Patrick Moore (Publizist)

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Patrick Moore (2012)

Patrick Moore (* 1947 in Winter Harbour, British Columbia, Kanada) ist ein kanadischer Publizist und Umweltaktivist. Er war Gründungsmitglied von Greenpeace und bis 1986 Präsident von Greenpeace Kanada. 1991 gründete er das PR-Unternehmen Greenspirit, dessen Vorsitz er innehat. Tätig war Moore daneben unter anderem für das Holzunternehmen Asia Pulp & Paper. Er gehört heute zu den bekanntesten Kritikern der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Jugend und Zeit als Greenpeace-Aktivist[Bearbeiten]

Moore wurde 1947 in Winter Harbour geboren, einem Dorf in der kanadischen Provinz British Columbia. Er begann an der University of British Columbia Biologie, Forstwissenschaft und Genetik zu studieren. Von 1969 bis 1972 erhielt er ein Stipendium von der Ford Foundation. In den späten 1960er Jahren wurde er ein radikaler Umweltaktivist und gründete 1971 mit Gleichgesinnten die Umweltschutzorganisation Greenpeace, um gegen Wasserstoffbombentests in Alaska zu protestieren. 1974 erlangte er den Titel Doctor of Philosophy in Ökologie. 1977 wurde Moore Präsident der Greenpeace Foundation. Es kam zu Rechtsstreitigkeiten während dieser Zeit, welche Organisationen sich Greenpeace nennen dürfen und welche nicht. 1979 wurde daraufhin Greenpeace International gegründet. Moore blieb bis 1986 Präsident von Greenpeace Kanada (Nachfolger von Greenpeace Foundation) und wurde bis dahin auch Direktor bei Greenpeace International.[1] In dieser Zeit wurde er zu einem der wahrnehmbarsten Greenpeace-Fürsprecher und führte mehrere bekannte Kampagnen.[2]

Distanzierung von Greenpeace[Bearbeiten]

In seiner Zusammenarbeit mit der Politik, um seine Vorstellungen von Umweltschutz durchzuführen, kam er zunehmend in Konflikt mit Greenpeace und anderen Umweltschutzorganisationen. 1986 verließ er die Organisation. Als Begründung gab er später an, dass in den 1980ern Extremisten die Organisation übernommen hätten. Laut Tamara Stark von Greenpeace war sein Verlassen nicht unbedingt seine eigene Entscheidung.[3] Während ihm von Seiten der Umweltaktivisten Verrat vorgeworfen wurde, kritisierte Moore die ideologischen Vorstellungen der Greenpeace-Mitglieder, die aufgrund ihrer Protesthaltung zu keinen Kompromissen bereit seien. Nach seinem Ausstieg von 1986 sei die Organisation zu einer Gruppe wissenschaftlicher Analphabeten verkommen.[3]

Moore hat sich seitdem weiterhin als Umweltschützer verstanden und bekräftigte die Kritik in späteren Schriften, z. B. in seinem Buch Confessions of a Greenpeace Dropout: The Making of a Sensible Environmentalist.[4] Er sieht eine Hinwendung der Umweltbewegung zu politischem und sozialem Aktivismus. Zudem würden Kapitalismus- und Globalisierungskritik zunehmend an Bedeutung gewinnen und naturwissenschaftliche oder ökologische Betrachtungen vernachlässigt. Dies führe beispielsweise zur Ablehnung von Forstwirtschaft, Grüne Gentechnik oder Aquakultur trotz erkennbarer Vorteile für Umweltschutz bzw. Hungerbekämpfung und sei fortschrittsfeindlich. Auch wird Armut idealisiere und als noble Lebensführung dargestellt.[5]

Anschließende Aktivitäten und Ansichten[Bearbeiten]

Nach der Greenpeace-Zeit gründete er das Aquakultur-Unternehmen Quatsino Seafarms, welches er 1991 nach sinkenden Lachspreisen aufgab.[2] 1991 gründete Moore Greenspirit, ein PR-Unternehmen zum Thema Umweltschutz, dessen Vorsitz er innehat. Seit 2006 ist er zusammen mit Christine Todd Whitman als Vorsitzender der Clean and Safe Energy Coalition von Energieunternehmen tätig, einer Organisation die sich für die Kernenergie einsetzt.[6] 2010 wurde er als Repräsentant des indonesischen Holzunternehmens Asia Pulp & Paper engagiert.[2] Außerdem ist er Direktor von NextEnergy Solutions, einem Unternehmen, das Anlagen zur Nutzung der Geothermie verkauft.

Moore hat neben den Greenspirit-Publikationen für mehrere Medien Artikel verfasst und Interviews gegeben. Er spricht sich für ein Ausweiten der Forstwirtschaft und das vermehrte Einsetzen von Holz als Baumaterial aus.[6] Außerdem empfiehlt er den vermehrten Einsatz von Geothermie. Moore empfahl Deutschland, die Kernkraftwerke länger laufen zu lassen und weitere zu bauen. Nur so könne das CO2-Ziel erreicht werden.[7]

In der Ablehnung der Gentechnik sieht er keinen Vorteil für Mensch und Umwelt und empfiehlt den Einsatz von Golden Rice, um den Tod von Kindern durch Vitamin-A-Mangel zu verhindern.[8] Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der WHO über die wahrscheinliche Krebsgefahr durch Glyphosat[9] in Monsantos Produkt Roundup trat Moore an die Medien mit der Aussage, dass Glyphosat völlig unbedenklich sei und man es gefahrlos trinken könnte. Als der Interviewer ihm ein Glas mit Glyphosat anbot, erwiderte Moore er sei doch kein Idiot und brach das Interview ab.[10][11]

Bücher (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patrick Moore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibung der Laufbahn Moores auf Beatty Street Publishing Inc. (2010, englisch)
  2. a b c George Monbiot: Why is a former Greenpeace activist siding with Indonesia’s logging industry? The Guardian, 2. Dezember 2010 (Blog, englisch)
  3. a b Moores Lobbying-Aktivitäten auf lobbywatch.org (englisch)
  4. Patrick Moore: Confessions of a Greenpeace founder, The Vancouver Sun, 7. Januar 2011 (Webarchiv, englisch)
  5. Jonathan Gressel: Patrick Moore, Confessions of a Greenpeace dropout: the making of a sensible environmentalist. Food Security 3, 2011, S. 269–271 (englisch)
  6. a b Matthew L. Wald: Ex-Environmental Leaders Tout Nuclear Energy, The New York Times, 25. April 2006
  7. Henning Krumrey: „Nicht alles mit Atom ist des Teufels“, Focus, 24. November 2008
  8. http://www.focus.de/digital/multimedia/forschung-und-technik-medizin-der-reis-der-leben-rettet_aid_1127630.html
  9. Höhere Krebsgefahr durch weltweit verwendetes Pestizid, SZ, 24. März 2015
  10. Lobbyist claims Monsanto weed killer is safe to drink, then bolts when TV host offers him a glass, Rawstory, 26. März 2015
  11. Watch a GMO Advocate Claim a Weed Killer Is Safe to Drink but Then Refuse to Drink It, Time, 27. März 2015