Passow (Uckermark)

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Passow führt kein Wappen
Passow (Uckermark)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Passow hervorgehoben

Koordinaten: 53° 9′ N, 14° 7′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Uckermark
Amt: Oder-Welse
Höhe: 15 m ü. NHN
Fläche: 51,39 km2
Einwohner: 1431 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16306
Vorwahlen: 033331, 033336
Kfz-Kennzeichen: UM, ANG, PZ, SDT, TP
Gemeindeschlüssel: 12 0 73 603
Adresse der Amtsverwaltung: Gutshof 1
16278 Pinnow
Website: www.amt-oder-welse.de
Bürgermeister: Silvio Moritz
Lage der Gemeinde Passow im Landkreis Uckermark
AngermündeBerkholz-MeyenburgBoitzenburger LandBrüssowCarmzow-WallmowCasekowFlieth-StegelitzGartz (Oder)GerswaldeGöritzGramzowGrünowHohenselchow-Groß PinnowLychenMark LandinMescherinMilmersdorfMittenwaldeNordwestuckermarkOberuckerseePassowPinnowPrenzlauRandowtalSchenkenbergSchönebergSchönfeldSchwedt/OderTantowTemmen-RingenwaldeTemplinUckerfeldeUckerlandZichowBrandenburgKarte
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Passow ist eine Gemeinde im Landkreis Uckermark in Brandenburg (Deutschland). Sie wird vom Amt Oder-Welse mit Sitz in Pinnow verwaltet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Passow liegt zwischen den uckermärkischen Städten Schwedt/Oder und Prenzlau. Charakteristisch für das Gebiet sind die beiden Urstromtäler der Flüsse Welse und Randow, die hier zusammentreffen und sich in Richtung Südosten zur Oder fortsetzen. Die von zahlreichen Entwässerungsgräben durchzogenen Täler (Randowbruch und Welsebruch), die nur 8 bis 9 m über NHN liegen, werden von Endmoränen flankiert, die Höhen bis zu 69 m ü. NHN erreichen. Das Gemeindegebiet wird von weiten landwirtschaftlich genutzten Wiesen- und Ackerflächen geprägt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Ortsteilen Briest, Jamikow, Passow/Wendemark und Schönow gehören die Wohnplätze Ausbau und Wendemark zur Gemeinde.[2] Auf der Gemarkung Passow liegt das Areal des abgegangenen Vorwerks Friedensfolge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briest und Passow gehörten seit 1817 zum Kreis Angermünde in der preußischen Provinz Brandenburg, Jamikow und Schönow zum Kreis Randow (ab 1939 zum Kreis Greifenhagen) in der Provinz Pommern. 1952 wurden die Orte in den Kreis Angermünde im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder) eingegliedert. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Uckermark.

Die bis dahin selbstständigen Gemeinden Briest, Jamikow und Passow schlossen sich am 31. Dezember 1998 zur Gemeinde Welsebruch zusammen.[3] Am 26. Oktober 2003 wurde die Gemeinde Schönow eingegliedert.[4] Am 1. Oktober 2004 wurde die Gemeinde nach dem zentralen Ort in Passow umbenannt.[5]

Ortsteil Passow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name stammt vom altslawischen prah und deutet auf den slawischen Lokator hin, also Ort des Parš.[6]

Archäologische Ausgrabungen im Areal der Umgehungsstraße westlich von Passow erbrachten zwischen November 2003 und Dezember 2005 rund 1.350 archäologische Befunde in sechs Arealen beiderseits der Welse (Oder). Entdeckt wurden Funde aus der späten Mittelsteinzeit, Keramikniederlegungen und Einzelgräber aus der Jungsteinzeit sowie vor allem aus der jüngeren Bronzezeit und der älteren Eisenzeit. Besonders erwähnenswert sind dabei linear angeordnete, parallele Reihen von Gruben, die mit zersprungenen Steinen verfüllt worden waren. Der Ausgräber Erwin Cziesla schreibt: "Zusammen mit den neolithischen Keramik-Deponierungen, den ebenfalls neolithischen Gräbern (inkl. jener aus der Umgebung von Passow) wie auch dem - wenn auch nur in Ausschnitten untersuchten - Areal von Passow 26 sowie den Funden aus Passow 20, wird hier eine ritualisierte Landschaft greifbar, die seit rund 4.000 v. Chr. Bestand hatte und vermutlich bis in die Römische Kaiserzeit von Bedeutung war, denn es fanden sich auch Befunde und ein Brunnen aus dieser Zeitstellung."[7] Jüngere, frühslawische Befunde lassen den Ausschnitt einer dörflichen Siedlung erkennen.

Als Parsowe wurde der als Angerdorf angelegte Ort 1296 erstmals schriftlich erwähnt. Über Porszow entwickelte sich der Ortsname zu Passow (Mitte des 15. Jahrhunderts). Ehemals in mecklenburgischem Besitz befindlich, kam Passow 1355 zusammen mit Crussow und der Burg Zichow an Pommern.

Die Passower Feldsteinkirche frühgotischen Stils stammt aus dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert wurde der Westturm angebaut, der 1822 um einen Turmaufsatz erweitert wurde. Zur Ausstattung der Kirche gehört ein spätgotischer Flügelaltar (Anfang des 16. Jahrhunderts) und eine Renaissance-Kanzel (Anfang des 17. Jahrhunderts).

1734 zählte man in Passow 226 Einwohner, 1895 590 und 1946 808 (darunter viele Umsiedler). Von 1971 bis 1981 stieg die Einwohnerzahl von 748 auf 1.243 durch die Eingemeindung von Wendemark im Jahr 1974.

1840 bis 1843 wurde die Bahnstrecke Berlin–Szczecin gebaut, an der Passow liegt. Vom Bahnhof Passow (Uckerm) wurde damals der gesamte Post- und Personenverkehr nach Prenzlau, Pasewalk, Pommern und Rügen abgewickelt. 75 Postkutschen standen bei jedem Zug zur Weiterbeförderung der Passagiere und der Post bereit. Die Bahnstrecke nach Stralsund sollte ursprünglich in Passow von der Bahnstrecke Berlin–Szczecin abzweigen. Durch die Weigerung der Bauern der Umgebung, Land für den Bau der Bahnlinie abzugeben, wurde die Abzweigung von Angermünde aus gebaut. Der Passower Bahnhof verlor so seine überregionale Bedeutung, und viele Fuhrleute verloren ihre Arbeit. In Passow findet seit 2014 wieder ein Erntefest statt.

Wohnplatz Wendemark

1552 erstmals in einem Schriftstück des Klosters Gramzow genannt, bedeutete der Ortsname eine geografische Wendemarke – in der Gemarkung des Ortes treffen die weiten Täler der Welse und Randow aufeinander und markieren somit einen landschaftlichen Wechsel. Der Ort gehört seit sem 1. Januar 1974 zu Passow.[8]

Ortsteil Briest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1288 erstmals in einer Urkunde des Klosters Gramzow erwähnte Ort wurde als Angerdorf angelegt. Der Name ging aus dem slawischen brestu (= Ulme) hervor. Bis 1472 zu Pommern gehörend, wechselten die Besitzverhältnisse der Grenzlage wegen mehrmals zwischen pommerschen und brandenburgischen Fürsten. Die große Briester Feldsteinkirche entstand im 13. Jahrhundert.

Der Dreißigjährige Krieg und der Siebenjährige Krieg verwüsteten weite Gebiete in diesem Teil der Uckermark, auch in Briest wurden viele Höfe zerstört, Äcker lagen brach und die Einwohner mussten Heeresteile einquartieren.

Die Straße von Briest bis zum Passower Bahnhof wurde 1899 gepflastert, bis 1920 war die Elektrifizierung im Ort abgeschlossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten viele Umsiedler aus den östlich der Oder liegenden Gebieten aufgenommen werden. 1961 war die Umstellung von einzelbäuerlicher zu genossenschaftlicher Agrarwirtschaft abgeschlossen. 1964 entstand ein Kulturhaus mit Gaststätte, Saal, Küche und Kindereinrichtung, ein Jahr später die ersten 12 Wohneinheiten des staatlichen Wohnungsbaues. Ab 1982 waren die meisten Haushalte an die Trinkwasserversorgung angeschlossen.

Ortsteil Jamikow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Jamikow

Der Ort Jamikow taucht 1345 erstmals in einer Urkunde des pommerschen Herzogs Barnim III. auf, der den Flussabschnitt der Welse von der Oder bis zur Mühle Januck (Jamikow) verlieh. Bis 1945 war Jamikow ein Bestandteil der preußischen Provinz Pommern.

Die Jamikower Kirche aus dem Jahr 1856 wurde in den letzten Jahren restauriert. Das spätbarocke Gutshaus in Jamikow ist denkmalgeschützt, es wurde vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts erbaut.

Ortsteil Schönow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Schönow
Schloss Schönow

Bis 1945 war Schönow ein Bestandteil der preußischen Provinz Pommern.

Schönow ist in der Region als Sport-Dorf bekannt. 2001 wurde der Ort „Sportlichstes Dorf Brandenburgs“. Von 310 Einwohnern waren zu dem Zeitpunkt 258 Einwohner Mitglieder in einem der beiden Sportvereine (Fußball mit acht Mannschaften, Dressur und Springreiten, Behindertensport, Leichtathletik, Aerobic und Bogenschießen).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 594
1890 570
1910 607
1925 638
1933 588
1939 542
1946 808
1950 851
Jahr Einwohner
1964 675
1971 776
1981 1 243
1985 1 208
1989 1 245
1990 1 227
1991 1 207
1992 1 209
1993 1 199
1994 1 187
Jahr Einwohner
1995 1 189
1996 1 173
1997 1 168
1998 1 546
1999 1 530
2000 1 545
2001 1 495
2002 1 462
2003 1 724
2004 1 713
Jahr Einwohner
2005 1 717
2006 1 672
2007 1 619
2008 1 622
2009 1 611
2010 1 585
2011 1 537
2012 1 533
2013 1 510
2014 1 469
Jahr Einwohner
2015 1 473
2016 1 464
2017 1 454
2018 1 431

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[9][10][11]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Der Bevölkerungszuwachs zwischen 1971 und 1981 ist auf die Eingemeindung von Wendemark im Jahr 1974 zurückzuführen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Passow besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ergab folgende Sitzverteilung:[12]

Partei / Wählergruppe Sitze
Wählergruppe Briest, Jamikow, Passow/Wendemark, Schönow 9
CDU 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998–2019: Walter Henke (FDP)[13]
  • seit 2019: Silvio Moritz (Wählergruppe Briest, Jamikow, Passow/Wendemark, Schönow)

Moritz wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 85,2 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[14] gewählt.[15]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Passow

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passow liegt an der Bundesstraße 166 zwischen Prenzlau und Schwedt. Sie führt seit 2006 als südliche Ortsumgehung an Passow vorbei. Damit ist sie als Autobahnzubringer zur A 11 Berlin–Stettin für die Tanklastzüge aus der Erdölraffinerie Schwedt ohne Ortsdurchfahrt.

Der Bahnhof Passow und der Haltepunkt Schönow liegen an der Bahnstrecke Berlin–Szczecin. Sie werden von der Regionalexpresslinie RE 66 Berlin-LichtenbergSzczecin Główny und der Regionalbahnlinie RB 66 Angermünde–Szczecin Główny bedient. Nördlich von Passow zweigt die Werkbahn der Schwedter Erdölraffinerie (PCK Raffinerie) ab.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Passow (Uckermark) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2018 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Passow
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  6. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 104
  7. Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte: Erwin Cziesla: Archäologie auf der Ortsumfahrung Passow (Lkr. Uckermark, Bundesland Brandenburg). Archäologische Quellen 3 (2019). 4. Dezember 2019, abgerufen am 4. Dezember 2019 (deutsch).
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  9. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark. S. 22–25
  10. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  11. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  12. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  13. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Uckermark (Memento des Originals vom 15. April 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wahlen.brandenburg.de
  14. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  15. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  16. Kerstin Unger: Dornröschenschlaf beendet. In: Märkische Onlinezeitung. 10. April 2014, abgerufen am 3. Mai 2017.