Pascal Hesse

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Pascal Hesse (* 31. Dezember 1986 in Essen-Borbeck-Mitte) ist ein deutscher Journalist, Publizist und Unternehmer. Seit Februar 2017 ist er Bundespressesprecher[1] der Piratenpartei Deutschlands.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hesse besuchte das Don-Bosco-Gymnasium Essen. An der Universität Duisburg-Essen studierte er Politikwissenschaft. Sein Studium der Rechtswissenschaft und der Kulturwissenschaften an der Fernuniversität in Hagen dauert noch an. Seine journalistische Ausbildung als Redakteur erfuhr Hesse unter anderem am Journalisten-Zentrum Haus Busch.

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Tätigkeiten für diverse lokale und regionale Medien im Raum Rhein-Ruhr, darunter die Neue Ruhr Zeitung, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und die Borbecker Nachrichten der Funke-Mediengruppe, begann er 2014 eine Tätigkeit als Redakteur für Politik und Wirtschaft beim Essener Lokalmagazin Informer Magazine. Er ist zudem Geschäftsführender Redakteur von [recherche | kollektiv] INVESTIGATIVE RECHERCHEN IM JOURNALISMUS.[3]

Hesse ist seit April 2015 Mitglied im Landesvorstand Nordrhein-Westfalen des Deutschen Journalisten-Verbandes,[4] nach der von ihm mit aufgedeckten Geschäftsführer-Affäre des DJV NRW[5] seit Mai 2017 als Landesschatzmeister.[6] Seit 2010 ist Pascal Hesse zudem Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes für den Bezirk Essen-Mülheim-Oberhausen. Er ist damit der bundesweit bislang jüngste Journalist, der eine derartige Position innehat.

Hesse ist Mitglied der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort).

Seit Februar 2017 ist er Bundespressesprecher[1] der Piratenpartei Deutschlands.[2] Das prmagazin, eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift für die Medienbranche, die sich an Journalisten, Public-Relations-Agenturen und Pressesprecher richtet, kürte Hesse und seine Pressestelle im April 2017 zum Sieger des Pressestellentest der Bundesparteien. Hesse holt mit 177,5 von 200 möglichen Punkten den Gesamtsieg (Note „Sehr gut“). Der parallel als Investigativjournalist tätige Pressesprecher, der 2016 mit seinen Recherchen zur Amtsführung und gefälschten Vita der damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Hinz bekannt wurde, beantwortete die Testfragen zum Thema Fake News lückenlos.[7]

Investigative Recherchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Investigativ-Journalist wollte es sich Hesse 2014 nicht nehmen lassen, über die für die Stadt Essen und das gesamte Ruhrgebiet wichtige Kandidatenkür des Oberbürgermeister-Kandidaten der Essener SPD zu berichten. Amtsinhaber Reinhard Paß trat gegen die Bürgermeisterin aus Rheine, Angelika Kordfelder, an. Da man die Presse nicht zur mitgliederöffentlichen Veranstaltung zulassen und – wie für das Ruhrgebiet typisch – hinter verschlossenen Türen tagen wollte, beantragte Hesse kurzerhand die Mitgliedschaft in der SPD. Diese wurde ihm seitens dem Essener SPD-Vorsitzenden und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty jedoch verwehrt.[8] Einen Widerspruch, den er an NRW-Parteichefin und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft richtete, wurde ebenfalls abgelehnt. Im Ruhrgebiet wurde darüber ausgiebig berichtet. So schrieb das Portal Ruhrbarone: „Kulturbruch: Berufliches Interesse reicht nicht mehr für SPD Eintritt.“[9]

Gemeinsam mit der Redaktion des Informer Magazine berichtete Hesse 2016 über das dubiose Immobiliengeschäft des Essener Ratsherren Arndt Gabriel.[10] Dieser hatte Millionen damit verdient, inmitten der Flüchtlingskrise mit seiner Firma eine günstige Immobilie zu erwerben und diese für Millionenbeträge an die Stadt Essen zu vermieten. An einigen Entscheidungen im Stadtrat war er beteiligt und erklärte sich nicht als befangen. Das deckte Hesse auf. Zahlreiche Medien, darunter das gemeinnützige Recherche-Netzwerk Correctiv, griffen die Recherche Hesses auf.

Seine im Informer Magazine erschienenen Berichte[11] zu anonymen Vorwürfen über Beleidigungen, Mobbing und grobe Verstöße der damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Hinz bei der Führung ihres Abgeordnetenbüros sowie seine Recherchen und Presseanfragen,[12][13] die zur Aufdeckung der gefälschten Vita der Abgeordneten führten, machten Hesse 2016 bekannt. Hesse deckte auf, dass die Abgeordnete sowohl ihr Abitur, ihr Jurastudium, zwei Staatsexamina und ihre berufliche Tätigkeit als Juristin und Anwältin frei erfunden hatte. Aufgrund dessen trat sie wenig später von ihrem Mandat als Abgeordnete im Deutschen Bundestag, sämtlichen öffentlichen Ämtern und jenen innerhalb der SPD zurück.[14][15][16][17][18] Nach dieser Enthüllung deckte Hesse ebenfalls auf, dass der potenzielle Nachfolger von Petra Hinz, der SPD-Lokalpolitiker Stephan Leifeld, ebenfalls in seinem Lebenslauf geschwindelt hat. Nach der Berichterstattung darüber zog Leifeld seine Bewerbung für die Bundestagskandidatur umgehend zurück.[19]

Gemeinsam mit Katrin Kroemer, Bundesschatzmeisterin des Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und Chefredakteurin des TOP Magazin Ruhr, deckte Hesse im April 2017 einen bislang mutmaßlichen Fall von Betrug und Unterschlagung auf[20][21] – in seiner eigenen Gewerkschaft. Wie der Mediendienst kress.de berichtet, soll der Geschäftsführer den DJV Landesverband NRW um einen fünfstelligen Betrag geprellt haben.[22]Wie die Rheinische Post schreibt, soll er gefälschte Rechnungen von Rechtsanwälten und Beratungsunternehmen selbst ausgestellt und so rund 50.000 Euro erbeutet haben.[23] Der Verband hat sich aufgrund der Recherche von seinem Geschäftsführer getrennt und juristische Schritte eingeleitet.[24][25]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2016 erhielt Pascal Hesse das mit 800 Euro und mehreren Workshops zu den journalistischen Darstellungsformen Reportage, Porträt und Storytelling dotierte Recherche-Stipendium „Entdecke dein Münsterland“,[26] ein Nachwuchsstipendium, das im Rahmen des Journalistenpreises Münsterland[27] vom Verein Münsterland e. V., dem Presseverein Münster-Münsterland e. V. im Deutschen Journalisten-Verband und der Sparkasse Münsterland Ost vergeben wird.[28][29]

Das seit 1975 im Medienfachverlag Rommerskirchen GmbH erscheinende prmagazin kürte Pascal Hesse als Bundespressesprecher der Piratenpartei Deutschland im April 2017 zum Sieger im Pressestellentest der Bundesparteien.[30]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 kandidierte Pascal Hesse bei den Kommunalwahlen für die Partei Bündnis 90/Die Grünen als Direktkandidat in Essen-Bergeborbeck und auf Platz 9 der Ratsreserveliste seiner Partei.[31][32] Seinerzeit gehörte er dem Kreisvorstand der Essener Grünen als Mitglied an, war Landes- und Bundesdelegierter seiner Partei und zudem Präsidiumsmitglied im Basisrat der Grünen Jugend NRW.

Hesse ist Vorsitzender des Vereins Grüne Hochschulgruppe an der FernUniversität in Hagen.[33] Als Politischer Geschäftsführer gehörte er zudem von 2013 bis 2014 dem 14. Bundesvorstand von Campusgrün – Bundesverband grün-alternativer Hochschulgruppen an.[34][35]

Über mehrere Jahre gehörte Pascal Hesse als gemeinsamer Kandidat der Grünen, Piratenpartei und Linken dem akademischen Senat der Fernuniversität in Hagen an. Hesse klagte gegen die 2013 von dem Senat beschlossene und 2014 eingeführte Grundgebühr an der FernUniversität in Hagen[36]. Nachdem zunächst das Verwaltungsgericht Arnsberg seiner Klage stattgab, wurde die Grundgebühr, eine Studiengebühr, wieder abgeschafft. Das Oberverwaltungsgericht NRW in Münster bestätigte diese Entscheidung am 28. März 2017.[37][38]

Pascal Hesse ist Mitglied im Direktorium des von Alexander von Plato gegründeten Instituts für Geschichte und Biographie „Deutsches Gedächtnis“ mit Sitz in Hagen. Zudem zählt er zu den Gründungsmitgliedern des Instituts Solidarische Moderne (ISM).[39]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Piratenpartei Deutschland: Bundestagswahlkampf: Piratenpartei verpflichtet Investigativ-Journalist Pascal Hesse. 6. Februar 2017, abgerufen am 6. Februar 2017.
  2. a b Johann Oberauer GmbH: Pascal Hesse spricht für Piratenpartei. In: prreport. (prreport.de [abgerufen am 29. März 2017]).
  3. [recherche|kollektiv – INVESTIGATIVE RECHERCHEN IM JOURNALISMUS.] Abgerufen am 18. April 2017 (de-de).
  4. Landesvorstand des DJV-NRW. Webseite im Portal djv-nrw.de, abgerufen am 6. August 2016
  5. Kontinuität im Landesvorstand. Abgerufen am 10. Mai 2017 (deutsch).
  6. „Wir mischen uns ein“. Abgerufen am 10. Mai 2017 (deutsch).
  7. Bundesparteien: Piraten siegen im Pressestellentest / AfD und Freie Wähler abgeschlagen. In: presseportal.de. (presseportal.de [abgerufen am 5. April 2017]).
  8. Kurzgucker: Die AfD in Gießen, die SPD in Essen-Borbeck und die Presse: Der Fall Pascal Hesse – Mittelhessenblog. In: Mittelhessenblog. 9. Dezember 2014 (mittelhessenblog.de [abgerufen am 29. März 2017]).
  9. Kulturbruch: Berufliches Interesse reicht nicht mehr für SPD-Eintritt | Ruhrbarone. In: Ruhrbarone. 9. Dezember 2014 (ruhrbarone.de [abgerufen am 29. März 2017]).
  10. Geheimsache Gabriel? – INFORMER online. Abgerufen am 29. März 2017 (de-de).
  11. Offener Brief: SPD-Abgeordnete Petra Hinz in der Kritik. Artikel im Portal informer-magazine.de, abgerufen am 5. August 2016
  12. Eilmeldung: Petra Hinz tritt nicht erneut für Bundestag an. Artikel im Portal informer-magazine.de, abgerufen am 5. August 2016
  13. Wie glaubwürdig ist Petra Hinz? Ein Kommentar. Artikel im Portal informer-magazine.de, abgerufen am 5. August 2016
  14. Wie eine SPD-Abgeordnete ihr Leben erfunden hat. Abgerufen am 29. März 2017 (alps).
  15. Wie eine SPD-Abgeordnete ihr Leben erfunden hat. Abgerufen am 29. März 2017 (alps).
  16. n-tv Nachrichtenfernsehen: Schummeln im Lebenslauf: Die verlorene Ehre der Petra Hinz. In: n-tv.de. (n-tv.de [abgerufen am 29. März 2017]).
  17. Hagen Strauss, Dorothea Hülsmeier und Michael Passon: Vita gefälscht: Petra Hinz tritt zurück. In: Westdeutsche Zeitung. 20. Juli 2016 (.wz..de [abgerufen am 29. März 2017]).
  18. Christian Rothenberg: Schummeln im Lebenslauf: Die verlorene Ehre der Petra Hinz. Artikel vom 20. Juli 2016 im Portal n-tv.de, abgerufen am 6. August 2016
  19. Wie die SPD sich einen zweiten Fall Hinz ersparte – INFORMER online. Abgerufen am 29. März 2017 (de-de).
  20. Investigative Recherchen enden nicht vor der eigenen Haustür – INFORMER online. Abgerufen am 26. April 2017 (de-de).
  21. Wie kam es zur Trennung vom Geschäftsführer und wie geht es jetzt weiter im DJV NRW? Abgerufen am 26. April 2017 (deutsch).
  22. DJV NRW erstattet Strafanzeige gegen Geschäftsführer. In: kress. (kress.de [abgerufen am 26. April 2017]).
  23. RP ONLINE: Journalistenverband: DJV-NRW zeigt Leverkusener Geschäftsführer wegen Untreue an. Abgerufen am 26. April 2017.
  24. Trennung vom Geschäftsführer. Abgerufen am 26. April 2017 (deutsch).
  25. Marvin Schade: „Unregelmäßigkeiten in der Verwendung von Finanzmitteln“: DJV NRW trennt sich von Geschäftsführer › Meedia. 12. April 2017, abgerufen am 26. April 2017.
  26. Münsterland e. V. – Deine Münsterland-Geschichte: Junge Journalisten können sich ab sofort für einwöchige Entdeckungstour bewerben – Pressemitteilung. Abgerufen am 5. April 2017.
  27. Münsterland e. V.: Journalistenpreis Münsterland | Münsterland e. V. Wirtschaft. Abgerufen am 5. April 2017.
  28. Administrator: Journalistenpreis Münsterland 2016 ehrt Preisträger. Abgerufen am 5. April 2017 (de-de).
  29. Münsterland e. V. – Entdecke dein Münsterland: Sechs junge Journalisten suchen ab heute die Geschichten der Region – Pressemitteilung. Abgerufen am 5. April 2017.
  30. Bundesparteien: Piraten siegen im Pressestellentest / AfD und Freie Wähler abgeschlagen. In: presseportal.de. (presseportal.de [abgerufen am 5. April 2017]).
  31. Yumpu.com: Rundbrief der GRÜNEN Essen 9-2008 – Die Grünen Essen. In: yumpu.com. (yumpu.com [abgerufen am 29. März 2017]).
  32. Die Kommunalwahl 2009 auf essen.de. Abgerufen am 29. März 2017.
  33. Hagen – FernUni – Campusgrün. Abgerufen am 29. März 2017 (deutsch).
  34. Pascal Hesse – Campusgrün. Abgerufen am 29. März 2017 (deutsch).
  35. Chronik – Campusgrün. Abgerufen am 29. März 2017 (deutsch).
  36. Susanne Bossemeyer, FernUniversität in Hagen: Oberverwaltungsgericht Münster erklärt Grundgebühr der FernUniversität für unzulässig – März – Universität – FernUniversität in Hagen. Abgerufen am 29. März 2017 (deutsch).
  37. Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen: Grundgebühr für alle Studierenden der FernUniversität Hagen rechtswidrig. Abgerufen am 29. März 2017 (deutsch).
  38. Piratenpartei Deutschland: FernUniversität in Hagen: Studiengebühren abgewendet! › Piratenpartei Deutschland. 29. März 2017, abgerufen am 29. März 2017.
  39. Felix Langhammer, Axel Gebauer; WARENFORM http://www.warenform.net/: Gründungsmitglieder – ISM -. In: Institut Solidarische Moderne. (solidarische-moderne.de [abgerufen am 29. März 2017]).
  40. [recherche|kollektiv – INVESTIGATIVE RECHERCHEN IM JOURNALISMUS.] Abgerufen am 18. April 2017 (de-de).