Partei neuen Typus

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Partei neuen Typus war eine Eigenbezeichnung kommunistischer Kaderparteien im leninschen Sinne.

Kennzeichen dieser Partei waren die Verpflichtung auf die Ideologie des Marxismus, der Anspruch auf eine Führungsrolle in Staat und Gesellschaft, ein Handeln als Avantgarde des Proletariats sowie eine zentral gelenkte Struktur gemäß den Prinzipien des Demokratischen Zentralismus.

Ziele waren die Überwindung des kapitalistischen Systems und die Errichtung einer Diktatur des Proletariats.

Josef Stalin veränderte die ursprüngliche Theorie Lenins dahingehend, dass er das Prinzip des Demokratischen Zentralismus zunehmend aushöhlte und den von ihm entworfenen Marxismus-Leninismus als verpflichtende Parteiideologie für alle kommunistischen Parteien festschrieb.

KPDSU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Schrift Was tun? beschrieb Lenin seine Vorstellungen vom Aufbau einer kommunistischen Partei. Kernidee war die Organisation der Partei als Avantgarde des Proletariats. Die praktische Umsetzung der Theorie der „Avantgarde des Proletariats“ wurde durch die Parteiorganisation nach dem Prinzip des Demokratischen Zentralismus angestrebt. Dieses Prinzip entwirft Lenin in Kapitel IV der Schrift „Was tun?“, insbesondere unter Punkt e) („Verschwörer“-Organisation und „Demokratismus“).[1] Im Gegensatz zum Aufbau „normaler“ Parteien, in denen die oberen Parteigliederungen von den unteren gewählt wurden, waren alle Gliederungen der SDAPR (B) in hierarchischer Rangfolge dem Zentralkomitee untergeordnet.

Hierbei erhielten die oberen Gliederungen die Aufgabe, die unteren Gliederungen anzuleiten und in deren Personalentscheidungen einzugreifen, so dass nur solche Kandidaten für Parteiämter zugelassen werden, die im als notwendig erachteten Maße im Marxismus geschult galten. Das heißt, es wurde eine Form von struktureller Diskriminierung geschaffen, die theoretisch geschulte Parteimitglieder gegenüber ungeschulten bevorzugte und so zur Besetzung der Parteiämter durch eine sozialistische Elite bewirken sollte.[2]

Die Formulierung einer Partei neuen Typus wurde 1934 in die Präambel des Statutes der KPDSU übernommen. Die Sowjetische Verfassung von 1936 formulierte die Unterwerfung der Staatsorgane unter diese Staatspartei mit den Worten "Die Partei leitet alle Organe der proletarischen Diktatur".[3]

DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschen Sprachraum fand der Begriff ab 1948 weite Verwendung. So wurde auf der 13. Tagung des Parteivorstandes der SED vom 15. und 16. September 1948 die Umwandlung in eine „Partei neuen Typus“ beschlossen, was eine schnelle Übernahme des stalinistischen Parteimodells der KPdSU bedeutete.[4] Im Januar 1949 wurde durch die I. Parteikonferenz ein Entschluss verabschiedet, der forderte, die SED zur „Partei neuen Typus“ umzugestalten. Unter Punkt 4 der Tagesordnung „Die Entwicklung der SED zu einer Partei neuen Typus“ wurde dieser Entschluss verabschiedet. Darin bekannte sich die Partei ausdrücklich zum Marxismus-Leninismus, zur politisch-ideologischen Erziehung ihrer Mitglieder in dessen Geist sowie zum Demokratischen Zentralismus: Leitung und Funktionäre sollten zwar von den Mitgliedern gewählt werden, diese wurden aber gleichzeitig einer strikten Parteidisziplin unterworfen. Dies zeigte sich insbesondere in der Bestimmung, dass „die Duldung von Fraktionen und Gruppierungen unvereinbar mit ihrem marxistisch-leninistischen Charakter“ sei.[5] Mit dieser Bestimmung, die ganz ähnlich der X. Parteitag der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) im März 1921 gefasst hatte, wurde jegliche innerparteiliche Opposition gegen den Kurs des Politbüros für illegitim erklärt. Mit der Erklärung der SED zur Partei neuen Typs gingen umfangreiche politische Säuberungen der Partei einher: 150.000 nonkonforme Mitglieder, in der Hauptsache ehemalige Sozialdemokraten, die nach der Zwangsvereinigung ihrer Partei mit der KPD zur SED geblieben waren, wurden aus der Partei ausgeschlossen.[6] Dieser Vorgang wird als Stalinisierung der SED bezeichnet.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Malycha: Partei von Stalins Gnaden? Die Entwicklung der SED zur Partei neuen Typus in den Jahren 1946 bis 1950. Dietz Verlag, Berlin 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Lenin, W. I.: „Ausgewählte Werke“, Band I, Dietz Berlin 1963, S. 229–279
  2. Günter Heyden: Einführung in Lenins Schrift „Was tun?“, 5. Auflage, Dietz, Berlin 1989, ISBN 3-320-00628-2.
  3. Peter Haberle (Hrsg.): Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge; Band 40 von Das öffentliche Recht der Gegenwart, 1992, ISBN 9783161459030, S. 193, online
  4. http://www.mdr.de/damals/artikel75252.html#anchor1
  5. Aus der Entschließung der 1. Parteikonferenz der SED (28. Januar 1949) auf der Webseite Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern , Zugriff am 13. Dezember 2010
  6. Christoph Kleßmann, Aufbau eines sozialistischen Staates auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung, Zugriff am 13. Dezember 2010
  7. Hermann Weber, Die DDR 1945–1990, Oldenbourg, München 2006, S. 177.