Patientenrechtegesetz

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Basisdaten
Titel: Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten
Kurztitel: Patientenrechtegesetz (nicht amtlich)
Abkürzung: PatRechteG (nicht amtlich)
Art: Bundesgesetz
Geltungsbereich: Bundesrepublik Deutschland
Rechtsmaterie: Privatrecht (Änderungen des BGB);
Öffentliches Recht/Sozialrecht (Änderungen des SGB V)
Datum des Gesetzes: 20. Februar 2013 (BGBl. I S. 277)
Inkrafttreten am: 26. Februar 2013
GESTA: M024
Weblink: Text des Gesetzes
Bitte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung beachten.

Das Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten ist ein Artikelgesetz, durch das im Jahr 2013 das Behandlungs- und Arzthaftungsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) kodifiziert wurde.[1][2]

Historie, Aufgabe und Inhalt[Bearbeiten]

Die Rechte der Patientinnen und Patienten ergeben sich aus den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches, den Sonderregelungen in den Sozialgesetzbüchern, den Richtlinien des von den Kassenärztlichen Bundesvereinigungen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen gebildeten Gemeinsamen Bundesausschusses nach § 91Vorlage:§/Wartung/buzer SGB V und Spezialnormen wie dem Arzneimittelgesetz sowie weiteren Regelungen in den Berufsordnungen der Landesärztekammern und in den Bundesmantelverträgen der Selbstverwaltungspartner. Um hier für die Beteiligten mehr Transparenz über das geltende Recht herzustellen, wurden die Rechte der Patientinnen und Patienten durch das Bundesministerium der Justiz (BMJ) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Zusammenarbeit mit dem damaligen Patientenbeauftragten der Bundesregierung Wolfgang Zöller[3] konzeptionell zusammenfassend erarbeitet und umfassend inhaltlich und strukturell konkretisiert.[4]

Patientenrechte, die sich im Laufe der Jahre größtenteils durch die Rechtsprechung als Richterrecht herauskristallisiert haben, werden gemäß Artikel 1Vorlage:Art./Wartung/buzer des sogenannten Patientenrechtegesetzes (PatRG) (nichtamtliche Bezeichnung) durch Hinzufügung der §§ 630a bis 630hVorlage:§/Wartung/buzer in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) nunmehr gesetzlich geregelt. Dadurch sollen die Rechtslage eindeutiger und überschaulicher, und die Patientenrechte gestärkt werden. Daneben enthält das Gesetz in Artikel 2Vorlage:Art./Wartung/buzer die Änderung der §§ 13, 66, 73b, 73c, 99, 135a, 137, 140a, 140f, 140h, 217f, 219a und 219dVorlage:§/Wartung/buzer zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) des Buches Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), in Artikel 3Vorlage:Art./Wartung/buzer die Änderung von § 4Vorlage:§/Wartung/buzer der Patientenbeteiligungsverordnung (PatBeteiligungsV) und in Artikel 4Vorlage:Art./Wartung/buzer die Änderung von § 17bVorlage:§/Wartung/buzer des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG).

Des Weiteren beschreibt das Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten eine Ergänzung der berufsrechtlichen Vorschriften: in Artikel 4aVorlage:Art./Wartung/buzer bezüglich der §§ 13, 31 und 31aVorlage:§/Wartung/buzer der Zulassungsverordnung für Vertragsärzte (Ärzte-ZV) und in Artikel 4bVorlage:Art./Wartung/buzer mit Bezug auf die §§ 13 und 31Vorlage:§/Wartung/buzer der Zulassungsverordnung für Vertragszahnärzte (Zahnärzte-ZV), sowie in Artikel 4cVorlage:Art./Wartung/buzer in Bezug auf den § 6Vorlage:§/Wartung/buzer der Bundesärzteordnung (BÄO).

Als Gliederungspunkt des Dienstvertrages wurde zusätzlich der Behandlungsvertrag in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingefügt. Die Patientenrechte und die Arzthaftung, auch im Falle eines Behandlungsfehlers, werden dadurch gebündelt und neu geregelt. Es gelten nun erhöhte Anforderungen an die Aufklärungspflichten, die Voraussetzung für eine wirksame Einwilligung des Patienten sind. Neben der Neuschaffung der Informationspflichten wurde die Pflicht zur medizinischen Dokumentation intensiviert. Auch hat der Patient jetzt das Recht auf eine unverzügliche Einsicht in seine Patientenakte. Die für den Patienten im Rechtsstreit wichtige Frage der Beweislast wurde entsprechend den bisherigen Grundsätzen der Rechtsprechung präzisiert, insbesondere wann es zu einer Beweislastumkehr kommt. Zudem werden die Krankenkassen verpflichtet, Behandlungen beschleunigt zu genehmigen.

Grundlagen des Behandlungsvertrages im BGB[Bearbeiten]

§ 630aVorlage:§/Wartung/buzer BGB normiert den Behandlungsvertrag, der bei medizinischen Behandlungen die gegenseitigen Rechte und Pflichten zwischen dem Behandelnden einerseits und dem Patienten andererseits regelt. Neben den Behandlungsverträgen der Ärzte, Zahnärzte, Psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind auch Vereinbarungen über Behandlungen durch Angehörige anderer Heilberufe, wie beispielsweise Heilpraktiker, Hebammen, Physiotherapeuten, Masseure, medizinische Bademeister, Ergotherapeuten, Podologen und Logopäden, Behandlungsverträge im Sinne des § 630aVorlage:§/Wartung/buzer BGB. Davon ausgenommen sind Verträge über Behandlungsleistungen von Tierärzten, da sie keine humanmedizinische, sondern eine tierärztliche Behandlung durchführen.

Die Behandlung hat gem. § 630aVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 2 BGB regelmäßig nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards zu erfolgen. Damit wird die – auch bisher geltende – Grundlage der Arzthaftung und der Einstufung eines Behandlungsfehlers durch einen medizinischen Sachverständigen festgeschrieben.

§ 630bVorlage:§/Wartung/buzer BGB stellt klar, dass das Behandlungsverhältnis ein Dienstverhältnis ist, woraus auch folgt, dass – wie bisher – die ärztliche Leistung eine Dienstleistung nach Dienstvertragsrecht darstellt. Nach Werksvertragsrecht würde der Arzt den Heilerfolg schulden, was naturgemäß nicht möglich ist, da der tatsächliche, zukünftige Verlauf einer Krankheit oder Verletzung und deren Folgen, auch bei ansonsten als heilbar geltenden Erkrankungen und Verletzungen, grundsätzlich nicht vorhersehbar ist.

Information des Patienten[Bearbeiten]

§ 630cVorlage:§/Wartung/buzer BGB verpflichtet den Behandelnden dazu, dem Patienten zu Beginn der Behandlung sämtliche wesentlichen Umstände der Behandlung verständlich zu erklären, insbesondere die Diagnose und die Therapie. Hierbei handelt es sich um die therapeutische Aufklärung, die bisher auch Sicherungsaufklärung genannt wurde. Die Informierung des Patienten soll den Erfolg der Therapie sichern und dem Patienten durch entsprechende Beratung in jedem Stadium der Behandlung ein therapiegerechtes Verhalten ermöglichen, ihn vor möglichen Gefahren bewahren und auf mögliche Folgen hinweisen, wenn er die ärztlichen Anweisungen nicht befolgt (fehlende Compliance).

Mit dem neuen Begriff der Informationspflichten wird formell und sachlich von den auf die konkrete Behandlung bezogenen Aufklärungspflichten des § 630eVorlage:§/Wartung/buzer BGB unterschieden, welche die Eingriffs- und Risikoaufklärung, auch Selbstbestimmungsaufklärung genannt, betreffen.[5]

Nach dem Auftreten eines Haftungsschadens muss der verursachende Behandler entweder auf Nachfrage des Patienten oder zur Abwendung von Gefahren, die aus einer fehlerhaften Behandlung resultieren können, den Patienten über jeden erkennbaren Behandlungsfehler aufklären. Ohne Zustimmung des Behandlers dürfen diese mit dieser Patienteninformierung verbundenen Eingeständnisse aber weder in Straf- noch in Bußgeldverfahren gegen den Behandler verwendet werden. Diese Einschränkung gilt nicht für die Verwendung bei der zivilrechtlichen Geltendmachung von materiellen und/oder immateriellen Schadensersatzansprüchen gegen den Behandelnden.

Vor einer Behandlung ist der Patient in Textform über eventuelle zusätzliche Kosten aufzuklären, wenn der Behandelnde weiß oder wenn sich hierfür hinreichende Anhaltspunkte ergeben, dass eine vollständige Kostenübernahme durch Dritte nicht gewährleistet ist. Die Verpflichtung in Textform ist neu. Die Verletzung dieser Informationspflicht über die Kosten kann zum Entfallen des Honoraranspruches des Arztes führen.

Die Informationspflichten bestehen nicht, wenn die Behandlung, zum Beispiel nach einem Unfall, unaufschiebbar ist oder wenn der Patient ausdrücklich und nicht widerrufend auf die Information verzichtet hat oder wenn wichtige therapeutische Gründe dagegen sprechen, etwa wenn der Patient infolge der Information sein Leben oder seine Gesundheit gefährden könnte.

Die Informations- und Aufklärungspflichten bestehen bei sämtlichen medizinischen Maßnahmen des Behandelnden, unabhängig davon, ob es sich um Regel- oder Zusatzleistungen handelt, und unbeachtlich dessen, wer die Kosten der Maßnahme trägt. Die Informationen stellen keine Empfehlung oder Rechtsberatung dar.

Einwilligung des Patienten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Informierte Einwilligung

§ 630dVorlage:§/Wartung/buzer BGB setzt die Einwilligung des Patienten in jedwede medizinische Maßnahme voraus. Der Patient kann nur wirksam einwilligen, wenn er vorher gemäß den Anforderungen des § 630eVorlage:§/Wartung/buzer BGB aufgeklärt worden ist. Ist die ärztliche Aufklärung beispielsweise bei Bewusstlosigkeit des Patienten nicht möglich und die daraus folgende Einwilligung des Patienten nicht gegeben, kann aufgrund der vorliegenden Einwilligungsunfähigkeit des Patienten auf beides verzichtet werden, wenn die medizinische Handlung dem mutmaßlichen Willen des Patienten entspricht, es sei denn, es liegt eine entsprechende Patientenverfügung nach § 1901aVorlage:§/Wartung/buzer BGB vor, die den geplanten Eingriff nicht gestattet. Im Falle einer längerfristigen Einwilligungsunfähigkeit muss ein gesetzlicher Betreuer bestellt werden, der dann über die Einwilligung entscheidet.

Aufklärung des Patienten[Bearbeiten]

§ 630eVorlage:§/Wartung/buzer BGB präzisiert die medizinische Aufklärungspflicht des Behandelnden. Im Wortlaut:

„Der Behandelnde ist verpflichtet, den Patienten über sämtliche für die Einwilligung wesentlichen Umstände aufzuklären. Dazu gehören insbesondere Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Diagnose oder die Therapie. Bei der Aufklärung ist auch auf Alternativen zur Maßnahme hinzuweisen, wenn mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können.“

Ferner wird vorgeschrieben, dass die Aufklärung mündlich, persönlich und rechtzeitig vor einem Eingriff zu erfolgen hat, damit der Patient über seine Entscheidung ausreichend nachdenken kann. Sie käme zu spät, wenn sie beispielsweise unmittelbar vor einem erheblichen, insbesondere risikobehafteten Eingriff erfolgen würde. Hierzu gibt es Ausnahmen, beispielsweise bei einer unaufschiebbaren Operation oder einer lebensrettenden Erstversorgung nach einem Unfall, sofern die Einwilligung des Patienten angenommen werden kann.

Rechtsfolgen einer medizinischen Behandlung ohne Patienteneinwilligung[Bearbeiten]

Verweigert ein Patient, trotz ärztlicher Aufklärung über mögliche Gesundheitsschädigungen bei ausbleibender Hilfe, zum Beispiel aus religiösen Gründen, ausdrücklich und ohne Widerruf seine allgemeine oder spezifische medizinische Behandlung und ist er dabei im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte, so darf die ihm angebotene Behandlung nicht aufgezwungen und durchgeführt werden, auch wenn der Patient lebensbedrohlich erkrankt oder verunglückt ist, da sich der Behandelnde sonst einer zum Beispiel straf- und zivilhaftungsrechtlichen Ahndbarkeit aussetzt.

Dokumentation und Patientenakte[Bearbeiten]

§ 630fVorlage:§/Wartung/buzer BGB verpflichtet den Arzt oder Zahnarzt, – wie bisher schon in den Berufsordnungen und in den Bundesmantelverträgen geregelt – eine Patientenakte zu führen und alle relevanten Fakten ausführlich zu dokumentieren. Er besagt hierzu:

„Der Behandelnde ist verpflichtet, in der Patientenakte sämtliche aus fachlicher Sicht für die derzeitige und künftige Behandlung wesentlichen Maßnahmen und deren Ergebnisse aufzuzeichnen, insbesondere die Anamnese, Diagnosen, Untersuchungen, Untersuchungsergebnisse, Befunde, Therapien und ihre Wirkungen, Eingriffe und ihre Wirkungen, Einwilligungen und Aufklärungen. Arztbriefe sind in die Patientenakte aufzunehmen.“

Nachträgliche Änderungen sowohl in der auf Papier geführten Akte als auch in der elektronischen Patientenakte müssen den konkreten Inhalt und den genauen Zeitpunkt der Änderung erkennen lassen.

Einsichtsrecht in Patientenakte[Bearbeiten]

§ 630gVorlage:§/Wartung/buzer BGB räumt dem Patienten das Recht ein, Einblick in seine Patientenakte zu nehmen und ggf. Abschriften der Aktenmappe in Papierform bzw. Duplikate der elektronischen Dokumentationen und Bilder gegen Auslagenersatz zu erhalten. Das Einsichts- und Duplizierrecht gilt auch für dessen Erben. In der Regel wird das in der Praxis oder Klinik erfolgen, was aber auch abweichend vereinbart werden kann. Die Einsicht darf nur verweigert werden, „soweit ihr sonstige erhebliche Rechte Dritter“ entgegenstehen.

Beweislast bei Haftung für Behandlungs- und Aufklärungsfehler[Bearbeiten]

§ 630hVorlage:§/Wartung/buzer BGB geht von dem Grundsatz aus, dass der Patient − wie bisher − einen Behandlungsfehler nachweisen muss. Die Beweislast verschiebt sich jedoch zu Lasten des Behandelnden, wenn ein voll beherrschbares Risiko vorlag, der Behandler für eine vorgenommene Behandlung nicht ausreichend befähigt war oder ein grober Behandlungsfehler begangen wurde.

Beweislast bei Verletzung des Patienten[Bearbeiten]

Abs. 1 definiert die Beweislast bei einem Behandlungsfehler:

„(1) Ein Fehler des Behandelnden wird vermutet, wenn sich ein allgemeines Behandlungsrisiko verwirklicht hat, das für den Behandelnden voll beherrschbar war und das zur Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit des Patienten geführt hat.“

Abs. 1

Ob ein Behandlungsfehler vorliegt, kann mithilfe eines medizinischen Gutachtens, welches von einem gerichtlich bestellten medizinischen Sachverständigen erstellt wurde, im Rahmen eines selbstständigen Beweis(sicherungs)verfahrens vor einem Zivilgericht, aber auch in einem straf- und/oder zivilrechtlichen Klageverfahren, geprüft und bewiesen werden.

Beweislast bei Verletzung der Aufklärungspflicht[Bearbeiten]

„(2) 1Der Behandelnde hat zu beweisen, dass er eine Einwilligung gemäß § 630d eingeholt und entsprechend den Anforderungen des § 630e aufgeklärt hat. 2Genügt die Aufklärung nicht den Anforderungen des § 630e, kann der Behandelnde sich darauf berufen, dass der Patient auch im Fall einer ordnungsgemäßen Aufklärung in die Maßnahme eingewilligt hätte.“

Abs. 2

Ein Aufklärungsfehler kann durch den Patienten geltend gemacht werden, außer wenn er auch nach ärztlicher Aufklärung über das Risiko des eingetretenen Behandlungsschadens oder eines anderen gesundheitlichen Behandlungsnachteils in die Behandlungsmaßnahme eingewilligt hätte.

Beweislast bei Verletzung der Dokumentationspflicht[Bearbeiten]

„(3) Hat der Behandelnde eine medizinisch gebotene wesentliche Maßnahme und ihr Ergebnis entgegen § 630f Absatz 1 oder Absatz 2 nicht in der Patientenakte aufgezeichnet oder hat er die Patientenakte entgegen § 630f Absatz 3 nicht aufbewahrt, wird vermutet, dass er diese Maßnahme nicht getroffen hat.“

Abs. 3

Beweislast bei Verletzung des Facharztstandards[Bearbeiten]

„(4) War ein Behandelnder für die von ihm vorgenommene Behandlung nicht befähigt, wird vermutet, dass die mangelnde Befähigung für den Eintritt der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit ursächlich war.“

Abs. 4

Hiermit wird der Facharztstandard eingefordert. War der Behandelnde ein/e Assistenzarzt/ärztin, dann kehrt sich die Beweislast um, das heißt, der/die Behandelnde hat dann zu beweisen, dass er/sie die fachlichen Standards eingehalten hat.

Beweislast bei Auftreten eines groben Behandlungsfehlers[Bearbeiten]

„(5) 1Liegt ein grober Behandlungsfehler vor und ist dieser grundsätzlich geeignet, eine Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen, wird vermutet, dass der Behandlungsfehler für diese Verletzung ursächlich war. 2Dies gilt auch dann, wenn es der Behandelnde unterlassen hat, einen medizinisch gebotenen Befund rechtzeitig zu erheben oder zu sichern, soweit der Befund mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein Ergebnis erbracht hätte, das Anlass zu weiteren Maßnahmen gegeben hätte, und wenn das Unterlassen solcher Maßnahmen grob fehlerhaft gewesen wäre.“

Abs. 5

Fristen für Leistungszusagen der Krankenkassen[Bearbeiten]

§ 13Vorlage:§/Wartung/buzer SGB V wurde um einen neuen Absatz 3a ergänzt, wonach eine Krankenkasse über einen Antrag auf Leistungen innerhalb von drei Wochen nach Antragseingang zu entscheiden hat. Wenn der Medizinische Dienst beteiligt ist, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen. Kann die Krankenkasse die Fristen nicht einhalten, so muss sie diesen Umstand dem Antragsteller rechtzeitig, d.h. vor Fristablauf mitteilen und einen hinreichenden Grund benennen (§ 13 Absatz 3a Satz 5 SGB V). Erfolgt diese Mitteilung nicht, so gilt der Antrag nach Ablauf der Frist als genehmigt (sog. Genehmigungsfiktion, § 13 Absatz 3a Satz 6 SGB V). Nach Eintritt der Genehmigungsfiktion kann sich der Versicherte die Leistung selbst beschaffen und dann die Rechnung zur Kostenerstattung bei seiner Krankenkasse einreichen. Die Krankenkasse ist dann zur Erstattung der Kosten verpflichtet. Wird keine Erstattung begehrt, so kann der Betroffene Klage auf Feststellung erheben, dass der Antrag auf Gewährung der Leistung (als Sachleistung) als genehmigt gilt (siehe: Sozialgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 18. Dezember 2013, Az. S 21 KR 282/13, Rn. 15f.). Da die Leistung nach § 13 Absatz 3a Satz 6 SGB V so wie beantragt als genehmigt gilt, findet eine Prüfung der medizinischen Notwendigkeit und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung nicht mehr statt (siehe Thorsten Vogl in: NZS, Heft 6/2014, S. 210f.). Hierin liegt der Sanktionscharakter der Norm. Ausgenommen sind lediglich solche Leistungen, die allgemein von den Krankankassen nicht als Sachleistung erbracht werden können (z.B. Kleidung, Lebensmittel, Voodoo-Medizin). Durch die Neuregelung sollen Behandlungsverzögerungen wegen lang andauernder Verwaltungsverfahren beseitigt werden. Erste Berichte aus der Praxis deuten darauf hin, dass es den Krankenkassen bislang nicht gelungen ist, die neuen und sehr stark verkürzten Fristen in ihre Verwaltungsabläufe zu implementieren: Die Mitteilung nach § 13 Absatz 3a Satz 5 erfolgt regelmäßig nicht bzw. nicht korrekt, die Folge ist eine Flut von Genehmigungsfiktionen (siehe z.B. Tim C. Werner in: Adipositas, Heft 2/2014, S. 109).

Wird ein im Bundesmantelvertrag für Zahnärzte vorgesehenes Gutachterverfahren durchgeführt, hat die Krankenkasse ab Antragseingang innerhalb von sechs Wochen zu entscheiden; der Gutachter nimmt innerhalb von vier Wochen Stellung.

Unterstützung der Versicherten bei Behandlungsfehlern[Bearbeiten]

Die früher bestehende „Kann-Regelung“ des § 66Vorlage:§/Wartung/buzer Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) wurde in eine „Soll-Regelung“ geändert.

„Die [Gesetzlichen] Krankenkassen sollen die Versicherten bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen, die bei der Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen aus Behandlungsfehlern entstanden sind und nicht nach § 116Vorlage:§/Wartung/buzer des Zehnten Buches [Sozialgesetzbuch] [(SGB X)] auf die Krankenkassen übergehen, unterstützen.“

Dies geschieht in aller Regel zum Beispiel unter Ausfertigung eines ärztlichen Gutachtens des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Der legislative Ausdruck „sollen“ bedeutet dem Versicherungsleistungsträger, dass ihm bei seiner Entscheidung zur Unterstützung des Versicherungsleistungsnehmers nur ein enger eigener Ermessensspielraum zugestanden wird.

Widerruf der Teilnahme am Hausarztmodell[Bearbeiten]

§ 73bVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 3 SGB V beschreibt die sog. Hausarztzentrierte Versorgung, in die sich ein Versicherter eintragen kann. Die Vorschrift wurde um eine Widerrufsklausel erweitert, wonach der Versicherte innerhalb von zwei Wochen nach Abgabe der Teilnahmeerklärung seinen Beitritt widerrufen kann.

Qualitäts- und Beschwerdemanagement[Bearbeiten]

Nach den geänderten Vorschriften des § 135aVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 2 Nr. 2 SGB V sind die Krankenhäuser in Deutschland gesetzlich verpflichtet, neben einem einrichtungsinternen Qualitäts- nun auch ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement einzurichten. Dies soll der nachhaltigen Sicherung der Qualität dienen und als ein Teil der Regelungen zur Stärkung der Patientensicherheit dazu beitragen, dass die Sichtweise und die Erfahrungen der Patienten in das Risiko- und Fehlermanagement des Krankenhauses einfließen können.[6]

Grenzüberschreitende Kontaktstelle[Bearbeiten]

In § 219dVorlage:§/Wartung/buzer SGB V wird die Richtlinie 2011/24 der EU in nationales Recht umgewandelt. Zentrale Aufgaben der nationalen Kontaktstelle sind, EU-Bürgern Informationen über die nationalen Gesundheitsdienstleister zur Verfügung zu stellen. Dies sollen die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sowie die Privaten Krankenversicherungen in einem Vertrag regeln und die Kosten dafür tragen.

Interessenvertretung[Bearbeiten]

Patientenbeteiligung[Bearbeiten]

Die Verordnung zur Beteiligung von Patientinnen und Patienten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (Patientenbeteiligungsverordnung – PatBeteiligungsV) regelt die Interessen der Patientinnen und Patienten und der Selbsthilfe chronisch kranker und behinderter Menschen zur Wahrnehmung der in § 140fVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 2 und 3 SGB V genannten Mitberatungsrechte auf Bundesebene durch im Sinne des § 135Vorlage:§/Wartung/buzer Abs. 1 und § 137cVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 1 des SGB V antragsberechtigte Selbstverwaltungsträger nach § 2Vorlage:§/Wartung/buzer der Patientenbeteiligungsverordnung (PatBeteiligungsV) anerkannter Organisationen, wie beispielsweise

  1. der Deutscher Behindertenrat,
  2. die Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen,
  3. die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe und
  4. der Verbraucherzentrale Bundesverband

zur Mitwirkung bei den in § 140fVorlage:§/Wartung/buzer Absatz 2 Satz 5 SGB V bezeichneten Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entwickelt die Richtlinien und Beschlüsse zur Qualitätssicherung in der Medizin.

Konsolidierung der Finanzplanung von Krankenhäusern[Bearbeiten]

Qualitätssicherung und Einrichtungsübergreifende Fehlermeldesysteme[Bearbeiten]

Im Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflegesätze (Krankenhausfinanzierungsgesetz – KHG) wird im 3. Abschnitt in den Vorschriften über Krankenhauspflegesätze in § 17bVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 1 Satz 5 im Rahmen der Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für DRG-Krankenhäuser für die Beteiligung der Krankenhäuser an Maßnahmen zur Qualitätssicherung auf der Grundlage des § 137Vorlage:§/Wartung/buzer (SGB V) und die Beteiligung ganzer Krankenhäuser oder wesentlicher Teile der Einrichtungen an einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen, sofern diese den Festlegungen des Gemeinsamen Bundesausschusses nach § 137Vorlage:§/Wartung/buzer Absatz 1d Satz 3 (SGB V) entsprechen, die Vereinbarung von Zuschlägen festgeschrieben.

Die Schaffung finanzieller Anreize, zum Beispiel im Rahmen von Qualitätszuschlägen, soll die betriebliche Einführung von Risikomanagement- und Fehlermelde- und -vermeidungssystemen, aber auch die Akzeptanz eines solchen Risiko- und Fehlermanagements unter den betroffenen Berufsgruppen und deren Mitwirkung fördern.

Arzthaftpflichtversicherung[Bearbeiten]

Artikel 4c des Patientenrechtegesetzes fügt in § 6Vorlage:§/Wartung/buzer Abs. 1 Nr. 5 der Bundesärzteordnung (BÄO) die Ermächtigungsgrundlage ein, bei einem Arzt oder einem Zahnarzt das Ruhen der Approbation anzuordnen, wenn der Arzt trotz entsprechender Verpflichtung keine oder nur eine unzureichende Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Bei ruhender Approbation darf der Arzt seinen Beruf nicht ausüben. Dadurch soll verhindert werden, dass Patienten an einen nicht oder nicht ausreichend versicherten Arzt geraten, gegenüber dem sie einen eventuellen Schadensersatzanspruch nicht realisieren können.

Nicht aufgenommen[Bearbeiten]

Nicht ins Patientenrechtegesetz aufgenommen wurden unter anderem Regelungen

  • zur Schaffung einer Behandlungspflicht für Vertrags(zahn)ärzte gegenüber PKV-Versicherten im Basis- und Standardtarif,
  • zur Pflicht zur Ausstellung eines Patientenbriefes nach jedem ärztlichen Eingriff,
  • zur routinemäßigen Aushändigung einer Patientenquittung,
  • zur verschuldensunabhängigen Haftung bei Behandlungsfehlern,
  • zur Etablierung eines Patientenentschädigungsfonds,
  • zur Einführung eines nationalen Fehlermelderegisters sowie
  • zur verpflichtend 24-stündigen Bedenkzeit vor Erbringung von IGel-Leistungen.

Kritik[Bearbeiten]

Auf dem Richter- und Staatsanwaltstag 2014 in Weimar wurde das Patientenrechtegesetz kontrovers diskutiert.[7] Es sei politisch motiviert und publikumswirksam. Die neu eingeführte Pflicht zur Fehleroffenbarung leiste einer „Misstrauenskultur“ Vorschub. Andererseits wurde eine noch stärkere Nutzung evidenzbasierter Instrumente gefordert. Wie jeder andere Bereich habe sich auch die Medizin einer Außenkontrolle zu unterwerfen. Durch die „Überdosierung des Rechts“ bestehe jedoch die Gefahr, dass Ärzte zur Risikominimierung und Vermeidung von Haftungsklagen entweder sinnvolle Behandlungen unterlassen – oder sich mit Überdiagnostik absichern. In jüngster Zeit habe die Betonung der Patientenrechte eine Gesetzesinflation mit der Konsequenz einer Defensivmedizin ausgelöst.

Es wurde zwischen drei Arten des „Leidens am Recht“ unterschieden: Wenn das Recht etwas vorschreibe, das der Arzt für medizinisch unsinnig halte, wenn er etwas Sinnvolles nicht tun könne und wenn er etwas Sinnvolles unter ungünstigen Rahmenbedingungen leisten müsse.

Die Aufklärungspflichten sollten beschränkt werden, da man inzwischen über Risiken aufklären muss, die mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Promille eintreten.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten vom 20. Februar 2013 (BGBl. I S. 277) (PDF; 83,6 KB). Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2013.
  2. Pressemitteilung Startschuss für das neue Patientenrechtegesetz und die Neuregelungen zur ärztlichen Zwangsbehandlung des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) vom 26. Februar 2013 (mit weiteren Hinweisen und Links). Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2013.
  3. Die Person, Wolfgang Zöller (Version vom 27. Oktober 2013 im Internet Archive) Webpräsenz des, im Zeitraum von November 2009 bis Oktober 2013 amtierenden, ehemaligen Patientenbeauftragten.
  4. Grundlagenpapier Patientenrechte in Deutschland (PDF; 110,8 KB). Zuletzt abgerufen am 14. Juli 2013.
  5. Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 15. August 2012, Bundestags-Drucksache 17/10488, Seite 21 (PDF; 1,1 MB). Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2013.
  6. Zitat der Begründung aus dem Gesetzentwurf, Bundestags-Drucksache 17/10488, Seite 33 (PDF; 1,06 MB). Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2013.
  7. Das Leiden der Ärzte am Recht – Rechnen und Dokumentieren statt Heilen und Helfen?, 21. Deutscher Richter- und Staatsanwaltstag 2014. Zuletzt abgerufen am 9. April 2014.
  8. R. Büssow, Wie Gesetze zur Defensivmedizin führen, Ärztezeitung, 7. April 2014. Zuletzt abgerufen am 9. April 2014.
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