Paul Ben-Haim

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Paul Ben-Haim

Paul Ben-Chaim (hebräisch פאול בן חיים,  auch Ben-Haim, geboren als Paul Frankenburger; geboren 5. Juli 1897 in München; gestorben 14. Januar[1] 1984 in Tel Aviv) war ein israelischer Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ben-Haim mit seiner Frau und Max Brod

Paul Frankenburger war der Sohn des Juristen Heinrich Frankenburger (1856–1938). Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München[1] studierte er von 1915 bis 1920 an der Akademie der Tonkunst in München bei Friedrich Klose und Walter Courvoisier (Komposition) sowie Berthold Kellermann (Klavier) und war dann Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. Von 1924 bis 1931 war er Kapellmeister in Augsburg. 1933 emigrierte er aus Deutschland und lebte seitdem als Komponist und Dirigent in Tel Aviv. In Palästina nannte er sich dann Paul Ben-Haim. [2] Zu seinen Schülern zählen Tzvi Avni, Ben-Zion Orgad, Ami Maayani und Noam Sheriff.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu seiner Emigration nach Palästina komponierte Ben-Haim über 80 Lieder im romantischen Stil von Schubert, Brahms, Hugo Wolf und Gustav Mahler sowie Kammermusik und Chorwerke. [3]

In Palästina erkannte Ben-Haim für sich, dass sein an der deutschen Romantik orientierter Kompositionsstil in der neuen Zeit und Umgebung kaum angebracht und wohl auch wenig gefragt ist, so dass seine Musik gänzlich anders wird als die von Paul Frankenburger. Während er in Deutschland Texte von Goethe, Eduard Mörike, Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff oder Hugo von Hofmannsthal vertont hatte, bildeten in Palästina sephardische Melodien, biblische Texte und Gedichte zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller wie Leah Goldberg, Chaim Nachman Bialik oder Saul Tschernichowski die Grundlage seiner Kompositionen. [4][5] Durch seine Zusammenarbeit mit der Sängerin Braha Zefira lernte er jüdische und arabische Lieder kennen, deren Melodik und Rhythmik seine Kompositionen beeinflussten. Das 1937 komponierte Streichquartett op. 21 ist sein erstes in Palästina entstandenes Werk und wurde rasch eines der populärsten in Israel entstandenen Kammermusikwerke. [6] Stilistisch orientiert sich Ben-Haim hier nicht (wie z. B. in seinem ersten Streichquintett von 1919) an deutschen Vorbildern wie Max Reger oder Richard Strauss, sondern an französischen Impressionisten wie Claude Debussy oder Maurice Ravel. [7]

Ben-Haim komponierte zwei Sinfonien (1940 und 1945), ein Klavier-, ein Violin- und ein Cellokonzert und weitere Orchesterwerke, eine Sonate für Mandolinen, Gitarre, Cembalo, Harfe und Streichorchester, Violinsonaten, Chöre, Oratorien (Joram, 1933, Text von Rudolf Borchardt), liturgische Werke und Lieder.

Das Oratorium Joram wurde im April 2012 zum ersten Mal in Israel in einer ungekürzten Originalfassung aufgeführt. Das Israel Philharmonic Orchestra und der Münchner MotettenChor unter der Leitung von Hayko Siemens gestalteten die Aufführung im Smolarz-Auditorium der Universität Tel Aviv.[8]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der Wertach in Augsburg verläuft der Paul-Ben-Haim-Weg

Ben-Haim erhielt für seine Werke Ne'im Zmirot Israel für Orchester, Harfe und Cembalo sowie The Sweet Psalmist of Israel 1953 und 1957 den Israel-Preis. 1972 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Die Stadt Augsburg ehrte den bis zu seiner Entlassung im Jahre 1931 am Stadttheater tätigen Komponisten im Jahr 2010 mit der Fußwegbenennung „Paul-Ben-Haim-Weg“. Der Weg führt im Stadtteil Oberhausen an der Wertach entlang.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul Ben-Haim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresbericht vom K. Wilhelms-Gymnasium zu München. ZDB-ID 12448436, 1914/15
  2. Anm.: Haim ist die hebräische Form des Namens seines Vaters Heinrich Frankenburger. Ben bedeutet Sohn. Paul Ben-Haim heißt also Paul, Sohn des Heinrich.
  3. Liran Gurkiewicz: Paul Ben-Haim - The Oratorio Koram and the Jewish Identity
  4. Boris Fernbacher: Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte, 2018, ISBN 978-3-7460-2430-1, S. 389
  5. Yoel Greenberg: „Drawn Up out of a Mute Wellspring“ - The Revival of Paul Ben -Haim’s Early String Quintet (1919); in Israel Studies in Musicology Online, IX, 2011, S. 25 und 26
  6. Boris Fernbacher: Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte, 2018, ISBN 978-3-7460-2430-1, S. 389 und 391
  7. Jehoash Hirshberg: Paul Ben-Haim - His Life and Works, Israeli Music Institute, Jerusalem, 2005, ISBN 978-9652590022, S. 30
  8. Die lange Reise des Joram in: FAZ vom 7. April 2012 Seite 33
  9. Augsburger Allgemeine vom 2. Juli 2010: Ein Weg erinnert an Paul Ben Haim