmen gewählt. Åland stellt nur einen Abgeordneten; die autonome Inselgruppe hat ein eigenes Parteiensystem. Wahlberechtigt ist jeder finnische Staatsbürger ab 18 Jahren.

Die Regierung des Landes, der Staatsrat (Valtioneuvosto/Statsrådet), ist seit der Verfassungsreform direkt dem Parlament verantwortlich. Der Ministerpräsident wird direkt vom Parlament gewählt, die übrigen Mitglieder vom Präsidenten auf Vorschlag des Ministerpräsidenten ernannt. Traditionell werden in Finnland große Koalitionen auch über das zur Schaffung einer absoluten Mehrheit notwendige Maß hinaus gebildet.

Wahlkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahlkreise sind von Süden ausgehend mit Ziffern von 1 bis 13 nummeriert. Die Mandate werden proportional zu ihren Bevölkerungszahlen auf die Wahlkreise verteilt gemäß den Einwohnerzahlen am Ende des siebten Monats vor der Wahl. Åland (Nummer 05) erhält stets ein Mandat. Im Parlament schließt sich der Åland-Mandatsträger durchgehend der Fraktion der Schwedischen Volkspartei (SFP-RKP) an. 2013 wurden vier kleinere Wahlkreise zu zwei größeren (Südostfinnland und Savo-Karelien) zusammengefasst.[2]

Die Wahlkreise sind folgende:

# Wahlkreis Sitze[3] Karte
01 Helsinki 23 Suomen vaalipiirit 2013.png
02 Uusimaa 37
03 Varsinais-Suomi 17
04 Satakunta 8
05 Åland 1
06 Häme 14
07 Pirkanmaa 20
08 Südostfinnland 15
09 Savo-Karelien 15
10 Vaasa 16
11 Mittelfinnland 10
12 Oulu 18
13 Lappland 6

Gegenüber der vorigen Wahl gibt es leichte Änderungen in der Wahlkreiseinteilung durch die Verschiebung von vier Gemeinden in andere Wahlkreise: Heinävesi und Joroinen wechseln von Südostfinnland nach Savo-Karelien, Iitti von Südostfinnland nach Häme und Kuhmoinen von Mittelfinnland nach Pirkanmaa.[4][5]

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parlamentswahl in Finnland 2019
 %
20
10
0
17,7 %
17,5 %
17,0 %
13,8 %
11,5 %
8,2 %
4,5 %
3,9 %
2,3 %
3,6 %

Es war die erste Parlamentswahl, bei der keine der Parteien mehr als 20 Prozent erhielt. Stärkste Partei wurden erstmals seit der Wahl 1999 die Sozialdemokraten (SDP), knapp vor den Basisfinnen (PS) und der Sammlungspartei (KOK);[6]

Die Finnische Zentrumspartei (KESK) des Ministerpräsidenten Juha Sipilä büßte über sieben Prozentpunkte ein und erreichte mit 13,8 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1917. Der Grüne Bund (VIHR) gewann an Stimmen hinzu (11,5 % nach 8,5 % bei der Wahl 2015). Die Gewinne und Verluste der übrigen Parteien waren marginal.

Nach der Wahl bildeten Sozialdemokraten, Zentrum, Grüne, Linksbündnis (VAS) und Schwedische Volkspartei (SFP-RKP) am 6. Juni 2019 eine Mitte-links-Koalition. Antti Rinne, seit 2014 SDP-Vorsitzender, bildete das Kabinett Rinne. Am 3. Dezember 2019 kündigte er jedoch seinen Rücktritt an. Nachfolgerin als finnische Ministerpräsidentin wurde am 10. Dezember 2019 SDP-Mitglied Sanna Marin, die zuvor bereits als Verkehrs- und Kommunikationsministerin im Kabinett tätig gewesen war. Sie wurde zusammen mit dem neuen Kabinett Marin vereidigt.[7][8]

Nachdem zuvor nur die Nationale Sammlungspartei (KOK) für einen NATO-Beitritt eintrat, kam es durch den Ukraine-Krieg zu einem Meinungsumschwung. Am 18. Mai 2022 beantragte Finnland zusammen mit Schweden die Aufnahme in die NATO. Am Tag zuvor hatte sich das Parlament mit 188 zu 8 Stimmen für einen Beitrittsantrag ausgesprochen. Das Linksbündnis (VAS) ist in dieser Frage gespalten, während alle anderen im Parlament vertretenen Parteien einen NATO-Beitritt befürworten.[9][10][11]

Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle: [12])

Institut Datum SDP PS KOK KESK VIHR VAS RKP KD LIIK Sonst.
Kantar TNS 18.01.2023 18,5 % 19,1 % 22,8 % 9,8 % 9,2 % 7,8 % 4,4 % 3,9 % 2,2 % 2,3 %
Taloustutkimus 03.01.2023 18,8 % 19,3 % 23,0 % 10,9 % 9,6 % 8,6 % 4,0 % 2,9 % 1,3 % 1,6 %
Kantar TNS 16.12.2022 19,1 % 17,9 % 23,5 % 9,9 % 9,8 % 8,0 % 4,3 % 3,4 % 1,8 % 2,3 %
Taloustutkimus 08.12.2022 18,9 % 17,4 % 24,0 % 9,0 % 9,7 % 8,9 % 4,6 % 4,0 % 1,6 % 1,9 %
Kantar TNS 16.11.2022 19,3 % 17,4 % 24,2 % 10,1 % 9,2 % 8,0 % 4,4 % 3,3 % 1,9 % 2,2 %
Taloustutkimus 03.11.2022 18,2 % 16,7 % 23,9 % 10,9 % 10,1 % 8,5 % 5,0 % 3,0 % 1,7 % 2,0 %
Kantar TNS 19.10.2022 19,0 % 17,3 % 24,2 % 10,4 % 9,0 % 8,3 % 4,6 % 3,2 % 1,7 % 2,3 %
Taloustutkimus 06.10.2022 19,3 % 17,1 % 24,2 % 10,3 % 9,4 % 8,4 % 4,2 % 3,3 % 1,7 % 2,1 %
Kantar TNS 14.09.2022 19,2 % 16,1 % 23,6 % 11,8 % 9,6 % 8,0 % 4,4 % 3,4 % 2,0 % 1,9 %
Taloustutkimus 08.09.2022 19,4 % 16,2 % 24,2 % 11,7 % 9,6 % 8,1 % 4,1 % 3,0 % 1,8 % 1,9 %
Kantar TNS 18.08.2022 20,1 % 16,0 % 23,0 % 11,0 % 9,9 % 7,6 % 4,5 % 3,4 % 2,3 % 2,2 %
Taloustutkimus 04.08.2022 20,3 % 16,1 % 23,4 % 11,0 % 9,3 % 8,1 % 4,4 % 3,0 % 2,2 % 2,2 %
Kantar TNS 16.07.2022 19,9 % 14,7 % 23,9 % 11,6 % 9,8 % 7,7 % 4,6 % 3,6 % 2,2 % 2,0 %
Taloustutkimus 07.07.2022 19,8 % 15,3 % 23,7 % 11,8 % 9,7 % 7,8 % 4,6 % 3,3 % 2,1 % 1,9 %
Kantar TNS 15.06.2022 19,4 % 14,5 % 24,4 % 12,2 % 8,9 % 7,5 % 4,5 % 3,6 % 2,4 % 2,6 %
Taloustutkimus 02.06.2022 18,7 % 14,9 % 25,9 % 12,1 % 9,4 % 8,0 % 4,8 % 3,0 % 1,9 % 1,3 %
Kantar TNS 18.05.2022 18,7 % 15,4 % 24,1 % 12,7 % 9,1 % 7,6 % 4,4 % 3,6 % 2,4 % 2,0 %
Taloustutkimus 05.05.2022 17,9 % 14,6 % 24,1 % 13,5 % 8,8 % 9,0 % 4,3 % 3,3 % 2,3 % 2,2 %
Kantar TNS 22.04.2022 19,5 % 14,2 % 24,1 % 12,4 % 9,0 % 8,1 % 4,5 % 3,6 % 2,6 % 2,0 %
Taloustutkimus 03.03.2022 18,5 % 15,6 % 22,6 % 13,4 % 9,3 % 9,1 % 4,8 % 3,1 % 2,3 % 1,3 %
Parlamentswahl 2019 14.04.2019 17,7 % 17,5 % 17,0 % 13,8 % 11,5 % 8,2 % 4,5 % 3,9 % 2,3 % 3,6 %

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahlinformationen des Justizministeriums
  2. Vaalipiiriuudistus lyötiin lukkoon eduskunnassa. YLE, 6. März 2013; abgerufen am 18. September 2014.
  3. Verordnung des Staatsrats vom 10. November 2022 (PDF; 83 KB)
  4. Government decided on division into regions
  5. Finnisches Justizministerium: Bildung der Wahlkreisausschüsse
  6. Kopf-an-Kopf-Rennen am Wahlabend. sueddeutsche.de vom 14. April 2019.
  7. Finnish PM Rinne resigns. Abgerufen am 6. Januar 2020 (englisch).
  8. tagesschau.de: Finnland: Sanna Marin wird weltweit jüngste Regierungschefin. Abgerufen am 6. Januar 2020.
  9. Finnisches Parlament: Parliament supports Finland's NATO application
  10. Ilta-Sanomat: Eduskunta äänesti Naton puolesta murskaluvuin 188–8 – katso äänestyskartta
  11. NATO: Finland and Sweden submit applications to join NATO
  12. Finnland: Aktuelle Wahltrends & Sonntagsfragen. Abgerufen am 7. Juni 2022.