Patrick J. Michaels

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Patrick J. Michaels

Patrick J. Michaels (* 15. Februar 1950) ist ein US-amerikanischer Agrarklimatologe.[1] Er ist Emeritus im Bereich Umweltwissenschaften der University of Virginia und war bis 2019 Senior Fellow am Cato Institute.[2] Er zählt zu den wenigen Klimaleugnern, die in Bezug auf ihre akademische Ausbildung eine echte Fachkenntnis in der Klimaforschung aufweisen können.[3] Zugleich gilt er als einer der aktivsten klima"skeptischen" Wissenschaftler (Contrarians), die den menschengemachten Klimawandel bestreiten.[4]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michaels war Präsident der American Association of State Climatologists und Leiter des Komitees für Angewandte Klimatologie der American Meteorological Society. Er ist ehemaliger Koautor und Reviewer der Sachverstandsberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change[5]. Michaels studierte Biologie und Pflanzenökologie an der University of Chicago und promovierte 1979 in ökologischer Klimatologie an der University of Wisconsin–Madison.

Er hat zu dem Thema neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen eine Reihe von populärwissenschaftlichen Büchern veröffentlicht und ist regelmäßig in den amerikanischen Massenmedien präsent. Der von ihm mitverfasste World Climate Report wird von der Greening Earth Society, einer Klimaleugnerorganisation herausgegeben, die wiederum von dem Kohleproduzentenverband Western Fuels Association gegründet wurde.[6] Er war ebenfalls einer der wissenschaftlichen Sprecher des Information Council on the Environment, einer weiteren von der Kohlebranche aufgelegten Klimaleugnerorganisation, deren zentrales Ziel es war, die globale Erwärmung vom Fakt zur bloßen Theorie umzudeuten. Für das ICE trat er unter anderem auch in Fernseh- und Radiosendungen auf und legte dabei den Zuhörern nahe, dass niemand wüsste, ob die globale Erwärmung ein Problem sei.[7] Michaels ist ebenso Mitglied der CO2 Coalition[8], einer u. a. vom Kohlekonzern Peabody Energy finanzierten Klimaleugnerorganisation, die behauptet, dass die Menschen mehr vom Treibhausgas Kohlendioxid freisetzen sollten.

Michaels erhält spätestens seit Mitte der 1990er Jahre Forschungsgelder aus der Fossilenergiebranche in fünf bis sechsstelliger Höhe und agierte häufig als Sprachrohr der Kohleindustrie.[9] Es bestehen ebenfalls finanzielle Verbindungen zur Ölindustrie: Nach eigenen Angaben machte der Anteil an Forschungsgeldern, der aus der Ölbranche kam, in der Vergangenheit ca. 40 % seiner gesamten Forschungsfinanzierung aus.[10] Michaels wurden darüber hinaus Verbindungen zu mindestens 11 von ExxonMobil finanzierten Organisationen nachgewiesen, darunter das Cato Institute, das Committee for a Constructive Tomorrow, das Competitive Enterprise Institute, das George C. Marshall Institute und das Heartland Institute.[11]

Kritikern zufolge ist die "Klimaskepsis" für Michaels ein „durchaus lukratives Geschäft“ geworden.[12] Unter anderem erhielt er 100.000 Dollar von der Intermountain Rural Electric Association, um den menschlichen Anteil an der globalen Erwärmung herunterzuspielen und die Öffentlichkeit hinsichtlich ihres Verständnisses zur menschengemachten Erderwärmung zu verwirren.[13] Eine weitere seiner Studien wurde mit 98.000 Dollar vom Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus mitfinanziert.[12]

1998 attackierte Michaels bei einer Aussage vor dem US-Kongress den Klimaforscher James E. Hansen. Hierbei setzte Michaels auf die Technik des Rosinenpickens. Hansen hatte 1988 bei einer Aussage vor dem US-Kongress drei verschiedene Projektionen für die weltweite Temperaturentwicklung erstellt, die jeweils auf unterschiedlichen Annahmen für den weltweiten Kohlenstoffdioxidausstoß beruhten. Ein Emissionsszenario basierte auf einem exponentiellen Wachstum der Emissionen, eines auf einem Business-as-Usual-Szenario und eines ging von einem vollständigen Emissionsstop im Jahr 2000 aus. 10 Jahre später führte Michaels nur die extremste von Hansens Projektionen an, ignorierte die beiden anderen vollständig und behauptete anschließend, dass sich Hansen um 300 % geirrt habe. Tatsächlich hatte Hansen nur das mittlere Emissionsszenario in seiner Rede verwendet, das der tatsächlichen Temperaturentwicklung sehr nahe kam.[14]

Publikationen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naomi Oreskes, Erik M. Conway, Die Machiavellis der Wissenschaft. Das Netzwerk des Leugnens. Wiley-VCH, Weinheim 2014, S. 165.
  2. Scott Waldman: U.S. think tank shuts down prominent center that challenged climate science. In: Science – E&E News. 29. Mai 2019, abgerufen am 9. Juni 2019.
  3. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. 151.
  4. Aaron McCright, Dealing with climate change contrarians, in: Susanne C. Moser, Lisa Dilling (Hrsg.) Creating a Climate for Change. Communicating Climate Change and Facilitating Social Change. Cambridge University Press 2007, 200–212, S. 200 und insb. Fußnote 2.
  5. http://www.cato.org/people/patrick-michaels
  6. Richard Caputo, Frank Kreith: "Hitting the wall: a vision of a secure energy future(Synthesis Lectures on Energy and the Environment: Technology, Science, and Society). Morgan & Claypool Publishers, 2009, ISBN 1598293346, S. 216.
  7. Naomi Oreskes: My facts are better than your facts, in: Peter Howlett, Mary S. Morgan (Hrsg.), How Well Do Facts Travel? The Dissemination of Reliable Knowledge. Cambridge University Press 2011, 136–166, insb. S. 142.
  8. CO2 Coalition About. Website der CO2 Coalition. Abgerufen am 19. September 2019.
  9. James Hoggan, Richard Littlemore: Climate Cover-Up: The Crusade to Deny Global Warming. Greystone Books 2009, S. 105f.
  10. US Senators detail a climate science "web of denial" but the impacts go well beyond their borders . In: The Guardian, 12. Juli 2016. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  11. Union of Concerned Scientists: Smoke, Mirrors & Hot Air. How ExxonMobil Uses Big Tobacco’s Tactics to Manufacture Uncertainty on Climate Science. Januar 2007, abgerufen am 14. Juli 2019.
  12. a b Cordula Meyer: Lobbyisten: Die Wissenschaft als Feind, in: Spiegel Online, 4. Oktober 2010
  13. Maxwell T. Boykoff: Public Enemy No. 1? Understanding Media Representations of Outlier Views on Climate Change. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 796– 817, doi:10.1177/0002764213476846.
  14. James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 80f und 171f.