Parlamentswahl in Litauen 2012

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Gewinne und Verluste
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Sitzverteilung
         
Von 140 Sitzen entfallen auf:

Die erste Runde der Parlamentswahl in Litauen 2012 fand am 14. Oktober 2012 und die zweite Runde fand am 28. Oktober 2012 statt. Außerdem wurde am 14. Oktober ein Referendum abgehalten, in dem entschieden werden sollte, ob ein neues Kernkraftwerk in Litauen gebaut wird.

Wahlmodus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das litauische Parlament, der Seimas, hat 141 Abgeordnete. 70 Sitze werden proportional an die Parteien vergeben, welche die Fünf-Prozent-Hürde überspringen (Sieben-Prozent-Hürde für Listenverbindungen). Die übrigen 71 werden als Direktmandate über Wahlkreise vergeben.[2] Im ersten Wahlgang ist gewählt, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten hat. Bei einer Wahlbeteiligung unter 40 % wird zusätzlich überprüft, ob der Kandidat von mindestens 20 % der Wahlberechtigten gewählt wurde.[3] Erreichte kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Stimmenmehrheit, fand zwei Wochen später am 28. Oktober 2012 zwischen den beiden Erstplatzierten eine Stichwahl statt.

Parteien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Parteien legten Kandidatenlisten vor (mit der Anzahl Kandidaten):

  1. Lietuvos socialdemokratų partija (141)
  2. Lietuvos rusų sąjunga (34)
  3. "Fronto" partija (88)
  4. Lietuvos centro partija (55)
  5. Tėvynės sąjunga - Lietuvos krikščionys demokratai (142)
  6. Naujoji sąjunga (socialliberalai) (138)
  7. Pilietinės demokratijos partija (36)
  8. Lietuvos lenkų rinkimų akcija (143)
  9. Tautos prisikėlimo partija (73)
  10. Koalicija Darbo partija + jaunimas (130)
  11. Lietuvos Respublikos liberalų sąjūdis (101)
  12. Lietuvos valstiečių liaudininkų sąjunga (125)
  13. Partija Tvarka ir teisingumas (140)
  14. Liberalų ir centro sąjunga (141)
  15. Partija "Jaunoji Lietuva" (46)
  16. Lietuvos socialdemokratų sąjunga (50)
  17. Darbo partija (32)
  18. Leiboristų partija (37)
  19. Lietuvos laisvės sąjunga (3)
  20. Lietuvos liaudies sąjunga "Už teisingą Lietuvą" (2)

Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Institut Datum TS-LKD TT LSDP DP LRLS LiCS LLRA LVŽS TAIP DK Sonstige
Spinter tyrimai[4] 11.10.2012 7,9 % 8,2 % 16,9 % 15,8 % 5,8 % 2,6 % 2,8 % 2,7 % 2,7 % 3,9 % 1,7 %
Spinter tyrimai[5] 27.09.2012 7,6 % 9,5 % 16,3 % 14,5 % 4,8 % 2,2 % 1,9 % 2,3 % 3,7 % 3,7 % 1,1 %
Spinter tyrimai[6] 27.09.2012 7,7 % 9,4 % 17,9 % 16,6 % 5,2 % 1,0 % 1,7 % 3,2 % 3,8 % 1,6 % 0,6 %
Vilmorus[7] 22.09.2012 12,3 % 13,9 % 23,4 % 21,1 % 5,3 % 2,7 % 1,5 % 3,5 % 6,5 % 1,5 %
Spinter tyrimai[8] 10.07.2012 8,5 % 11,2 % 14,2 % 13,3 % 6,1 % 1,5 % 1,3 % 4,5 % 3,5 % 1,2 %
Spinter tyrimai[9] 14.06.2012 7,2 % 9,3 % 13,6 % 12,3 % 5,7 % 1,3 % 2,0 % 3,9 % 2,9 %
Spinter tyrimai[10] 09.05.2012 7,7 % 10,4 % 14,1 % 12,6 % 5,8 % 1,1 % 2,4 % 4,2 % 2,9 %
Spinter tyrimai[11] 09.05.2012 8,2 % 9,0 % 12,0 % 14,8 % 7,2 % 1,3 % 4,2 % 5,0 %
Parlamentswahl 10.2008 19,7 % 12,7 % 11,7 % 9,0 % 5,7 % 5,3 % 4,8 % 3,7 % 27,4 %

Wahlergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahlbeteiligung betrug im ersten Wahlgang 52,92 %. Nur 3 Abgeordnete erreichten eine absolute Mehrheit: Virginija Baltraitiené (Arbeiterpartei) im Wahlkreis Kėdainių, Leonard Talmont (Partei der polnischen Minderheit) im Wahlkreis Vilniaus - Šalčininkų und Algirdas Butkevičius (Vorsitzender der Litauischen Sozialdemokratischen Partei) im Wahlkreis Vilkaviškio. In den übrigen 67 Wahlkreisen fand daher eine Stichwahl statt.[12]

Der erste Wahlgang wurde von über zwanzig Fällen mutmaßlichen Wahlbetrugs und Stimmenkauf überschattet. Die Zentrale Wahlkommission annullierte daraufhin in einem Wahlkreis ein Direktmandat der Arbeitspartei; dies wurde vom Verfassungsgericht am 26. Oktober 2012 bestätigt.[13]

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse des zweiten Wahlgangs könnte rechnerisch eine Koalition aus den Oppositionsparteien Arbeitspartei, den Sozialdemokraten und Ordnung und Gerechtigkeit die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Andrius Kubilius ablösen. Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė, die gemäß der Verfassung den Ministerpräsidenten und dessen Kabinett bestätigt, sprach sich aber gegen eine mögliche Regierungsbeteiligung der Arbeitspartei aus. Die Polizei ermittle in 27 Fällen von Wahlbetrug und Stimmenkauf, an denen die Arbeitspartei beteiligt sei. Ebenso seien gegen deren Parteichef Viktor Uspaskich mehrere Strafverfahren u. a. wegen Steuerhinterziehung anhängig.[14][15]

Ergebnis der Parlamentswahl in Litauen 2012
Partei Stimmen Sitze
Anzahl  % +/− Anzahl +/−
Arbeitspartei (DP) 271.520 19,82 +10,83 29 +19
Sozialdemokratische Partei Litauens (LSDP) 251.610 18,37 +6,65 38 +7
Vaterlandsbund – Christdemokraten Litauens (TS-LKD) 206.590 15,08 −4,64 33 −12
Liberale Bewegung der Republik Litauen (LRLS) 117.476 8,57 +2,84 10 −1
Weg des Mutes (DK) 109.448 7,99 Neu 7 Neu
Ordnung und Gerechtigkeit (TT) 100.120 7,31 −5,37 11 −4
Wahlaktion der Polen Litauens (LLRA) 79.840 5,83 +1,04 8 +5
Bund der Bauern und Grünen Litauens (LVŽS) 53.141 3,88 +0,15 1 −2
Liberale und Zentrumsunion (LiCS) 28.263 2,06 −3,28 0 −8
JA 24.129 1,76 Neu 0 Neu
Sozialistische Volksfront (SPF) 16.515 1,21 Neu 0 Neu
Christliche Partei (KP) 16.494 1,20 Neu 0 Neu
Für ein litauisches Litauen 12.854 0,94 Neu 0 Neu
Partei "Junges Litauen" 8.632 0,63 −1,12 0 ±0
Demokratische Arbeits- und Einheitspartei 4.383 0,32 Neu 0 Neu
Emigrantenpartei 4.015 0,29 Neu 0 Neu
Republikanische Partei (RP) 3.661 0,27 Neu 0 Neu
Litauische Volkspartei 3.399 0,25 Neu 0 Neu
Unabhängige 3 −1
Gesamt 1.312.090 100,00 140
Gültige Stimmen 1.312.090 95,77 +1,36
Ungültige Stimmen 57.924 4,23 −1,36
Wahlbeteiligung 1.370.014 52,93 +4,34
Nichtwähler 1.218.404 47,07 −4,34
Registrierte Wähler 2.588.418
Quelle: Zentrale Wahlkommission der Republik Litauen[1]

Liste der Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach der Wahl hatte sich der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Algirdas Butkevičius zunächst auf eine Dreierkoalition mit der Arbeitspartei (DP) und der Partei Ordnung und Gerechtigkeit (TT) verständigt. Doch die amtierende Staatspräsidentin Dalia Grybauskaitė erklärte, sie wolle Butkevičius zwar mit der Regierungsbildung beauftragen, aber sie lehne dessen favorisierte Koalition ab. Laut Verfassung konnte sie aber keine Koalitionsbildung verhindern, sondern nur die Ernennung einzelner Minister. Deshalb wurde vermutet, dass Grybauskaitė mit ihrer Ablehnung vor allem verhindern wollte, dass der Vorsitzende der Arbeitspartei Viktor Uspaskich ein Ministeramt bekam. Gegen Uspaskich wurden nämlich mehrere Korruptionsvorwürfe erhoben.[16]

Am 22. November 2012 wurde Butkevičius trotz aller Verhinderungsversuche seitens der Präsidentin vom Parlament zum neuen Regierungschef gewählt. Außerdem wurde bekannt, dass zu dem bereits angekündigten Dreierbündnis noch ein vierter Koalitionspartner, die Wahlaktion der Polen Litauens (LLRA) hinzukommen sollte.[17]

Am 13. Dezember 2012 wurde schließlich das Regierungsprogramm vom Seimas bestätigt und die Regierung offiziell vereidigt. Die Koalitionspartner waren:

Die Regierungskoalition hatte damit eine deutliche Mehrheit von 86 der 140 Sitze im Parlament. Zum ersten Mal war eine Partei der polnischen Minderheit an der Regierung beteiligt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Offizielles Ergebnis der Parlamentswahl 2012 Zentrale Wahlkommission der Republik Litauen (englisch)
  2. Lietuvos Respublikos Seimo rinkimai. Abgerufen am 28. Oktober 2012 (litauisch/englisch).
  3. Law on Elections to the Seimas. Abgerufen am 18. Oktober 2012 (englisch, Litauisches Wahlgesetz, Artikel 88 Absatz 2).
  4. Apklausoje pirmauja socdemai ir Darbo partija DELFI (litauisch)
  5. Apklausa: socdemų ir „darbiečių“ populiarumas nežymiai smuko, „Drąsos kelio“ augo DELFI (litauisch)
  6. Apklausa: socdemų ir „darbiečių“ populiarumas nežymiai smuko, „Drąsos kelio“ augo DELFI (litauisch)
  7. "Vilmorus" apklausa rodo, kad labai daug gyventojų neapsisprendę, už ką balsuoti Bernardinai.lt (litauisch)
  8. „Drąsos keliui“ kol kas patekimu į Seimą nekvepia DELFI (litauisch)
  9. Apklausa: V.Uspaskichas jau nebėra trokštamiausias premjeras DELFI (litauisch)
  10. Apklausa: premjero poste gyventojai nori matyti nebe I.Degutienę, o V.Uspaskichą DELFI (litauisch)
  11. Apklausa: premjero poste gyventojai nori matyti nebe I.Degutienę, o V.Uspaskichą DELFI (litauisch)
  12. Elected Candidates in Single-member Constituencies. Abgerufen am 28. Oktober 2012 (englisch).
  13. Annullierung von Wahlergebnissen in Litauen bestätigt news.ORF.at, 26. Oktober 2012
  14. Litauen Präsidentin lehnt Regierung aus Oppositionsbündnis ab bei Spiegel Online, 29. Oktober 2012 (abgerufen am 30. Oktober 2012).
  15. Konrad Schuller, Reinhard Veser: Parlamentswahl in Litauen: Streit über Koalitionsbildung bei faz.net, 29. Oktober 2012.
  16. Regierungsbildung blockiert taz.de, 29. Oktober 2012
  17. Allianz im Kleinkrieg taz.de, 23. November 2012