Pashupati

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pashupati (Sanskrit पशुपतिpaśupati m. „Herr des Viehs“ [1][2]) ist eine Form des hinduistischen Gottes Shiva, die schon in vedischer Zeit verehrt wurde.

Wesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Veda ist Pashupati ein Name von Rudra und wird später, wie Rudra auch, als Form von Shiva aufgefasst. Im Atharvaveda wird er als Beschützer von Kühen, Pferden, Menschen, Ziegen und Schafen angerufen und in der Atharvashiras Upanishad als Prinzip aller Dinge verherrlicht.

Pashupati ist der Nationalgott von Nepal.[3] Er wird im Pashupatinath verehrt, einer Tempelanlage in Deopata bei Kathmandu in Nepal, wo sein Kult seit dem 8. Jahrhundert bezeugt ist. Während des Fests Shivaratri erscheint der nepalesische König mit seinem Gefolge im Tempel und verehrt den Pashupati.

Nach dem Gotte benennt sich die shivaistische Asketensekte der Pashupatas. Diese deutet das Wort pashu »Vieh« auch als »Seele«, weshalb der Gottesname als »Herr des Lebens« u.ä. umgedeutet wird, gleichsam wie Pashupati die Seele von ihren Fesseln befreit, wie das am Pfahl angebundene Vieh.[4]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Siegel der Indus-Kultur aus der archäologischen Stätte Mohenjo-Daro zeigt eine sitzende, von Tieren umgebene Figur, die vom Ausgräber John Marshall als Proto-Shiva gedeutet wurde, wobei die Tiere an Pashupati, dem »Herrn der Tiere« gemahnen.[5] Diese Interpretation wird heute nicht mehr aufrechterhalten, unter anderem auch, weil Pashupati der Beschützer der Haustiere ist, während auf dem Siegel Wildtiere – Büffel, Elefant, Nashorn, Tiger und Antilope – abgebildet sind.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. paśupati. In: Monier Monier-Williams: Sanskrit-English Dictionary. Clarendon Press, Oxford 1899, S. 611, Sp. 3.
  2. Hans Wilhelm Haussig (Hrsg.): Götter und Mythen des indischen Subkontinents (= Wörterbuch der Mythologie. Abteilung 1: Die alten Kulturvölker. Band 5). Klett-Cotta, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-909850-X.
  3. Axel Michaels: Der Hinduismus. C.H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44103-3, S. 344.
  4. Jan Gonda: Der jüngere Hinduismus. Kohlhammer, Stuttgart 1963, S. 215.
  5. Sir John Marshall: Mohenjo-daro and the Indus Civilization. Band I, London 1931, S. 52–56.
  6. Doris Srinivasan: Unhinging Śiva from the Indus Civilization. In: Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, Band 1, 1984, S. 82.