Paternostererbse

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Paternostererbse
Paternostererbse (Abrus precatorius), Illustration

Paternostererbse (Abrus precatorius), Illustration

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Abrus
Art: Paternostererbse
Wissenschaftlicher Name
Abrus precatorius
L.
Geöffnete Früchte und Samen
Paternostererbsen

Die Paternostererbse (Abrus precatorius), auch Paternosterbohne oder Krabbenaugenwein genannt, ist eine Giftpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), die heute in den gesamten Tropen verbreitet ist und vermutlich aus Indien stammt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser mehrjährige, verholzende und laubabwerfende Ranker erreicht Wuchshöhen von bis zu 6–10 Meter. Er wächst schlank und ist dicht belaubt mit 5 bis 15 cm langen, wechselständig angeordneten, paarig gefiederten, kurz gestielten Laubblättern, die sich aus vielen kleinen, länglichen bis eiförmigen, dünnledrigen und ganzrandigen sowie feinstachelspitzigen, abgerundeten Blättchen zusammensetzen. Die rinnige Rhachis endet in einer kleinen Borste und die Blättchen sind unterseits leicht behaart. Es sind kleine, oft abfallende Nebenblätter ausgebildet.

Die kleinen, kurzgestielten, weißen bis leicht-purpurfarbenen Schmetterlingsblüten erscheinen in langgestielten Trauben in den Blattachseln. Sie sind von Trag- und Deckblättern unterlegt. Der gestuzte, etwas seidig behaarte, becherförmige und grünliche, kleine Kelch ist nur schwach gelappt. Es sind 9 einbrüderig verwachsene Staubblätter vorhanden. Der Fruchtknoten ist behaart, mit einem sehr kurzen Griffel.

Er werden fein seidig behaarte und teils wärzliche, kleine und bespitzte, etwa 2,5–4 Zentimeter lange, ledrige und etwas aufgedunsene Hülsenfrüchte mit 2–7 Samen gebildet. Die rundlichen bis ellipsoiden oder eiförmigen, glatten und zweifarbigen Samen sind 5–8 Millimeter groß. Die geöffneten Früchte bleiben noch längere Zeit an der Pflanze und die Samen hängen dann heraus.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1]

In Europa sind vor allem die Samen (Abri precatorii semen) bekannt. Sie sind hart, glatt und glänzend. Sie sind von scharlachroter Farbe und im oberen Drittel schwarz. Selten sind sie weiß oder schwarz-weiß. Diesem Umstand verdanken sie ihren Namen „Gebetsperlen“ und ihre Verwendung für Rosenkränze und andere Gebetsketten in christlichen und buddhistischen Kulturen. In weiten Teilen Indiens werden sie als „Rati“ bezeichnet und zum Abwiegen von Gold verwendet, da das Gewicht eines Samens etwa einem Karat entspricht (daher der Name). Das Gewicht des Koh-i-noor-Diamanten wurde mit Hilfe derartiger Samen ermittelt. Diese Früchte enthalten das hochgiftige Protein Abrin. Vor allem durch die zunehmende Verbreitung von Naturschmuck aus Paternostererbsen stellt dieses Gift eine Bedrohung dar. Außerdem wird der Strauch als Zierpflanze verwendet.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung erfolgte 1767 durch Carl von Linné in Syst. Nat. ed. 12, 2: 472.

Synonyme sind Abrus maculatus Noronha, Abrus pauciflorus Desv., Glycine abrus L., Orobus americanus Mill., Zaga latifolia Raf., Zaga parvifolia Raf.

Man unterscheidet zwei Unterarten:

  • Abrus precatorius subsp. precatorius aus Asien
  • Abrus precatorius subsp. africanus Verdc. aus Afrika; mit etwas kleineren, wärzlichen Früchten

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Samen der Pflanze werden traditionell in den botanischen Stammgebieten als Gewichte und Materialien für Schmuck verwendet. Im alten Indien dienten sie als Gewichte (siehe auch Indische Maße und Gewichte). Ähnlich, aber größer, sind die Samen von Ormosia coccinea, auch die roten Samen von Adenanthera pavonina wurden ähnlich verwendet.

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Pflanzenteile gelten als giftig, aber besonders die Samen.

Schon eine einzige, rohe Erbse kann tödlich sein. Die Samen enthalten das hochgiftige Abrin, ein Toxalbumin, das in seinen toxischen Eigenschaften dem aus Ricinussamen stammenden Ricin ähnelt und auch den Schlangengiften ähnlich wirkt. Sie werden eben deshalb auch medizinisch verwendet.

Das Gift wird jedoch durch Hitze zerstört, die Samen sind daher gut gekocht essbar.

Beim Tragen als Schmuckkette an Hals oder Handgelenk kann davon ausgegangen werden, dass selbst beim Schwitzen toxische Inhaltsstoffe nicht freigesetzt werden und somit keine Vergiftungsgefahr besteht. Reife Samen, die unzerkaut geschluckt werden, passieren den Magen-Darm-Trakt, ohne toxisches Abrin freizugeben, und werden wieder ausgeschieden. Daher ist für das Verschlucken reifer, intakter Samen keine Vergiftungsgefahr anzunehmen.

Das Verschlucken unreifer Samen mit noch weicher (durchlässiger) Schale kann schwere Vergiftungen verursachen. Die in Schmuckketten enthaltenen Paternostererbsen sind zum Auffädeln durchbohrt worden. Wenn an solchen Ketten gekaut oder gelutscht wird, kann auf Grund der Verletzung der harten Schale das in den Samen enthaltene Abrin freigesetzt werden und zu Vergiftungen führen.[2] Darüber hinaus können Samen der Paternostererbse auch in Pfeffermischungen vorkommen, die etwa in bei deutschen Touristen beliebten Reiseländern auf Basaren erhältlich sein können. Dort können die Samen aufgrund ihrer optischen Verwechselbarkeit fälschlicherweise beigemischt worden sein.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dongyou Liu: Manual of Security Sensitive Microbes and Toxins. CRC Press, 2014, ISBN 978-1-4665-5396-5, S. 443 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Paternostererbse (Abrus precatorius) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abrus precatorius bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (2012). Schmuck aus Paternosterbohnensamen nicht für Kinder geeignet. (Stellungnahme 043/2012, ergänzt am 21. Januar 2013, S. 3). Berlin: BfR. Abgerufen am 6. Juni 2016.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Paternostererbsen, Rizinus & Co. – Exotische Souvenirs können giftige Pflanzensamen enthalten. 3. Juli 2019, abgerufen am 10. Juli 2019.