Passionskirche (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Passionskirche

Die Passionskirche ist eine evangelische Kirche aus dem frühen 20. Jahrhundert im Berliner Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und befindet sich am Marheinekeplatz unweit der Bergmannstraße. Sie wird neben Gottesdiensten auch für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen genutzt. Seit dem Jahr 2000 gehört sie neben der Heilig-Kreuz-Kirche zur Evangelischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz-Passion im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte (KKBS) der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Geschichte der Passionskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar, Orgel und Backsteinkanzel

Die Passionskirche wurde 1905–1908 als dritte Kirche der Heilig-Kreuz-Gemeinde in der Tempelhofer Vorstadt nach Plänen des Baurates Theodor Astfalck im neuromanischen Stil nach den Grundsätzen des Wiesbadener Programms aus Backsteinen im Klosterformat erbaut. Sie hat einen quadratischen Grundriss mit einem Turm in der Mitte. Zusammen mit den vier Türmen, die in die Ecken des quadratischen Grundrisses eingestellt sind, erhält die Grundfläche die Form eines griechischen Kreuzes, der Gesamtbau wirkt burgähnlich. Zentral unter der Decke hängt ein großer kreisförmiger Kronleuchter mit farbigem Glas im Jugendstil – eine Spende der Firma Siemens. Die Mosaikdarstellung im Altarraum wurde von der Firma Puhl & Wagner angefertigt.

Obwohl die Kirche 1944 im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, blieb fast die gesamte Originalausstattung erhalten. 1951–1953 konnten die Kriegsschäden beseitigt und die Kirche mit bescheidenen Mitteln wieder hergerichtet werden, ab 1957 wurden die Arbeiten fortgesetzt. In dieser Zeit erhielt die Passionskirche eine Orgel des Orgelbaumeisters Karl Ludwig Schuke. 1967 konnten die drei großen Fenster mit Glasmalereien zu den Themen Gethsemane, Kreuzigung und Kreuzabnahme ausgestaltet werden.

Für die Innovationen zur Bewahrung des Baudenkmals erhielt die Gemeinde 1989 die Ferdinand-von-Quast-Medaille. Mit den umfassenden Sanierungsarbeiten ab 1992 wurde die Kirche behindertengerecht ausgebaut, eine Fußbodenheizung unter den neuen Terrakottafliesen sorgt für eine ganzjährige Nutzung der Räumlichkeiten, Licht- und Tontechnik wurde installiert; die Wände, Deckengewölbe und die Fenster erhielten einen Schallschutz. Turmdächer deckte man mit farbig glasierten Ziegeln, die nach historischen Vorbildern gefertigt wurden.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzert von Ron Sexsmith im Juni 2008 in der Passionskirche

Als in den die Kirche umgebenden Wohngebieten durchgreifende Sanierungsmaßnahmen stattfanden und daraufhin Hausbesetzungen erfolgten, setzten sich der Pfarrer und der Gemeindekirchenrat in diesem sozialen Bereich ein und bemühten sich um friedliche Lösungen. Das war der Beginn eines erweiterten sozialen und kulturellen Engagements.

Neben Gottesdiensten finden auch Lesungen, Vorträge, Ausstellungen (z. B. von Osama Said), Diskussionsveranstaltungen, Tagungen sowie Konzerte verschiedener Musikrichtungen (Volksmusik, Rock, Jazz, Klassik usw.) statt. Bekannte Künstler, die hier auftraten, waren unter anderem No Angels, Subway To Sally, Zakk Wylde und Letzte Instanz. Auch das Live-Album Psychometry von Anne Clark wurde hier aufgenommen. Die Kirche kann als Veranstaltungsort gemietet werden. Der gesamte Kirchenraum bietet rund 720 Personen Platz.

In der Passionskirche veranstaltet auch die Finnische Gemeinde Berlin ihre Gottesdienste. Auch das Finnlandzentrum e. V. für Deutschland hat im ehemaligen Gemeindehaus der Passionskirche seinen Sitz. Die derzeitige Pfarrerin ist Päivi Lukkari. [1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des 100. Jahrestages der Kirchweihe wurde vom Gemeindekirchenrat 2008 die Festschrift Von der Staatskirche zur Kiezkirche: 100 Jahre Passionsgemeinde in Berlin-Kreuzberg herausgegeben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Passionskirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Finnische Gemeinde in Berlin auf der Website des Zentrums der finnischen kirchlichen Arbeit, abgerufen am 11. Januar 2015

Koordinaten: 52° 29′ 22″ N, 13° 23′ 50″ O