Patriarch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Patriarch als Kirchenoberhaupt, weitere Bedeutungen unter Patriarch (Begriffsklärung)

Ein Patriarch ist in vorreformatorischen Kirchen ein höchstrangiger Bischof mit alleiniger Jurisdiktionshoheit über ein Patriarchat.

Patriarchen gibt es in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen sowie in der Römisch-katholischen Kirche, sie stehen an der Spitze der kirchlichen Hierarchie über dem Großerzbischof. Unter Patriarchen gibt es keine hierarchische Reihenfolge, sondern allenfalls protokollarische Ehrenvorränge. Ein Patriarch kann traditionell in seinem Gebiet patriarchale Synoden abhalten, Bischöfe und andere Ordinarien ernennen, Bistümer und Bistumsgrenzen festlegen, Kirchengesetze aufstellen und Kirchenrecht auslegen.

Die offizielle Anrede der Patriarchen lautet Seine Heiligkeit oder persönlich Eure Heiligkeit. In manchen Kirchen wird anstatt oder zusätzlich zu „Patriarch“ der Titel Katholikos benutzt, der im Wesentlichen dem eines Patriarchen entspricht. Die kirchliche Verwaltungseinheit heißt dementsprechend Katholikat. Ein Titularpatriarch hat wie ein Titularbischof keine faktische patriarchale Jurisdiktion und trägt nur den Titel eines Patriarchen.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Das Wort stammt vom griechischen πατριάρχης patriarches „Stammvater eines Geschlechts“, „Urvater“[1] (aus πατήρ patér „Vater“ und ἄρχων archon „Herrscher, Gebieter“[2], zurückgehend auf αρχή arché „Spitze/Anfang einer von Männern (Vätern) dominierten Gemeinschaft“, vergl. -archie; später übertragen auf „Führer“), siehe auch Patriarchat. Im Neugriechischem bedeutet αρχη „Beginn, Start“, im Altgriechischen „Anfang, Anfangspunkt, Regierung, Oberbefehl“[3]. Die griechische Bezeichnung wird in der Septuaginta in der Bedeutung von Erzvater verwendet.

Orthodoxe Kirchen[Bearbeiten]

Porträt des Patriarchen von Jerusalem Damianus (1897–1931); Damianus ist mit den zwei höchsten Auszeichnungen des Osmanischen Reiches zu sehen, dem Mecidî Nişanı und dem Osmanî Nişanı, beide Auszeichnungen erhielt Damianus von Sultan Abdülhamid II. verliehen.

Orthodoxe Patriarchen stehen an der Spitze der vier verbleibenden spätantiken (altkirchlichen) Patriarchate (Konstantinopel, Antiochien, Alexandrien, Jerusalem) und einiger der großen orthodoxen Landeskirchen (das heißt der Serbischen, Russischen, Bulgarischen und Rumänischen Orthodoxen Kirche). Die anderen orthodoxen Kirchen haben Metropoliten oder Erzbischöfe als Oberhäupter.

Die griechisch-orthodoxen Patriarchen sehen ihre Kirchen als Teil der Einen Katholischen und Apostolischen Kirche, der Orthodoxen Kirche, mit dem Ökumenischen Patriarchen als Ehrenoberhaupt. Weitere autonome Kirchen unterstehen einem der folgenden Patriarchen, die ein Mitspracherecht bei der Besetzung des jeweiligen Kirchenoberhauptes haben:

Die Ukrainische Kirche Kiewer Patriarchats hat sich von der Jurisdiktionsgewalt des Moskauer Patriarchats abgespalten und beansprucht Autokephalie, und ihr Oberhaupt den Patriarchentitel. Diese Abspaltung gilt als nicht kanonisch, das heißt ungültig, da nicht vom Moskauer Patriarchat autorisiert.

  • Filaret II., Patriarch von Kiew und der gesamten Rus-Ukraine, seit 1991 (im Gegensatz zum Metropoliten von Kiew der kanonischen Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats).

Die gleiche Stellung wie ein Patriarch – nicht dem Namen nach – haben Kirchenoberhäupter anderer Kirchentitel, die einer autokephalen orthodoxen Kirche vorstehen, siehe Orthodoxe Kirche.

Altorientalische Kirchen[Bearbeiten]

Die Kirchen der Altorientalischen Patriarchen erkennen das Konzil von Chalcedon nicht an. Folgende Patriarchen und Katholikoi stehen Kirchen vor, die autokephal sind oder sich als solche betrachten:

Einige Kirchenoberhäupter tragen den Titel Katholikos zusätzlich oder anstelle eines Patriarchentitels. Bei der Armeniern gehen die Katholikoi den Patriarchen voran.

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten]

Wappen eines katholischen Patriarchen, ein Galero mit 30 Quasten. Ist der Patriarch ein Kardinal, so ist der Galero rot

Das altkirchliche Patriarchat der Westkirche in Rom ist heute Papstsitz und der Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Den von den Päpsten seit dem 5. Jahrhundert getragenen Titel als Patriarch des Abendlandes (oder Patriarch des Okzidents) führen die Päpste seit 2006 unter Benedikt XVI. nicht mehr[4][5]. Sie stehen dennoch weiterhin der in altkirchlicher Tradition als Patriarch der Westkirche.

In der römisch-katholischen Kirche gibt es zehn Patriarchen, vier lateinische und sechs in den Katholischen Ostkirchen. Mit dem Papst haben acht Patriarchen eine eigene Jurisdiktion, während drei lateinische Patriarchen keine eigene Jurisdiktion besitzen. Das Griechisch-melkitische Patriarchat gliedert sich auf in drei Patriarchalsitze, die aber von einem Patriarchen geführt werden.

Die Jurisdiktionsgewalt des Papstes über die gesamte Weltkirche einschließlich der anderen Patriarchate beruht nicht auf der patriarchalen Jurisdiktion sondern auf dem Jurisdiktionsprimat. Die Patriarchen der römisch-katholischen Kirche benötigen teilweise die Bestätigung bestimmter Rechtshandlungen durch den Papst.

Eine vergleichbare Stellung, aber keine patriarchale Jurisdiktion besitzen die Großerzbischöfe. Sie sind Oberhäupter katholischer Ostkirchen, die nicht zu den altkirchlichen Patriarchaten oder Katholikaten zählen, oder aus Gründen der Ökumene mit anderen Kirchen keinen Patriarchentitel führen. Bei Großerzbischöfen muss der Papst die Wahl bestätigen, bevor der Erwählte inthronisiert und sein Amt antreten kann.[6] Für Patriarchen ist eine Bestätigung der Wahl nicht erforderlich. Der neugewählte Patriarch bittet den Papst lediglich schriftlich um die sogenannte Ecclesiastica Communio.[7]

Lateinische Kirche

Innerhalb der lateinischen Kirche gibt es zurzeit vier Patriarchen. Drei von ihnen stehen Diözesen mit Patriarchalsitz vor, einer steht als Erzbischof einem Erzbistum vor.

Katholische Ostkirchen

Andere Kirchen[Bearbeiten]

Auch die Oberhäupter der Katholisch-Apostolischen Kirche Brasiliens und Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche werden als Patriarchen bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Annuario pontificio. per l'anno 2007. ZDB-ID 370-0 (Päpstliches Jahrbuch).
  • Niccolò Del Re (Hrsg.): Vatikan-Lexikon. Lizenzausgabe. Pattloch, Augsburg 1998, ISBN 3-629-00815-1.
  • Orthodoxia. Jg. 2007, ZDB-ID 585333-3 (Jahrbuch für die Orthodoxie).
  • Steyler Missionswissenschaftliches Institut (Hrsg.): Atlas Hierarchicus. Descriptio geographica et statistica insuper notae historicae Ecclesiae Catholicae. 5. editio elaboravit. St. Gabriel-Verlag, Wien 1992, ISBN 3-85264-399-6 (Jurisdiktionsbezirke, Statistik).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Pape, Griechisch-deutsches Handwörterbuch, Graz 1954. Band 2, S. 535
  2. W. Pape, Griechisch-deutsches Handwörterbuch, Graz 1954. Band 1, S. 367
  3. W. Pape, Griechisch-deutsches Handwörterbuch, Graz 1954. Band 1, S. 365
  4. Papst Benedikt XVI verzichtet auf Titel "Patriarch des Abendlandes" auf kath.net.de
  5. Titel der Päpste auf der Seite katholisch.de
  6. Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium: Can. 153
  7. Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium: Can. 76